Bauakademie

Berlin, simulierte Rekonstruktion der Bauakademie, 2016 (Bild: Ziko van Dijk, CC BY SA 4.0)

Neue Bauakademie: 10 +

In den letzten Wochen wurde in Berlin (wir berichteten) lebhaft um den geplanten Wiederaufbau der Bauakademie gestritten: Mit 10 Thesen hatten sich Oliver Elser (Kurator, Deutsches Architekturmuseum), Florian Heilmeyer (Architekturkritiker) und Ulrich Müller (Gründer der Architektur Galerie Berlin) – und ein wachsender Kreis von Unterstützern – gegen eine übereilte Rekonstruktion des Schinkel-Bauwerks stark gemacht. Auf Einladung der Bundesstiftung Baukultur wird der Diskurs nun am 3. Mai ab 17 Uhr im Berliner Kronprinzenpalais (Unter den Linden 3) im offiziellen Rahmen aufgegriffen: Im „Szenarienforum“ sollen „die Nutzungsvorschläge […] hinsichtlich ihrer Machbarkeit und Akzeptanz“ überprüft werden.

Damit schließt der Veranstalter das dreigestufte (im Februar aufgenommene und im März fortgesetzte) „Dialogverfahren zur Wiedererrichtung der Bauakademie in der historischen Mitte Berlins als Statusforum“ ab. Erklärtes Ziel ist „die Entwicklung eines Nutzungskonzepts, das als Basis für den nachfolgenden Planungswettbewerb dienen kann“. Hierfür werden in vier moderierten „Werkstattnischen“ verschiedene Varianten – mit dabei nun auch Überlegungen und Vertreter der Initiative „Neue Bauakademie“ – vorgestellt und diskutiert. Das genaue Programm kann online eingesehen werden, Anmeldungen sind ebenfalls online möglich. (kb, 1.5.17)

Berlin, mit Planen simulierte Rekonstruktion der Schinkel-Bauakademie, 2016 (Bild: Ziko van Dijk, CC BY SA 4.0)

Bauakademie: Bitte nichts überstürzen!

Berlin, Bauakademie 1888 (Bild: Wikipedia,gemeinfrei)
Genau so oder doch lieber eine Interpretation? Baun’ mer mal … (Bild: Wikipedia, gemeinfrei)

Der lange geplante Wiederaufbau von Friedrich Schinkels Bauakademie in Berlins Mitte ist schon länger beschlossene Sache. Doch dass nun alles auf einmal ganz schnell gehen soll, lässt staunen. 62 Millionen Euro stellte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags 2016 zur Verfügung, jetzt soll es losgehen. Konzepte? Egal, kommen später … Die Bundesstiftung Baukultur in Potsdam wurde vom Bund beauftragt, die offenen Fragen zum  Bau und seiner Nutzung im Rahmen von drei „Werkstatt-Gesprächen“ im Hauruck-Verfahren zu klären. Ob die neue Akademie eine Rekonstruktion des Schinkel-Baus von 1832-36 oder eine zeitgemäße Interpretation sein soll, ist gleichfalls noch offen, soll aber schon im Spätsommer geklärt werden.

Wir berichteten bereits über den sich konkretisierenden Unmut über den Verlauf des Projekts. Die von Oliver Elser, Florian Heilmeyer und Ulrich Müller Anfang März formulierten „10 Thesen zu einer Neuen Bauakademie“, die eine klarere und vor allem demokratischere Planung einfordern, sind hier einzusehen. Und wer sich den Forderungen anschließen möchte, kann dies mit einer E-Mail an elser(at)architekturtexte.de mitteilen, die Liste der Unterstützer wird fortwährend erweitert. Zu ihnen zählen unter anderem Hubertus Adam, Kristin Feireiss, Louisa Hutton und Matthias Sauerbruch.(db, 6.4.17)

10 Thesen zur Bauakademie

"I was a Monument", Bildmontage zur Wiederaufbaudebatte zur Neuen Bauakademie Berlin von Felis Torkar
„I was a Monument“ (Bildmontage: Felix Torkar)

Zugegeben, in der Regel kümmern wir uns ums 20. Jahrhundert, aber bei diesem Knäuel aus Moderne, Klassizismus und dessen Wiederbelebungsversuchen machen wir eine begründete Ausnahme: die Berliner Bauakademie. Deren Eckdaten sind bekannt: 1836 errichtet Karl Friedrich Schinkel die Bauakademie, bis 1967 ersetzt die DDR die Kriegsruine durch ihr Außenministerium (Josef Kaiser u. a.), dieses wird 1995/96 zugunsten einer Rekonstruktion des Schinkel-Platzes „beräumt“, 2016/17 stellt der Bund 62 Millionen Euro für einen Schinkel-Wiederaufbau bereit.

In der heutigen FAZ argumentieren Oliver Elser (Kurator, Deutsches Architekturmuseum), Florian Heilmeyer (Architekturkritiker) und Ulrich Müller (Gründer der Architektur Galerie Berlin), „warum es dieses Jahr noch keinen Wettbewerb geben darf und wie der Weg zu einer ‚Neuen Bauakademie‘ aussehen kann“: 1. Nie wieder Schloss, 2. Keine Eile, 3. Unabhängigkeit („‚Stiftung Neue Bauakademie‘ ist die richtige Form dafür.“), 4. Programme durch Personen („Notwendig ist eine starke Intendanz, die ihre Arbeit bereits im Vorfeld eines Architekturwettbewerbs aufnimmt.“) 5. Bauakademie für alle, 6. Internationales Profil („Die Neue Bauakademie kann wie ein Brennglas alle Energien bündeln, die in Berlin zu den Architekturfragen unserer Zeit vorhanden sind.“), 7. Intellektuelles Fundament, 8. Ergebnisoffener Wettbewerb, 9. Kein Ausgabenzwang („Es muss auch möglich sein wenig oder vorerst nichts zu bauen.“), 10. Universell wie Schinkel („Schinkels Bauakademie war ein nutzungsoffener Bau.“). (kb, 20.3.17)

Schinkel vs. Kaiser

Berlin, Außenministerium, 1972 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183 L0927 0305, CC BY SA 3.0)
Berlin, Außenministerium, 1972 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183 L0927 0305, CC BY SA 3.0)

Es gehört manchmal zum Schicksal der Sport- und Architekturberichterstattung, über bereits vollzogene Niederlagen schreiben zu müssen – so auch in diesem Fall. Das ehemalige Außenministerium der DDR war in Berlin 1967 auf historischem Boden entstanden. Am heute sog. Schinkelplatz war bis 1962 noch die Kriegsruine der Bauakademie zu sehen, die kein Geringerer als Karl Friedrich Schinkel  1836 gestaltet hatte. Eine Backstein-Ikone des Klassizismus mit einem Hang zur konzentrierten Form, wie ihn später die Moderne aufgreifen sollte.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: Der Bau wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, man erwog einen Wiederaufbau, man erwog einen Neubau, der Neubau gewann. Der Architekt Josef Kaiser (mit Heinz Aust, Gerhard Lehmann und Lothar Kwasnitza) schuf einen 144 Meter langen und zehn Geschosse hohen Riegel mit weißer Kunststoff-Verkleidung (nicht, wie zur Bauzeit angepriesen, emaillierte Platten). Nach dem Ende der DDR fiel der Bau 1995/96 zugunsten einer Rekonstruktion des Schinkelplatzes, auch die Bauakademie sollte wiedererstehen – ein Gerüst mit Plane gibt schon einen Vorgeschmack darauf. Nun entschied der Haushaltsausschuss des Bundestags, die Mittel für die Rekonstruktion für 2017 einzustellen. Ob es Schinkel goutiert hätte, derart über seinen Berufskollegen Kaiser zu „siegen“, sei einmal dahingestellt … (kb, 17.11.16)

Das ISA in den Wendejahren

Baupolitik und Planung im Umbruch (Bild: Leibniz-Gesellschaft)
Baupolitik und Planung im Umbruch (Bild: Leibniz-Gemeinschaft)

Das ISA (Institut für Städtebau und Architektur) war Teil der Bauakademie – der wichtigsten Behörde, Forschungseinrichtung und Gelehrtengesellschaft, mit welcher die DDR in diesem Gebiet aufwarten konnte. 1962 gegründet, beaufsichtigte das ISA alle Generalbebauungspläne, Neubaugebiete und städtebaulichen Wettbewerbe. Darüber hinaus beteiligte es sich an der (internationalen) Forschung und bot in den 1980er Jahren einen Ort für Reformdiskussionen.

Am 12. Dezember 2014 richtet die Leibniz-Gemeinschaft in Berlin die Tagung „Baupolitik und Planung im Umbruch: Das ISA der Bauakademie der DDR 1985-1995“ aus. Die Konferenz beleuchtet die Rolle des ISA im innerdeutschen und internationalen Fachdiskurs und in den Umbruchsjahren um 1989. Darüber hinaus wird nach dem bleibenden Beitrag des ISA gefragt. Es wird eine Tagungsgebühr von 5 Euro erhoben. Um Anmeldung wird bis zum 5. Dezember 2014 gebeten unter: Petra Geral, geral@irs-net.de, 03362/793142 oder unter www.irs-net.de/ISA-Tagung. (kb, 25.11.14)