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Berlin, Scala-Girls mit Ballons (Bild: Willi Pragher, Deutsche Digitale Bibliothek, CC BY SA 3.0, 1936)

„… und abends in die Scala“

Der Jongleur Enrico Rastelli, der Clown Grock, die A-Capella-Truppe Comedian Harmonists und die tanzenden Ballon-Girls – in der Berliner „Scala“ traten von 1920 bis 1940 die damaligen Größen des Showbusiness auf. Damit galt die Berliner Institution als eines der berühmtesten Varietés Deutschlands. Die Scala stand zwischen den Zeiten der „Goldenen Zwanziger“ und den Jahren des Nationalsozialismus. Das Gebäude wurde teils kriegsbeschädigt, musste später einer Modernisierung und einem Neubau weichen.

Anfangs trafen sich hier Mensch unterschiedlicher Herkunft und Gesinnung. Unter den wechselnden Eigentümern des Varietés fanden sich viele jüdische Geschäftsmänner. Einer der damaligen Teilhaber ihnen, der Verleger und Kinobesitzer Karl Wolffsohn, wurde inhaftiert, sein Besitz arisiert. Am Ende konnte er nach Palästina fliehen und sein Enkel, der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn, regte nun eine Gedenktafel am Standort der „Scala“ an. Diese wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa am 24. Juli 2018 um 11 Uhr in der Martin-Luther-Str. 14 in 10777 Berlin enthüllt. (kb, 20.7.18)

Berlin, Scala-Girls mit Ballons (Bild: Willi Pragher, Deutsche Digitale Bibliothek, CC BY SA 3.0, 1936)

Berlin, U-Bahnhof "Schloßstraße" (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Architekturmoderne unter Tage

Verkehrsbauten, gerade der Moderne, setzen sichtbare Zeichen in den Städten und werden oft zu Identifikationsorten ihrer Nutzer. Doch mit der sich ändernden Funktion, mit Modernisierungsschüben bei Auto, Bus und Bahn, drohen diesen kleinen Inkunabeln heute große Veränderungen – bis hin zum Totalverlust. Vor diesem Hintergrund laden ICOMOS Deutschland, das Landesdenkmalamt Berlin und die Initiative Kerberos vom 20. bis 23. Februar 2019 ein in die Berlinische Galerie. Mit der internationale Konferenz „Underground Architecture“ wollen sie die architektonische Gestaltung von U-Bahnhöfen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts untersuchen.

Im Detail geht es den Veranstaltern um den europäischen Vergleich, um den Austausch zwischen Denkmalpflege und Denkmalforschung, zwischen den Machern, Betreibern und Nutzern moderner U-Bahnlinien und -stationen. Noch werden Themenvorschläge gesucht, z. B. zu den folgenden Schwerpunkten: Denkmalwerte und -bedeutung; Konstruktion, Material und Farbe; Erhaltung und Modernisierung; Vermittlung und Rezeption; Akteure und Netzwerke. Bis zum 15. August 2018 können Exposés für einen Vortrag (max. 1.500 Zeichen) mit einem Lebenslauf (max. 300 Zeichen) gesendet werden an: icomos@icomos.de. moderneREGIONAL unterstützt die Initiative als Medienpartner. (kb, 10.7.18)

Berlin, U-Bahnhof „Schloßstraße“ (Foto: Ralf Schüler/Ursulina Schüler-Witte, 1974, Copyright: Berlinische Galerie)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Kulti und „Rosa Röhre“ auf der Shortlist

Unter den vielen Neubauten, die auch in diesem Jahr von einer Fachjury für das Deutsche Architekturmuseum(DAM) auf ihre Preiswürdigkeit hin gesichtet werden, finden sich auch nachkriegsmoderne Schätze. In die Shortlist, der engeren Vorauswahl von 22 Auszeichnungsanwärtern, wurden zwei Sanierungen aufgenommen. Da ist zunächst der Berliner Umlauftank2, besser bekannt als „Rosa Röhre“, der jüngst durch das Berliner Büro hg merz im Auftrag der Wüstenrot Stiftung wieder hergerichtet wurde. Das Versuchsgebäude der TU entstand 1974 nach Plänen Ludwig Leos im Stadtteil Tiergarten. In der überdimensionalen Röhre, die rechts und links aus dem Bauwerk herausragt, lassen sich künstliche Wasserströme erzeugen und die Seetauglichkeit von Schiffsmodellen erproben.

Und da wäre eine zweite Sanierung auf der Shortlist: die Renovierung des Dresdener Kulturpalastes durch das Hamburger Büro gmp Architekten (Gerkan, Marg und Partner) für KID (Kommunales Immobilienmanagement Dresden GmbH & Co. KG). 1969 wurde der vom Architekten Wolfgang Hänsch entworfene Kulturpalast in Dresden eröffnet. Vor den Ruinen von Schloss und Frauenkirche markierte der klare Glas-Beton-Bau ein deutliches Bekenntnis zur Moderne. Hänsch verband mit der Multifunktionshalle Raum für kulturelle und politische Veranstaltungen unter einem Dach. Seit 2008 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Wir drücken beiden Moderne-Kandidaten die Daumen im finalen Rennen um den DAM-Preis 2019. (kb, 7.7.18)

Berlin, Umlauftank (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0)

Berlin, Kino International zu seiner Eröffnung am 15. November 1963 (Bild: Horst Sturm, 1963)

Bauten der Ostmoderne unter Denkmalschutz

Wenn eine Veranstaltungsankündigung schon im Titel mit Anführungszeichen hantiert, dann geht es um Probleme oder Ironie oder Unsicherheit. In diesem Fall hat sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Bauten der (hier wären sie) „Ostmoderne“ vorgenommen. Gemeint sind die „zwischen 1945 und 1965 in der sowjetischen Besatzungszone“ errichteten Architekturen. Schon die Begriffsfindung für diese Epoche bereitet den Fachleuten Kopfzerbrechen, man will weder vereinnahmen noch verharmlosen. Seit einigen Jahren scheint sich für diese Zeit der Stilbegriff der „Ostmoderne“ durchzusetzen.

Die Stilformen der Ostmoderne, so die Veranstaltungsankündigung, würden sich von denen im Westen zu dieser Zeit unterscheiden – und würden eben dort bislang kaum Anerkennung finden. Dem will die DSD nun abhelfen: mit der Veranstaltung „Bauten der ‚Ostmoderne‘ unter Denkmalschutz“, einem Tagesseminar zur Baustilkunde, das am 16. August 2018 von 9 bis 17 Uhr statt im Nicolaihaus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (Brüderstraße 13, 10178 Berlin) stattfindet. Denn viele Bauten der DDR-Zeit stehen – ob aus geschichtlichen, städtebaulichen, künstlerischen oder weiteren Gründen – bereits unter Denkmalschutz. Vor diesem Hintergrund werden im Tagesseminar die Aufgaben bei Sanierungen von Bauten der Ostmoderne und gelungene Praxisbeispiele vorgestellt. Es wird eine Teilnahmegebühr erhoben, weitere Informationen unter: 0228 9091-426, denkmalakademie@denkmalschutz.de. (kb, 21.6.18)

Berlin, Kino International zu seiner Eröffnung am 15. November 1963 (Bild: Horst Sturm, 1963)

Berlin, Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche (Bild: historische Postkarte, 1957)

Fertig!

Am Montag hatte die Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche allen Anlass  zum Feiern: Die Sanierung der 1957 eingeweihten Kirche ist abgeschlossen. Zwei Jahre und 1,6 Millionen Euro hat die Renovierung der modernen Inkunabel gekostet. Im Hansaviertel, im Umfeld der Interbau 57 entstanden, ersetzte der Neubau einen älteren Vorgängerbau. Die erste Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche aus dem Jahr 1895 vom Architekten Johannes Vollmer war dem deutschen Kaiser Friedrich III., dem Vater Wilhelms II., gewidmet. Sie wurde 1943 bei Luftangriffen stark beschädigt. Nach Kriegsende diente zunächst eine Notkapelle als Provisorium.

Mit dem Beschluss der Neugestaltung des Hansaviertels wurden auch die Überreste der ersten Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche gesprengt und der Neubau in Angriff genommen. Der Auftrag für dieses Objekt Nr. 26 ging an Ludwig Lemmer, der als Senatsbaudirektor auch an der Rahmenplanung des gesamten neuen Hansaviertels beteiligt war. An der Innenausstattung war u. a. der Glasmaler Georg Meistermann beteiligt. Der markante, 68 Meter hohe Glockenträger brachte der Kirche den obligatorischen Berliner Spitznamen „Seelenbohrer“ ein. Und gerade dessen luftige Stahlbetonkonstruktionen hatte unter den Schwingungen des Glockenläutens gelitten. 14 Jahre musste er stillgelegt auf seine Wiederbelebung warten. (kb, 20.6.18)

Berlin, Kaiser-Friedrich-Gedächtniskirche (Bild: historische Postkarte, 1957)