Gulbransson-Kirche in liebevolle Hände abzugeben

Für 600.000 Euro und viel Idealismus können diese 192.000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche (und ein nochmals größeres Grundstück) Ihnen gehören: Im bayerischen Kelheim steht eine Gulbransson-Kirche zum Verkauf. Der entwerfende Architekt Olaf A. Gulbransson galt um 1960 als Hoffnungsträger des evangelischen Kirchenbaus, obwohl nur wenige der Entwürfe des Architekten bereits umgesetzt waren. Sein wahres Können entfaltete sich vielfach erst postum, als zahlreiche Kirchen nach dem Unfalltod von Gulbransson im Jahr 1961 fertiggestellt wurden. Zu diesen Werken zählt auch der Rundbau der von Karl H. Schwabenbauer fertiggestellten Lukaskirche im bayerischen Kelheim mit Altarfenstern des Glasmalers Hubert Distler.

2016 wurde die Lukaskirche bereits entwidmet. Zum Hintergrund erklärte die Gemeinde damals, vier Kirchen seien für 3.000 Protestanten nicht haltbar. Da man „von der Landeskirche die Aufgabe habe, dass sich die Kirchengemeinde von dem Gebäude trennen muss“, so zitierte die „Mittelbayerische“ Barbara Stein, Vertrauensfrau und Mitglied im Kirchenvorstand. Auch Umnutzungskonzepte wie eine Urnenkirche oder eine Tagungsstätte ließen sich nicht konkretisieren. Nun wird die inzwischen denkmalgeschützte Kirche offiziell über ein Immobilienbüro feilgeboten. (kb, 10.12.19)

Titelmotiv/unten: Kelheim, Lukaskirche (Bild: Orgelputzer, CC BY SA 4.0)

Stadthalle Grafing vorm Abriss?

Erst 33 Jahre alt ist die postmodern beeinflusste Stadthalle von Grafing nahe München. Und bereits seit 10 Jahren laufen Umbau- und Instandsetzungsarbeiten an der Haustechnik des gut ausgelasteten Gebäudes. Hauptgrund sind weniger Baumängel als die sich stetig weiter verschärfenden Bestimmungen zu Lüftung, Brandschutz und Barrierefreiheit. Auch liegt die Nutzbarkeit des Gesamtbaus bei nur etwa 40 Prozent statt bei 60 bis 70 Prozent wie in vergleichbaren Hallen. Zuletzt hat auch noch das zuständige Landratsamt Ebersberg erklärt, dass bis zum 31. Dezember 2019 Mängel an der Lüftungsanlage beseitigt werden müssen, da ansonsten die Betriebserlaubnis der Halle erlischt. Angesichts dieses hohen (finanziellen) Drucks hat nun der Grafinger Stadtrat nach einer Baubestandsaufnahme durch das Büro Klaus Beslmüller auch den Abriss der 1986 eingeweihten Halle ins Gespräch gebracht.

Geplant wurde der Bau seinerzeit vom Grafinger Architekten Roland Tauchmann. Sein zitatenreicher Mix aus Bayern-Barock, Spät- und sanfter Postmoderne samt Zwiebelhelm prägt bis heute das Erscheinungsbild des Orts. Übrigens wurde die Stadthalle selbst auch als Ersatz für einen Vorgängerbau errichtet wurde, dessen Sanierung sich (sogar nach Baubeginn) als zu teuer herausstellte. Und schon 1986 vervielfachten sich die Baukosten der neuen Halle auf insgesamt 9,5 Millionen Euro. Vielleicht bedenken die Entscheidungsträger ja die stets drohenden Kostenexplosionen eines Neubaus bei ihren Überlegungen … (db, 13.8.19)

Grafing, Stadthalle (Bild: Stadt Grafing)

Lichtspielhaus wieder eröffnet

Cineasten mit Vorliebe für klassisch-moderne Architektur haben ein neues Ausflugsziel: Fürstenfeldbruck. In der oberbayerischen Kleinstadt findet sich eines der dienstältesten Kinos des Bundeslandes. Das Lichtspielhaus wurde jüngst denkmalgerecht saniert und hat den Betrieb nun wieder aufgenommen. Den Besucher erwartet hier täglich ein anspruchvolles Filmprogramm in anregendem baulichen Ambiente. Zur Neueröffnung lief Joseph von Sternbergs „Der blaue Engel“.

Das Kino ist in seiner Formensprache sachlich, aber nicht radikal modern. Es wurde im Jahr 1930 nach Plänen des Fürstenfeldbrucker Architekten Adolf Voll errichtet. Der Baumeister, der bei Theodor Fischer in München gelernt hatte, drückte dem Städtchen mit einer Vielzahl von Gebäuden nachhaltig seinen Stempel auf. 2013 schlossen die Kinokassen wegen Inrentabilität, anschließend stand sogar der Abriss im Raum. Doch schon im nächsten Jahr wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, 2015 beseitigte die Stadt mit dem Kauf des Gebäudes die letzten Zweifel. Nachdem der Innenraum nun vollständig saniert und die originale Einrichtung rekonstruiert ist, steht als letzter Schritt noch die farbliche Gestaltung der Außenfassade aus. (jr, 18.9.18)

Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck (Bild: Kadir Kara, CC BY SA 3.0)