Beton

Frankfurt, Deutsches Architekturmuseum, Auditorium (Bild: privat)

Die Vorleser

Das Bauhaus-Jubiläum grüßt schon vielerorts – in Frankfurt thematisieren die „CSSA Bauhaus Lectures“ jeweils um 19 Uhr im Deutschen Architekturmuseum Frankfurt (DAM, Auditorium) das „Bauhaus aus Frankfurter Sicht“: 15. November 2018, Werner Durth (Darmstadt)/Thomas Flierl (Berlin), „Bauhaus-Rezeption in der Bundesrepublik und in der DDR“; 29. November 2018, Reto Geiser (Houston)/Daniel Talesnik (München), „Bauhäusler in the Soviet Union and the USA“; 13. Dezember 2018, Rixt Hoekstra (Eindhoven)/Carsten Ruhl (Frankfurt), „Manfredo Tafuris und Giulio Carlo Argans Position zur Moderne“; 31. Januar 2019, Kathleen James-Ckakraborty (Dublin), „Bauhaus 50th Anniversary in 1969“; 14. Februar 2019, Daniela Fabricius (New York), „Postmodernism and the Bauhaus Critique in West Germany“.

In Kassel dreht sich die Vortragsreihe „Fusion Beton“ mittwochs um 19 Uhr im ASL (Neubau, Universitätsplatz 9) um den Kunststein in der Moderne und in seinen künftigen Chancen: 14. November 2018, Maren Harnack (Frankfurt), „From Tower of Terror to Power Tower“; 21. November 2018, Jean Phillippe Vasall (Paris), „Never Demolish“; 28. November, Roger Bundschuh/Henning Ecker (Berlin), „Vom Problem des monolithischen“; 5. Dezember 2018, Heike Klussmann (Berlin), „Agile Concrete“; 12. Dezember 2018, Oliver Elser (Frankfurt), „SOS Brutalismus“; 19. Dezember 2018, Friedrich Ludewig (London), „Difference and Repetition“; 16. Januar 2019, Martin Rein-Cano (Berlin), „Nennen wir es konkret“; 23. Januar 2018, Florian Fischer/Reem Almannai (München)/Erik Wegerhoff (Zürich), „Nostalgie“; 30. Januar 2019, Marc Pouzol/Veronique Faucheur (Berlin), „Von Berlin nach Göteborg“; 6. Februar 2019, Manfred Grohmann (Frankfurt), „The last waltz“. (kb, 10.11.18)

Frankfurt, DAM Auditorium (Bild: privat)

Hannover, ehemaliges Britisches Generalkonsulat (Bild. Rocco Curti, NLD, Hannover, 2016)

Beton-Kultur in Niedersachsen

Langsam verebbt der große Brutalismus-Hype – die Betonmonster sind, trotz aller bleibenden Moderneskepsis, auf einem guten Weg in den Olymp der anerkannten Kulturdenkmale. Was bleibt, ist das Bemühen um die Erfassung der bemerkenswerten Bauten der 1960er und 1970er Jahre, um ihren Erhalt und ihre fachgerechte Sanierung. Kurz: Der Brutalismus ist jetzt Teil der denkmalpflegerischen Alltagsarbeit.

Vor diesem Hintergrund hält Dipl.-Ing. (FH) Rocco Curti M. A., Referent im Nie­der­sächsischen Landesamt für Denkmalpflege Hannover, am 16. Oktober 2018 im Niedersächsisches Landesarchiv Stade (Am Staatsarchiv 1, 21680 Stade) um 19.30 Uhr den Vortrag „Kulturdenkmale aus Beton“. Thema sind Architektur und Städtebau der 1960er und 1970er Jahre als neues Aufgabenfeld der Denkmalpflege in Niedersachsen. Denn obwohl – oder gerade weil – viele Betonbauten auf den ersten Blick spröde wirken, werden sie denkmalfachlich erforscht, in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen, denkmalgerecht instandgesetzt oder umge­baut. Veranstalter des Vortrags ist der Stader Geschichts- und Heimatverein e. V., der Eintritt ist frei. (kb, 22.9.18)

Hannover, ehemaliges Britisches Generalkonsulat (Bild. Rocco Curti, NLD, Hannover, 2016)

Prishtina, National and University Library of Kosovo, 1971-82 (Bild: Valentin Jeck, commissioned by The Museum of Modern Art, 2016)

Architektur Jugoslawiens im MoMA

Im einstigen Jugoslawien hatte die Moderne Hochkonjunktur: neue Häuser für eine neue Gesellschaft. Das Museum of Modern Art in New York dokumentiert erstmals umfassend Geplantes und Gebautes aus der Tito-Zeit. 1948 brach Josip Tito mit Stalin, 1980 starb der jugoslawische Regierungschef. In den dazwischenliegenden 32 Jahren konnten Architekten und Designer auf Staatskosten experimentieren mit Ideen, die für mehrere Universen gereicht hätten: Museen, Hotels, Kindergärten, Sportstadien, Wohnsiedlungen, Mahnmale und Fernsehtürme – jedes Projekt bot die Möglichkeit, Raum, Materialien und Menschen auf nie dagewesene Weise zusammenzubringen.

Die Ausstellung „Toward a Concrete Utopia: Architecture in Yugoslavia, 1948–1980“ („Auf dem Weg zur Betonutopie: Architektur in Jugoslawien, 1948-1980“; bis zum 13. Januar 2019) fasst die größte Gemeinsamkeit der Beispiele zusammen – denn wenn sie etwas eint, dann der üppig verwendete Baustoff Beton. Sei es beim der Platz der Republik in Ljubljana, sei es bei der Nationalbibliothek des Kosovo in Prishtina. Die ideologischen Hintergründe jener Zeit werden in New York nicht näher betrachtet, doch die Fülle der Beispiele, ihre schiere Masse im wahren Wortsinn und das historische Wissen bieten dem Betrachter genug Deutungsmöglichkeiten jener Zeit, in der das Bauen so facettentreich war wie nie mehr danach. (db, 24.7.18)

Prishtina, National and University Library of Kosovo, 1971-82 (Bild: Valentin Jeck, commissioned by The Museum of Modern Art, 2016)

Sieg des Betonkanu-Teams der HTWK Leipzig (Bild: Philipp Köditz, HTWK Leipzig)

Betonkanufahrn

Synchronschwimmen, Paradetanz und Hundeschauen sind in der Regel heimliche Leidenschaften. Aber diese Sportart ist rundum moderneREGIONAL-tauglich: Betonkanu. Hier geht es um eine ausgewogene Mischung aus Wissenschaft und Wettkampf, aus grauem Kunststein und Glamourfaktor. „Das perfekte Zusammenspiel zwischen Bootsherstellung und Paddeltechnik entscheidet letztlich über den Erfolg“, resümiert Jan Teuchert, Kapitän des Betonkanu-Teams der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig.

Am letzen Maiwochenende siegte das Leipziger Team – mit dem streng akademisch orientierten Namen „Bieraten“ – bei der Regatta in Eindhoven: dreimal Gold, dreimal Silber und zweimal Bronze. Ihr Kanu „Eilenburg“ wiegt 42 Kilo bei einer Länge von fünf Metern und einer Wandstärke von fünf Millimetern. Zum Vergleich: Ein herkömmliches Plastikboot kommt auf 25 bis 30 Kilogramm. Prof. Dr.-Ing. Klaus Holschemacher vom Institut für Betonbau der Fakultät Bauwesen, fachlicher Leiter des Projekts, würdigte, „auf welch hohem Niveau die Studierenden der HTWK Leipzig wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem Bereich des Textilbetonbaus umsetzen können.“ Die „Bieraten“ wollen 2019 wieder antreten, diesmal in der offenen Klasse schwimmfähiger Fantasie-Gebilde. Die beiden aktuellen Betonkanus des Teams können zur Langen Nacht der Wissenschaften an der HTWK Leipzig am 22. Juni (Campus Connewitz) besichtigt werden – Teammitglieder stehen dann Rede und Antwort. (kb, 8.6.18)

Sieg des Betonkanu-Teams der HTWK Leipzig (Bild: Philipp Köditz, HTWK Leipzig)

Tetrasoap (Bild: tetrasoap.com)

Wasch-Beton

Diese Neuheit verspricht nicht weniger als eine Revolution, „a soap revolution“. Tetrasoap kommt in kantiger Betonoptik daher. Sie erinnert, und soll das auch, an die Tetrapoden, eine französische Erfindung der 1940er Jahre. Mit diesen Betonformsteinen, die in der Folge in zahlreichen Ländern dem Küstenschutz, dem Dammbau und der Hafenbefestigung dienen, waren Wellenbrecher rasch und kostenfrei herstellbar. Teils wurden die seriell gefertigten Tetrapoden auch als Panzersperren eingesetzt.

Für die Tetrasoap setzen die Hersteller auf natürliche Materialien, die von Hand verarbeitet werden. Doch die Form soll nicht nur schick aussehen, sondern auch das „Wegglitschen“ verhindern. Denn auch stark heruntergewaschen, bleiben dem Nutzer immer noch die griffigen vier „Füße“. Die Idee entstand 2003, wurde kontinuierlich weiterentwickelt und vor einigen Monaten mit einer Crowdfunding-Aktion bei „kickstarter“ in die serielle Produktion gehoben – und kann jetzt in schicker Verpackung online bestellt werden: einzeln oder als „Jahres-Abo“. (kb, 23.5.18)

Tetrasoap (Bild: tetrasoap.com)

Berlin, St. Agnes/Koenig Galerie (Bild: Ute Zscharnt)

Ein Preis für Beton

Die Mühen, es gut zu machen – sie werden seit 1974 mit dem Architekturpreis Beton honoriert. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung für herausragende (Ingenieur-)Baukunstwerke, die von den Möglichkeiten des Materials Beton zeugen, wird im Dreijahresrhythmus vergeben. So spiegelt der Preis seit mehr als vier Jahrzehnten auch das Baugeschehen in Deutschland und zeigt die Potenziale und Anwendungsmöglichkeiten des weltweit am meisten genutzten Baustoffs. Unter den Dekorierten aus vier Jahrzehnten finden sich Gerkan, Marg und Partner mit dem Neuen Sportforum Kiel (1976) und Gottfried Böhm mit dem Züblin-Haus Stuttgart (1985).

Dieses Jahr wird der Architekturpreis Beton vom InformationsZentrum Beton mit dem Bund Deutscher Architekten BDA zum 20. Mal verliehen. Und nun ist es wirklich Zeit, die Gewinner 2017 zu nennen: der Erweiterungsbau des Sprengel Museums Hannover (Meili, Peter Architekten AG, Zürich), das Konzerthaus Blaichach (Peter Haimerl München), das E20_Wohnhaus in Pliezhausen (Steimle Architekten Stuttgart) und das Kreativwirtschaftszentrum Mannheim (hartwig schneider architekten, Stuttgart), darüber hinaus wurden vier Anerkennungen ausgesprochen. Die Preisverleihung findet am 18. September im KIT Kunst im Tunnel an der Düsseldorfer Rheinpromenade statt, die selbst 1999 eine lobende Erwähnung erhielt. (db, 30.7.17)

Träger einer Anerkennung: Umgestaltung der Berliner Kirche St. Agnes (1967, W. Düttmann; 2015, Brandlhuber+ Emde, Burlon, Berlin, mit Riegler Riewe Architekten, Berlin) zur Koenig Galerie (Bild: Ute Zscharnt)