Die Demokratie und ihre Adler

Symboltiere haben es an sich, dass ihre Form viel bedeutet – so auch beim Adler. Der Wappenvogel der Demokratie durfte verschiedenste Stile durchlaufen: expressionistischen Überschwang, klare Sachlichkeit, nachkriegsmoderne Biederkeit und postmoderne Kühle. In der Weimarer Republik übernahm der Kunsthistoriker und Werkbund-Akteur Edwin Redslob das historisch einmalige Amt des Reichskunstwarts. Er sollte moderne Gestaltungsprinzipien auf ein nationales Erscheinungsbild übertragen – auf Wappen, Schildern, Geldscheine, Briefmarken, Urkunden und Siegel. Damit sollte der Neuanfang nach dem Kaiserreich auch bildhaft greifbar werden.

Vor diesem Hintergrund hat das Berliner Werkbundarchiv – Museum der Dinge (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) Redslobs Nachlass daraufhin abgeklopft, wie damals künstlerische Entwurfs- und politischen Entscheidungsprozesse abliefen. Nicht zuletzt fragten die Ausstellungsmacher danach, wie sich das deutsche Symboltier bis heute entwickelt hat: zwischen „fetter Henne“ und abgemagertem Bundesadler. Die daraus entstandene Ausstellung „Die Demokratie und ihre Adler. Konstruktion eines nationalen Erscheinungsbildes in der Weimarer Republik“ ist im Museum der Dinge zu sehen ab dem 18. Juni 2020. (kb, 16.6.20)

Bonn, Bundesrechnungshof, Adler (Bild: © Axel Kirch, CC BY SA 4.0, via Wikimedia Commons)

UNESCO-Welterbe digital

Am 7. Juni ist – wie jedes Jahr – UNESCO-Welterbetag, trotz Corona. Um allen Distanzauflagen gerecht werden zu können, lädt das Landesdenkmalamt Berlin ab 11 Uhr zur virtuellen Erkundung der modernen Seite der Hauptstadt ein. Online werden unter dem Titel „Vielfalt Moderne | Moderne Vielfalt“ sechs Siedlungen diese Stilphase vorgestellt, die zum UNESCO-Welterbe gehören. Kooperationspartner ist die Triennale der Moderne, ein 2013 in Dessau, Berlin und Weimar gestartetes Format zur Vermittlung dieser Architekturepoche. Mit der Online-Veranstaltung zum internationalen Welterbetag präsentiert sich die Triennale erstmals auch außerhalb des 3-Jahres-Taktes.

Nach Grußworten führen am 7. Juni 2020 Robert K. Huber und Ben Buschfeld durch zehn Vorträge rund um die Architekturmoderne – darunter Otto Bartnings Kirchenbauten. Im Anschluss folgen zwei Film-Premieren, die eigene Einblicke in die zwischen 1913 und 1934 entstandenen Berliner Welterbe-Siedlungen erlauben – beide Filme sind auch nach dem 7. Juni noch einsehbar. Ergänzend bietet eine neu online gestellte Homepage virtuelle Erkundungen durch Berlins Welterbe-Siedlungen an: www.welterbe-siedlungen-berlin.de. (kb, 5.6.20)

Link zum Livestream: 7. Juni 2020, Vorträge ab 11 Uhr, Filme ca. ab 12.45 und 13.30 Uhr: www.youtube.com/watch?v=6L5fgyyVTv4

Berlin, Kirche der Christlichen Wissenschaft (Bild: Wolfgang Bittner)

IBA 87 online

Einer der wenigen (!) Vorteile der Corona-Beschränkungen liegt vielleicht darin, dass Wunsch-Veranstaltungen ohne Reisestress auf den heimischen Rechner kommen – so jetzt auch zum Thema Internationalen Bauausstellung (IBA) 1984/87. Damals hatte man sich der Aufgabe gestellt, Teile der Westberliner Innenstadt als Wohnraum zurückzugewinnen. Schlagworte der großangelegten Maßnahme waren „kritische Rekonstruktion“ und „behutsame Stadterneuerung“. Unter den beteiligten Architekten finden sich klangvolle Namen der (Post-)Moderne wie Josef Paul Kleihues, Gottfried Böhm, Mario Botta, Karl und Max Dudler oder Hans Hollein. Einige dieser POMO-Schönheiten sind zwischenzeitlich verloren gegangen, darunter 2013 die markante Wohnanlage am Lützowplatz von Oswald Mathias Ungers. 2019 wurden dann aus den IBA-Ergebnissen sowohl Baudenkmale als auch Gartenbaudenkmale ausgewiesen – in Tegel, Tiergarten und Wilmersdorf.

Nun widmet sich das Landesdenkmalamt Berlin den Bauten der IBA 84/87 in seiner Reihe „Jung, aber Denkmal“. Am 25. Mai 2020 diskutieren – unter der Moderation der Architekturhistorikerin Kirsten Angermann – Experten aus Denkmalpflege, Stadtplanung und Politik. Landeskonservator Christoph Rauhut gibt zu Beginn der Veranstaltung einen Überblick über die bereits unter Schutz stehenden Bauten. Die Veranstaltung des Landesdenkmalamts Berlin und der Architektenkammer Berlin erfolgt in Kooperation mit der Berlinischen Galerie und moderneREGIONAL. Der Livestream ist am 25 Mai 2020 um 20 Uhr via youtube abrufbar hier: https://youtu.be/RbUnzdcJgtU. (kb, 11.5.20)

Berlin, Wohn- und Geschäftshaus Friedrichstraße 11 (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 4.0, 2017)