Weilheim: Turmfalken verhindern Abriss

Aus unserer beliebten Kategorie: Vögel retten Beton. In Weilheim bei München wird aktuell der markante Turm des BayWa-Betriebsgeländes niedergelegt. Genauer gesagt: wurde niedergelegt, denn besorgte Bürger meldeten der Kommune, wie der Merkur berichtet, am 21. April ein Turmfalken-Pärchen, dass um den Nachkriegsbau in der Münchener Straße kreiste. Nach einer Überprüfung durch den örtlichen Naturschutz wurden die Abrissarbeiten eingestellt. Der dort in der Nachkriegszeit entstandene Turm diente ursprünglich der Lagerung und dem Verkauf agrarischer Produkte. Nun soll er neuen Gebäuden für die Verwaltung und für den Vertrieb von Baustoffen weichen.

Der BayWa-Turm hatte über Jahrzehnte die Silhouette des Ortes geprägt. „Er war schon irgendwie ein Wahrzeichen, aber für uns nicht wirklich praktisch“, erklärte der BayWa-Standortleiter Johannes Atzler Mitte April gegenüber der Presse. Wie es vor Ort konkret weitergehen soll, wird aktuell geprüft. Doch von Dauer dürfte die Baggerpause nicht sein – zum einen waren die Abrissarbeiten schon zu weit vorangeschritten, zum anderen liegt bereits seit 2015 eine Genehmigung vor. Der darin enthaltenen Verpflichtung, einen Ersatznistplatz für Turmfalken bereitzuhalten, sei die BayWa – so der Merkur – bereits vor dem verzögerten Beginn der Arbeiten nachgekommen. Das geschützte Vogelpaar jedoch scheint eine baukünstlerisch anspruchsvollere Umgebung für seinen Nachwuchs vorzuziehen. (kb, 26.4.20)

Turmfalke (Bild Andreas Trepte, CC BY SA 2.5, 2014)

Gulbransson-Kirche in liebevolle Hände abzugeben

Für 600.000 Euro und viel Idealismus können diese 192.000 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche (und ein nochmals größeres Grundstück) Ihnen gehören: Im bayerischen Kelheim steht eine Gulbransson-Kirche zum Verkauf. Der entwerfende Architekt Olaf A. Gulbransson galt um 1960 als Hoffnungsträger des evangelischen Kirchenbaus, obwohl nur wenige der Entwürfe des Architekten bereits umgesetzt waren. Sein wahres Können entfaltete sich vielfach erst postum, als zahlreiche Kirchen nach dem Unfalltod von Gulbransson im Jahr 1961 fertiggestellt wurden. Zu diesen Werken zählt auch der Rundbau der von Karl H. Schwabenbauer fertiggestellten Lukaskirche im bayerischen Kelheim mit Altarfenstern des Glasmalers Hubert Distler.

2016 wurde die Lukaskirche bereits entwidmet. Zum Hintergrund erklärte die Gemeinde damals, vier Kirchen seien für 3.000 Protestanten nicht haltbar. Da man „von der Landeskirche die Aufgabe habe, dass sich die Kirchengemeinde von dem Gebäude trennen muss“, so zitierte die „Mittelbayerische“ Barbara Stein, Vertrauensfrau und Mitglied im Kirchenvorstand. Auch Umnutzungskonzepte wie eine Urnenkirche oder eine Tagungsstätte ließen sich nicht konkretisieren. Nun wird die inzwischen denkmalgeschützte Kirche offiziell über ein Immobilienbüro feilgeboten. (kb, 10.12.19)

Titelmotiv/unten: Kelheim, Lukaskirche (Bild: Orgelputzer, CC BY SA 4.0)

Stadthalle Grafing vorm Abriss?

Erst 33 Jahre alt ist die postmodern beeinflusste Stadthalle von Grafing nahe München. Und bereits seit 10 Jahren laufen Umbau- und Instandsetzungsarbeiten an der Haustechnik des gut ausgelasteten Gebäudes. Hauptgrund sind weniger Baumängel als die sich stetig weiter verschärfenden Bestimmungen zu Lüftung, Brandschutz und Barrierefreiheit. Auch liegt die Nutzbarkeit des Gesamtbaus bei nur etwa 40 Prozent statt bei 60 bis 70 Prozent wie in vergleichbaren Hallen. Zuletzt hat auch noch das zuständige Landratsamt Ebersberg erklärt, dass bis zum 31. Dezember 2019 Mängel an der Lüftungsanlage beseitigt werden müssen, da ansonsten die Betriebserlaubnis der Halle erlischt. Angesichts dieses hohen (finanziellen) Drucks hat nun der Grafinger Stadtrat nach einer Baubestandsaufnahme durch das Büro Klaus Beslmüller auch den Abriss der 1986 eingeweihten Halle ins Gespräch gebracht.

Geplant wurde der Bau seinerzeit vom Grafinger Architekten Roland Tauchmann. Sein zitatenreicher Mix aus Bayern-Barock, Spät- und sanfter Postmoderne samt Zwiebelhelm prägt bis heute das Erscheinungsbild des Orts. Übrigens wurde die Stadthalle selbst auch als Ersatz für einen Vorgängerbau errichtet wurde, dessen Sanierung sich (sogar nach Baubeginn) als zu teuer herausstellte. Und schon 1986 vervielfachten sich die Baukosten der neuen Halle auf insgesamt 9,5 Millionen Euro. Vielleicht bedenken die Entscheidungsträger ja die stets drohenden Kostenexplosionen eines Neubaus bei ihren Überlegungen … (db, 13.8.19)

Grafing, Stadthalle (Bild: Stadt Grafing)