Das ewige Problem mit den Bildern

Protestanten und Kunst verbindet ja bekanntlich keine wirklich enge Liebe. Doch das könnte sich diesen November gleich doppelt ändern. Vom 9. bis 10. November 2018 findet in Marburg – nach dem Vorbild des jahrzentelang bewährten Kirchbautags – der “Erste Evangelische Bildertag” statt. Das Marburger EKD-Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart lädt alle Interessierten mit Vorträgen und Diskussionsrunden dazu ein, neue “Bildkompetenz” zu erwerben. Denn, so die These, die intensive Beziehung zum Wort beruhe auf einer intimen Beziehung zum Bild, “die weithin unbemerkt die religiöse Kommunikation im Protestantismus steuert”.

Auch im Ruhrgebiet fragt eine Tagung nach der “Ambivalenz der Bilder in Kunst und Religion”. In Bochum (Kunstmuseum Bochum, Kortumstraße 147, 44787 Bochum) will das CERES-Institut (Centrum für Religionswissenschaftliche Studien) der Ruhr-Universität vom 7. bis 9. November 2018 neu über die “Bilderfrage” nachdenken. Die Tagung steht im Rahmen der Ausstellung “Bild Macht Religion” im Kunstmuseum Bochum, die den jahrhundertealten Widerstreit zwischen Bilderkult und Bilderkampf neu aufrollt. Damit können die Tagungsbesucher eben nicht nur viel hören und reden, sondern auch viel schauen, was es mit den Bildern und dem Christentum wirklich auf sich hat. (kb, 29.10.18)

Maler bei der Arbeit (Bild: Lukeroberts, GFDL oder CC BY SA 2.5, 2005)

Städtebau ganz groß

Body Positivity ist in aller Munde, doch auch in der Baukunst sind große Größen im Gespräch. Denn gerade die Nachkriegsmoderne hat mit viel Optimismus und Selbstbewusstsein reichlich davon hinterlassen: moderne Schulen, Universitäten und Rathäuser, Kirchen, Kaufhäuser und Wohnsiedlungen. Um deren Schönheiten wieder ins öffentliche Bewusstsein zu bringen, werden im Kulturerbejahr in NRW unter dem schönen Slogan “Big Beautiful Buildings” zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen angeboten.

Die Fachgruppe Städtebauliche Denkmalpflege lädt vom 30. bis 31. Oktober 2018 ein zur Konferenz “Big Beautiful Buildings. Als die Zukunft gebaut wurde”. Das Programm startet am 30. Oktober um 11 Uhr mit zwei Bus-Exkursionen, einmal im nördlichen, einmal im zentralen Ruhrgebiet. Um 18 Uhr beginnt die Ausstellungseröffnung “Modern gedacht! Symbole der Nachkriegsarchitektur” des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW im Foyer des Technischen Rathauses Bochum, (Hans-Böckler-Straße 19). Um 19 Uhr folgt in der Christuskirche Bochum unser Festvortrag über die Stilgeschichte dieser Jahrzehnte von Prof. Dr. Klaus Jan Philipp (Stuttgart). Abgerundet wird der erste Tag mit einem offiziellen Empfang in der Christuskirche ab, der um 20 Uhr beginnt. Am 31. Oktober bietet der Konferenztag ab 9 Uhr verschiedene Beiträge und Diskussionsrunden zum Thema. (kb, 6.10.18)

Bochum, Christuskirche, Auftritt von “Subway to Sally” (Bild: © Markus Felix, Pushing Pixels, CC BY SA 3.0, 2016)

Der Glaube an das Große

Großstrukturen gehören zum architektonischen Erbe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und dieses wird nicht immer geliebt. An Ensembles wie der Ruhruniversität Bochum, dem Klinikum Aachen oder dem Nordwestzentrum Frankfurt scheiden sich bis heute die Geister. Doch der hier gezeigte “Glaube an das Große” gehört unauflöslich zur Architektur moderner Gesellschaften. Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren, Hochschulen für Tausende von Studierenden, Konferenzzentren oder Krankenhäuser zeugen auf der ganzen Welt davon.

Solche Bauten wurden wie kleine Städte angelegt und sollten ebenso effizient funktionieren. In ihrer druckfrisch erschienenen Habilschrift “Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne” (Park Books) arbeitet Sonja Hnilica drei Konzepte für die Giganten heraus: Großform, Bausystem und Megastruktur. Sie will damit neue Perspektiven eröffnen, wie wir heute mit den “viel geschmähten ererbten Riesen” konstruktiv umgehen können. (kb, 20.3.18)

Sonja Hnilica, Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne. Großstrukturen der 1960er und 1970er Jahre. Betonkolosse aus der Nachkriegszeit prägen das Gesicht vieler Städte – Wie geht Stadtplanung heute mit diesem Erbe um? Park Books, Zürich 2018, gebunden, ca. 304 Seiten, 80 Farb- und 100 Schwarzweiß-Abbildungen, 22 x 28 cm, ISBN 978-3-03860-093-0.

“Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne” (Bild: Buchcover, Park Books)