Was bleibt vom Bauhausjahr?

Das Bauhaus-Jubiläumsjahr ist noch nicht zuende, doch es wird schon ein Resümee gezogen: Im Kölner Museum für Angewandte Kunst (MAKK) heißt es in einer Abendveranstaltung am 21. November: „Was bleibt vom Bauhaus(-Jahr)? Einsichten und Aussichten“. Bleiben wird zunächst Folgendes: Es wurden zwei neue Museen eröffnet. Es gab etliche mehr oder minder spannende Fernseh-Dokumentationen und Spielfilme. Man beschäftigte sich europaweit in zahlreichen Veranstaltungen mit den Ideen der Bauhaus-Schule. Und die Hauptrolle spielte längst nicht nur der historische Rückblick: Auch die Nachwirkungen und der zukünftige Umgang mit dem kulturellen Erbe waren Teil des Diskurses.

Was überdauert von all den Tagungen, Diskussionen, Ausstellungen, Happenings? Claudia Perren, die Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau, möchte eine kritische Bilanz dieses Jahres ziehen: Nach einer Begrüßung durch Romana Rebbelmund vom MAKK sowie einer Einführung von den Leitern des KAP Forums Andreas Grosz und Oliver Herwig teilen sich Perren und René Spitz, Professor für Designwissenschaft, Design- und Kommunikationsmanagement an der RFH Köln, im Gespräch die Bühne. Donnerstag, 21. November 2019, von 19 bis 22 Uhr im MAKK Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln. Wichtig: Es wird um Anmeldung gebeten! (db, 19.11.19)

Dr. Claudia Perren (Bild: Bauhaus Dessau)

Was Gropius für Halle plante

Eine moderne Stadtkrone sollte es werden, als der Architekt Walter Gropius 1927 am Wettbewerb für einen monumentalen Kulturbau in Halle/Saale teilnahm: mit Konzert- und Kongresshalle, Sportforum und Kunstmuseum. Der Gropius-Entwurf „Hängende Gärten“ wurde seinerzeit weder prämiert noch umgesetzt. So ist es dem Kunstmuseum Moritzburg – in Kooperation mit dem Studiengang Multimedia | VR-Design der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle – zu verdanken, dass den Plan aus der Schublade geholt und virtuell in 3D umgesetzt wurde. Im rekonstruierten Innenraum stellte man eigens die 1937 beschlagnahmte moderne Kunstsammlung anhand von Bildscans nach. Die Simulation ist noch bis zum 19. Januar 2020 erlebbar wird – mit VR-Brille.

Dieses Projekt ist Teil der großangelegten Sonderausstellung „Das Comeback“, einem Beitrag zum Bauhaus-Jubiläumsjahr. Hierfür wurde die erste moderne Sammlung des Kunstmuseums Moritzburg rekonstruiert und um weitere Meisterwerke dieser Stilphase ergänzt. In Halle ist die Schau noch bis zum 12. Januar 2020 zu sehen. Wer das Bauhaus ganz handfest mit nach Hause tragen möchte, dem sei noch die Meißen-Kandinsky-Edition empfohlen, die einen bislang unverwirklichten Geschirrentwurf des abstrakten Malers auflegt. (kb, 11.10.19)

Halle/Saale, VR-Installation mit allen 1937 beschlagnahmten Werken (Bild: Team Stadtkrone.VR, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, ©VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Stuttgart: Zurück auf Bauhaus?

Vor knapp einer Woche, am 9. Juli hat sich in Stuttgart ein Verein gegründet, der für die Brenzkirche die Zeit zurückdrehen will. Zurück auf das Jahr 1933, als der Gottesdienstraum nach Entwürfen des Architekten Alfred Daiber nahe der Weißenhofsiedlung im Stil des Neuen Bauens eingeweiht worden war. Aus einem Quader mit Rundungen und Dachreiter machte Rudolf Lempp 1938 – im Sinne der nationalsozialistischen Bauvorschriften – einen gradlinigen Anblick mit „deutschem“ Satteldach auf Schiff und Turm. Der Wiederaufbau nach Kriegszerstörungen, ebenfalls unter Lempp, fügte 1947 weitere Veränderungen vor allem im Innenraum hinzu. 1983 kam die Brenzkirche unter Denkmalschutz.

Seit einigen Jahren wird über eine Rückführung auf die Gestaltung von 1933 diskutiert, verbunden mit einer zeitgenössischen und nutzungsfreundlichen Neuinterpretation des Innenraums. Eine Debatte, die durch das Bauhausjubiläum und die Internationale Bauausstellung, die 2027 in Stuttgart stattfinden soll, aktuell weiter befeuert wird: Genießt die Fassung von 1938/47 Bestands- und Denkmalschutz gegenüber der Ursprungsidee von 1933? Würde ein Rückbau gar die Veränderungen der NS-Zeit geschichtsklitternd unsichtbar machen? Karl-Eugen Fischer, Pfarrer der Brenzkirche, hingegen erklärt gegenüber den „Stuttgarter Nachrichten“: Lempp habe aus dem Bau „eine hässliche Dorfkirche“ gemacht. Dem wolle die Gemeinde – inhaltlich wie baulich – in den kommenden Jahren ein modernes, an den demokratischen Grundsätzen der Bauhaus-Zeit orientiertes Kirchenbild entgegensetzen. (kb, 13.7.19)

Titelmotiv: Stuttgart, Brenzkirche, um 1933 (Bild: historische Postkarte)