Heidelberg: Wasserturm wird ausgezeichnet

In Baden-Württemberg scheint die Eisenbahnmoderne gerade Konjunktur zu haben. Nicht nur, dass in Stuttgart eine mR-Ausstellung über märklinMODERNE im Ländle informiert. Küzlich wurde bekannt, dass in Heidelberg eine Ikone der Eisenbahnarchitektur mit dem Hugo-Häring-Landespreis ausgezeichnet werden soll. Die Rede ist vom Wasserturm des Bahnbetriebswerks, der in den 1920er Jahren erbaut und 2015/16 denkmalgerecht saniert wurde.

1927 wurde in Heidelberg ein neues Bahnbetriebswerk eröffnet. Zu seinem Wahrzeichen avancierte der moderne Wasserturm, der sich auf einem quadratischen Grundriss 30 Meter in die Höhe reckt und mit vier ziffernlosen Chronometern die Uhrzeit in alle Himmelsrichtungen ausstrahlte. Bis in die 1970er Jahre füllte er die Wassertanks passierender Dampflokomotiven, anschließend war er lange eine funktionslose Landmarke. 1989 wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, am Leerstand änderte dies nichts. 2014 kaufte schließlich ihn das  Architekturbüro AAg Loebner Schäfer Weber, um den Turm grundlegend zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Neben dem Sitz des Büros bietet er seitdem auch Platz für eine vielseitige kulturelle Nutzung. Die Jury des Häring-Preises überzeugte besonders die kreative Weiterentwicklung des Baus im Rahmen einer „sensiblen und respektvollen Sanierung des Bestandes“. Wir gratulieren! (jr, 13.7.18)

Wasserturm Heidelberg (Bild: Tankturm Heidelberg, CC BY SA 4.0)

Moscheen im Ländle

Dem nachkriegsmodernen Kirchenbau und seinen Protagonisten widmeten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen und Ausstellungen und auch die Architektur der Synagoge ist kein Nischenthema mehr. Wie steht es aber mit den islamischen Gotteshäusern, die nach 1945 in Deutschland erbaut wurden? Die Ausstellung „Schwäbische Moscheen“ widmet sich diesem Themenkomplex und nimmt speziell Stuttgart und die umliegende Region in den Blick. Sie ist bis zum 18. Januar 2018 im Foyer der UB Stadtmitte (Holzgartenstraße 16, 70174 Stuttgart) zu sehen.

Baden-Württemberg und insbesondere Stuttgart wurden in den wirtschaftlichen Hochzeiten der Bundesrepublik zum Ziel zahlreicher türkischer „Gastarbeiter“, die sich einen wirtschaftlichen Aufstieg versprachen und oftmals dauerhaft in Deutschland blieben. Moschee-Bauten versprechen als öffentlich sichtbare religiöse und kulturelle Standorte Aufschlus über Integration und gesellschaftliches Selbstverständnis. In Schwaben reicht das Spektrum von den allbekannten „Hinterhofmoscheen“ über großzügig umgebaute Gewerbeimmobilien bis zu spektakulären Neubauplanungen. Die Ausstellung versammelt Foschungsergebnisse von Architekturstudenten der Universität Stuttgart, begleitend ist ein von Ulrich Knufinke herausgegebener Sammelband erschienen. (jr, 10.1.18)

Knufinke, Ulrich, Schwäbische Moscheen. Mit Beiträgen von Levent Günes, Klaus Jan Philipp und Katharina Philana Rindtorff, Imhof-Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-7319-0643-8 .

Titelmotiv: Esslingen, Moschee im Bau, 2009 (Bild: Sarang, gemeinfrei)

Beton, Glas und Büffelleder

Raus aus der Schämecke, rein in den Bücherschrank: Das neue Arbeitsheft der baden-württembergischen Landesdenkmalpflege hat sich für den Schritt nach vorne entschieden. Unter dem Titel „Beton, Glas und Büffelleder“ werden denkmalgeschützte Verwaltungsbauten im Regierungsbezirk Stuttgart vorgestellt. In Kurzporträts kommen 14 Kulturdenkmale mit bauzeitlichen Grundrissen und Schnitten sowie aktuellen Fotografien, zu ihrem Recht. Den Schwerpunkt bilden Bauten zum Verwalten, Regieren und Archivieren.

Unter den vorgestellten Bautypen haben vor allem die Rathäuser, die in den wachsenden baden-württembergischen Orten der Nachkriegsjahrzehnte zahlreich entstanden, ihr jeweiliges Stadtbild nachhaltig prägen können. Heute stehen sie vielfach unter Druck: Neu funktionale, energetische und sicherheitstechnische Forderungen scheinen den Denkmalbestand in Frage zu stellen. Nun lässt die Landesdenkmalpflege diese teils bedrohten Bauten von Fachautoren ins rechte Licht rücken – und für ihren denkmalgerechten Erhalt werben. (kb, 15.3.15)

Beton, Glas und Büffelleder. Verwalten in Denkmalen der 1960er und 1970er Jahre im Regierungsbezirk Stuttgart, hg. vom Regierungspräsidium Stuttgart/Landesamt für Denkmalpflege, Theiss-Verlag, Stuttgart 2014, 208 Seiten, 21 x 30 cm, kartoniert, ISBN 978-3-8062-3035-2.

Der Theiss-Verlag widmet sich dem „Verwalten in Denkmalen der 1960er und 1970er Jahre“ (Bild: Theiss-Verlag)