„Hässlicher Klotz“

In den Sozialen Medien fällt das Urteil zum Stadthaus Bonn oft kurz und bündig aus: „Hässlicher Klotz“, ist da z. B. zu lesen, immerhin mit einem Augenzwinkersmiley garniert. Das Ensemble aus fünf Punkthochhäusern entstand bis 1977 nach Entwürfen von Erwin Heinle und Robert Wischer. Es beherbergt die städtische Verwaltung und sollte der provisorischen Hauptstadt als Gegengewicht zu den Bauten der Bundesregierung dienen. Im Sinne der autogerechten Stadt wurde das Parkhaus-Sockelgeschoss direkt an die Straße angeschlossen. Fußgänger werden getrennt davon über Rolltreppen transportiert.

Schon seit Jahren wird um die Zukunft des Verwaltungsbauwerks gerungen, das von Anfang an umstritten war. Nicht zuletzt, da ihm Teile der historischen Altstadt weichen mussten. 2011 suchte man Rat beim ersten Gutachten, 2014 wurden die letzten Fassaden-Vorhangscheiben wegen Absturzgefahr entfernt. Nun standen bei der letzten Stadtratsitzung die Zeichen verstärkt auf Abriss: Für diesen finalen Fall soll sich Oberbürgermeister Ashok Sridharan für einen Neubau im Innenstadtbereich ausgesprochen haben, wie der General-Anzeiger berichtet. Und aus den Coronaerfahrungen heraus spekuliert man schon, wie viel Bürofläche sich durch Homeoffice einsparen ließe. Noch ist das Rennen offen, aber es wird auffällig wenig über das ob, sondern mehr über das wie des Neubaus gesprochen. (kb, 26.6.20)

Bonn, Stadthaus (Bild: ToLo46, CC BY SA 4.0, 2018)

Bonn, Stadthaus (Bilder: oben: MrOrwell, CC0 1.0, 2012; unten: ToLo46, CC BY SA 4.0, 2018)

Bonn: Landesvertretung Niedersachsen fällt

Der Abriss läuft bereits: Gegenüber vom Post-Tower, wo die Fritz-Erler- auf die Kurt-Schumacher-Straße trifft, wurde in der Bundeshauptstadt 1990 die Landesvertretung Niedersachsen eingeweiht. In Bonn erhielten die Bundesländer je eine Art Botschaft, eben jene Landesvertretung. Für Niedersachsen entstand bis 1990 ein Neubau, der auf der Spitze des tortenstückförmigen Grundstücks in einer markanten Rotunde von 11 Metern Höhe auslief. Darüber hinaus punktete das postmoderne Ensemble mit einer Bibliothek und einer Friesenstube. Dem Vorhaben war ein Architektenwettbewerb vorausgegangen, aus dem das Büro Christa Sommerfeld-Lambart mit dem zweiten Preis hervorging – und mit der Umsetzung beauftragt wurde. Nachdem die Landesvertretung 2000 endgültig nach Berlin umgezogen war, vermietete man den Bau an die Post, um 2008 von einem neuen Eigentümer mit einem Bürohaus nochmals überbaut zu werden.

Zunächst hatte man für die Landesvertretung Niedersachsen eine weitere Aufstockung geplant, bevor man sich letztlich für einen Neubau entschied. Auf dem jetzt freiwerdenden Grundstück Fritz-Erler-/Kurt-Schumacher-Straße soll, so plant es der Bonner Immobilienmakler Marc Asbeck, bis 2022 ein neues Bürohaus entstehen. Dieses rund 100 Millionen teure „Greengate“ ist vorgesehen für 750 Arbeitsplätze auf bis zu neuen Stockwerken. In direkter Nachbarschaft zur Landesvertretung Niedersachsen war 2019 bereits die Landesvertretung Schleswig-Holstein niedergelegt worden. (kb, 21.4.20)

Bonn-Gronau, Landesvertretung Niedersachsen (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-F086837-0029, CC BY SA 3.0, Foto: Arne Schambeck, 1991)

HICOG vom Nikolaus

HICOG steht für den US-amerikanischen „High Commissioner of Germany“ (HICOG). Und eben jener HICOG zeichnete Anfang der 1950er Jahre verantwortlich für drei Wohnsiedlungen. Deutsche Angestellte zogen nach Bonn-Tannenbusch und in den Süden des Bad Godesberger Zentrums. In Plittersdorf hingegen entstand Wohnraum für amerikanischen Mitarbeiter gebaut. An allen drei Standorten erkennen fachkundige Augen die Handschrift des Architekten Sep Ruf, der für seinen Entwurf des Bonner Kanzlerbungalows, für seine Mitarbeit am Deutschen Pavillon in Brüssel berühmt werden sollte. Auch die Gartenanlagen kamen aus prominentem Hause, von Hermann Mattern und Heinrich Raderschall.

Am 6. Dezember 2019 um 19 Uhr wird der neue Architekturführer der Werkstatt Baukultur Bonn zu den HICOG-Siedlungen vorgestellt, der in Zusammenarbeit mit den Vereinen und Initiativen aus den drei Siedlungen entstanden ist. Während der Veranstaltung in der Stimson Memorial Chapel (Kennedyallee 150, 53175) werden historische Bilder und kurze Filmausschnitte zu den Siedlungen gezeigt, anschließend gibt es einen kleinen Glühwein-Umtrunk. (kb, 29.11.19)

Bonn, HICOG-Siedlung (Bild: Werkstatt Baukultur Bonn)