„Blitzabriss“ in Nürnberg

Lange hatte man in Nürnberg diskutiert, dann ging alles auf einmal ganz schnell: Von den Umladehallen am ehemaligen Bahnhof Süd sind nur noch Trümmer übrig. Die Hallen standen als letzter Rest des Areals nahe Rangierbahnhof und Südring seit Jahren leer. Ihre Entstehung reicht bis in die Zwischenkriegszeit zurück. Nachdem erste Planungen durch die Wirtschaftskrise verzögert worden waren, konnten die Umladehallen von 1933 bis 1935 errichtet werden. Vor dem Beginn des Güterumschlags bildeten die Hallen den Rahmen für die Ausstellung „Die Jahrhundertfeier der Deutsche Eisenbahnen“. Und während der NS-Reichsparteitage wurde das Areal zum „Mitropadorf“ umfunktioniert: Wegen knapper Hotelzimmer nächtigten hier Ehrengäste in abgestellten Schlafwagen.

Im Zweiten Weltkrieg blieben die Hallen von schwereren Schäden verschont. Nach der Einstellung des Güterumschlags im Jahr 1998 wurden nur noch einzelne Teile als Lager genutzt. Und seit der neue Stadtteil Lichtenreuth aus der Taufe gehoben wird, scheinen vielen die historischen Hallen im Weg. Noch im Frühjahr hatte das Museum Industriekultur mit einer eigenen Ausstellung auf ihren Wert hingewiesen. Man plädierte für eine kreative Umnutzung, etwa für kulturelle Zwecke oder als Zentrum im neu entstehenden Stadtteil. Nun haben die Abrissbagger Fakten geschaffen. (kb, 17.6.18)

Nürnberg, Bahnhof Süd, Umladehallen (Bild: Manfred E. Fritsche, CC BY SA 3.0, 2009)

Wird Southwark Station abgerissen?

London gehört zu den europäischen Metropolen, die sich rasant verändern. Wohnen ist teuer, Baustellen in der Tube werben damit, dass der Transit nach dem Umbau „noch schneller“ stattfinden kann. Als in den späten 1990er Jahren die Fortführung der Jubilee Line gebaut wurde, hatte Sir Richard MacCormac – der Architekt der Southwark Station – ein zukünftiges Wachstum mit eingeplant: Bis zu 11 Stockwerke könnten über der Tickethalle errichtet werden, ohne dass die Fundamente Probleme bereiten. „Transport for London“ (TfL), die Dachorganisation, die den Transport in London koordiniert, wollte allerdings viel höher bauen und damit das attraktive Grundstück maximal ausnutzen, wie die „Times“ mit schönen Architekturbildern berichtet.

Die direkt dem Londoner Bürgermeister unterstehende TfL hatte Kulturministerin Karen Bradley gebeten, die erhaltungswerten Bahnhofsbauten auf der Linie zu benennen. Southwark Station erhielt keinen Denkmalstatus, obwohl die Gestaltung nach der Fertigstellung mit mehreren Architekturpreisen ausgezeichnet worden war. Die Twentieth Century Society, die die Prüfung der Denkmalwürdigkeit angeregt hatte, möchte die Pläne zum Abriss der Tickethalle nicht ohne weiteres hinnehmen und will nun juristische Schritte prüfen. Das geltende Denkmalrecht erschwert Gebäuden, die jünger als 30 Jahre sind, die Aufnahme in die Denkmalliste. Vielleicht kann eine engagierte Öffentlichkeit helfen? (df, 12.8.17)

London, Southwark Station (Bild: Adam Smith, CC BY SA 2.0)

Halteräume

Kennen Sie das? Sie stehen im, sagen wir einmal Kölner, Hauptbahnhof und der Zug hat 60 Minuten Verspätung. Statt sich zu ärgern oder sinnlos kalorienreiche Kaffeemixgetränke zu verzehren, hätten wir Ihnen eine Alternative anzubieten: Vom 24. August bis zum 3. September 2017 ist im Kölner Hauptbahnhof eine Ausstellung der besonderen Art zu bestaunen: „Halteräume. Architekturen der Mobilität“ verspricht eine „Fotoreise durch Stationen, Bahnhöfe und Haltestellen“.

Mit Arbeiten der Fotografin Smilla Dankert will der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) – anlässlich seines 30-jährigen Jubiläums – die Augen öffnen für die im Alltag oft übersehenen Schönheiten. Tatsächlich sind solche „Halteräume“ immer schon bewusst gestaltet worden und offenbaren auf den zweiten Blick ihre eigene Ästhetik. Der Bogen der Ausstellung reicht vom Kölner Hauptbahhof (1894) über die Bonner Station „Museumsallee/-meile“ (1975) bis hin zur Kölner Haltestelle „Kartäuserhof“ (2015). All dies wird künstlerisch aufbereitet, verspätungsunabhängig und kostenfrei präsentiert. Und sollte die Deutsche Bahn wider Erwarten doch pünktlich abfahren, nehmen Sie einfach den Zug eine Stunde später. Es lohnt sich! (kb, 31.7.17)

Köln, U-Bahnhof „Leyendecker Straße“ (1992) (Bild: VRS GmbH, Smilla Dankert)