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Bitterfeld_Kulturpalast (Bild Joeb07, CC By SA 3.0)

Bitterfeld: Hoffnung für den Kulturpalast

Im Januar dieses Jahres meldeten wir den drohenden Abriss des Bitterfelder Kulturpalastes. Der Vorzeigebau der „Nationalen Tradition“, die den Architekten der DDR der frühen 1950er Jahre als Leitlinie galt, steht seit Jahren leer. Da weder der Eigentümer noch die Stadt bereit waren, die Kosten für den Erhalt des Kulturpalastes zu tragen, galt er als angezählt. Umso mehr erfreute uns die Nachricht, dass inzwischen mehrere Nutzungskonzepte vorliegen.

Der Kulturpalast könnte nach Informationen des Focus künftig Messen oder größeren Veranstaltungen von Unternehmen eine Bühne bieten – oder aber Arbeitsräume für Künstler schaffen. Die Lokalpolitik steht den Vorschlägen offen gegenüber, ein Erhalt des Bauwerks scheint damit wieder wahrscheinlicher. Der Kulturpalast ist von großer kulturhistorischer Bedeutung für die Geschichte der DDR. 1954 eröffnet, wurde hier Ende der 1950er Jahre der sogenannte „Bitterfelder Weg“ ausgerufen, der Laien- und Berufskünstler für die „sozialistische deutsche Nationalkultur“ gewinnen sollte. Die Kampagne wurde zwar nach wenigen Jahren wieder aufgegeben, gilt jedoch als eines der prägendsten kulturpolischen Ereignisse der DDR. (jr, 13.6.18)

Bitterfeld, Kulturpalast (Bild: Joeb07, CC BY SA 3.0)

Bitterfeld_Kulturpalast (Bild Joeb07, CC By SA 3.0)

Bitterfeld: Kulturpalast vor dem Aus

In Bitterfeld droht einem bedeutenden Zeugnis der DDR-Architektur der Abriss. Der Kulturpalast aus dem Jahr 1954, der seinerzeit einer der größten Bühnen des Landes Platz bot, könnte bald der Vergangenheit angehören. Da sich seit 2015 kein Mieter mehr für den sozialistisch-klassizistischen Prestigebau findet, will der derzeitige Eigentümer nicht weiter für die laufenden Unterhaltskosten des Gebäudes aufkommen. Auch die Stadt ist angesichts leerer Kassen nicht bereit, in die Bresche zu springen. Trotz Initiativen für den Erhalt ist der Palast daher akut abrissbedroht.

Der Bau ist nicht nur architektonisch interessant, sondern auch kulturhistorisch bedeutend. Als die SED-Führung in den 1960er Jahren versuchte, eine eigenständige „Nationalkultur“ der DDR zu etablieren, entwickelten Künstler und Funktionäre hier den sogenannten „Bitterfelder Weg“. Ziel war eine enge Verknüpfung von Laien- und professionierten Künstlern, die Partei gab dazu die Parole „Greif zur Feder, Kumpel, die sozialistische deutsche Nationalkultur braucht dich!“ aus. Da sich der Erfolg der Kampagne in Grenzen hielt, wurde sie wenige Jahre später wieder aufgegeben. (jr, 1.2.18)

Bitterfeld, Kulturpalast (Bild: Joeb07, CC BY SA 3.0)

Bitterfeld, Kulturpalast (Bild: Joeb07, CC0)

Abrissantrag für Kulturpalast

Im Jahr 2013 hat die Gelsenwasser AG den Chemiepark Bitterfeld Wolfen gekauft. Zum Areal gehört auch der 1952-54 nach Plänen von Alfred Dienst errichtete Kulturpalast. 2004, zum 50-jährigen Jubiläum, wurde der er nach einjähriger Sanierung durch den damaligen Betreiber des Chemieparks wiedereröffnet: Die Stadt Bitterfeld konnte die Sanierungskosten nicht selbst tragen. Mit dem denkmalgeschützten Bau, der zum Zeitpunkt des erneuten Besitzerwechsels vor vier Jahren in voller Nutzung war, konnte (und wollte) die Gelsenwasser AG aber offenbar wenig anfangen: Sukzessive wurde das Gebäude geräumt, seit 2016 steht es leer. Welche Pläne man mit dem DDR-Denkmal hatte, war unklar – nicht aber, dass die mittlerweile als Chemieparkgesellschaft firmierenden Besitzer es als Altlast empfanden.

Nun ist raus, was viele bereits vermuteten: Die Chemieparkgesellschaft hat nach Informationen der Mitteldeutschen Zeitung einen Abrissantrag gestellt. Man wolle den Bau „nicht weiter besitzen und betreiben“, so Chemiepark-Geschäftsführer Patrice Heine. Allerdings sei es nicht das alleinige Ziel, den Kulturpalast abzureißen. Es bestehe auch die Möglichkeit, dass jemand anderes der neue Besitzer werde. Hauptgrund, den Bau mit insgesamt 1150 Sitzplätzen loszuwerden, ist offenbar schlicht das Geld. Laut der Chemieparkgesellschaft müsse jedes Wochenende eine ausverkaufte Veranstaltung stattfinden, um kostendeckend zu arbeiten. Davon träumen freilich die meisten deutschen Kulturhäuser…   (db, 11.9.17)

Kulturpalast Bitterfeld (Bild: Joeb07, CC0)