Baukunst

Trauma und Utopia

Kenzo Tange, hier einer seiner frühen Wohnbauten von 1953, gilt als Neuerer der modernen japanischen Architektur (Bild: Shinkentiku 30, 1955)
Kenzo Tange, hier eines seiner frühen Häuser von 1953, gilt als Erneuerer der japanischen Nachkriegsarchitektur (Bild: Shinkentiku 30, 1955)

Nicht nur für West- und Osteuropa, auch für Japan und den asiatischen Raum bedeutete das Jahr 1945 einen tiefgreifenden Einschnitt. Welche Auswirkungen hier das Kriegsende auf die Künste hatte, fragt das Internationale Symposion „Trauma and Utopia. Interactions in post-war and contemporary Art in Asia“, welches das Tate Research Centre: Asia-Pacific/London und das Mori Art Museum/Tokio vom 9. bis zum 10. Oktober 2014 in Tokio ausrichten. Das Symposion wird über die bildende Kunst hinaus ausdrücklich für die Themenfelder Architektur, Mode, Design und Stadtplanung geöffnet.

Die Veranstalter rufen nun zu Vorschlägen in den folgenden Schwerpunkten auf: Die urbane Umwelt (Stadt, Natur, Utopie), der menschliche Körper (Performance und Design), Japan in Asien und in der Welt (Konflikt, Kollaboration und pan-asiatische Beiträge). Vorschläge für 20-minütige Papers können als englischsprachiger Abstract von 250 Worten bzw. 500 Buchstaben in Japanisch bis zum 16. Mai 2014 gesendet werden an: trc.asiapacific@tate.org.uk und pp@mori.art.museum. Ausgewählte Redner würden dann gebeten, ihren vollständigen Text auf Englisch/Japanisch bis zum 9. September 2014 einzureichen. Beim Symposion können die Beiträge in Englisch oder Japanisch gehalten werden.

Das moderne Charlottenburg

Berlin-Charlottenburg, Verkehrskanzel (Bild: M. Hacke)
In Berlin-Charlottenburg wacht die moderne Verkehrskanzel bis heute über die Ecke Joachimstalerstraße/Kurfürstendamm (Bild: M. Hacke)

Gedächtniskirche, Kongresszentrum, Corbusierhaus – die Liste berühmter Bauten der Nachkriegszeit in Berlin-Charlottenburg ist lang. Bis zum 31. August 2014 zeigt das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf daher in der Villa Oppenheim mit der Ausstellung „Nachkriegsmoderne“ Fotografien der noch erhaltenen und bereits verlorenen Baukunstwerke im zentralen Stadtteil. Nach 1945 präsentierte sich West-Berlin fortschrittlich – und moderne Architektur wurde zum Zeichen des von den Alliierten geförderten Wiederaufbaus.

Bedeutende Kulturbauten wie die Deutsche Oper oder der Konzertsaal der Universität der Künste werden in der Ausstellung ebenso thematisiert, wie Büro-Geschäftshäuser vom Breitscheidplatz bis zum 1953 umbenannten Ernst-Reuter-Platz. Kaum ein Bau verkörperte dabei das Neue Wohnen so aussagekräftig wie das Corbusierhaus von 1957/58. Heute, 25 Jahre nach Mauerfall, sind einige dieser Baukunstwerke bereits getilgt oder ersetzt, darunter das Schimmelpfeng-Haus der Architekten Franz-Heinrich Sobotka und Gustav Müller von 1960. Begleitend zur Ausstellung werden Stadtrundgänge und ein umfassender Architekturführer zur Nachkriegsmoderne angeboten. Am Tag des offenen Denkmals, dem 14. September 2014, kann man – nach telefonischer Vornameldung (030/902924106) – um 11 Uhr an einer Führung durch die Kuratorin Mila Hacke teilnehmen. (kb, 11.5./8.9.14)

Mission: Postmodern

Heinrich Klotz, Gründer des Deutschen Architekturmusuems Frankfurt (Bild: F. van Arkel, 1988)
Der Kunsthistoriker Heinrich Klotz gründete 1984 das Deutsche Architekturmusuem Frankfurt/Main (Bild: F. van Arkel, 1988)

Dem Jahr 1984 widmen sich im Sommer 2014 gleich zwei Frankfurter Museen: das Museum Angewandte Kunst (MAK) und das Deutsche Architekturmuseum (DAM). Denn das DAM würdigt zu seinem 30-jährigen Jubiläum den Kunsthistoriker und Architekturtheoretiker Heinrich Klotz, der die Institution am Museumsufer 1984 gründete. Vom 10. Mai bis zum 19. Oktober 2014 präsentiert die Ausstellung „Mission: Postmodern. Heinrich Klotz und die Wunderkammer des DAM“ erstmals die Tagebuchaufzeichnungen von Klotz. Seine Tonbandaufnahmen vermitteln nicht allein einen Einblick in den Aufbau des ersten Architekturmuseums weltweit.

Darüber hinaus stand Klotz in Kontakt mit Architekturgrößen wie Hans Hollein, Rem Koolhaas, Richard Meier oder Robert Venturi. Eine „Wunderkammer“ versammelt nun die wichtigsten Werke, die Klotz bis 1989 für das DAM erworben hat: darunter ein Ölgemälde von Martin Kippenberger, eine Collage von Christo, weitere Zeichnungen, Modelle, Fotos u. v. m. So erschließt sich dem Besucher zugleich die damalige – von Zitaten und Ironie getragene – postmoderne Ausstellungspräsentation des Architekturmuseums. Begleitend lädt das DAM am 31. Mai 2014 zu einem wissenschaftlichen Symposion mit „Geburtstagsfeier“ ein. Stadtführungen zeigen die postmoderne Seite der Mainmetropole. Und zum 11. Juni 2014 will das MAK seine Ausstellung zur (Pop-)Kultur des Jahres 1984 eröffnen.

Sozialistischer Realismus

Sozialistischer Realismus Sozialistischer Realismus und Sozialistische Moderne (ICOMOS-Publikation, 2014)
Die neue ICOMOS-Publikation „Sozialistischer Realismus und Sozialistische Moderne“

Es gab Jahrzehnte, da wurde der Kalte Krieg – auch – auf Häuserfassaden ausgetragen: Die Abstraktion sollte den Westen, der Realismus den Osten vertreten. In der Rückschau bieten (gerade) die künstlerischen Ausdrucksformen des Sozialistischen Realismus beeindruckende Zeugnisse der Nachkriegsmoderne. Um dieses Erbe in seiner ganzen Vielfalt – von seinen traditionelle Wurzeln über seine realistischen oder rationalistischen Ansätze bis hin zu seinen avantgardistisch-modernen Spielarten – angemessen würdigen zu können, stellte der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) nun eine umfassende Publikation zusammen.

Unter dem Titel „Sozialistischer Realismus und Sozialistische Moderne“ veröffentlichte der Berliner Bäßler-Verlag verschiedene Welterbevorschläge aus Mittel- und Osteuropa. Dokumentiert werden Nominierungsvorschläge von unterschiedlichen nationalen Tentativlisten: Länder wie Tschechien und Weißrussland, aber auch Cuba sind vertreten. Und die deutsche Senatsinitiative „Doppeltes Berlin“, welche die Karl-Marx-Allee und das Hansaviertel als künftiges Welterbe sieht.

Sozialistischer Realismus und Sozialistische Moderne. Welterbevorschläge aus Mittel- und Osteuropa. Socialist Realism and Socialist Modernism. World Heritage Proposals from Central and Eastern Europe (ICOMOS. Hefte des Deutschen Nationalkomitees LVII), Bäßler-Verlag, Berlin, 2013, broschiert, 168 Seiten, 130 Abbildungen und zahlreiche Dokumente, deutsch/englisch, 21 x 29,6 cm, ISBN 978-3-930388-90-5.

Expansion and Conflict

Expansion and Conflict (Bild: docomomo)
Expansion and Conflict (Bild: docomomo)

Es gibt einen neuen guten Grund, um nach Korea zu reisen, genauer gesagt, mehrere: eine Ausstellung, ein Workshop, Exkursionen, … Anlass ist die 14. Internationale Konferenz des Netzwerks docomomo international, das sich weltweit für den Erhalt moderner Baukunst stark macht. Unter dem Motto „Expansion and Conflict“ treffen sich Fachleute und Interessierte vom 19. bis zum 29. September 2014 im National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul. Anmeldungen für die Tagung sind auch online möglich.

Modernizing the Modern

Rüsselsheim, Lutherkirche (Bild: K. Berkemann)
Modernizing the Modern (Bild: K. Berkemann)

Wie modernisiert man moderne Architektur? Zu ihrer Erbauung galt sie als radikal neu, inzwischen wird sie als historisch wahrgenommen. Doch viele der einst experimentellen Baustoffe lassen sich heute nur schwer erhalten. Eine Frage, die auf der diesjährigen Tagung der Southeastern College Art Conference (SECAC) vom 8. bis 11. Oktober 2014 in Sarasota/USA diskutiert wird. Für die Sektion „Modernizig the Modern. The Conundrum and Challenge of Preserving and Restoring Modern Architecture“, geleitet durch Christopher Wilson vom Ringling College of Art + Design, können Vorschläge (Abstract und CV ) online bis zum 20. April 2014 eingereicht werden.