Werne: Böhm-Sakristei fällt

Jetzt ist es offiziell: In Bochum-Werne wird ein Böhm-Bau abgerissen. 1999 wurde der Sakristeianbau für die gotische Hallenkirche St. Christophorus eingeweiht. Kein Geringerer als der Architekt Stephan Böhm (Sohn von Gottfried, Enkel von Dominikus Böhm) lieferte damals die Pläne. Programmatisch setzt sich die Sakristei-Konstruktion vom Kirchenbau ab: V-förmig zusammenlaufende Doppelstützen – deren Verkleidung an ihren Nahtstellen und an ihrer Spitze pointiert mit Plexiglas überbrückt wird – formen ein Gebilde, das mit metallischem Hammerschlag-Lack an eine Mondlandefähre erinnert. Der Bau birgt auf mehreren Ebenen die Ankleidezonen und Paramentenschränke. Über einen gläsernen Gang ist er verbunden mit der Kirche, die ebenfalls Ende der 1990er Jahre prägende Ausstattungsstücke erhielt.

Nach außen zeigt das Böhm’sche Baukunstwerk schon seit Jahren starke Patina. Stephan Böhm verwies 2018 gegenüber der Presse auf den mangelnden Bauunterhalt seitens der Gemeinde, der man dabei (fast) schon Absicht unterstellen könne. Formal sprach er von „einem unserer besten Bauten“, für den man sich auch mit zeitlichem Abstand heute nicht schämen müsse. In der Gemeinde hingegen mehrten sich rasch die Stimmen, den “Altbau” Sakristei lieber zu ersetzen, zumal man damit begann, das finanzielle Engagement etwa auf die Sanierung von St. Konrad zu verlagern. Auch ästhetisch blieb bei vielen Gemeindegliedern eine starke Distanz zum Böhm’schen Entwurf bestehen. Ein Antrag auf Unterschutzstellung wurde von der Denkmalfachbehörde 2018 mit der Begründung abgewiesen, dass man aktuell nur Objekte bis zum Baujahr 1990 bewerten könne. Nun hat sich die Kirchengemeinde mit einem mehrere Standorte umfassenden Immobilienkonzept neu aufgestellt – dazu gehört auch der (baldige) Abriss der Sakristei. (kb, 9.10.21)

Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)
Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)

Werne, St. Christophorus, Sakristei (Bild: Uli Borgert, 2018)

Ehre fürs Terrassenhaus

An den Bochumer Terrassenbauten Girondelle 84-90 hat sich moderneREGIONAL schon vor drei Jahren erfreut. Zu jener Zeit fristete das 1966-71 errichte Wohn-Experimentalgebäude noch ein eher trauriges Dasein. Seit 2019 steht es nun unter Denkmalschutz, die neue Eigentümerin möchte es behutsam renovieren. Diese erfreuliche Entwicklung ist für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Grund genug, die Girondelle 84-90 als “Denkmal des Monats November” auszuzeichnen. „Das Terrassenwohnhaus gehört zu den besonders sprechenden Zeugnissen neuer Wohnbaukonzepte ab den 1960er Jahren“, erklärt LWL-Denkmalpfleger Dr. Knut Stegmann. „Großformen wie diese schienen die Lösung für den erwarteten Mangel an Bauland in den großen Städten zu sein. Gleichzeitig bedienten integrierte Freiflächen die Forderung nach sozialer Gleichheit.“

Das Terrassenhaus ist Teil der in den 1960er Jahren in zwei Bauabschnitten errichteten “Wohnstadt” der Bochumer Ruhruniversität. Architekt war der Nürnberger Albin Hennig (*1931), der auch für das neue Wohngebiet Langwasser in seiner Heimatstadt mitverantwortlich zeichnete. Vor Ort in Bochum war sein Kollege Dieter Dietrich (1935-88) fürs Terrassenhaus verantwortlich. Die Schweizer Eigentümer haben nun in Abstimmung mit der Denkmalpflege ein Gestaltungshandbuch erstellen lassen, das die Grundlage für die langfristige Instandsetzung des skulpturalen Baus bildet. mR ist gespannt! (db, 15.11.20)

Bochum, Terrassenhaus Girondelle 84-90 (Bild: Claudia Volberg)

SOS Bochum

Brutalismus gehört zum Ruhrgebiet wie Zeche, Currywurst und ein gewisser nuschelnder Rocksänger. Daher musste die Ausstellung “SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster!”, ein gemeinsames Projekt des Deutschen Architekturmuseums und der Wüstenrot Stiftung, einfach nach Bochum. Jetzt ist es soweit: Vom 26. Spetember bis zum 24. November 2019 ist die Schau im Musischen Zentrum der Ruhr-Universität Bochum (RUB, Universitätsstraße 150, 44801 Bochum) zu sehen – donnerstags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr.

Erweitert wird die Frankfurter Schau durch die Ausstellung “RUB: brutal schön?” von Studierendendes Kunstgeschichtlichen Instituts der RUB unter der Leitung von Prof. Dr. Cornelia Jöchner. Die Eröffnung wird begangen am 25. September 2019: um 17.30 Uhr für die studentischen Teil im Erdgeschoss der Universitätsbibliothek mit einer Begrüßung durch die Direktion der Universitätsbibliothek, um 19 Uhr für “SOS Brutalismus” mit einer Begrüßung durch die Kanzlerin der RUB, Dr. Christina Reinhardt, und DAM-Kurator Oliver Elser. (kb, 17.9.19)

Bochum, Ruhr-Universität, Musisches Zentrum (Bild: KureCewlik81, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2008)