Schlagwort: Bayern

Arabella-Hochhaus (Bild PD)

Arabellas Galgenfrist

In München geht es dem Arabella-Hochhaus an den Kragen. Freunden der markanten Hochhausscheibe bleibt allerdings noch einige Zeit, sich zu verabschieden: Nach Informationen der Münchner Abendzeitung schlägt dem Bau erst im Jahr 2026 das letzte Stündlein. Eine Sanierung des 72 Meter hohen Kolosses, der bei einer Länge von 150 Metern rund 27000 Quadratmeter Nutzfläche bietet, hatte sich in Untersuchungen als sehr teuer bis undurchführbar erwiesen. Doch auch der Abriss verspricht, aufwendig zu werden: Da eine Sprengung nicht möglich ist, muss der 23-stöckige Bau Etage für Etage abgetragen werden.

Tragische Ironie: Das Arabella-Hochhaus wird damit pünktlich zum 60. Jahrestag der Grundsteinlegung abgerissen. Es wurde 1966 bis 1969 nach Plänen des Architekten Toby Schmidbauer errichtet. Als Bauherr fungierte der Unternehmer Josef Schörghuber. Anlässlich der Olympischen Spiele 1972 wurde ein Teil des Hauses zum Hotel umgebaut, noch heute vereint es Hotelzimmer, Mietwohnungen, Büros, Arztpraxen und eine Klinik. Die Nachfolge des Baus wird eine neue Hochhausscheibe antreten, die sich auch in der Konzeption an ihrem Vorgänger orientiert. (jr, 12.5.18)

Arabella-Hochhaus, München (Bild: PD)

Siedlung Bogenhausen (Bild Architekturmuseum der TUM)

Bayern: 100 Jahre Wohnungsbau

In Bayern beruft man sich gerne auf jahrhundertealte Traditionen. Der Freistaat selbst feiert jedoch erst in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag: 1918 wurde er im Rahmen der Novemberrevolution ausgerufen. Eine Sonderausstellung des Architekturmuseums der TU München nimmt das Jubiläum zum Anlass, um einen Blick auf 100 Jahre bayerischen Wohnungsbau zu werfen – vom staatlich geförderten Eigenheim bis zur Großwohnsiedlung.

Mit der Gründung der Weimarer Republik erfuhr der soziale Wohnungsbau nicht nur in Bayern eine enorme Bedeutungsaufwertung. So schrieb die Verfassung von 1919 als Staatsziel fest, jedem Bürger eine angemessene Wohnung zu sichern. Davon ausgehend beleuchtet die Ausstellung mit dem einprägsamen Titel „Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen!“ 40 ausgewählte Bau- und Siedlungsprojekte des Freistaates bis ins Jahr 2018. Gesetzesänderungen und politische Kurswechsel, Kriegszerstörungen und Wohnungsnöte finden dabei ebenso Beachtung wie gesellschaftliche Entwicklungen mit direkten Auswirkungen auf den Wohnungsbau. Die Schau stützt sich dabei neben Fotografien und Plänen auf zahlreiche Modelle und historisches Filmmaterial. Sie ist noch bis zum 13. Mai 2018 in München zu sehen. (jr, 15.4.18)

München, Bogenhausen (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Schrobenhausen, Rathaus, 2011 (Bild: Aisano, GFDL oder CC BY SA 4.0)

Neues Denkmal für Schrobenhausen

Bei Vokabeln wie „Betonklotz“ reibt sich der ruhrpottgewöhnte Architekturbeschauer verdutzt die Augen. Doch für das oberbayerische Schrobenhausen ist der Rathausbau am Lenbachplatz etwas deutlich Modernes: Der – farbig angepasste, teils kupferverkleidete und mit einem versöhnlichen Satteldach versehene – Stahlbetonbau entstand 1968/69 nach Plänen des Architekten Peter Buddeberg. Dass dafür damals das historische Rathaus niedergelegt wurde, mag die Phantomschmerzen für manche Schrobenhausener noch verstärken. So wurde es nicht nur mit Freude begrüßt, als die Denkmalpflege das „neue“ Rathaus unter Schutz stellte.

Hintergrund der Kritik ist die anstehende Sanierung des nachkriegsmodernen Rathauses. Von einer Verlegung, von einem Abriss gar war zwischendurch die Rede. Im Frühjahr beschloss der Stadtrat jedoch, nicht gegen die Unterschutzstellung vorzugehen. Das Landesamt sieht den Bau als „einen herausragenden Bezugspunkt im Ensemble Altstadt“. Landeskonservator Mathias Pfeil stellte sich diesen Herbst der „Schrobenhausener Zeitung“. Die Unterschutzstellung des Rathauses stehe noch in einem größeren Zusammenhang, arbeite das Landesamt doch gerade Bauten der 1960er/70er Jahre mit ihren besonderen Qualitäten auf. „Gebäude, die relativ jung sind, brauchen Zeit, bis sie anerkannt sind.“ Buddeberg habe sich in Schrobenhaus städtebaulich sensibel am historischen Standort und an Vorbildern wie der „Schrannenhalle“ orientiert. (kb, 1.11.17)

Schrobenhausen, Rathaus, 2011 (Bild: Aisano, GFDL oder CC BY SA 4.0)

"Würzburg. Architektur seit 1918" (Bild: Schnell und Steiner)

100 Jahre Würzburg

Würzburg verbindet man im Allgemeinen nicht mit klassischer Moderne oder Nachkriegsarchitektur. Kein Wunder: Im Schatten der barocken Residenz der Stadt, seit 1981 UNESCO-Welterbe, konnten sich Architektur und Planung des 20. Jahrhunderts kaum behaupten. Eine jüngst erschienene Monographie ändert dies und beleuchtet die Würzburger Architektur der letzten 100 Jahre erstmals umfassend. Sie stellt die baulichen Entwicklungslinien seit 1918 heraus, ordnet sie in Architektur. und Stadtgeschichte ein und nimmt herausragende Einzelbauten in den Blick.

Das Buch charakterisiert Würzburg dabei als repräsentatives Beispiel für Architektur und Planung des 20. Jahrhunderts in einer mittelgroßen deutschen Stadt. Besonders nach 1945 sah sich die Architektenschaft der unterfränkischen Stadt großen Herausforderungen gegenüber. Würzburg war noch in den letzten Kriegstagen bombardiert worden, die Innenstadt zu 90 % zerstört. Neben dem Wiederaufbau historischer Gebäude wie dem Dom oder der Residenz steht die Würzburger Nachkriegsarchitektur auch für so moderne Bauten wie die Kirche St. Alfons, die 1953/54 nach Entwürfen Hans Schädels errichtet wurde. (jr, 7.7.17)

Sander, Johannes, Würzburg. Architektur seit 1918, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2017, ISBN 978-3-7954-32324.

Unbewehrt – bewehrt – bewährt?

Chemnitz, Betonbauarbeiten zur "Großen Stadthalle", 1970 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0724-0019-001, CC BY SA 3.0, Foto: Wolfgang Thieme)
Chemnitz, Betonbauarbeiten zur „Großen Stadthalle“, 1970 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0724-0019-001, CC BY SA 3.0, Foto: Wolfgang Thieme)

Am 22. September 2016 findet die Tagung „unbewehrt – bewehrt – bewährt? Betoninstandsetzung in der Denkmalpflege II“ im Bauarchiv Thierhaupten (Klosterberg 8, 86672 Thierhaupten) statt. Sie knüpft an die im letzten Jahr stattgefundene Veranstaltung zum gleichen Thema an. Dabei spannt sie einen Bogen von frühen Ingenieurbauwerken aus unbewehrtem Stampfbeton über die ersten bewehrten Eisenbetonbauten bis hin zu den jüngeren Baudenkmälern der 1960er Jahre. Im Mittelpunkt steht der Zeugniswert dieser Bauten ebenso wie die Herausforderung, mit der sich  Denkmalpflege und Planer konfrontiert sehen.

Anhand von Praxisbeispielen sollen Lösungsansätze dargestellt werden. Zudem stellen die Referenten aktuelle Entwicklungen zu Normen bzw. Richtlinien, die die Denkmalpflege ebenso betreffen wie Aspekte der Instandsetzungstechnik. Anmeldungen werden entgegengenommen bis zum 26. August 2016 per E-Mail oder Fax an: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, 8, 86672 Thierhaupten, Telefon 08271/8157-10, Telefax 08271/8157-55, bauarchiv@blfd.bayern.de, Klosterberg, www.blfd.bayern.de, Ansprechpartnerin: Dipl.-Ing. Elke Hamacher, Bauarchiv Thierhaupten – Bayerisches Fortbildungs- und Beratungszentrum für Denkmalpflege. (kb, 7.8.16)