Leeres Portemonnaie als Rettung

Die 1968 eingeweihte Trauerhalle des Neuen Friedhofs Offenbach/Main soll wegen Sanierungsstau und Baumängeln nach Willen der Stadt abgerissen werden. Noch 2019 rechnete man mit 3 Millionen Euro für einen Ersatzneubau, später wurden die Gesamtkosten mit realistischeren 6 Millionen angegeben. Diese waren die Grundlage für den 2021 getroffenen Stadtverordnetenbeschluss. Mittlerweile ist aufgrund der Preisexplosion im Bauwesen allerdings mit Kosten von über 10 Millionen Euro zu rechnen. Für die neue Gesamtsumme benötigt der Eigenbetrieb der Stadt Offenbach (ESO) als Bauhherr eine Finanzierungszusage der Stadt. Diese Übernahme der Mehrkosten sei aber erst einmal nicht vorstellbar, betont Stadtkämmerer Martin Wilhelm, als er Mitte Januar die schlechte Nachricht verkündete: „Die finanzielle Situation Offenbachs ist bekanntermaßen sehr angespannt. Weil vorerst kein Ende der Kostensteigerungen im Baugewerbe abzusehen ist, möchte ich zunächst, dass andere Lösungen geprüft werden. Jeder Euro, den wir als Stadt zusätzlich in eine neue Trauerhalle stecken müssten, würde an anderer Stelle fehlen.“

Nun steht steht im Raum, die ESO mit einer ergebnisoffenen Prüfung zu beauftragen, zu welchen Kosten ein Erhalt der alten Halle für mindestens zehn weitere Jahre möglich ist. Ziel sei es, einen möglichst guten Zustand des Gebäudes zu erreichen, ohne den Bürgerinnen und Bürgern zu hohe Nutzungsgebühren abverlangen zu müssen. Bis Ende März sollen nun die Fachplaner und Architekten, die für die Pläne der neuen Trauerhalle zuständig waren, prüfen, zu welchem Preis der brutalistische Altbau (der in 54 Jahren nie nachhaltig instand´gesetzt wurde) noch einmal ertüchtigt werden kann, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt. Die großen Bleiglasfenster des Künstlers Bernd Rosenheim sollen übrigens auch in einem Neubau wieder einziehen. Vorerst bleiben sie wohl an Ort und Stelle. (db, 30.1.22)

Offenbach, Trauerhalle Neuer Friedhof (Bild: Daniel Bartetzko)

Streitthema Offenbacher Trauerhalle

Rund 50 Jahre alt sind die Hauptgebäude des Neuen Friedhofs Offenbach/Main, und in den vergangenen Jahren wurde in ihre Instandhaltung kaum mehr investiert. Auf derartige Vernachlässigung folgt üblicherweise irgendwann der Wunsch nach Abriss – da eine Sanierung unwirtschaftlich sei. Dies ist auch in Offenbach so: Die städtische Betreibergesellschaft ESO (altdeutsch: Stadtwerke) möchte die 1968 eingeweihte Trauerhalle abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die Kosten lägen wie bei der Sanierung bei 3 Millionen Euro. Als Argumente gegen den weiß überstrichenen Brutalismus-Altbau werden mangelnde Barrierefreiheit, Schimmelprobleme und die sich bei Temperaturschwankungen gefährlich wölbenden Bleiglasfenster genannt.

Hier tritt nun der Künstler Bernd Rosenheim auf den Plan, der ebenjene Fenster seinerzeit entwarf. Der 87-Jährige droht unter Berufung auf sein Urheberrecht mit Klage, sollte der Magistrat den Abriss beschließen. Zudem sei dieser “bei der bekannten Finanzlage der Stadt (…) ein Schlag ins Gesicht des Steuerzahlers.” Es handele sich bei der Trauerhalle um eine nichtalltägliche Architektur eines Sakralbaus, der allein schon erhaltenswert sei. „Damit verbunden ist ein von mir plastisch gestaltetes Portal im Zusammenhang mit einem Fries farbiger Glasfenster. Es ist eines meiner Hauptwerke auf dem Gebiet der Glasmalerei“, schrieb Bernd Rosenheim in einem Brief an die Stadt. Dem ist wenig hinzuzufügen. (db, 1.8.19)

Offenbach, Trauerhalle Neuer Friedhof (Bild: Daniel Bartetzko)