Hermkes (fast) zum Anfassen

Wir haben hier schon ausführlich und zu Recht von den Bauten des Architekten Bernhard Hermkes geschwärmt. Er würzte die Großform mit guten Details, verband das Herzeigen der Konstruktion mit einem hohen Wiedererkennungswert. Längst können und wollen wir nicht mehr verzichten auf Bauten wie die Hamburger Großmarkthalle oder das Architekturgebäude der TU Berlin am Ernst-Reuter-Platz. In Berlin prägte Hermkes als Lehrer von 1955 bis 1969 eine ganze Architektengeneration, darunter Inken und Hinrich Baller, Ursulina Schüler-Witte und Johannes Uhl, die dem West-Berlin der 1970er und 1980er Jahre ein Gesicht gaben.

Wer unsere Euphorie überprüfen will, hat dazu jetzt ausführlich Gelegenheit: Die Ausstellung „Bernhard Hermkes Leben, Lehren, Wirken“ wurde von Studierenden am Institut für Architektur der TU Berlin erstellt – im Rahmen der Geschichtswerkstatt, einem Projekt von Architekturtheorie (Prof. Dr. Gleiter), Baugeschichte (Prof. Dr. Schlimme) und Historischer Bauforschung (Prof. Dr. Schulz-Brize). Die Teilnehmenden näherten sich dem Thema historisch-kritisch, warfen einen Blick auf – zuweilen auch problematische – Episoden der Fakultätsgeschichte. Eröffnet wird die Ausstellung am 9. Juni 2018 um 17 Uhr im Foyer des Architekturgebäudes (Straße des 17. Juni 152, 10623 Berlin) zur Langen Nacht der Wissenschaft. Die Schau wird für ein Jahr als Dauerausstellung im sog. Scharoun-Foyer frei zugänglich sein. (pl, 3.6.18)

Berlin, Institut für Architektur der TU Berlin (Bild: Johannes Medebach)

Hermkes. Schön.

Fragt man die wahren Connaisseure nach Bernhard Hermkes, entweicht vielen von ihnen ein schlichtes überzeugtes „schön“. Wer es ausführlicher in Wort und Bild möchte, dem sei der gerade bei Dölling und Galitz erschienende Band „Bernhard Hermkes. Die Konstruktion der Form“ empfohlen. Der Architekt und Wissenschaftler Giacomo Calandra di Roccolino beschreibt in der reich bebilderten Monographie die Entwicklung des Architekten, der in Hamburg zu einem wichtigen Protagonisten der Nachkriegsmoderne wurde.

Beginnend mit Kindheit, Studium und seiner Zeit im „Neuen Frankfurt “ der 1920er Jahre unter Ernst May, entfaltet das Buch das reiche Werk von Hermkes. Auch im Dritten Reich versuchte er, seine architektonischen Überzeugungen im Industriebau zu bewahren. Schließlich vereinigte er in Hamburg die Einflüsse der Moderne der 1920er Jahre, Skandinaviens und des Internationalen Stils zu einer unverwechselbaren Handschrift. Hier prägte er Ikonen wie die Großmarkthalle am Oberhafen, die elegante Kennedybrücke, den geschwungenen Audimax der Universität, die kühnen Grindelhochhäuser und die skandinavisch anmutende Siedlung Klein Flottbek. Das Buch wird am 25. April 2018 um 12.30 Uhr im Foyer des Hamburger Audimax (Von-Melle-Park 4) vorgestellt. (kb, 9.4.18)

Frank, Hartmut/Schwarz, Ullrich (Hg.), Giacomo Calandra di Roccolino, Bernhard Hermkes. Die Konstruktion der Form, Dölling und Galitz, München 2018, 400 Seiten, 500 Abbildungen, Halbleinenband, 23 x 28 cm, ISBN 978-3-86218-095-0.

Hamburg, Audi Max (Bild: Gunnar Klack, CC BY SA 3.0, 2017)

Hamburg: Allianz-Hochhaus fällt 2017

Hamburg: Allianz-Hochhaus fällt 2017

Das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71) wird 2017 abgerissen - Zwischennutzung unerwünscht (Bild: Hagen Stier)
Das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71) wird 2017 abgerissen – Zwischennutzung unerwünscht (Bild: Hagen Stier)

Dass Siebziger-Jahre-Gebäude derzeit flächendeckend zugunsten einer natursteinverkleideten, neo-traditionalistischen  Architektur Platz machen, ist Trend. Baldiges Opfer dieses Trends wird das Allianz-Hochhaus in Hamburg – es wird voraussichtlich 2017 abgerissen. Schon vor 3 Jahren hat der Versicherungskonzern sein Gebäude am Großen Burstah geräumt; zunächst erwarb es der Investor Quantum Immobilien, jüngst übernahm die Commerzbank-Tochter Commerz Real die finanzielle Federführung des anstehenden Großprojekts: Anstelle des 1969-71 errichteten Allianz-Komplexes soll ein neues Büro-Ensemble nach Plänen des britischen Büros Caruso St. John entstehen.

In bester Innenstadtlage retten auch große Namen keine Bauwerke: Das Allianz-Gebäude ist eines der letzten realisierten Projekte des Architekten und Stadtplaners Bernhard Hermkes (1903-1995), der in Hamburg unter anderem die Großmarkthalle und das Audimax entwarf, zudemdie Architektur-Fakultät der TU Berlin und das Kraftwerk Wedel. Eine Zwischennutzung des durch erste Vandalismusspuren gezeichneten Gebäudes ist nicht erwünscht. Im Juli wurden die Eingangsbereiche eingezäunt, um Obdachlose fernzuhalten. Auch als vorübergehende Flüchtlingsunterkunft steht es nach Anfrage des Hamburger Abendblatts nicht zur Verfügung. (db, 25.9.15)