Architektur als Exportware?

In den 1930er Jahren wurden Baumaterialien zu einem wichtigen Handelsgut zwischen dem zu diesem Zeitpunkt britischen Palästina und Deutschland. Die Ausstellung „The Matter of Data“ des Centre for Documentary Architecture, die noch bis zum 29. Februar im „Satellit“ der Architekturgalerie Berlin zu sehen ist, widmet sich dieser logistischen und politischen Komponente der modernen Architektur. Dabei wird der Handel mit Baumaterial in Beziehung zur Exil- und Fluchtgeschichte gesetzt und die Auswirkungen auf die Entwicklung der Architektur erläutert. Nicht zuletzt soll es auch darum gehen, welche politischen Aspekte im Terminus „Bauhaus-Moderne“ impliziert sind.

Im Fokus stehen denkmalpflegerische Analysen, die durchaus auch das gemeine Bild von der sogenannten „weißen Stadt“ Tel Aviv ins Wanken bringen. Anhand der Befunde von Farb- und Materialanalysen einer Fassade wird die Stadtgeschichte sichtbar gemacht. Ergänzend werden digitale Bauaufnahmen, dokumentarische Filme und Archivmaterial präsentiert. Der Eintritt ist frei. (mk, 7.2.20)

Wohnmaschinen

Für unter den moderneaffinen Weihnachtsbaum ist vorgesorgt, denn im Jovis-Verlag widmet sich eine neue Publikation der guten alten Wohnmaschine: Le Corbusiers Unité d’habitation „Typ Berlin“ enstand 1958 nahe dem Olympiastadion. Was ursprünglich wie die Wohnmaschine in Marseille aussehen sollte, geriet in der Hauptstadt – dank rigider Vorgaben der Auftraggeber – zum eigenständigen Bauwerk. Dieser „Typ Berlin“ nimmt eine „Außenseiterposition“ im Werk des Architekten ein.

Vor diesem Hintergrund haben sich Autoren aus Architektur, Stadtplanung, Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft zusammengetan, um die Entstehungsgeschichte des Kulturdenkmals zu entschlüsseln. Hierfür wird die Entwicklung der klassischen Wohnmaschine von Marseille nachgezeichnet und die besondere Farbgebung ihrer kleinen Berliner Schwester näher untersucht. (kb, 15.12.19)

Högner, Bärbel (Hg.), Le Corbusier: Unité d’habitation „Typ Berlin“, Jovis-Verlag, Berlin 2019, Klappenbroschur, 17 x 24 cm, ca. 256 Seiten, ca. 180 Farbabbildungen, Deutsch/Englisch, ISBN 978-3-86859-563-5.

Berlin, Corbusierhaus (Bild: Jean-Pierre Dalbéra, CC BY 2.0)

Kunst am Bau in der DDR

2020 stehen gleich zwei besondere Jubiläen an: 70 Jahre Kunst am Bau in Deutschland und 30 Jahre Wiedervereinigung. Den Auftakt für eine kleine Veranstaltungsreihe dazu bildet das Symposion „Kunst am Bau in der DDR – gesellschaftlicher Auftrag, politische Funktion, stadtgestalterische Aufgabe“ in Berlin (Akademie der Künste, Plenarsaal, Pariser Platz 4, 10117 Berlin) am 24. Januar 2020 zwischen 10 und 20 Uhr. Die Tagung bildet eine Kooperation zwischen dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sowie der Akademie der Künste/Berlin.

Die Veranstalter verstehen Kunst am Bau „als Auftragskunst Bindeglied zwischen Architektur, Kunst, Politik und Stadtgestaltung“. Nach ersten Anfängen in den 1920er Jahren entwickelte sie sich im zweigeteilten Deutschland zwischen den Blöcken zum kulturpolitischen Aushängeschild. 1950 legte die Kulturverordnung fest, dass bei staatlichen Projekten ein bis zwei Prozent der Baukosten in Kunst investiert werden müssen. Nach der Wiedervereinigung verloren viele dieser Kunstwerke aus DDR-Zeiten ihren ursprünglichen Deutungszusammenhang, teils auch ihr angestammtes architektonisches Umfeld. Die Berliner Tagung möchte nun auf Werte und Chancen dieses kulturellen Erbes aufmerksam machen. Um Anmeldung wird gebeten unter: Dr. Ute Chibidziura, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, KunstamBau@bbr.bund.de. (kb, 13.12.19)

Berlin, Staatsratsgebäude, Wandgestaltung von Fritz Kühn (Bild: BBR/Cordia Schlegelmilch)