Frisch unter Schutz: Das Schullandheim Mönchhof

„Es freut uns noch heute, dass wir uns über die Klischees der damaligen Auffassungen hinweggesetzt haben“, so blickten Kammerer + Belz 1986 auf eines ihrer unbekannteren Werke zurück. 22 Jahre zuvor hatte das Stuttgarter Architekturbüro den Wettbewerb für das Schullandheim in Kaisersbach-Mönchhof gewonnen. Das damals noch junge Team (später Kammerer + Belz(, Kucher) und Partner) machte sich in der Folge einen Namen – u. a. mit dem Geno-Hochhaus (1972), der Calwer Passage (1978) oder dem Technischen Zentrum der Dresdener Bank (1993), alle in Stuttgart. In Kaiserbach-Mönchhof gestalteten sie das Schullandheim von 1966 bis 1967 gemeinsam mit dem Stuttgarter Landschaftsarchitekten Hans Luz. Unter tief heruntergezogenen Dächern verbinden die Häuser bis heute Ziegel, Beton und Holz. Moderne Architektur fügt sich harmonisch in eine gewachsene Kulturlandschaft.

Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)

Das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart hat das Landschulheim Mönchhof nun unter Schutz gestellt. Und nicht nur Moderne-Fans klatschen Beifall. Auch der Landkreis, dem das Schullandheim bis heute gehört, zeigt sich in der Presseerklärung des Denkmalamts stolz auf sein bauliches Erbe. Erst 2016 habe man behutsam eine energetische Sanierung durchgeführt. Mit der Gründung einer Stiftung für Bildung und Gesundheit und einer Bewerbung beim Landesförderprogramm Freiräume habe man nun erste Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Im Herbst diesen Jahres wird der Kreistag über konkrete Zukunftsideen beraten. (kb, 15.9.20)

Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)
Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)
Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)
Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)
Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)
Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)

Alle Abbildungen: Kaisersbach-Mönchhof, Schullandheim (Bild: Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart)

Zwölf Kirchen

Die modernen Kirchen eines ganzen Bundeslands in einer Ausstellung? Check! In Baden-Württemberg hat sich das Landesamt für Denkmalpflege mit den Bistümern, Landeskirchen und Gemeinden – unterstützt von der Wüstenrot Stiftung – zum Projekt „Zwölf Kirchen“ zusammengetan. Ausgewählt wurde ein erlesenes Dutzend aus rund 1.600 Kirchen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Baden-Württemberg errichtet wurden (davon knapp 1.000 zwischen 1960 und 1979, davon rund 150 unter Denkmalschutz). Das begleitende Arbeitsheft „Gotteszelt und Großskulptur“, das sich zugleich als Katalog versteht, bietet einen Rundumblick über die Kirchenlandschaft zwischen 1945 und 1980.

Vor Ort sollen die Kirchen jeweils einzeln für einen Monat in Szene gesetzt werden: die Kapelle auf der Blumenau in Mannheim, das Ev. Gemeindezentrum in Stuttgart-Sonnenberg, die Klosterkirche St. Vinzenz in Untermarchtal, die Versöhnungskirche in Ulm-Wiblingen, die Versöhnungskirche in Leonberg-Ramtel, St. Verena in Meckenbeuren-Kehlen, St. Albert in Freiburg-Betzenhausen, die Johanneskirche in Bad Dürrheim, St. Johannes Baptista in Karlsruhe-Durlach (Aue), St. Josef in Stuttgart-Heslach, die Pfingstbergkirche in Mannheim-Rheinau und St. Konrad in Villingen-Schwenningen (Villingen). Die Aktion startet mit der ersten Vernissage am 28. Juni 2019, das detaillierte Programm (und ab Ausstellungsbeginn auch ausführliche Kirchenporträts) können online auf der Projekthomepage eingesehen werden. (kb, 7.4.19)

Banner der Ausstellung (Bild: zwoelf-kirchen.de)

Stuttgart: 130 Jahre Häuslebau

Schaffe, schaffe, Häusle baue – dass dieses schwäbische Motto kein reines Klischee ist und durchaus mit guter Architektur vwerbunden werden kann, zeigt die jüngst erschienene Monografie „WohnOrte²“. Das Buch versammelt 90 Projekte aus 130 Jahren Wohnbaugeschichte in Stuttgart. Es knüpft damit an den 2002 / 2004 erschienenen Vorgänger „WohnOrte“ an. Anlass für die Fortsetzung sind  das 90-jährige Jubiläum der Weißenhofsiedlung im Jahr 2017, die Aufnahme von Le Corbusiers Beitrag in die Welterbe-Liste der UNESCO 2016 sowie die Überlegungen zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadt-Region Stuttgart, die für das Jahr 2027 geplant ist.

Prominentester Vertreter des Stuttgarter Wohnungsbaus ist natürlich die legendäre Weißenhofsiedlung, die auch das Cover des Buches ziert. 1927 realisierten hier Architekten aus aller Welt Prototypen für den Wohnungsbau der Zukunft realisierten. Doch auch andere Projekte zeugen von der Vielseitigkeit der Stuttgarter Wohnarchitektur, so zum Beispiel das Eisenbahnerdörfle, die Wohntürme Romeo und Julia von Hans Scharoun oder die Fasanenhofsiedlung. (jr, 27.8.18)

Simon-Philipp, Christina (Hg.), WohnOrte². 90 Wohnquartiere in Stuttgart von 1890 bis 2017. Entwicklungen und Perspektiven, Karl Krämer Verlag Stuttgart 2017, ISBN 978-3-7828-1325-9.

Scharoun, Hochhäuser Romeo und Julia, Stuttgart (Bild: pjt, CC BY SA 3.0)