Bonn-Center: Der Letzte löscht das Licht

Ein baulicher Zeuge der Bonner Republik könnte bald Geschichte sein. Das Bonn-Center, 1968/69 im alten Regierungsviertel errichtet und noch immer das vierthöchste Bauwerk der Stadt, steht vor dem Aus. Seit Jahren hat der riesige Gewerbekomplex mit Leerstand zu kämpfen, zur Zeit sind 14 der insgesamt 18 Etagen ungenutzt. Im Herbst 2014 erwarb eine Kölner Immobilienfirma das Bonn-Center. Sollte sich kein Mieter finden, der an einer Sanierung des Bauwerks interessiert ist, plant das Unternehmen nach Informationen des Bonner Generalanzeigers, das marode gewordene Hochhaus abzureißen und an seiner Stelle einen Neubau zu errichten.

Zu seiner Eröffnung stand das Gebäude dagegen für das neue Selbstbewusstsein der jungen Hauptstadt. Es sollte das abends nahezu ausgestorbene Regierungsviertel mit Veranstaltungen beleben und der beschaulichen Stadt eine urbane Note geben. Auf dem Dach kündete ein rotierender Mercedesstern vom wirtschaftlichen Aufschwung, in einem hauseigenen Hotel stiegen Besucher von internationalem Rang ab. Das Emblem des Sindelfinger Autobauers dreht sich bis heute, doch mit der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin sank der Stern des Bonn-Centers rapide. Die letzten Mieter müssen das Gebäude Ende des Jahres verlassen, für einen Erhalt spricht nur sehr wenig. (jr, 25.4.15)

Das Bonn-Center überragte sogar das Kanzleramt (rechts) (Bild: Bundesarchiv B 145 Bild F057438-0010, CC-BY-SA 3.0, Foto: Detlef Gräfingholt)

Bonn: Bayerns Botschaft

Der Tag des offenen Denkmals zeigt am 14. September auch dieses Jahr wieder zahlreiche bauliche Zeugnisse der Nachkriegsmoderne. Eines davon ist die ehemalige bayerische Landesvertretung im alten Bonner Regierungsviertel. Sie wurde nach Plänen von Sep Ruf erbaut und 1955 eröffnet. Ruf zeichnet auch für den Kanzlerbungalow (1966) verantwortlich, der sinnbildlich für die Bonner Republik steht. Die Landesvertretung kann am 14. September von 13 bis 17 Uhr besichtigt werden, um 13.15 Uhr findet eine Führung mit Rainer Mertesacker statt.

Der dreigeschossige Stahlskelettbau ist betont nüchtern gehalten, die Fassade wird von großen Chicago Fenstern beherrscht und einem Staffelgeschoss mit Dachterrasse bekrönt. Die stolzen Bayern hatten jedoch eigene Vorstellungen von einer angemessenen Vertretung ihres Freistaates. Die schwarz-weiß gerasterte Fassade wurde bald nach ihrem Einzug in den weiß-blauen Landesfarben umgestaltet. Und ein zünftiger Bierkeller sollte bayerische Gemütlichkeit in den funktionalen Bau bringen. Heute residiert im Bauwerk die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die es weitgehend wieder in den Urzustand versetzt hat. (jr, 25.8.14)

Die ehemalige bayerische Landesvertretung zeigt sich auch im Inneren in der Eleganz der 1950er Jahre (Bild: © Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0 DE (via Wikimedia Commons))