Schlagwort: Bauhaus

Breslau, Jahrhunderthalle (BIld: Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl, 2012)

Nicht nur Bauhaus

Das Bauhaus-Jubiläum steht kurz bevor – und im seinem Gefolge lernen wir die vielfältigen anderen Spielarten von „neuem“, von modernem Bauen kennen. Damit rückt auch der osteuropäische Raum stärker in den Blick, der bereits um den Ersten Weltkrieg herum zum Experimentier- und Symbolraum des (architektonischen) Fortschritts wurde. Die damals geknüpften Netzwerke wirkten lange weiter, von Ernst May bis zu den Internationalen Kongressen für Neues Bauen (Congrès Internationaux d‘ Architecture Moderne, CIAM).

Unter dem Titel „Nicht nur Bauhaus ‒ Netzwerke der Moderne in Mitteleuropa“ laden das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (Oldenburg), das Architekturmuseum Breslau und das Schlesisches Museum zu Görlitz daher vom 15. bis 17. Januar 2019 zu einer Konferenz nach Görlitz und Breslau ein. Hierfür werden noch Themenvorschläge gesucht. Die Tagung steht im Rahmen einer Ausstellung zu Adolf Rading im Breslauer Architekturmuseum. Willkommen sind Exposés für einen Vortrag (ca. 2.000 Zeichen) mit einem kurzen Lebenslauf (mit Mail- und Postkontaktdaten sowie Angaben zur aktuellen Tätigkeit: max. 1000 Zeichen) bis zum 1. August 2018 an: beate.stoertkuhl@bkge.uni-oldenburg.de. (kb, 1.7.18)

Breslau, Jahrhunderthalle (Bild: Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl, 2012)

1957 entwarf Ehrlich den komplettierungsfähigen Möbeltypensatz „602“ für die Deutschen Werkstätten Hellerau (Bild: DAZ)

ehrlichmonument

Er schuf er den Schriftzug „Jedem das Seine“ am Tor vom KZ Buchenwald. Doch der Architekt und Designer Franz Ehrlich (1907-84) war mehr als das: Bauhaus-Schüler und zeitweise Mitarbeiter im Büro von Walter Gropius, wegen seiner Nähe zum Kommunismus Häftling und Teil des „Baubüros“ des KZs Buchenwald, später Modernist im Stalinismus und Nonkonformist in der DDR. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen – neben jedem Schriftzug im KZ Buchenwald – das Rundfunkhaus in der Nalepastraße in Berlin und der Möbeltypensatz 602 der Deutschen Werkstätten Hellerau.

Das DAZ (Deutsches Architektur Zentrum, Wilhelmine-Gemberg-Weg 6, 10179 Berlin) zeigt nun „ehrlichmonument“, eine Installation von Friedrich von Borries, Jens-Uwe Fischer und Frieder Bohaumilitzky. Diese besondere Auseinandersetzung mit Ehrlichs Leben udn Werk entstand im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG geförderten und an der HFBK Hamburg durchgeführten Forschungsprojektes „Franz Ehrlich. Biographie und Werkverzeichnis“. Die Eröffnung von „ehrlichmonument“ wird am 7. Juni um 19 Uhr gefeiert, im Anschluss ist die Installation ist bis zum 29. Juli zu sehen. Im Rahmenprogramm sind ein Festival und eine Exkursion vorgesehen. (kb, 7.6.18)

1957 entwarf Ehrlich den komplettierungsfähigen Möbeltypensatz „602“ für die Deutschen Werkstätten Hellerau (Bild: DAZ)

Döllgast, Alte Pinakothek, Bild (c) Klaus Kinold

Kinold trifft Döllgast trifft Schwarz

Wiederaufbau im Sinne von Rekonstruktion oder aber Neuplanung nach den Maßgaben der Charta von Athen – das waren die Pole der architektonischen Debatten in der jungen Bundesrepublik. Für einen Mittelweg plädierten die Architekten Hans Döllgast und Rudolf Schwarz, die in den 1950er Jahren für diverse Bauprojekte im kriegszerstörten Land verantwortlich zeichneten. Eine Ausstellung in Innsbruck beleuchtet das Werk der beiden Architekten in Aufnahmen Klaus Kinolds. Der Fotograf, der in den 1960er Jahren bei Egon Eiermann Architektur studierte, vereint in seinen Arbeiten die Expertise beider Berufsfelder.

Hans Döllgast plante unter anderem den Wiederaufbau der Alten Pinakothek in München. Seine Fassadenrekonstruktion verzichtete bewusst darauf, die Kriegsschäden zu übertünchen und sorgte dafür, dass sie auch nach Abschluss des Wiederaufbaus sichtbar blieben. Rudolf Schwarz entwickelte sich zu einem gefragten Kirchenbaumeister der Nachkriegszeit, er betreute auch den Wiederaufbau der Paulskirche in Frankfurt. Trotz der durchaus modernen Formensprache seiner Architektur sprach Schwarz sich gegen die von Gropius propagierte Bauhaus-Moderne aus, der er Formalismus und Technizismus vorwarf. 1953 löste er die Bauhaus-Debatte aus, die die Fachwelt monatelang beschäftigte. Die Ausstellung ist bis zum 9. Juni 2018 im aut (architektur und tirol, im Adambräu, Lois Welzenbacher Platz 1, 6020 Innsbruck) zu sehen. (jr, 18.4.18)

Döllgast, Wiederaufbau Alte Pinakothek (Bild: © Klaus Kinold)

Die Moderne in Bauten (Bild: Stadtarchiv Halle)

Moderne an der Saale

Der Countdown läuft: In großen Schritten nähert sich das 100-jährige Jubiläum des Bauhaus. Das Land Sachsen-Anhalt steht in der ersten Reihe der Gratulanten und stellte jüngst sein Kampagnenprogramm für 2019 vor. Dabei steht nicht nur die Bauhausstadt Dessau im Fokus. Auch der Magdeburger Siedlungsbau oder die Gartenstadt Leuna sind wichtige Stationen der Jubelfeier, ebenso Halle an der Saale. Hier will man allerdings nicht bis zum Jubiläumsjahr warten: Eine Fotoausstellung im Stadtarchiv feiert jetzt schon einmal die klassisch-moderne Architektur der Stadt.

In der Weimarer Republik erlebte Halle als wirtschaftlich prosperierende Stadt einen enormen Aufschwung, der sich bald auch im Stadtbild ablesen ließ. Wohlhabende Bauherren lockten renommierte Architekten der 1920er in die Stadt. Viele ihrer Projekte haben sich bis heute erhalten. Die Ausstellung präsentiert sie in Fotografien Gert Schützes, die durch zeitgenössische Fotos, Zeichnungen und Baupläne aus dem Bestand des Stadtarchivs ergänzt werden. „Die Moderne in Bauten“ ist bis zum 31. Mai 2018 im Stadtarchiv Halle (Rathausstraße 1, 06108 Halle (Saale)) zu sehen. (jr, 13.4.18)

Die Moderne in Bauten (Bild: Stadtarchiv Halle)

Kornhaus Dessau (Bild: zeumann, CC By SA 3.0)

Carl Fieger im Bauhaus Dessau

Gropius, van der Rohe und, vielleicht, Hannes Meyer – das sind die Namen, die im Allgemeinen auf die Frage nach den berühmten Bauhaus-Architekten fallen. Das Name Carl Fieger dagegen ist auch vielen Freunden moderner Architektur bis heute unbekannt geblieben. Völlig zu Unrecht, war der Architekt doch an der Planung so ikonischer Bauten wie den Meisterhäusern, dem Kornhaus und dem Dessauer Bauhausgebäude selbst beteiligt. Letztgenanntes Bauwerk bietet bis Oktober 2018 der Ausstellung Carl Fieger. Vom Bauhaus zur Bauakademie eine Bühne.

Der gebürtige Rheinhesse Fieger studierte an der Mainzer Kunstgewerbeschule, bevor er in den 1910er Jahren im Büro Peter Behrens‘ in Berlin tätig wurde. Anschließend arbeitete er als Entwurfszeichner für Gropius und avancierte zu einem seiner engsten Mitarbeiter. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte er seine Erfahrungen in den Dienst der Deutschen Bauakademie in Ostberlin. Für die DDR-Architektur verbrachte er hier eine wahre Pionierleistung, indem er 1953 den ersten Plattenbau des Landes plante. Zur Ausstellung erscheint eine von Claudia Perren und Wolfgang Thöner herausgegebenes Begleitbuch. (jr, 28.3.18)

Carl Fieger, Kornhaus, Dessau (Bild: zeumann, CC BY SA 3.0)