Mauer unter Schutz

Am 13. August werden es 60 Jahre, dass die DDR die Berliner Mauer hochziehen ließ. In seiner zuletzt bekannten Form wurde der “Antifaschistische Schutzwall” bis Mitte der 1970er errichtet. Fast 32 Jahre nach der Grenzöffnung sind nicht mehr allzu viele mahnende Überbleibsel des Bauwerks übrig. Das Landesdenkmalamt Berlin hat nach Hinweis des DDR-Museums Berlin nun noch einen Teil der ehemaligen “Hinterlandsicherungsmauer” unter Denkmalschutz gestellt. Es handelt sich um einen rund 150 Meter langen Abschnitt im Bezirk Pankow entlang des Industriegeländes, auf dem einst der VEB Bergmann-Borsig Kraftwerksturbinen (und den Rasierapparat bebo sher) herstellte. Die erhaltenen Mauerteile entsprechen der ab etwa 1965 gebauten dritten Generation der Grenzanlage, bestehend aus schmalen Stahlbetonpfeilern mit je drei breiten, dazwischengeschobenen Betonplatten.

„Das Landesdenkmalamt Berlin versucht kontinuierlich, die baulich überlieferten Reste der Berliner Mauer unter Denkmalschutz zu stellen und ihren Erhalt damit zu sichern“, sagte der Berliner Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut im Vorfeld zum Jahrestag des Mauerbaus. „Den Fragmenten kommt große geschichtliche und wissenschaftliche Bedeutung zu. Doch nicht alle sind aufgrund fehlender Ressourcen bisher so detailliert erfasst und untersucht, dass eine Unterschutzstellung sofort möglich wäre. Umso wichtiger ist es, dass wir uns weiterhin auf breite Unterstützung in der Öffentlichkeit und Fachwelt verlassen können.“ (db, 7.8.21)

Berlin, Hinterlandmauer (Bild: Sören Marotz/ DDR-Museum)

Biennale überwindet Mauern

28 Jahre, 2 Monate und 26 Tage stand die Berliner Mauer. Seit dem 5. Februar 2018 ist sie länger verschwunden als sie Bestand hatte; der Blick auf sie ist längst historischer Natur. Ein Rest des “Antifaschistischen Schutzwalls”, der Anfang 2018 nahe des S-Bahnhofs Schönholz entdeckt wurde, war dem Land Berlin gar eine Pressemeldung wert, er kommt nun auf die Denkmalliste. Diese düsteren 28 Mauerjahre sind auch die Inspiration für den deutschen Beitrag zur 16. Architektur-Biennale in Venedig, die am 26. Mai öffnet. Unter dem Motto “Unbuilding Walls” werden 28 städtebauliche Projekte aus 28 Jahren seit Überwindung der Trennung Deutschlands präsentiert.

Das dreiköpfige Architekturbüro Graft hat den Pavillon für die 16. Biennale konzipiert – mit Marianne Birthler, der ehemaligen Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen. Gemeinsam wählten sie architektonische Beispiele, die sich mit der deutschen Trennung in Ost und West und deren Nachwirkungen auseinandersetzen. Ein Beispiel sind die Überbleibsel grenznaher Dörfer, die mittlerweile von der Natur verschluckt wurden: Mehr als 11 000 Bewohner dieser Orte siedelte die SED zwangsweise um. Die große Mehrheit der vorgestellten Projekte stammt indes aus Berlin: Das Investoren-Wirrwarr rund um den einstigen Checkpoint Charlie (seit 1990 in wechselnden Dramaturgien) ist ebenso präsent wie die Kapelle der Versöhnung (2009) an der Bernauer Straße. Aber erwarten Sie keine Vollständigkeit! (db, 27.2.18)

Berlin, Mauer um 1990 (Bild: Ralf Roletschek, GFDL 1.2)