Schlagwort: Bonn

Group Ludic, Hérouville Saint-Clair/Normandie, 1968 (Bild: © Courtesy Xavier de la Salle)

The Playground Project

Zwischen 1950 und 1980 war eine gute Zeit für Spielplätze: Sie galten als Labor des Städte- und Landschaftsbauens, als Option auf innovative, verrückte, interessante und aufregende Projekte. Mit den und für die Kinder wollte man den öffentlichen Raum zurückerobern und neu denken. Die Wanderausstellung „The Playground Project“ macht diese Aufbruchszeit anhand von Bildern, Modellen, Plänen, Büchern und Filmen erlebbar. Hinzu kommen ganz praktisch Spielskulpturen zum Kriechen, Rutschen, Verstecken, Lachen und Rennen. Die Schau wurde 2013 erstmals im Rahmen der Carnegie International in Pittsburgh gezeigt, 2016 in der Kunsthalle Zürich vertieft und macht aktuell Station in der Bundeskunsthalle Bonn.

Die Ausstellung zeigt die modernen Pioniere ebenso wie ihre heutige Weiterentwicklung. So war und ist der Spielplatz mehr als ein Stück Stadt: Sozialreformer wollten Kinder vor Ausbeutung schützen, Künstler wie Isamu Noguchi schufen imaginäre Spiellandschaften, Landschaftsarchitekten wie Carl Theodor Sørensen vereinten Bauen, Graben, Gärtnern und gemeinsames Spiel, Landschaftsarchitektinnen wie Lady Allen of Hurtwood erkannten Spielplätze sie als Ort von Heimatgefühl inmitten von Trümmern. Die Ausstellung ist in Bonn noch zu sehen bis zum 28. Oktober 2018. (kb, 23.7.18)

Group Ludic, Hérouville Saint-Clair/Normandie, 1968 (Bild: © Courtesy Xavier de la Salle)

Köln, Franziskanerkirche St. Marien (Bild: Elke Wetzig, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Vor 50 Jahren starb Emil Steffann

Vor 50 Jahren, im Juli 1968, stab der Architekt Emil Steffann. Nach dem Krieg hatte er mit seinen Mitarbeitern in nur 18 Jahren rund 40 Kirchen und Klöster errichtet. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in Nordrhein-Westfalen, wo er in Mehlem bei Bonn auch sein Atelier unterhielt. Zum 50. Jubiläum seines Todestags lädt der Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen mit dem Verein „Dialograum Kreuzung an St. Helena“ am 20. Juli um 19 Uhr zu einem Vortragsabend in die Bonner Kirche St. Helena (Bornheimer Straße 130, Bonn) ein – und damit in einen Kirchenbau, der um 1960 von Emil Steffann und Nikolaus Rosiny gestaltet wurde.

Vier Kurzvorträge erinnern an Leben, Werk, Fortwirken und das heutige Schicksal der Kirchen des stillen, zurückhaltenden Architekten. Ergänzend zeigt eine kleine Ausstellung von Studierenden der RWTH Aachen gefertigte Architekturmodelle, die zentrale Grundgedanken der Architektur Steffanns verbildlichen. Es sprechen Georges Paul, Dr. Caroline Helmenstein, Dr. Tino Grisi und Dr. Martin Bredenbeck. Es schließen sich an ein Plenum mit Diskussion und Fazit aus den Vortrags-Themen und ein Ausklang mit kleinem Umtrunk. (kb, 12.7.18)

Köln, Franziskanerkirche St. Marien (Bild: Elke Wetzig, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

 

Rührgerät RG 28 (Bild: Der Streckenvogel, CC BY SA 3.0, 2009)

Alles nach Plan?

Es geht um Klassiker wie das Rührgerät RG 28, die Erika-Schreibmaschine oder die motorgetriebenen Zweiräder von Simson. In seiner aktuellen Wechselausstellung „Alles nach Plan?“ zeigt das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig noch bis zum 14. Oktober mit Produkten auch das Design aus der DDR. 1971 rief Erich Honecker auf dem VIII. Parteitag zur Maxime aus: „Mehr und bessere Waren, die dem Bürger gefallen und seine Bedürfnisse befriedigen, (…) das betrachten wir als wichtige Staatsangelegenheit“.

Die Formgestalter standen damit im Spannungsfeld zwischen eigenen Vorstellungen, politischen Rahmensetzungen und Herstellungsbedingungen in den ausführenden Betrieben, wo Farben und Werkstoffe auch mal pragmatisch angepasst werden mussten. Vor diesem Hintergrund entfaltet die Ausstellung das Design in der DDR von seinen Anfängen her: von der Aufbruchsstimmung in den 1950er Jahren über die Gründung des Amts für industrielle Formgestaltung in den 1970er Jahren bis hin zur Mangelkrise in den 1980er Jahren. (kb, 5.5.18)

Rührgerät RG 28 (Bild: Der Streckenvogel, CC BY SA 3.0, 2009)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bonn: Umzugsjubiläum

Nein, es geht hier nicht um den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin, der der Stadt am Rhein bis heute nachhängt. Dieser jährt sich erst 2019 zum 20. Mal. Dieser Tage gilt es dagegen, ein erfreulicheres Jubiläum zu begehen: Vor 40 Jahren zog die Bonner Stadtverwaltung in das brandneue Stadthaus. Das Verwaltungshochhaus im Zentrum Bonns stellte seinerzeit ein kommunales Gegengewicht zu den hochmodernen Bauten im Bundesviertel dar.

Das Stadthaus wurde in den 1970er Jahren nach Plänen des Büros Heinle, Wischer und Partner errichtet. Die Stadtverwaltung benötigte auf Grund mehrerer Eingemeindungen dringend mehr Raum, das historische Rathaus platzte aus allen Nähten. 1978 zogen die städtischen Beamten schließlich in das 72 Meter hohe  Bauwerk, das mit seiner gläsernen Vorhangfassade, dem integriertem Parkhaus und einer eigenen U-Bahn-Station ganz den Planungsdirektiven der Zeit entsprach. Wenn auch sein architektonischer Wert unter vielen Bonnern bis heute umstritten ist, stellt der Bau zweifellos einen Meilenstein zum städtischen Selbstbewusstsein der Stadt dar. Und das hat auch über den Wegzug der Regierung hinaus Bestand. (jr, 19.4.18)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bekommt Gesellschaft: die Bonner Beethovenhalle (Foto: Hans Weingartz)

Beethovenhalle erneut in Gefahr?

In Bonn bereitet man sich seit einigen Jahren auf den 250. Geburtstag des wohl berühmtesten Sohns der Stadt vor: 2020 soll Ludwig van Beethoven ein ganzes Jahr lang gefeiert werden, womit auch die Bedeutung der ehemaligen Hauptstadt als Kulturstandort unterstrichen werden soll. Nachdem die Pläne für ein neues Festspielhaus 2015 endgültig scheiterten, rückte die Beethovenhalle als Haupt-Veranstaltungsort in den Fokus. Der von Siegfried Wolske entworfene Bau wurde 1959 eingeweiht und wird derzeit denkmalgerecht saniert. Da sich die Arbeiten aber im Fortgang als teurer erweisen und mehr Zeit in Anspruch nehmen werden, wurde ein Baustopp und sogar der Abriss des denkmalgeschützten Baus vorgeschlagen. Diese Position vertreten insbesondere die früheren Festspielhausbefürworter.

Kürzlich hatte die Stadt bekanntgegeben, die Halle nicht mehr in ihre Jubiläumsplanungen einzubeziehen, da sich abzeichne, dass die Sanierungsarbeiten nicht bis 2020 abgeschlossen sein werden. Man werde ein anspruchsvolles Programm an anderen Spielstätten verwirklichen können. Die Opposition im Bonner Stadtrat schlug daraufhin vor, die Arbeiten sofort zu stoppen und einen Abriss zu prüfen. Das wäre fatal: Bonn würde damit nicht nur ein bedeutendes denkmalgeschütztes Wahrzeichen der Nachkriegsmoderne verlieren. Im Stadtrat grassieren darüber hinaus Überlegungen, die Beethovenhalle durch einen Neubau zu ersetzen, der auch für die Oper Raum bietet. Das wäre wohl das Todesurteil für das sanierungsbedürftige Opernhaus von 1965, dessen Abriss ebenfalls diskutiert wird. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Versuch, Musik und darstellende Kunst gegen nachkriegsmoderne Baukultur auszuspielen, erfolglos bleibt. Die Zeichen stehen aktuell gut: In der Sondersitzung des Rats am 5. März stimmte die Koalition für die Fortführung der Sanierung. Ob die unterlegene Opposition nun mit anderen Kräften gemeinsame Sache machen und womöglich einen Bürgerentscheid anstreben wird, ist offen. (jr, 10.3.18)

Bonn, Beethovenhalle (Foto: Hans Weingartz, CC BY-SA 3.0)