Essen: 60 Jahre Grugahalle

In Essen feierte kürzlich die Grugahalle ihren 60. Geburtstag. Das Jubiläum war mit einem besonderen Geschenk verbunden: die Mehrzweckhalle wurde zum Big Beautiful Building ernannt. Damit gehört das Bauwerk nun offiziell zur baulichen Nachkriegsprominenz des Ruhrgebiets. Diese Anerkennung ist nicht selbstverständlich: noch in den 1990ern diskutierte man den Abriss der Halle, die inzwischen unter Denkmalschutz steht.

Der Name GRUGA steht für Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung. Die Veranstaltung fand 1927 und 1952 auf dem GRUGA-Gelände in Essen statt. Die Grugahalle fußt entsprechend auf dem Fundament eines Vorgängerbaus aus den 1920er Jahren, der im Krieg zerstört wurde. Der elegante Neubau aus Stahl, Glas und Beton wurde 1958  von der Architektengemeinschaft Ernst Friedrich Brockmann und Gerd Lichtenhahn realisiert. Besonders die Dachkonstruktion, die mit ihren charakteristischen Schmetterlingsflügeln eine Fläche von 80 x 80 Metern überspannt, sorgte damals für Aufsehen. Die Halle bot in den folgenden Jahrzehnten neben verschiedenen Sportveranstaltungen den Beach Boys, Joan Baez, Konrad Adenauer und der Sendung Rockpalast eine Bühne. Wir gratulieren zum Geburtstag und zum verdienten Titel! (jr, 19.11.18)

Essen, Grugahalle (Bild An-d, CC BY SA 3.0)

Städtebau ganz groß

Body Positivity ist in aller Munde, doch auch in der Baukunst sind große Größen im Gespräch. Denn gerade die Nachkriegsmoderne hat mit viel Optimismus und Selbstbewusstsein reichlich davon hinterlassen: moderne Schulen, Universitäten und Rathäuser, Kirchen, Kaufhäuser und Wohnsiedlungen. Um deren Schönheiten wieder ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, werden im Kulturerbejahr in NRW unter dem schönen Slogan „Big Beautiful Buildings“ zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen angeboten.

Die Fachgruppe Städtebauliche Denkmalpflege lädt vom 30. bis 31. Oktober 2018 ein zur Konferenz „Big Beautiful Buildings. Als die Zukunft gebaut wurde“. Das Programm startet am 30. Oktober um 11 Uhr mit zwei Bus-Exkursionen, einmal im nördlichen, einmal im zentralen Ruhrgebiet. Um 18 Uhr beginnt die Ausstellungseröffnung „Modern gedacht! Symbole der Nachkriegsarchitektur“ des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW im Foyer des Technischen Rathauses Bochum, (Hans-Böckler-Straße 19). Um 19 Uhr folgt in der Christuskirche Bochum unser Festvortrag über die Stilgeschichte dieser Jahrzehnte von Prof. Dr. Klaus Jan Philipp (Stuttgart). Abgerundet wird der erste Tag mit einem offiziellen Empfang in der Christuskirche ab, der um 20 Uhr beginnt. Am 31. Oktober bietet der Konferenztag ab 9 Uhr verschiedene Beiträge und Diskussionsrunden zum Thema. (kb, 6.10.18)

Bochum, Christuskirche, Auftritt von „Subway to Sally“ (Bild: © Markus Felix, Pushing Pixels, CC BY SA 3.0, 2016)

Wie einst Dagobert Duck

Das sprichwörtliche „Schwimmen in Geld“ verbindet man nicht zuletzt mit dem steinreichen Entenhausener Dagobert Duck. Dessen liebste Beschäftigung ist es, täglich ein Bad im eigenen Geld zu nehmen. Vice versa lässt sich die bildhafte Redewendung aber auch auf die Haltung eines eigenen Schwimmbads münzen: eine besonders kostspielige Form des Privatvergnügens. Und genau dieses war in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit weit verbreitet. Damals wurden Fortschritt und Wohlstand zum zentralen Versprechen von Politik und Gesellschaft – und das private Hallenbad avancierte zum Statussymbol einer ganzen Generation.

Reiches Anschauungsmaterial bietet eine Ausstellung, die aktuell in Dortmund zu sehen ist. Unter dem Titel „Schwimmen in Geld – private Hallenbäder des deutschen Wirtschaftswunders“ werden Fotos aus der gleichnamigen Publikation des Architekten Richard Schmalöers gezeigt. Sie dokumentieren private Schwimmbäder im Ruhrgebiet der 1950er bis 1970er Jahre. So wird erstmals das Bild eines Bautyps vermittelt, der bisher kaum für die Öffentlichkeit zugänglich war. Die Schau findet passenderweise in einem solchen statt: in den Räumen jenes unterirdischen Schwimmbades, das 1966 vom Architekten Wilhelm Menne unter dem Garten des Einfamilienhauses in der Sckellstraße 12 gebaut wurde. Die Präsentation endet am 21. September und ist Teil einer Doppelausstellung, zu der auch „Doppelplusmodern“ gehört. (fk, 21.8.18)

Ausstellung „Schwimmen im Geld“ (Bild: Stephan Schwabe)