Gerettet, aber nicht gerettet …

Die Bielefelder Karstadt-Filliale ist vorerst gerettet. Das ist die gute Nachricht insbesondere für alle Bielefelder. Die schlechte Nachricht für alle Liebhaber der Nachkriegsmoderne ist jedoch, dass das 1964 mit einer großen Feier eingeweihte Gebäude nach Auslaufen des Mietvertrags 2026 abgerissen werden soll. Der Eigentümer der Immobilie, die Aachener Grundvermögen, will dazu mit der Stadt Bielefeld ein Quartiersentwicklungskonzept erarbeiten. Man denkt an eine Mischung aus Handel, Gastronomie und Wohnen, dabei kann sich die Aachener Grund auch den Verbleib von Karstadt in einem Neubau vorstellen.

Der Fortbestand der von der Schließungswelle gefährdeten Karstadt-Filiale ist mit Abschluss des neuen Vertrags zumindest für die kommenden sechs Jahre gesichert. Die Kaufhauskette verbleibt für eine deutlich reduzierte Miete für den Bau mit der Konkav-Fassade – und schließt auch jetzt gleich schon mal die Gastronomie, die mit Roulade, Rotkohl und Jägerschnitzel ein letztes Bollwerk gasthäuslicher Bürgerlichkeit war. Trotz Selbstbedienung und des auch schon wieder irgendwie rührenden Namens „Le Buffet“… Ende Juni 2026 ist dann endgültig Schluss mit dem sympathisch aus der Zeit gefallenem Warenhaus. (db, 2.8.20)

Bielefeld, Karstadt (Bild: panoramio/Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Bielefeld: Wohnungen statt Kirche

In Bielefeld kennt man das Problem: Kirchen werden scheinbar nicht mehr gebraucht. Nicht immer findet sich eine neue Nutzung wie beispielsweise für die Bielefelder Martinikirche (1898), die jetzt als „Glück und Seligkeit“ Gastronomie und Kultur verbindet. Oder für die Paul-Gerhardt-Kirche (1958), die zur Synagoge umgewidmet wurde. St. Elisabeth (1956) dient heute Wohnzwecken. Für St. Pius (1958) und St. Johannes in Bielefeld-Senne (1970) hingegen blieb scheinbar nur der Abriss.

Die Johanneskirche wurde vorgestern entwidmet, 50 Jahre nach ihrer Einweihung. Noch prägt der Bau mit dem markanten Turmnadel und dem geschwungenen Schiff – mit einer Glasgestaltung von Heinz Lilienthal – das Bild des Bielefelder Stadtteils Altenhagen. Doch zeitnah wird die Kirche abgerissen und durch Wohnbauten ersetzt. Allein der Turm soll stehen bleiben – und bis 2024 ist auf dem ehemaligen Kirchengrundstück auch ein „Zentrumsraum“ für die Gemeindearbeit geplant. (kb, 9.6.20)

Bielefeld-Altenhagen, Johanneskirche (Bild: Karin Berkemann, 2019)

4 x Denkmalschutz für Bielefeld

20 Kirchen wurden angeschaut, vier davon sollen es werden: In Bielefeld wurden die Nachkriegskirchen auf ihre Denkmalwürdigkeit hin überprüft. In Sennestadt haben gleich zwei Kirchen die Aufmerksamkeit der Fachleute erregt: St. Thomas Morus (1961) und St. Kunigunde (1951), die seit einem Umbau von 1985 besondere postmoderne Gestaltungsmerkmale aufweist. Hinzu kommen St. Meinolf (1957) und in St. Johannes Baptist (1911/66) in Bielefeld-Schildesche. St. Thomas Morus steht bereits kurz vor der Denkmal-Eintragung, die drei übrigen stehen noch auf einer „Positivliste“, werden also noch mit kirchlichen Baubehörden abgestimmt.

In Bielefeld ist die Kirchenlandschaft bereits seit Jahren in Bewegung. In Gadderbaum findet sich eine der bekanntesten Umnutzungen: Die Martinikirche (1898) wurde 2005 zur Gaststätte „Glück und Seligkeit“. Die katholische Nachbarkirche St. Pius (1958) musste 2017 für Wohnbauten weichen. Abgerissen wurde ebenso St. Johannes (1970) in Senne. Die Neuapostolische Kirche (1982) in Stieghorst wurde 2017 zum Verkauf angeboten. St. Elisabeth (1956) in Altenhagen wurde bereits veräußert und scheint für Wohnzwecke umgenutzt zu sein. Im selben Stadtteil diskutiert man für die Johanneskirche (1970) den Abriss des Schiffs – für Wohnbauten. (kb, 3.9.18)

Bielfeld-Sennestadt, St. Kunigunde (Bild: Der wahre Jakob, CC BY SA 3.0, 2010)

Bielfeld-Sennestadt, St. Kunigunde (Bild: Der wahre Jakob, CC BY SA 3.0, 2010)

Bielefeld-Sennestadt, St. Thomas Morus (Bild: Hagar66, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Bielefeld-Sennestadt, St. Thomas Morus (Bild: Hagar66, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Bielfeld, St. Meinolf (Bild: ludger1961, CC BY SA 3.0, 2006)

Bielfeld, St. Meinolf (Bild: ludger1961, CC BY SA 3.0, 2006)

Titelmotiv: Bielefeld-Schildesche, St. Johannes Baptist (Bild: Mat-Wiki, CC BY SA 4.0, 2018)