Der Glaube an das Große

Großstrukturen gehören zum architektonischen Erbe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und dieses wird nicht immer geliebt. An Ensembles wie der Ruhruniversität Bochum, dem Klinikum Aachen oder dem Nordwestzentrum Frankfurt scheiden sich bis heute die Geister. Doch der hier gezeigte „Glaube an das Große“ gehört unauflöslich zur Architektur moderner Gesellschaften. Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren, Hochschulen für Tausende von Studierenden, Konferenzzentren oder Krankenhäuser zeugen auf der ganzen Welt davon.

Solche Bauten wurden wie kleine Städte angelegt und sollten ebenso effizient funktionieren. In ihrer druckfrisch erschienenen Habilschrift „Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne“ (Park Books) arbeitet Sonja Hnilica drei Konzepte für die Giganten heraus: Großform, Bausystem und Megastruktur. Sie will damit neue Perspektiven eröffnen, wie wir heute mit den „viel geschmähten ererbten Riesen“ konstruktiv umgehen können. (kb, 20.3.18)

Sonja Hnilica, Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne. Großstrukturen der 1960er und 1970er Jahre. Betonkolosse aus der Nachkriegszeit prägen das Gesicht vieler Städte – Wie geht Stadtplanung heute mit diesem Erbe um? Park Books, Zürich 2018, gebunden, ca. 304 Seiten, 80 Farb- und 100 Schwarzweiß-Abbildungen, 22 x 28 cm, ISBN 978-3-03860-093-0.

„Der Glaube an das Große in der Architektur der Moderne“ (Bild: Buchcover, Park Books)

Mit den Riesen auf Augenhöhe

Das Projekt „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ porträtiert zehn Großbauten der 1960er und 1970er Jahre in Nordrhein-Westfalen. Gemeinsam ist den „Riesen“, dass sie in den vergangenen Jahren in der öffentlichen Diskussion standen und teilweise sogar vom Abriss bedroht waren. Heute verkörpern sie eine euphorische Epoche und zeigen oftmals architektonische Qualitäten. Im ersten Schritt des Projekts haben Alexandra Apfelbaum, Gudrun Escher und Yasemin Utku die aktuellen öffentlichen Debatten und historisches Material ausgewertet. Die Ergebnisse können als Studie gratis heruntergeladen werden.

Daran knüpft im Herbst 2017 die Reihe „Mit den Riesen auf Augenhöhe“ an. An den einzelnen Veranstaltungsorten werden die Besonderheiten des jeweiligen Bauwerks in Besichtigung und Diskussion erfahrbar. (Die Teilnahme ist jeweils kostenlos, genauere Informationen zu Zeit und Ort sowie die Anmeldung erfolgen über die örtlichen Volkshochschulen). Als Termine sind angesetzt: am 18. September in Duisburg, am 27. September in Dortmund, am 4. Oktober in Bochum, am 11. Oktober in Bonn, am 18. Oktober in Aachen, am 25. Oktober in Dortmund, am 1. November in Paderborn, am 8. November in Essen, am 15. November in Marl, am 22. November in Köln und am 29. November in Gronau. (kb, 17.8.17)

Köln, Hochhäuser Deutschlandfunk und Deutsche Welle (Bild: Copyright Raimond Spekking, CC BY SA 3.0, via Wikimedia Commons)

„Umbaukultur“ in Bochum

Wenn man umbaut, statt vorschnell abzureißen, erbt man mit dem Gebäude manchmal auch einen so wundervollen Namen wie „Katholikentagsbahnhof“. Wo seit diesem Sommer kulturelle Veranstaltungen stattfinden, wurden in Bochum 1949 provisorisch die Funktionen eines Hauptbahnhofs abgewickelt – und zu denen gehörte auch der 73. Katholikentag. Noch ein zweiter Bau mit kirchlichem Hintergrund dient in Bochum seit einigen Monaten der Kultur: 2016 eröffnete man das Anneliese Brost Musikforum Ruhr in der ehemaligen Marienkirche (1872 geweiht, 1953 nach dem Wiederaufbau neu geweiht, 2002 profaniert), die jetzt mit neuen Konzertsälen für die Bochumer Symphoniker verbunden wurde.

Vor diesem Hintergrund und in eben jene Räume laden StadtBauKultur NRW und die Bundesstiftung Baukultur zur Baukulturwerkstatt „Umbaukultur“ nach Bochum ein. Am 7. und 8. September 2017 gibt es hier Führungen, Impulsvorträge und Diskussionsrunden zu – gelungenen oder durch Abriss versäumten – Umbauprojekten: vom Kulturpalast Dresden über die Hamburger Esso-Häuser bis hin zur Bochumer Friedenskirche. Erklärtes Ziel der Veranstalter ist es, auf die wirtschaftlichen, ökologischen und baukulturellen Argumente für das „Bauen im Bestand“ aufmerksam zu machen. Versprochen werden auch ein musikalisches und kulinarisches Rahmenprogramm sowie Zeit für Gespräche und Begegnungen. (kb, 11.8.17)

Bochum, Marienkirche als Musikforum (Foto: Copyright Brigida Gonzales)