Bauhaus

Kirchbrak, Amco-Gebäude (Bild: Axel Hindemith, CC BY SA 3.0)

Gropius gefunden

Waren Sie schon mal in Kirchbrak? Zugegeben, moderneREGIONAL auch nicht. Der Ort mit 994 Einwohnern gehört zur Samtgemeinde Bodenwerder-Polle im Landkreis Holzminden und könnte bald zur Architektur-Tourismusattraktion werden. Denn hier steht ein vermeintlich vergessener echter Gropius – ein Fabrikgebäude der Holzbearbeitungs-Firma August Müller und Co. (AMCO), das 1925 errichtet und 2017 stillgelegt wurde. Doch der großen Namen nicht genug: Die Bauunterlagen sind allesamt von Ernst Neufert unterzeichnet, der damals bei Walter Gropius angestellt war, ehe er 1926 als Professor für Planung an die neue Bauhochschule Weimar wechselte. Doch egal, ob nun mehr Gropius oder mehr Neufert in dem großzügig verglasten Stahlskelettbau stecken, ist es ein Kuriosum, dass er im Bauhaus-Feierjahr als Wiederentdeckung gilt und tatsächlich nicht unter Denkmalschutz steht.

Der ortsansässige Ingenieur Günter Staeffler hat das Denkmalamt schon vor Jahren erfolglos auf den Bauhaus-Bau hingewiesen. Ein Beitrag von Wilhelm Klauser in der Bauwelt 16.2018 hat wohl endlich Bewegung in die Sache gebracht, und schließlich berichtete der NDR Ende März 2019 über das erste Gebäude, das das Atelier Gropius nach dem erzwungenen Wegzug aus Weimar realisierte. Nun wird der vergessene Bau unter Schutz gestellt, auch die Eigentümerin signalisierte Gesprächsbereitschaft für eine neue, denkmalgerechte Nutzung. Unser Urlaubstipp 2019: Besuchen Sie doch mal Kirchbrak! (db, 19.4.18)

Kirchbrak, Amco-Gebäude 2019 (Bild: Axel Hindemith, CC BY SA 3.0)

Crimmitschau, Kaufhaus Schocken (Bild: PUNKTUM, Bertram Kober)

Geld fürs Schocken-Kaufhaus

Seit September 1999 steht das einstige Schocken-Kaufhaus im sächsischen Crimmitschau mittlerweile leer. Die fast 20 Jahre andauernde Agonie dürfte nun bald ein Ende haben: Ein Investor möchte den Klinkerbau von 1928 denkmalgerecht sanieren. Eine Mischung aus Gasstronomie, Einzelhandel, Büros und Wohn-Lofts in den oberen Etagen soll entstehen; Stadt und Investor stehen in Kontakt mit den Schocken-Erben. Nun gibt es eine nachhaltige Finanzspritze für das geplante Projekt: Der Bund stellt aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ 2,6 Millionen Euro zur Verfügung. Das teilte der CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Körber in einer Pressemitteilung mit. Der gesamte Investitionsbedarf wird auf 5,2 Millionen Euro beziffert, die Stadt hat einen kommunalen Eigenanteil von 1,3 Millionen Euro vorgesehen. Somit bleiben noch 1,3 Millionen Euro offen, die der Investor aufbringen muss.

Ausführender Architekt des Crimmitschauer Kaufhauses war der gerade 27-jährige Bernhard Sturtzkopf, der 1928 die künstlerische Leitung des Baubüros bei der Firma Schocken übernahm. Sturtzkopf studierte Anfang der 1920er am Bauhaus Weimar und war anschließend Mitarbeiter im Büro von Walter Gropius, wo er an den Planungen des Bauhaus-Gebäudes in Dessau beteiligt war. Auch fürs ebenfalls erhalten gebliebene Schocken-Kaufhaus in Waldenburg (heute Walbrzych) zeichnet Sturtzkopf verantwortlich, bei Erich Mendelsohns Schocken-Bau in Chemnitz entwarf er vermutlich das Interieur. (db, 13.4.19)

Crimmitschau, Kaufhaus Schocken (Bild: PUNCTUM, Bertram Kober)

Schalenset aus Meladur, Entwurf: Albert Krause, Hersteller: VEB Plasta Preßwerk Auma, 1959 (Bild: Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt)

Bauhaus-Design im DDR-Alltag

Bauhaus allerorten – auch in der DDR: Dieser Spur folgt vom 7. April bis zum 5. Januar 2020 zumindest eine Ausstellung im „Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR“ in Eisenhüttenstadt – in Kooperation mit der Berliner Kunsthochschule Weißensee. Unter dem Titel „Alltag formen“ wird das Designschaffen ehemaliger Bauhausschüler und das Fortleben des Gedankenguts der berühmten Kunstschule in Szene gesetzt.

Die Exponate reichen vom Möbelbau in den Deutschen Werkstätten Hellerau bis hin zu Gefäßgestaltungen von Friedrich Bundtzen, Erich Müller, Margarete Jahny, Ilse Decho und Christa Petroff-Bohne. Gemeinsam sei den Formschöpfungen, so die Ausstellungsmacher, die Fortsetzung der Bauhaus-Prinzipien „Funktionalität, Langlebigkeit und Alltagstauglichkeit“ mit den Materialien ihrer Zeit. Doch auch kulturpolitische Widersprüchlichkeiten des DDR-Designs werden angesprochen, darunter die vorübergehende Rückbesinnung auf vermeintlich nationale Traditionen. Spätestens 1976 wurde die reduzierte Formensprache dann mit der Wiedereröffnung des sanierten Bauhauses Dessau endgültig in den kulturellen Kanon aufgenommen. (kb, 4.4.19)

Schalenset aus Meladur, Entwurf: Albert Krause, Hersteller: VEB Plasta Preßwerk Auma, 1959 (Bild: Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt)

Köln, Naumannsiedlung (Bild: Jürgen Gregori, LVR-ADR)

Bauhaus am Rhein

„Bauhaus“: Bei diesem Wort denkt man an Weimar, Dessau, Berlin, vielleicht Tel Aviv – weniger jedoch an das Rheinland. Nicht ganz zu Unrecht, denn tatsächlich sind hier kaum direkte Verbindungen zum Bauhaus nachweisbar. Eine prominente Ausnahme von der Regel bilden die Bauten des kurzzeitigen Bauhaus-Direktors Mies van der Rohe in Krefeld, das sich inzwischen selbst als „Bauhaus-Stadt“ rühmt. Und doch entstehen in der Zwischenkriegszeit am Rhein eine ganze Reihe „moderner“ Architekturen, die in ihrer funktionalen Konzeption und sachlich-abstrakten Form der Bauhaus-Idee sehr nahestehen.

Unter dem Titel „Neues Bauen im Rheinland“ liefert das LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland nun eine kritische Bestandsaufnahme dieser Bauten. Anlass ist das Gründungsjubiläum des Bauhauses, das in NRW unter dem Motto „100 Jahre Bauhaus im Westen“ begangen wird. Entstanden ist eine Publikation, die einen umfassenden Einblick in die regionale Vielfalt des „Neuen Bauens“ der 1920er Jahre bietet. Die Herausgeber wollen ihr Buch damit auch verstanden wissen als „Kommentar zu einer allzu eindimensionalen Huldigung einer zum Label erstarrten Bauhaus-Moderne“. (fk, 31.3.19)

Köln, Naumannsiedlung (Bild: Jürgen Gregori, LVR-ADR)

Neues Bauen im RheinlandEin Führer zur Architektur der klassischen Moderne, hg. vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Imhof Verlag, Petersberg 2019, ca. 16,5 × 23,5 cm, ca. 288 Seiten, ca. 250 Abbildungen, Hardcover, ISBN: 978-3-7319-0778-7, Erscheinen in Kürze angekündigt.

Teller, Hersteller unbekannt, 1920-30er Jahre. Werkbundarchiv – Museum der Dinge, 2018 (Foto: Armin Herrmann)

Gestaltungssprache der Moderne

Als zweiter Teil der Ausstellungsreihe „111/99“ ist vom 4. April bis zum 19. August 2019 „Einzelstück oder Massenware“ im Werkbundarchiv/Museum der Dinge (Oranienstraße 25, 10999 Berlin-Kreuzberg) zu sehen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach einer zeitgemäßen, einer modernen Form für alltägliche Güter, wie sie im frühen 20. Jahrhundert lebhaft diskutiert wurde. An ausgewählten Objekten und Dokumenten wollen die Ausstellungsmacher das damalige „Changieren zwischen dem Gefühl von Bedrohung durch die technischen Entwicklungen und einer Technikbegeisterung“ aufzeigen. Ein Schwanken zwischen den Bedürfnissen des Einzelnen und drm Geschmack der Masse.

Ob Stahlrohrmöbel oder Bauhaus-Leuchte – ein sachlicher, klarer, glatter Stil wurde zum Ideal erhoben. Ein vermeintlicher Industriestil, der aber zumeist weder in die Massenproduktion ging noch dafür gedacht war. Denn der vorherrschende Geschmack lehnte jene Werkbundästhetik lange als „kalt“ ab. So blieb das Design der Moderne anfangs die Lebenswelt einer ästhetisch geschulten Elite – um heute in abgeschwächter Form in den Einrichtungshäusern den Ton anzugeben. (kb, 30.3.19)

Teller, Hersteller unbekannt, 1920/1930er Jahre (Bild: Werkbundarchiv – Museum der Dinge, 2018, Foto: Armin Herrmann)

Weimar, Haus am Horn (bild: Most Curious, CC BY SA 3.0, 2009)

Bauhaus reloaded

Noch nicht genug Bauhaus bekommen dieses Jahr? Wer sein Wissen weiter vertiefen möchte, kann dies bald direkt am Ursprung der Schule in Weimar tun. Dort wo das Bauhaus 1919 gegründet und alsbald verdrängt wurde, stellen Mark Escherich, Elke Dallmann, Susanne Knorr und UIrich Wieler am 14. März 2019 um 17 Uhr im „Bauhaus.Atelier“ (Geschwister-Scholl-Straße 8 (hinter dem Hauptgebäude der Universität), 99423 Weimar) in Weimar die erweiterte Neuauflage ihres Buchs „Bauhaus Koordinaten. Wege des Bauhauses in Weimar und Thüringen“ vor. Es sind keine Anmeldungen erforderlich, der Eintritt ist frei

Die Publikation begibt sich auf die zahlreichen Spuren, welche die Institution in ihren sechs Weimarer Jahren in der Umgebung hinterlassen hat. Oftmals sind es kleine, von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Wirkungstätten im ländlichen Raum, in denen Kunst von Weltrang entstand. Darüber hinaus widmeten sich die Autoren auch bilslang unbekannten biografischen Verflechtungen der Bauhausakteure. (jm, 7.3.19)

Titelmotiv: Weimar, Haus am Horn, 1923 (Bild: Most Curious, CC BY SA 3.0, 2009)

Mark Escherich, Mark/Dallmann, Elke/Knorr, Susanne Knorr/Wieler, Ulrich, Bauhaus Koordinaten. Wege des Bauhauses in Weimar und Thüringen, MBooks, Weimar 2019, 104 Seiten, 10,5 x 15,5 cm, 52 Abbildungen, fadengebundene Schweizer Broschur mit Klappe und eingelegter Faltkarte, ISBN 978-3-944425-10-8.