TIPPS ZUM TOFD: Wegmarken in NRW

In diesem Jahr bietet der Tag des offenen Denkmals zum Thema „Schein und Sein“ wieder (toi, toi, toi) auch analoge Punkte im Programm. Für Modernebegeisterte lassen sich in Nordrhein-Westfalen für den 12. September 2021 einige Veranstaltungen herausgreifen. Für das berühmte Dortmunder U (Leonie-Reygers-Terrasse 1, 44137 Dortmund) aus den Jahren 1926/27 werden am 12. September zwischen 11 und 17 Uhr stündlich baugeschichtliche Führungen unter dem Thema „Vom Brauturm zur Kreativquelle“ angeboten. Treffpunkt ist das Foyer (die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt, eine Anmeldung ist erforderlich unter info@dortmunder-u.de oder Tel. (0231) 50–2 47 23). Ein zweiter Dortmunder Turm, der Wasserturm „Lanstroper Ei“ (Rote Fuhr 99, 44329 Dortmund) aus dem Jahr 1914/15, der derzeit saniert wird, kann ebenfalls am Sonntag, 12. September 2021, um 11 Uhr bei Führungen (nach Bedarf) erkundet werden (der Wasserturm kann nicht betreten werden, Beeinträchtigungen durch die sanierungsbedingte Baustelle sind möglich).

Das Kölner Martinsviertel (Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln) kann unter dem Titel „Zwischen Geschichte und Moderne“ am Sonntag, 12. September 2021, um 15 Uhr mit einer Führung erkundet werden. Denn in diesem auf historischer Parzellenstruktur wiederaufgebauten Quartier finden auch Modernist:innen reiche Beute – darunter bekannte Architekturen der 1980er Jahre wie das Museum Ludwig/Philharmonie und das Maritim-Hotel. (Anmeldung erforderlich bis zum 9. September, Teilnahme nur mit Anmeldebestätigung). Zum heimischen Vorglühen oder Ausklang der NRW-Denkmalrunde empfiehlt sich ein Besuch im Bonner Trinkpavillon: in diesem Fall ein virtueller. Das Video verknüpft Dias des nachkriegsmodernen Kleinods mit einer WDR 3-Hörfunksendung „Kultur am Mittag“. Die Kleinarchitektur aus dem Jahr 1070 wird seit 2017 von engagierten Bürger:innen zu besonderen Anlässen geöffnet. (kb, 23.8.21)

Dortmund, Union-Brauerei (Bild: Dominik Wesche, CC BY SA 3.0, 2011)

Im Untergrund der alten Hauptstadt

Die Moskauer Metro hat Kronleuchter für das Proletariat, die Hamburger U-Bahn zeigt edles hanseatisches Understatement, Bonn griff gekonnt in den Farbtopf: Zur Eröffnung im Jahr 1975 glänzte die Haltenstelle „Universität Markt“ in sattem Zitronengelb. Auch Rot und Orange waren vertreten – und namhafte Architekten wie Alexander Freiherr von Branca. Schon 1967 hatte die gerade einmal 140.000 Einwohner:innen zählende Stadt feierlich mit dem Bau einer eigenen „Unterpflasterbahn“ begonnen, in der prominenten Anwesenheit der Herren Minister Franz Josef Strauß (für Finanzen) und Georg Leber (für Verkehr). Die Gründe dafür lagen irgendwo zwischen realen Verkehrsproblemen, gefühlter Urbanität und gewolltem Hauptstadtflair. Die Arbeiten an der Bonner Stadtbahn gingen Schritt für Schritt voran – teils unter, teils über der Erde: Die Nord-Süd-Achse wurde ab 1975 genutzt, diese 1979 mit dem Hauptbahnhof verbunden und bis 1986 vollendet.

Heute bezeugt die Kernstrecke nicht nur den einstigen Hauptstadtanspruch, sondern auch ein überzeugendes Gestaltungskonzept. Doch mit den Jahren nagen die Veränderungen im Kleinen und im Großen an diesem Gesamtkunstwerk. Nicht umsonst wird spätestens seit dem 40-jährigen Jubiläum 2015 laut über Denkmalschutz nachgedacht – ein guter Grund, sich die Bonner Unterpflasterbahn genauer anzuschauen. „Mit der U-Bahn durch die Bonner Republik. Eine Zeitreise mit Tunnelblick“ lautet daher der Titel eines Vortrags von Dipl.-Ing. Rasmus Radach, wissenschaftlicher Referent im Sachgebiet Technik- und Industriedenkmalpflege des LVR-ADR. Interessierte können dem Referat am 24. Juni 2021 um 18.00 Uhr über Zoom virtuell folgen. Die digitale Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Zoom-Link: https://eu01web.zoom.us/j/62168534907?pwd=ZFhHcjBlYmhQWTVrYjRHY1RQUTZWdz09 (Meeting-ID: 621 6853 4907, Kenncode: 849754 – oder einfach alle Daten einsehen unter www.denkmalpflege.lvr.de). (kb, 21.6.21)

Bonn, U-Bahnstation Heussallee (Bild: Initiative Kerberos, 2017)

Bonn: Pädagogische Fakultät soll fallen

Im kommenden Herbst soll es so weit sein: Die Universität Bonn rückt den Gebäuden der Pädagogischen Fakultät an der Römerstraße zu Leibe. Als Argument wird eine PCB-Schadstoffbelastung genannt. Inzwischen stehen weite Teile des Ensembles bereits seit über zehn Jahren leer – und auch die letzten Restnutzungen wurden nun beendet. Zu der betreffenden Anlage in der Nordstadt gehören u. a. ein Hochhaus und eine Mensa. Die Pädagogische Fakultät ist durch mehrere Standorte und Bauphasen gegangen, zuletzt an der Römerstraße mit Bauten der 1950er und 1960er Jahre nach Entwürfen des Staatshochbauamts, mit Ergänzungen aus den 1970ern.

Wegen der PCB-Belastung soll nicht gesprengt, sondern abgetragen werden – mit Ausnahme von Altbau und Sporthallen. Anstelle der Mensa sind neue „Modulbauten“ angekündigt, die für Studierende als „Ersatzherberge“ zur Verfügung gestellt werden sollen: ein Interim als Zwischenlösung für die kommenden Zeiten der Sanierung des historischen Uni-Hauptgebäudes in der Altstadt. Auch der Stadtteil hatte schon Interesse an den Flächen angemeldet, erhielt aber von der Universität eine Absage. Mit dem Verweis, hier entstünde ein neuer Campus, dessen reichhaltiges junges Leben dann wiederum dem ganzen Quartier zugutekäme. (kb, 6.6.21)

Bonn, Pädagogische Fakultät (Bild: Stefan Knauf, gemeinfrei, 2007)