Berlin: Mäusebunker und Hygieneinstitut akut bedroht

Das Tierversuchslabor der FU Berlin, liebevoll „Mäusebunker“ genannt, wurde zwischen 1971 und 1980 von Gerd Hänska errichtet. Schon seit Längerem droht die Charité mit dem Abriss, um neu zu bauen. Der bestehende Bau sei zu unwirtschaftlich, zu wenig flexibel. Daher soll der Mäusebunker im dritten Quartal dieses Jahres niedergelegt werden. Für den neuen Forschungscampus will die Charité ebenfalls das Institut für Hygiene und Umweltmedizin (Fehling+Gogel, 1974) abreißen.

Aktuell steht der Mäusebunker (noch?) nicht unter Denkmalschutz. Dabei herrscht unter Architekturexperten bereits Einigkeit über den Wert des Baukunstwerks, das u. a. in die „SOS-Brutalismus“-Kampagne aufgenommen wurde. Abrissgegner können online eine Petition unterzeichnen, mit dem die Kunsthistoriker Felix Torkar und der Architekt Gunnar Klack für den Erhalt der beiden bedrohten brutalistischen Bauwerke werben. Gemeinsam komme dem Ensemble am Campus Benjamin Franklin ein besonderer Wert zu, so die Petition: „Diese identitätsstiftenden Bauten der Stadtgeschichte sind herausragende Beispiele dafür, wie trotz oder vielleicht gerade wegen des geforderten strengen Rationalismus unerwartete, neuartige, aufregende Formen entstehen können.“ (kb, 29.3.20)

Berlin, Hygieneinstitut (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 2.0, via flickr.com)

Ludwig Leos Umlauftank

„UT 2“ – hinter diesem profanen Namen verbirgt sich ein wundervoller Experimentalbau in Blau und Rosa. An der Berliner Straße des 17. Juni in Berlin führte man schiffstechnische Modellversuche durch. Bis 1974 wurde der Umlauftank entwickelt vom Ingenieur Christian Boës mit dem Architekten Ludwig Leo. Im Herbst 2017 schloss die Wüstenrot Stiftung die denkmalgerechte Instandsetzung des Gebäudes ab, die von den Büros HG Merz und adb Ewerien und Obermann durchgeführt wurde.

Nun stellt die Ausstellung „Architektur als Experiment“ Planung und Instandsetzung des Umlauftanks neu vor: mit weitgehend unbekannten, historischen Fotografien und Plänen sowie neu produzierten Filmen. Im Hintergrund steht die These: Ein solch experimenteller Bau konnte nur im West-Berlin des Kalten Krieges entstehen, als die Insellage und westdeutsche Subventionen eine radikale Architektur ermöglichte. Teil der Ausstellung ist der 45-minütige Animationsfilm „Ludwig Leo Werkfilm“, der sieben Projekte Leos aus den Jahren 1956 bis 1973 vorstellt. Zu sehen ist die Ausstellung in Berlin (BHR OX bauhaus reuse, temporärer Pavillon auf der Mittelinsel des Ernst-Reuter-Platzes, 10587 Berlin) vom 26. März bis zum 26. April 2020, in Leipzig vom 5. Mai bis zum 25. Juni 2020. Parallel zur Ausstellung erscheint bei Spector Books die Publikation „Ludwig Leo. Umlauftank 2“ der Wüstenrot Stiftung. (kb, 14.3.20)

Berlin, Umlauftank (Bild: Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg, Philipp Lohöfener, Berlin)

Zusammen 130: Denkmaltag Berlin-Brandenburg

Am 3. April 2020 feiern Berlin und Brandenburg zum ersten Mal gemeinsam den Denkmaltag – 100 Jahre nach der Bildung von Groß-Berlin und 30 Jahre nach Gründung des heutigen Brandenburg. Das Landesdenkmalamt Berlin, das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und das Archäologische Landesmuseum laden ein in die Technische Hochschule in Wildau (Hochschulring 1, Halle 14 15745 Wildau, in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof Wildau). Die ehema­lige Lokomotivenfabrik der Firma Schwartzkopff ist als Beispiel für die Konversion eines Industriedenkmals schon alleine einen Abstecher wert.

Das Programm des Berlin-Brandenburgischen Denkmaltags widmet sich dem Motto „Stadt, Land, Denkmal“. In Doppelvorträgen werden, sortiert nach Gattungen, sprechende Beispiele aus der denkmalpflegerischen Praxis der beiden Bundesländer einander gegenübergestellt: der Rangierbahnhof Wustermark und das Bahnbetriebswerk Schöneweide, die Siedlung Kleinmachnow und die Borsig-Siedlung Heiligensee, die Beelitzer Heilstätten und die Krankenhausstadt Berlin-Buch, der Südwestfriedhof Stahnsdorf und die Friedhöfe an der Bergmannstraße, das Olympisches Dorf Elstal und das Olympiagelände Berlin. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht notwendig. (kb, 26.2.20)

Elstal, Olympisches Dorf (Bild: Andraes Levers, CC BY 2.0, 2008)