Stadthalle Grafing vorm Abriss?

Erst 33 Jahre alt ist die postmodern beeinflusste Stadthalle von Grafing nahe München. Und bereits seit 10 Jahren laufen Umbau- und Instandsetzungsarbeiten an der Haustechnik des gut ausgelasteten Gebäudes. Hauptgrund sind weniger Baumängel als die sich stetig weiter verschärfenden Bestimmungen zu Lüftung, Brandschutz und Barrierefreiheit. Auch liegt die Nutzbarkeit des Gesamtbaus bei nur etwa 40 Prozent statt bei 60 bis 70 Prozent wie in vergleichbaren Hallen. Zuletzt hat auch noch das zuständige Landratsamt Ebersberg erklärt, dass bis zum 31. Dezember 2019 Mängel an der Lüftungsanlage beseitigt werden müssen, da ansonsten die Betriebserlaubnis der Halle erlischt. Angesichts dieses hohen (finanziellen) Drucks hat nun der Grafinger Stadtrat nach einer Baubestandsaufnahme durch das Büro Klaus Beslmüller auch den Abriss der 1986 eingeweihten Halle ins Gespräch gebracht.

Geplant wurde der Bau seinerzeit vom Grafinger Architekten Roland Tauchmann. Sein zitatenreicher Mix aus Bayern-Barock, Spät- und sanfter Postmoderne samt Zwiebelhelm prägt bis heute das Erscheinungsbild des Orts. Übrigens wurde die Stadthalle selbst auch als Ersatz für einen Vorgängerbau errichtet wurde, dessen Sanierung sich (sogar nach Baubeginn) als zu teuer herausstellte. Und schon 1986 vervielfachten sich die Baukosten der neuen Halle auf insgesamt 9,5 Millionen Euro. Vielleicht bedenken die Entscheidungsträger ja die stets drohenden Kostenexplosionen eines Neubaus bei ihren Überlegungen … (db, 13.8.19)

Grafing, Stadthalle (Bild: Stadt Grafing)

Lichtspielhaus wieder eröffnet

Cineasten mit Vorliebe für klassisch-moderne Architektur haben ein neues Ausflugsziel: Fürstenfeldbruck. In der oberbayerischen Kleinstadt findet sich eines der dienstältesten Kinos des Bundeslandes. Das Lichtspielhaus wurde jüngst denkmalgerecht saniert und hat den Betrieb nun wieder aufgenommen. Den Besucher erwartet hier täglich ein anspruchvolles Filmprogramm in anregendem baulichen Ambiente. Zur Neueröffnung lief Joseph von Sternbergs „Der blaue Engel“.

Das Kino ist in seiner Formensprache sachlich, aber nicht radikal modern. Es wurde im Jahr 1930 nach Plänen des Fürstenfeldbrucker Architekten Adolf Voll errichtet. Der Baumeister, der bei Theodor Fischer in München gelernt hatte, drückte dem Städtchen mit einer Vielzahl von Gebäuden nachhaltig seinen Stempel auf. 2013 schlossen die Kinokassen wegen Inrentabilität, anschließend stand sogar der Abriss im Raum. Doch schon im nächsten Jahr wurde der Bau unter Denkmalschutz gestellt, 2015 beseitigte die Stadt mit dem Kauf des Gebäudes die letzten Zweifel. Nachdem der Innenraum nun vollständig saniert und die originale Einrichtung rekonstruiert ist, steht als letzter Schritt noch die farbliche Gestaltung der Außenfassade aus. (jr, 18.9.18)

Lichtspielhaus Fürstenfeldbruck (Bild: Kadir Kara, CC BY SA 3.0)

Arabellas Galgenfrist

In München geht es dem Arabella-Hochhaus an den Kragen. Freunden der markanten Hochhausscheibe bleibt allerdings noch einige Zeit, sich zu verabschieden: Nach Informationen der Münchner Abendzeitung schlägt dem Bau erst im Jahr 2026 das letzte Stündlein. Eine Sanierung des 72 Meter hohen Kolosses, der bei einer Länge von 150 Metern rund 27000 Quadratmeter Nutzfläche bietet, hatte sich in Untersuchungen als sehr teuer bis undurchführbar erwiesen. Doch auch der Abriss verspricht, aufwendig zu werden: Da eine Sprengung nicht möglich ist, muss der 23-stöckige Bau Etage für Etage abgetragen werden.

Tragische Ironie: Das Arabella-Hochhaus wird damit pünktlich zum 60. Jahrestag der Grundsteinlegung abgerissen. Es wurde 1966 bis 1969 nach Plänen des Architekten Toby Schmidbauer errichtet. Als Bauherr fungierte der Unternehmer Josef Schörghuber. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 wurde ein Teil des Hauses zum Hotel umgebaut, noch heute vereint es Hotelzimmer, Mietwohnungen, Büros, Arztpraxen und eine Klinik. Die Nachfolge des Baus wird eine neue Hochhausscheibe antreten, die sich auch in der Konzeption an ihrem Vorgänger orientiert. (jr, 12.5.18)

Arabella-Hochhaus, München (Bild: PD)