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Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bonn: Stadthaus auf dem Prüfstand

Sanierung oder Abriss – diese Frage stellt sich derzeit für mehrere prominente Bonner Nachkriegsbauten. Jüngst berichteten wir über die entsprechend ungewisse Zukunft der Oper, nun steht das Stadthaus im Fokus. Der Bau, der seit 1978 die kommunale Verwaltung der Stadt beherbergt, ist dringend sanierungsbedürftig. Nach Informationen des Generalanzeigers hat die Stadt Bonn nun ein Gutachten in Auftrag gegeben, das klären soll, ob Sanierung oder Abriss und Neubau die günstigere Alternative sind.

Es ist bereits das zweite entsprechende Gutachten. 2011 kamen Fachleute noch zu dem Schluss, dass es die Stadt billiger käme, das Bürohochhaus zu sanieren. Angesichts der Haushaltslage wurden konkrete Schritte jedoch zurückgestellt. Die neue Studie soll auf die Ergebnisse von 2011 aufbauen und mehr ins Detail gehen. Das Stadthaus wurde 1973 bis 1977 nach Plänen des Büros Heinle, Wischer und Partner errichtet. Die Stadtverwaltung benötigte nach mehreren Eingemeindungen dringend mehr Raum, das 72 Meter hohe Rathaus kam außerdem dem aufkeimenden Selbstbewusstsein der jungen Bundeshauptstadt nach. Sollte es abgerissen werden, würde damit auch ein bauliches Zeugnis der Bonner Republik verschwinden. (jr, 23.10.18)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, CC BY SA 3.0)

Flughafen Köln-Bonn (Bild: Qualle, GFDL oder CC-BY-SA-3.0)

Gesucht: Die Bonner Republik

1949 wurde Bonn „Regierungssitz“ der jungen Bundesrepublik. Ein Provisorium, das zum „Provisorium in Permanenz“ wurde, da die Stadt sich erst ab 1970 „Bundeshauptstadt“ nennen durfte. Bonn hatte nichts von einer Metropole, von einer „Hauptstadt“ an sich. Doch in Nordrhein-Westfalen entwickelte sich im Laufe der Zeit eine „Hauptstadtregion“: Die Landeshauptstadt Düsseldorf diente als wirtschaftlich-kulturelles Oberzentrum. Köln trug als Medien- und Kulturzentrum, Sitz des Erzbistums und Standort vieler Lobbyverbände wesentlich zu dieser Hauptstadtregion bei. Ab den 1960er Jahren kam Brüssel als europäische Hauptstadt mit hinzu.

Die Tagung „Die Bonner Republik“, die in Bonn am 18. Oktober 2019, in Düsseldorf am 22. November 2019 stattfinden soll widmet sich der Herausbildung der „Hauptstadtregion“ nach 1949. Ein Thema, mit dem sich Forschungsgruppe zur „Bonner Republik“ der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des dortigen An-Instituts „Moderne im Rheinland“ in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland schon länger beschäftigen. Gesucht werden noch Themenvorschläge zu diesen Schwerpunkten: die Dynamiken dieser Entwicklung, die damit verbundenen Vorstellungen von „Hauptstadt“, das Verhältnis zum Begriff „Nation“, die Selbst- und Fremdbilder, die Kulturpraktiken und künstlerischen Entwürfe, der Einfluss der Region, die Netzwerke, was vor Ort vorhanden war und was erst hinzugewonnen werden musste. Einsendungen (Abstracts von einer Seite) sind willkommen bis zum 25. November 2018 unter: grande@phil.hhu.de. (kb, 11.10.18)

Flughafen Köln-Bonn (Bild: Qualle, GFDL/CC BY SA 3.0)

Oper Bonn (Bild Sir James, CC By SA 3.0)

Bonn: Oper wird ein bisschen saniert

In Bonn wird seit einiger Zeit heftig über die Zukunft des Opernhauses diskutiert. Der in den Jahren 1962-1965 nach Entwürfen von Wilfried Beck-Erlang und Klaus Gessler errichtete Bau ist sanierungsbedürftig, was die Politik zum Anlass für grundlegende Diskussionen über die Opern- und Theaterstandorte in der Stadt genommen hat. Nach Informationen des Generalanzeigers investiert die Stadt nun aber 7,25 Millionen Euro in Sofortmaßnahmen, die die Betriebsfähigkeit des Gebäudes im Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 sicherstellen sollen. Schwerpunkte der Teilsanierung sind Bühnenmaschinerie und Brandschutz.

Die Maßnahme macht Freunden der Bonner Nachkriegsmoderne zwar Hoffnung, ist aber nicht als Entscheidung für die Oper zu werten. Die Stadtverwaltung stellte jüngst ein Gutachten mit sechs Bauvarianten zur Zukunft der Bonner Bühnen vor. Diese reichen von umfassender Sanierung bei laufendem Spielbetrieb über Abriss und Neubau an gleicher Stelle bis zur Aufgabe der etablierten Spielstätten und dem Bau eines „Beethoven-Campus“ nahe der Beethovenhalle. Eine der Varianten, ein neues Mehrspartenhaus, beinhaltet zudem den Abriss der denkmalgeschützten Stadthalle im Stadtteil Bad Godesberg. (jr, 27.9.18)

Bonn, Opernhaus (Bild: Sir James, CC BY SA 3.0)

Group Ludic, Hérouville Saint-Clair/Normandie, 1968 (Bild: © Courtesy Xavier de la Salle)

The Playground Project

Zwischen 1950 und 1980 war eine gute Zeit für Spielplätze: Sie galten als Labor des Städte- und Landschaftsbauens, als Option auf innovative, verrückte, interessante und aufregende Projekte. Mit den und für die Kinder wollte man den öffentlichen Raum zurückerobern und neu denken. Die Wanderausstellung „The Playground Project“ macht diese Aufbruchszeit anhand von Bildern, Modellen, Plänen, Büchern und Filmen erlebbar. Hinzu kommen ganz praktisch Spielskulpturen zum Kriechen, Rutschen, Verstecken, Lachen und Rennen. Die Schau wurde 2013 erstmals im Rahmen der Carnegie International in Pittsburgh gezeigt, 2016 in der Kunsthalle Zürich vertieft und macht aktuell Station in der Bundeskunsthalle Bonn.

Die Ausstellung zeigt die modernen Pioniere ebenso wie ihre heutige Weiterentwicklung. So war und ist der Spielplatz mehr als ein Stück Stadt: Sozialreformer wollten Kinder vor Ausbeutung schützen, Künstler wie Isamu Noguchi schufen imaginäre Spiellandschaften, Landschaftsarchitekten wie Carl Theodor Sørensen vereinten Bauen, Graben, Gärtnern und gemeinsames Spiel, Landschaftsarchitektinnen wie Lady Allen of Hurtwood erkannten Spielplätze sie als Ort von Heimatgefühl inmitten von Trümmern. Die Ausstellung ist in Bonn noch zu sehen bis zum 28. Oktober 2018. (kb, 23.7.18)

Group Ludic, Hérouville Saint-Clair/Normandie, 1968 (Bild: © Courtesy Xavier de la Salle)

Köln, Franziskanerkirche St. Marien (Bild: Elke Wetzig, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Vor 50 Jahren starb Emil Steffann

Vor 50 Jahren, im Juli 1968, stab der Architekt Emil Steffann. Nach dem Krieg hatte er mit seinen Mitarbeitern in nur 18 Jahren rund 40 Kirchen und Klöster errichtet. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag in Nordrhein-Westfalen, wo er in Mehlem bei Bonn auch sein Atelier unterhielt. Zum 50. Jubiläum seines Todestags lädt der Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen mit dem Verein „Dialograum Kreuzung an St. Helena“ am 20. Juli um 19 Uhr zu einem Vortragsabend in die Bonner Kirche St. Helena (Bornheimer Straße 130, Bonn) ein – und damit in einen Kirchenbau, der um 1960 von Emil Steffann und Nikolaus Rosiny gestaltet wurde.

Vier Kurzvorträge erinnern an Leben, Werk, Fortwirken und das heutige Schicksal der Kirchen des stillen, zurückhaltenden Architekten. Ergänzend zeigt eine kleine Ausstellung von Studierenden der RWTH Aachen gefertigte Architekturmodelle, die zentrale Grundgedanken der Architektur Steffanns verbildlichen. Es sprechen Georges Paul, Dr. Caroline Helmenstein, Dr. Tino Grisi und Dr. Martin Bredenbeck. Es schließen sich an ein Plenum mit Diskussion und Fazit aus den Vortrags-Themen und ein Ausklang mit kleinem Umtrunk. (kb, 12.7.18)

Köln, Franziskanerkirche St. Marien (Bild: Elke Wetzig, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

 

Rührgerät RG 28 (Bild: Der Streckenvogel, CC BY SA 3.0, 2009)

Alles nach Plan?

Es geht um Klassiker wie das Rührgerät RG 28, die Erika-Schreibmaschine oder die motorgetriebenen Zweiräder von Simson. In seiner aktuellen Wechselausstellung „Alles nach Plan?“ zeigt das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig noch bis zum 14. Oktober mit Produkten auch das Design aus der DDR. 1971 rief Erich Honecker auf dem VIII. Parteitag zur Maxime aus: „Mehr und bessere Waren, die dem Bürger gefallen und seine Bedürfnisse befriedigen, (…) das betrachten wir als wichtige Staatsangelegenheit“.

Die Formgestalter standen damit im Spannungsfeld zwischen eigenen Vorstellungen, politischen Rahmensetzungen und Herstellungsbedingungen in den ausführenden Betrieben, wo Farben und Werkstoffe auch mal pragmatisch angepasst werden mussten. Vor diesem Hintergrund entfaltet die Ausstellung das Design in der DDR von seinen Anfängen her: von der Aufbruchsstimmung in den 1950er Jahren über die Gründung des Amts für industrielle Formgestaltung in den 1970er Jahren bis hin zur Mangelkrise in den 1980er Jahren. (kb, 5.5.18)

Rührgerät RG 28 (Bild: Der Streckenvogel, CC BY SA 3.0, 2009)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bonn: Umzugsjubiläum

Nein, es geht hier nicht um den Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin, der der Stadt am Rhein bis heute nachhängt. Dieser jährt sich erst 2019 zum 20. Mal. Dieser Tage gilt es dagegen, ein erfreulicheres Jubiläum zu begehen: Vor 40 Jahren zog die Bonner Stadtverwaltung in das brandneue Stadthaus. Das Verwaltungshochhaus im Zentrum Bonns stellte seinerzeit ein kommunales Gegengewicht zu den hochmodernen Bauten im Bundesviertel dar.

Das Stadthaus wurde in den 1970er Jahren nach Plänen des Büros Heinle, Wischer und Partner errichtet. Die Stadtverwaltung benötigte auf Grund mehrerer Eingemeindungen dringend mehr Raum, das historische Rathaus platzte aus allen Nähten. 1978 zogen die städtischen Beamten schließlich in das 72 Meter hohe  Bauwerk, das mit seiner gläsernen Vorhangfassade, dem integriertem Parkhaus und einer eigenen U-Bahn-Station ganz den Planungsdirektiven der Zeit entsprach. Wenn auch sein architektonischer Wert unter vielen Bonnern bis heute umstritten ist, stellt der Bau zweifellos einen Meilenstein zum städtischen Selbstbewusstsein der Stadt dar. Und das hat auch über den Wegzug der Regierung hinaus Bestand. (jr, 19.4.18)

Bonn, Stadthaus (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild-Nr. F079068-0022, 1988)

Bekommt Gesellschaft: die Bonner Beethovenhalle (Foto: Hans Weingartz)

Beethovenhalle erneut in Gefahr?

In Bonn bereitet man sich seit einigen Jahren auf den 250. Geburtstag des wohl berühmtesten Sohns der Stadt vor: 2020 soll Ludwig van Beethoven ein ganzes Jahr lang gefeiert werden, womit auch die Bedeutung der ehemaligen Hauptstadt als Kulturstandort unterstrichen werden soll. Nachdem die Pläne für ein neues Festspielhaus 2015 endgültig scheiterten, rückte die Beethovenhalle als Haupt-Veranstaltungsort in den Fokus. Der von Siegfried Wolske entworfene Bau wurde 1959 eingeweiht und wird derzeit denkmalgerecht saniert. Da sich die Arbeiten aber im Fortgang als teurer erweisen und mehr Zeit in Anspruch nehmen werden, wurde ein Baustopp und sogar der Abriss des denkmalgeschützten Baus vorgeschlagen. Diese Position vertreten insbesondere die früheren Festspielhausbefürworter.

Kürzlich hatte die Stadt bekanntgegeben, die Halle nicht mehr in ihre Jubiläumsplanungen einzubeziehen, da sich abzeichne, dass die Sanierungsarbeiten nicht bis 2020 abgeschlossen sein werden. Man werde ein anspruchsvolles Programm an anderen Spielstätten verwirklichen können. Die Opposition im Bonner Stadtrat schlug daraufhin vor, die Arbeiten sofort zu stoppen und einen Abriss zu prüfen. Das wäre fatal: Bonn würde damit nicht nur ein bedeutendes denkmalgeschütztes Wahrzeichen der Nachkriegsmoderne verlieren. Im Stadtrat grassieren darüber hinaus Überlegungen, die Beethovenhalle durch einen Neubau zu ersetzen, der auch für die Oper Raum bietet. Das wäre wohl das Todesurteil für das sanierungsbedürftige Opernhaus von 1965, dessen Abriss ebenfalls diskutiert wird. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Versuch, Musik und darstellende Kunst gegen nachkriegsmoderne Baukultur auszuspielen, erfolglos bleibt. Die Zeichen stehen aktuell gut: In der Sondersitzung des Rats am 5. März stimmte die Koalition für die Fortführung der Sanierung. Ob die unterlegene Opposition nun mit anderen Kräften gemeinsame Sache machen und womöglich einen Bürgerentscheid anstreben wird, ist offen. (jr, 10.3.18)

Bonn, Beethovenhalle (Foto: Hans Weingartz, CC BY-SA 3.0)

Bonn, "Bundesbüdchen" 2006 (Bild: Hans Weingartz, CC BY-SA 2.0)

Comeback fürs Bundesbüdchen

Von 1957 bis 2006 stand ein nach Plänen des Architekten Ernst Meier errichtete Kiosk in der einstigen Bundeshauptstadt Bonn. Aber nicht irgendwo, sondern in unmittelbarer Nachbarschaft des Deutschen Bundestags. Und folgerichtig haben sich dort Politiker vieler Generationen haben sich dort mit Überlebensnotwendigem wie Bonbons, Bockwurst oder Bild-Zeitung und versorgt. Das sogenannte „Bundesbüdchen“ war inoffizieller Politiktreffpunkt und steht aufgrund seiner charakteristischen Form und der „parlamentarischen Vergangenheit“ unter Denkmalschutz. Doch der alte Bundestag ist schon lange abgerissen, und auch das Kioskgebäude wurde vor nunmehr zwölf Jahren samt Fundament abgebaut, um dem „World Conference Center Bonn“ Platz zu machen. Seither wartet es auf einem Bauhof auf die Wiederaufstellung.

Die Bezirksregierung hat dem Förderverein Historischer Verkaufspavillon nun eine Förderung über 135.000 Euro für den Wiederaufbau des „Bundesbüdchen“ bewilligt. Wann genau das Büdchen wieder stehen werde, sei noch nicht sicher, sagte ein Sprecher der Bezirksregierung am Montag. Sein neuer Standort solle sich an der Heussallee, ganz in der Nähe des ursprünglichen Standorts am heutigen Platz der vereinten Nationen befinden. (db, 6.3.18)

Bonn, „Bundesbüdchen“ 2006 (Bild: Hans Weingartz, CC BY-SA 2.0)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Moderne Kunsttexte

Die Online-Zeitschrift „Kunstexte“ kann in der Sektion „Architektur Stadt Raum“ aktuell gleich mit zwei lesenswerten Beiträgen zur Architekturmoderne aufwarten: Frank Schmitz schreibt über „Die Angst vor dem Nationaltheater“. Am Beispiel des 1965 eröffneten, heute als Opernhaus genutzten Stadttheaters in Bonn wird besonders deutlich, wie widersprüchlich die Anforderungen an diesen Repräsentationsbau der damals provisorischen Hauptstadt waren – und wie die Aufgabe, mit dem Bühnenbau keinen Anlass zur Kritik zu geben, architektonisch erfolgreich gelöst wurde.

In einem zweiten Beitrag widmen sich Ralf Liptau und Verena Pfeiffer-Kloss dem Thema „Von Stecknadeln und Fäden. U-Bahnhöfe der Nachkriegsmoderne unter Wien und Berlin“. Das unterirdische Verkehrsnetz der beiden Metropolen wurde zwischen den späten 1960er Jahren und den 1980er Jahren umfänglich erweitert. An der direkten Gegenüberstellung dieser so unterschiedlichen Gestaltungen zeigen sich ganz unterschiedliche Auffassungen davon, was ein U-Bahnhof zu sein hat. In einem Ausblick werden die Bedeutung dieser Baugattung für die Architekturgeschichtsschreibung der Nachkriegsmoderne entfaltet und erste typologische Merkmale hierfür vorgeschlagen. (kb, 24.2.18)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Bonn, Flyer zur Bundesgartenschau 1979 (Bild: via wikimedia commons)

Jetzt ist es amtlich: Rheinaue unter Schutz

Am Donnerstag herrschte bei der Anhörung unverhoffte Einigkeit: Die Bezirksregierung Köln stellt die Rheinaue unter Denkmalschutz, die Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan stimmt zu. Zuvor hatte die städtische Verwaltung zwiespältig auf die mögliche Unterschutzstellung reagiert. Einige fürchteten gar, hier einen beliebten Ort zur Naherholung und für Großveranstaltungen zu verlieren. Immerhin geht es um satte 160 Hektar nachkriegsmodernes Kulturerbe in bester Uferlage.

Die Rheinaue wurde zur Bundesgartenschau (BUGA) 1979 hergerichtet. Zuvor waren am Rand der Fläche das Regierungsviertel und eine US-Siedlung entstanden. Aus der verbliebenen, noch landwirtschaftlich genutzten Grünfläche schufen Gottfried Hansjakob und Heinrich Raderschall mit Ernst van Dorp und Klaus Schmidt für einen dreistelligen Millionenbetrag einen hügeligen Landschaftspark mit Kleinarchitekturen. Eine Fähre brachte die BUGA-Besucher über den Rhein. „Um auch zukünftigen Generationen diesen Park in seiner Einzigartigkeit erlebbar zu machen, werden wir diesen Park als Baudenkmal schützen“, begründete Regierungspräsidentin Gisela Walsken den neuen Status gegenüber dem Bonner Generalanzeiger. Der Park soll der Öffentlichkeit aber auch weiterhin für Sport und Freizeit zur Verfügung stehen. (kb, 16.12.17)

Bonn, Flyer zur Bundesgartenschau 1979 (Bild: via wikimedia commons)

Bonn, St. Franziskus (Bild: Hagman, CC BY SA 3.0, 2011)

Jetzt sind die Bonner Kirchen dran

Eine Reihe besteht bekanntlich aus mehr als zwei, sonst wäre es ein Pärchen. Die Werkstatt Baukultur ist mit ihrer Veröffentlichungsreihe inzwischen über jeden Verdacht erhaben, denn nun ist frisch Teil acht der Architekturführer herausgekommen. Die kleinen Hefte erscheinen im DIN A6 Format – praktisch für Hosen- und Handtasche und immer bereit für ihren nächsten Einsatz. Sie bieten Informationen zu den Bauten in Bonn, welche umstritten, vernachlässigt, unbekannt oder auch schon (fast) vergessen sind. Dieses Mal geht es um die Kirchen der Nordstadt.

Im Mittelpunkt stehen damit drei beispielhafte Kirchenbauten aus der Zeit um 1960: St. Helena (1960, Emil Steffann/Nikolaus Rosiny), St. Franziskus (1962, Karl Band/Werner Fritzen) und die Lukaskirche (1958, Heinrich Otto Vogel). Die Architekturführer erscheinen in unregelmäßigen Abständen und können unter der ISSN 2196-5757 mit Angabe des jeweiligen Titels im Buchhandel bestellt werden oder direkt per E-Mail bei: bestellung@dreiviertelhaus.de. Als nächstes sind geplant: Der Band „Kunstverein“ erscheint voraussichtlich im Dezember 2017, „Didinkirica“ im Frühjahr 2018. Am 27. November 2017 wird um 19 Uhr in der Bonner Kirche St. Franziskus der neue Kirchen-Architekturführer im fünften „Bonner Baukultur-Salon“ vorgestellt. (kb, 25.11.17)

Bonn, St. Franziskus (Bild: Andreasdziewior, CC BY SA 3.0, 2011)