Berlin

Renaud Epstein, Postkarte "Rives du Cher, Tour" (Bildquelle: Twitter-Account @renaud_epstein)

Kreise ziehen

Die Stadt jenseits der Zentren, die Großwohnsiedlungen der 1960er bis 1990er Jahre, bleiben vielen Menschen bis heute merkwürdig fremd. Doch gerade diese Architekturen der Moderne lohnen eine neue Erzählung ihrer Eigen- und Besonderheiten. Sie sind untereinander vergleichbar, wie sie sich als Ring, als Kreise um die Innenstadt legen. Daher blickt das Ausstellungsprojekt „Kreise ziehen 2. Großsiedlungen und die Produktion von Bildern ihrer selbst“ Berlin-Hellersdorf ebenso auf Partnersiedlungen inner- und außerhalb der Hauptstadt.

Im zweiten Teil der Ausstellungsreihe werden die Bildsammlungen französischer Stadtrand-Großsiedlungen des Soziologen Renaud Epstein gezeigt. Seit 2008 macht er sein umfangreiches Archiv historischer Postkartenansichten von französischen Banlieus täglich via Twitter (@renaud_epstein) zugänglich. Ergänzend sind in Berlin-Hellersdorf künstlerische Arbeiten des von Anwohnern und Künstlern geführten Stadtteilforums „Idee 01239“ zu sehen. Das 2006 von Eva Hertzsch und Adam Page gegründete Projekt nahm seinen Anfang in einem ehemaligen Getränkeladen in der Großsiedlung Dresden-Prohlis. Die Ausstellung wird noch bis zum 17. November 2018 präsentiert in der station urbaner kulturen (Auerbacher Ring 41, Eing. Kastanienboulevard, neben Lebenshilfe e. V., 12619 Berlin). (kb, 22.10.18)

Renaud Epstein, Postkarte „Rives du Cher, Tour“ (Bildquelle: Twitter-Account @renaud_epstein)

Berlin-Wedding, Diesterweg-Gymnasium (Bild: Christian Kloss, urbanophil, 2010)

Diesterweg-Gymnasium: Abriss angekündigt

Orange die Fassade, die Ecken abgerundet, grüne Türen mit großen Bullaugen-Fenstern – das Diesterweg-Gymnasium (1977, Pysall, Jensen & Stahrenberg) im Brunnenviertel ist ein markanter Nachkriegsbau und einzigartig in Berlin. Nicht nur die Gestaltung des dreigeschossigen Gebäudes war futuristisch, auch das Nutzungskonzept war experimentell. Im Erdgeschoss verband eine öffentlich zugängliche Schulstraße die beiden Eingänge von der Putbusser und der Schwinemünder Straße. An der Schulstraße liegt als offener Raum die Aula mit bodentiefen Fenstern. Orangene Treppen führen ins Obergeschoss mit Klassenzimmern, deren Wände flexibel angepasst werden konnten. Mit einer Stadtbibliothek, einem Sportplatz und einer Turnhalle und durch seine stadträumliche Einbindung diente die Schule als Quartiersmittelpunkt im Brunnenviertel.

2011 wurde die Schule geschlossen: Der hohe Flächenanteil pro Schüler und der schlechte energetische Standard galten als unwirtschaftlich. Seitdem wird über Abriss oder Umnutzung diskutiert, viele haben sich für den Erhalt des Gebäudes ausgesprochen und auf die architektonische, städtebauliche und soziale Bedeutung hingewiesen. Es gibt sogar ein ausgereiftes Nutzungskonzept für ein soziokulturelles Nachbarschaftszentrum mit Kita, Theater, Bibliothek, Sportangeboten, Gemeinschaftsgarten und preiswerten Wohnungen. Doch der zuständige Schulstadtrat verkündete vor wenigen Tagen, dass die Schule abgerissen wird. Der Grund sei ein Wasserschaden wegen eines geplatzten Rohrs. (ck, 4.9.18)

Berlin, Diesterweg-Gymnasium (Foto: Christian Kloss, urbanophil, 2010)

Berlin, St. Hedwig (Bild: Schlaier, gemenfrei)

Berlin: St. Hedwig gibt Anlass zur Klage

Eigentlich ist die letzte Messe gesungen: St. Hedwig ist seit dem 1. September geschlossen, die Sanierung soll bald starten. Die Bischofskirche und Basilica minor entstand 1773 als erster katholischer Kirchenneubau Berlins nach der Reformation. Später bemühten sich mehrere Architektengrößen um die Kathedrale – bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann. Prägend blieb Schwipperts Kapellenkranz mit offenem Zugang zur Unterkirche. 2013/14 wurden zur „Modernisierung“ Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Demnach ginge Schwipperts „Doppelkirche“ verloren. Bundesweit regten sich Proteste. Da sich Bezirksamt (dafür) und Landesdenkmalamt (dagegen) nicht einig waren, genehmigte die Oberste Denkmalschutzbehörde die Maßnahme.

Anfang September wurde bekannt, dass an der Nachkriegsfassung von St. Hedwig beteiligte Künstler/deren Nachfahren den juristischen Weg beschreiten. Mithilfe des Urheberrechts wollen sie – einmal gegenüber dem Bezirksamt, einmal gegenüber dem Bistum – die Sanierung verhindern. Die Gerichte prüfen, ob, wie und wann verhandelt werden soll. Inzwischen ist als „Baustellenbespielung“ (ein Förderbescheid für den Umbau steht noch aus) die Installation „Glowing Core“ von Rebecca Horn eingezogen, welche die Raummitte mit Trichtern und Spiegeln neu inszeniert. Gegenüber dem Tagesspiegel erklärte Domprobst Tobias Przytarski, man hoffe damit auch Skeptiker von den Vorteilen eines zentrierten Altars zu überzeugen. (kb, 28.9.18)

Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

"Raumpatrouille - Die Phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion", BRD, 1966 (Copyright: Bavaria GmbH)

Science-Fiction-Architekturen

Mehr Zukunft bekommen Sie nicht an einem Tag: Am 29. September 2018 untersucht der Workshop „Von anderen Räumen. Science-Fiction-Architekturen“ im Berliner diffrakt (zentrum für theoretische peripherie, Crellestraße 22, Berlin) und in der Universität der Künste (Einsteinufer 43-53, Raum 203, Berlin). Veranstalter sind die AG Xeno-Architektur und das DFG-Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“. Der Workshop untersucht die Konstruktion von Zukünften in spekulativen Architekturentwürfen. Wie werden darin Zukünfte in Bilder gefasst? Welche Rolle spielen Technologie, Soziologie und Ökonomie? Sollen Objekte, Räume und Infrastrukturen für ein anderes künftiges Miteinander entstehen oder geht es um architektonische Spekulationen für eine warnende und hinterfragende Zukunftserforschung?

Im ersten Teil des fächerübergreifenden Workshops sollen gemeinsam verschiedene Räume diskutiert werden. Neben einer Anzahl ausgesuchter Werke (Constants New Babylon, Price‘ Fun Palace, 12 Cautionary Tales von Superstudio sowie aktuelle Werke zum spekulativen Design) können alle Teilnehmer ihre Beispiele vorstellen. Im zweiten Teil stehen Texten im Mittelpunkt, die sich der spekulativen Raumkonstruktion widmen. Anmeldungen sind möglich bis zum 26. September 2018 unter: mail@diffrakt.space. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 Personen begrenzt. (kb, 26.9.18)

„Raumpatrouille – Die Phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“, BRD, 1966 (Copyright: Bavaria GmbH)

Berlin, Teufelsberg (Bild: Oscar CC BY SA 4.0)

Berlin: Abhörstation bald auf der Denkmalliste?

Das bauliche Relikt des Kalten Kriegs ist heute ein beliebtes Fotomotiv für Filmemacher, Modestrecken und Street-Art-Freunde: Viele Jahre war die einstige US-Abhörstation auf dem Berliner Teufelsberg dem Verfall und Vandalismus preisgegeben. Unter dem von 1950 bis 1972 aufgeschütteten und naturierten Berg befinden sich noch die Reste der von Albert Speer geplanten Wehrtechnischen Fakultät. Ab 1955 nutzten die USA ein Areal auf der höchsten Erhebung Berlins (120 Meter) für ihre Spionageanlagen, in denen bis 1992 bis zu 1.500 Menschen arbeiteten. Danach dienten die Türme der zivilen Flugüberwachung, bis eine Investorengemeinschaft das Gelände vom Land Berlin erwarb, um Luxuswohnungen und ein Hotel zu bauen. Daraus, wie auch aus etlichen weiteren Plänen, wurde nie etwas.

Seit rund drei Jahren bemüht sich ein privater Pächter um eine neue Nutzung des Geländes, u. a. von einer Künstlerkolonie ist die Rede. Einstweilen ist der Ort mit der einmaligen Aussicht auf die Hauptstadt gegen Eintritt/zu Führungen zu besichtigen. Gegenüber dpa hat die Senatskulturverwaltung, so berichtet heute der Deutschlandfunk, eine baldige Unterschutzstellung angekündigt: „Wir versuchen, sie noch in diesem Jahr auf die Liste zu bekommen“. Ein Antrag auf Unterschutzstellung besteht seit 2011, nun scheinen die letzten juristischen Schritte zum Greifen nahe. (kb, 23.9.18)

Berlin, Teufelsberg (Bild: Oscar, CC BY SA 4.0)

Berlin, Bau der Neuen Nationalgalerie, August 1967 (Bild: Manfred Niermann, CC BY SA 4.0, OTRS ticket 2018020410004068)

Happy Birthday Neue Nationalgalerie

In diesem Jahr wird die Neue Nationalgalerie 50 Jahre alt: Ludwig Mies van der Rohe eröffnete den Bau, der die Kunst der Klassischen Moderne aus der Sammlung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin aufnimmt, am 15. September 1968. Seit 2015 ist diese Ikone der Architekturmoderne geschlossen und wird „grundsaniert. Aktuell finden die Rohbaumaßnahmen ihren Abschluss und die letzte Sanierungsphase beginnt. Die Wiedereröffnung ist für 2020 geplant.

Bereits am 13. September veranstaltet die Neue Nationalgalerie in Zusammenarbeit mit der Ernst Wilhelm Nay Stiftung das Symposium: „Ernst Wilhelm Nay und die Moderne“. Das eigentliche „Jubiläumsfest: 50 Jahre Neue Nationalgalerie“ findet am 15. und 16. September 2018 statt. Auf dem Programm stehen u. a. Baustellenführungen (Anmeldung erforderlich!) am 15. und 16. September 2018 sowie eine Filmvorführung und eine öffentliche Plakat-Ausstellung am Bauzaun. Zudem erscheint eine Publikation zur Ausstellungsgeschichte. Nicht zuletzt beteiligt sich die Stiftung St. Matthäus am Kulturforum am 16. September um 18 Uhr mit einem „Gottesdienst für Mies van der Rohe“: In einem Kanzeldialog sprechen dann Pastor Dr. Johann Hinrich Claussen, Kulturbeauftragter der EKD, und der Architekt und Mies-Experte Fritz Neumeyer über die „Insel der Ordnung in der Stadtlandschaft“ (Neumeyer). Ab 20 Uhr wird dann in der Kirche der Film „Die Neue Nationalgalerie“ von Ina Weisse (2017) gezeigt. (kb, 13.9.18)

Berlin, Neue Nationalgalerie (Bild: Manfred Brückels, CC BY SA 3.0, 2010)

Eberswalde-Finow, St. Theresia (Bild: Krank-Hover, CC BY SA 3.0, 2012)

Kirchenbau vor 1938

Mit dem Siegeszug der Stadt und dem Bedeutungsverlust der beiden großen Konfessionen brachen ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch für den Kirchenbau bewegte Zeiten an. Neben den Architekten griffen weitere Kräfte in den Planungsprozess ein: die Gemeinden ebenso wie die Vereine, Behörden und landeskirchliche Ämter. Zudem wandelt sich mit der Verstädterung auch das Verständnis von Seelsorge und von dem, was einen Kirchenbau ausmacht. Vor diesem Hintergrund behandelt die Tagung „Evangelischer und katholischer Kirchenbau zwischen 1848 und 1938 in den deutschsprachigen Gebieten östlich der Elbe“ den Kirchenbaus in Ostdeutschland und Westpolen.

Einzelne Vorträge widmet sich der Kirchbaulandschaft Berlins und einzelner Bauprojekte in Stettin. Ebenso werden Kirchenbau und -kunst während des Nationalsozialismus sowie das Verhältnis von Tradition und Moderne thematisiert. Die Konferenz findet vom 20. bis 22. September 2018 in der Katholischen Akademie in Berlin (Hannoversche Straße 5, 10115 Berlin) statt. Neben den Vorträgen werden für angemeldete Teilnehmende Exkursionen zu Berliner Kirchen angeboten sowie ein Plenum am Ende der Tagung. Achtung: Anmeldungen sind nur noch bis zum 11. (!) September möglich unter: team@berlinerkirchenbauforum.de, 030 2830950 (Katholische Akademie, Konstantin Manthey). In seinem öffentlichen Abendvortrag präsentiert Daniel Lordick am 21. September 2018 um 20 Uhr, wie computergestützte Techniken angewendet werden können, um historische Formensprachen in aktuelle Bauvorhaben einzufügen. (kb, 10.9.18)

Eberswalde-Finow, St. Theresia, 1934, Josef Bachem (Bild: Krank-Hover, CC BY SA 3.0, 2012)

Potsdam, Haus Alexander (Bild: A. Fiedler, CC BY SA 4.0, 2016)

Tipps zum TofD: Das Bauhaus steht in Berlin

Bereiten Sie sich doch in der Hauptstadt auf das Bauhaus-Jahr vor: Zum TofD wird am 8. (!) September um 13, 14, 15, 16 und 17 Uhr durch das Haus Dittmar (Am Baltenring 25, Berlin-Marzahn-Hellersdorf Hellersdorf) geführt. 1932 ließ sich der Architekt Edmund Dittmar hierfür vom Bauhaus ebenso inspirieren wie vom Expressionismus. Treffpunkt ist am Eingangstor, die Teilnehmerzahl ist auf 8 Personen begrenzt, eine Anmeldung möglich bis zum 7. September: Ute Linz/Peter K. Bachmann, 0172 2478192, linz-bachmann@online.de. Ein weiterer Zeuge des Neuen Bauens, das St.-Antonius-Hospital (Köpenicker Allee 39-57, Berlin-Lichtenberg (Hohenschönhausen) Lichtenberg), entstand 1930 nach Plänen von Felix Angelo Pollack. Heute dient der Bau als Standort der Katholischen Hochschule für Sozialwesen. Am 8. (!) September wird um 10 Uhr eine Führung angeboten (Treffpunkt: Haupteingang, Kontakt: Martin Wrzesinski, Katholische Hochschule für Sozialwesen, 030 50101014, verwaltung@khsb-berlin.de).

Eine kurze ÖPNV-Fahrt weiter versteckt sich in Potsdam ein Geheimtipp der Zwischenkriegszeit: Das Alexander-Haus (Am Park 2, Potsdam) entstand 1927 als erstes Sommerhaus am Groß Glienicker See für den jüdischen Arzt Dr. A. Alexander. Nach dessen Flucht 1936 wohnten hier vier Familien, darunter der Komponist Will Meisel. Hier, wo später die Berliner Mauer durch den Garten führte, soll ein Zentrum für Bildung und Versöhnung entstehen. Interessierte können das Haus am 9. (!) September von 12 bis 18 Uhr besuchen, Führungen gibt es um 12.30 (Kinderführung), 13 und 15 Uhr. (kb, 31.8.18)

Potsdam, Haus Alexander (Bild: a.fiedler, CC BY SA 4.0)

Lloyd-LT-600-Bus (Bild: Norbert Schnitzler, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2006)

Tipps zum Tofd: Industrie und Denkmal

Am 9. September lohnt zwischen 11 und 17 Uhr ein Blick in die der Bremer Lloyd-Halle 4 (Richard-Dunkel-Straße 122-124, 28199 Bremen-Neustadt). In der ehemaligen Endmontagehalle (1953/54, R. Lodders) produzierte man Lloyd-Kleinwagen des Borgward-Konzerns. Heute zeigen hier der Freundeskreis VFW 614, der Borgward-Club und Bremer AirBe e. V. historische Verkehrsmittel. (Kontakt: Günter Mail, Freundeskreis VFW 614, Tel.: 0151 58784922, g.mail@freundeskreis-vfw614.de, oder Werner Hilscher, Borgward Club e. V., 0171 1936757, werner-hilscher@t-online.de). Nicht weniger erhellende Erkenntnisse verspricht der Luftschutz-Musterstollenanlage Friesenstraße (Friesenstraße 16, (BVG: U-Bhf. Platz der Luftbrücke), 10965 Berlin Friedrichshain-Kreuzberg Kreuzberg), der am 8. (!) September um 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr zu Führungen geöffnet ist (Treffpunkt: vor dem Tor Friesenstraße 16, Eingang Polizeigelände, max. 15 Personen, Anmeldung erforderlich: 4. bis 6. September, 10 bis 14 Uhr, 030 46068009). Auf dem Gelände befand sich in den 1930er Jahren die sog. Reichsanstalt der Luftwaffe für Luftschutz, wo eine Musteranlage aus Luftschutzgängen für die Baubehörden angelegt wurde.

Doch lieber was Süßes? In Thüringen lädt das Museum Heinerle-Berggold Schokoladen GmbH (Raniser Straße 11, 07381 Pößneck) am 9. September zwischen 11 und 17 Uhr zum Besuch. Die Firmenausstellung zeigt die 140-jährige Firmengeschichte seit 1876: historische Verpackungen, Dosen und Werbematerialien, teilweise noch aus den Gründerjahren um 1880. Zum Tag des offenen Denkmals können werksfrisch hergestellte Süßwaren verkostet und die Ausstellung besichtigt werden. (Kontakt: Lisa Schreck, Heinerle-Berggold Schokoladen GmbH, Marketing, Tel.: 03647 5378, E-Mail: marketing@heinerle-berggold.de) (kb, 30.8.18)

Lloyd-LT-600-Bus (Bild: Norbert Schnitzler, GFDL/CC BY SA 3.0, 2006)

Berlin, Haus der Statistik (Bild: D-okin, CC BY SA 3.0)

Haus der Statistik: Fassade bleibt ostmodern

In Berlin wurde jüngst der Wettbewerb um die Fassadengestaltung des Hauses der Statistik entschieden. Dabei konnte sich das Büro de+ architekten mit einem Entwurf durchsetzen, der an die ursprüngliche Gestaltung anknüpft. Die derzeit stark angegraute Fassade erstrahlt demnach künftig wieder fast komplett in Weiß. Die neuen Brüstungselemente aus Carbonbeton, Dämmkern und konstruktivem Leichtbeton sollen auf die Bestandsdecken montiert werden. Neu ist ein länglicher, begrünter Baukörper mit Dachgarten, der das Haus künftig flankieren wird.

Künftig soll der ausgedehnte Komplex Platz für Wohnungen bieten, ein lokales Verwaltungszentrum beherbergen und kulturell genutzt werden. Bis es soweit ist, fließt jedoch noch viel Wasser die Spree runter. Die Arbeiten an der Fassade sollen nach derzeitiger Planung erst Anfang 2022 beginnen. Das Haus der Statistik entstand in den Jahren 1968 bis 1970 nach Plänen des Architektenkollektiv Manfred Hörner, Peter Senf und Joachim Härter. Es beherbergte zu DDR-Zeiten die statistische Zentralverwaltung des Landes.  Seit 2008 steht es leer, 2017 erwarb der Berliner Senat das Areal. (jr, 30.8.18)

Berlin, Haus der Statistik (Bild: D-okin, CC BY SA 3.0)

Berlin, Strausberger Platz (Bild: H.Helmlechner, CC BY SA 4.0, 2012)

Gartendenkmale der 1950er und 1960er

Berliner ist grüner als der Nicht-Hauptstädter denkt – und dazu haben die 1950er und 1960er Jahre entscheidend beigetragen. So gehören Gartendenkmale der Nachkriegszeit zum kulturellen Erbe der damals geteilten Stadt. Zugleich orientierten sich die damaligen Gartengestalter an verschiedenen europäischen Vorbildern, z. B. aus Skandinavien. Vor diesem Hintergrund lädt das Landesdenkmalamt Berlin gemeinsam mit der Tierpark Berlin-Friedrichsfelde GmbH und weiteren Kooperationspartnern zur Tagung „Gartendenkmale der 1950er und 1960er Jahre“ vom 5. bis 7. September 2018 ein.

Die mehrtätige Veranstaltung will im nationalen und internationalen Austausch neueste Erkenntnisse zu Vorreitern, Gestaltungsprinzipien und Denkmalwerten zusammentragen. Darüber hinaus sollen aktuelle Herausforderungen im Umgang mit dem grünen Erbe der Nachkriegszeit diskutiert werden. Veranstaltungsort vom 5. bis 6. September ist Schloss Friedrichsfelde (Am Tierpark 41, 10319 Berlin), am 7. September steht eine Exkursion zu Berliner Gartendenkmalen der 1950er und 1960er Jahre in Ost- und West-Berlin auf dem Programm. Das gesamte Tagungsprogramm ist online einsehbar, der Eintritt ist frei, die Platzzahl jedoch begrenzt und somit eine Anmeldung erforderlich. (kb, 12.8.18)

Eines der Exkursionsziele der Tagung: Berlin, Strausberger Platz (Bild: H.Helmlechner, CC BY SA 4.0, 2012)

EVOL, Arbeiterschließfächer, 2017, Installation (Courtesy: EVOL)

Arbeiterschließfächer

Nein, das ist keine Schleichwerbung für ein neues Designerstück, das ist Kunst. Erfreulicherweise Kunst mit Augenzwinkern. EVOL arbeitet mit Fundstücken aus dem öffentlichen Raum und weist ihnen durch kleine Eingriffe eine neue Bedeutung zu. Aus Alltagsgegenständen werden aus dem Maßstab gerückte Architekturen. Bekannt wurde EVOL etwa durch Stromkästen, die er in ostmoderne Systembauten verwandelte. In diesem Fall wird aus Metallschränken mit einem guten Schuss Ironie das sprichwörtliche, nicht immer nur freundlich gemeinte „Arbeiterschließfach“.

Vom 18. August bis zum 21. September sind Werke von EVOL in Dortmund im ehemaligen Robert-Schuman-Kolleg (Sckellstraße 5-7, 44141 Dortmund) zu sehen. Unter dem Titel „Doppelplusmodern“ zeigt die Ausstellung gleichberechtigt Arbeiten von Alekos Hofstetter. Er setzt sich in seinem 2012 begonnen Werkzyklus „Tannhäuser Tor“ mit der stetigen Veränderung der Architektur der Epoche von 1950 bis 1980 auseinander. In seinen Zeichnungen und Gemälden stellt er ikonische, emblematische Architekturen und fremdartige, verfremdete Landschaften einander gegenüber. Es handelt sich um eine Ausstellung von Schamp & Schmalöer, BDA Dortmund Unna Hamm im Rahmen von „Big Beautiful Buildings“ (ECHY 2018) – und ist zugleich Teil der Doppelausstellung „Architektur trifft Kunst“, zu der auch „Schwimmen in Geld“ gehört. Die Eröffnung von „Doppelplusmodern“ wird am 17. August um 18 Uhr in der Pausenhalle begangen. (kb, 10.8.18)

EVOL, Arbeiterschließfächer, 2017, Installation (Courtesy: EVOL)