Gleis 13

Gleis 13

Bütersloh, Bahnhof (Bild: Daniel Brockpähler, CC BY SA 3.0)
Gütersloh: die Bahnsteige neu gemacht, der Güterbahnhof (Bilder davon gibts auf rottenplaces.de) überplant (Bild: Daniel Brockpähler, CC BY SA 3.0)

„Gleis 13“ nennt die Unternehmensgruppe Hagedorn ihre Pläne für den Gütersloher Güterbahnhof. Lange wurde über das Areal diskutiert, das man 1932 in Betrieb genommen hatte. Seit 1997 diente die Anlage nur noch der Bahn zum Abstellen von Güterwaggons und dem Busverkehr Ostwestfalen GmbH (BVO) als Außengelände. Zwischenzeitlich hatte man schon das Stellwerk und einen Güterschuppen niedergelegt. 2015 verkaufte man die verbliebene Anlage mit einer Fläche von 11.000 Quadratmetern an die Hagedorn Gruppe. Seitdem hat ein Feuer bereits die Dachkonstruktion zerstört.

Alternative Ideen – „Großmarkt, Musicalstandort, Parkhaus, Künstlerateliers, Supermarkt und was nicht alles so in den Köpfen der Mitbürger spukte“ – hatten sich nicht durchsetzen können. Hagedorn plant ein U-förmiges Ensemble: „Eine Plaza, umgeben von Restaurants, Bistros, Eventlokalen, soll Besucher und Bewohner des Quartiers nach draußen locken“ berichtet die „Zeitung für Gütersloh“. Entlang der Schienen sind Neubauten mit den Nutzungsschwerpunkten Büro, Gastronomie sowie Gesundheit und Fitness vorgesehen. Hagedorn will im März mit den Abbrucharbeiten beginnen, mit dem Bezug der Neubauten sei für 2017 zu rechnen. (kb, 20.3.16)

Margarine-Bahnhof Goch

Als die Moderne langsam am Horizont aufzog, florierte die Wirtschaft im niederrheinischen Goch. Da war die Ölmühle van den Bosch – und das Margarinewerk Jurgens & Prinzen, eben jene Fabrik, die auch das Markenprodukt „Rama“ aus der Taufe hob. So war es fast zwingend, dass vor Ort schon ab 1863 ein Bahnhof und ab 1884 ein Güterbahnhof zur Verfügung standen. 1957 schließlich trat ein schnittiger Neubau an die Stelle des kriegszerstörten Empfangsgebäudes – und besagte Kultmargarine hatte sich, wenn auch unter neuem Firmennamen, längst tief ins kollektive Werbegedächtnis eingebrannt.

 

Wie wird man zur Marke?

In Goch klemmte der lokale Architekt Toni Hermanns einen Glaskeil mit Flugdach zwischen zwei dynamische aufstrebende Wandscheiben und rahmte ihn mit zwei niedrigeren Pavillonbauten. Im rechten Flügel wurde zudem eine Gaststätte untergebracht. Damit glückte ein „eckiger Nierentisch“, eine überzeugende Mischung aus bundesdeutscher Bodenhaftung und wirtschafswunderlicher Zukunftsfreude. Ein ähnlicher Kunstgriff gelang in diesen Jahren auch dem Rama-Werbemädchen, das mit Strohhut und sittsamer Zopffrisur ein gerüttelt Maß traditioneller Werte an den modernen Frühstückstisch brachte.

 

Modern und lichtdurchflutet

„Moderner Bahnhof mit lichtdurchfluteter Empfangshalle.“ So vielversprechend bewarb die Firma Faller 1966 ihr brandneues Modell „Bahnhof Neustadt“, das sich an Goch orientierte. Der Bausatz wurde 2016 als „Klassiker“ neu aufgelegt. Auch sein Vorbild hat es längst in die Reihe der zeitlosen Schönheiten geschafft: Der Bahnhof Goch steht unter Denkmalschutz. Doch mehr wollen wir jetzt gar nicht verraten – der kleine und der große Bahnhof werden im kommenden Sommer Teil unserer Ausstellung „märklinMODERNE“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt und in der Stuttgarter Weißenhofgalerie. Wer selbst Teil des Projekts sein will, ist herzlich eingeladen, sich an unserem Crowdfunding zu beteiligen: www.startnext.com/maerklinmoderne. (kb/db, 27.9.17)

Titelmotiv: Bahnhof Goch (Bild: historische Postkarte)

Altona: neuer Bahnhof, neue Mitte

Altona: neuer Bahnhof, neue Mitte

Hamburg-Altona, S-Bahnsteig (Bild: IngolfBLN)
Hamburg-Altona, S-Bahnsteig (Bild: IngolfBLN)

Nein, es geht in den folgenden Zeilen nicht darum, Denkmalschutz für den „neuen“ Bahnhof Altona zu fordern. Doch es lohnt ein kurzer Blick, wie Altonas Mitte gerade zum dritten Mal in gut 100 Jahren umgekrempelt wird. Das noch selbständige und äußerst geschäftstüchtige Altona erhielt 1844 einen klassizistischen Bahnhof am westlichen Stadtrand. Als der Bahnverkehr zunahm, wurde am heutigen Standort 1898 der historistische Neubau eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg – Altona war inzwischen zu Hamburg geschlagen worden – richtete man den Bahnhof zunächst wieder her.

Doch in den 1970er Jahren wurde modernisiert, abgerissen und 1979 der dritte, „neue“ Bahnhof Altona eingeweiht: ein weitläufige Anlage aus Betonfertigteilen mit angegliedertem Kaufhof. Nach jahrelanger Diskussion ist es nun beschlossen: Der „neue“ Bahnhof Altona sei den neuen technischen Anforderungen nicht mehr gewachsen und wird bis 2023 an die S-Bahnhaltestelle Diebsteich verlegt. Auf der freiwerdenden Fläche im Zentrum von Altona soll Großes, vor allem Neues entstehen: 3.600 Wohnungen, einen Schule, ein Park, … Denkmalgeschützte Bauten wie die Kleiderkasse, ein Wasserturm und Güterhallen sollen erhalten und eingebunden werden. (kgb, 17.7.14)