Rettet den Inselbahnhof

Für Generationen von Urlaubern hatte die Sehnsucht ein Ziel: den Bahnhof der ostfriesischen Insel Juist. Die Züge sind schon seit über 30 Jahren verschwunden, doch die Erinnerung und der Bahnhof sind geblieben. So ist es kaum verwunderlich, dass sich der 1938 eingeweihte Bau mit dem markanten Uhrenturm als äußerst identitätsstiftend erwiesen hat, und das deutschlandweit! Zu spüren war dies  im vergangenen Herbst, als ein Gästeparlament über die Zukunft des Backsteingebäudes diskutierte. Um dieses herrscht im Moment berechtigte Sorge: Die Reederei Frisia AG, ihrerseits Eigentümerin, plant an der Stelle einen zweistöckige Neubau, in dem neben Wohnungen und Restaurants auch das aktuell im historischen Bahnhof untergebrachte Nationalparkhaus unterkommen soll.

Hinter dem Bauprojekt stehen durchaus handfeste Interessen, auch der Inselbewohner selbst. Das Nationalparkhaus etwa beklagt schon seit längerem Platzmangel. Ein Neubau auf dem Grundstück wäre lukrativ für die Teilhaber der Frisia AG. Dem gegenüber steht eine ganze Reihe engagierter Bauschützer, wie etwa Frank Jermann, der eine Petition ins Leben rief. Selbst im fernen Berlin nimmt  man sich des Kleinods an und lancierte online bauhistorischen Informationen. Wenn Sie sich dafür einsetzen wollen, dass dieses Stück Tourismusgeschichte erhalten wird, können Sie die Aktivisten online mit einer Unterschrift zu unterstützen. (jm, 31.1.19)

Juist, Bahnhof (Bild: Historische Postkarte, Sammlung Ulrich Gietzen)

Paderborn: Stellwerk soll fallen

Paderborn: Stellwerk soll fallen

Senne-Bahn, Zug der NWB im Bahnhof Hövelhof (Bild: ludger1961, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Mehr neue Technik, weniger alte (Bahn-)Bauten: Entlang der Senne-Bahn wird modernisiert (Bild: ludger1961, GFDL oder CC BY SA 3.0) – und das Paderborner Stellwerk, das deshalb bald abgerissen werden soll, sehen Sie HIER

Noch wacht der „Kleine Hermann“ in Paderborn über das Stellwerk. Im Schatten eines Gründerzeit-Eckhauses, den eine „Kopie“ des Hermannschlacht-Denkmals bekrönt, schiebt sich das markante Stellwerk in die Detmolder Straße. Es regulierte einen Bahnübergang der Sennestrecke zwischen Bielefeld und Paderborn, die aktuell modernisiert wird. Und mit der neuen Technik soll auch das „alte“ Bauwerk aus der Nachkriegszeit fallen. „Für das alte Stellwerk gibt es nach dem Rückbau der Innenanlagen keine weitere Verwendung, sodass anschließend ein Abriss erfolgen wird“, erklärte ein Vertreter der Bahn gegenüber der „Paderborn am Sonntag“.

Einer möglichen privaten Nutzung des funktionslos gewordenen Stellwerks erteilt der Bahnsprecher eine klare Absage: Dafür bräuchte es einen eigenen Zugang zum Gebäude – und der sei „wegen der Zuwegung von der Gleisseite aus“ nicht zugelassen. Vor Ort formiert sich Widerstand gegen den angekündigten Abriss: Der Verein „Historisches Paderborn“ sieht mit dem Stellwerk – nach dem Lokschuppen an der Abtsbrede – ein weiteres „Stück Baukultur, das sang und klanglos aus dem Stadtbild“ zu verschwinden droht. Eine private Zuwegung zum Stellwerk sei sehr wohl möglich, man will noch einmal das Gespräch mit der Bahn suchen. (kb, 29.4.15)