Schlechte Botschaft aus Wien

Oder, wie der Wiener Standard es schon im vergangenen Jahr formuliert hat: Das Ende der frohen Botschaft! In der österreichischen Hauptstadt verschwindet gerade ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte. Das Botschaftsgebäude der Bundesrepublik Deutschland, 1959 bis 1964 nach Plänen des Stuttgarter Architekten Rolf Gutbrod errichtet, wird derzeit abgerissen. Das Bundesbauministerium hatte zwar ursprünglich die Sanierung geplant, sich 2015 dann aber doch für Beseitigung und Neubau entschieden. Die Gründe waren die üblichen: zu klein, energetisch veraltet und feuerschutztechnisch überholungsbedürftig – ein Neubau also billiger.

Das Leipziger Büro Schulz+Schulz hat mit seinen Plänen den ersten Platz im Wettbewerb gemacht und darf bauen, sobald der Gutbrod weg ist. Neben aller Frage von Baukultur, Qualität und/oder angebrachtem Kulturpessimismus: Was mit dem Altbau auf jeden Fall verschwindet, ist ein einzigartiges historisches Zeugnis. Nämlich darüber, wie sich die blutjunge Bundesrepublik in der noch jüngeren Zweiten Republik Österreich nach den gemeinsam durchlebten Schrecken der Nazizeit präsentiert hat. Als „Läuterung vom Albert-Speer-Gigantismus“ und „Meisterwerk der Vermeidung des Monumentalen“ hat der Standard das Bauwerk bezeichnet. Oder eben als „frohe Botschaft“. Aber die ist jetzt zu Ende. (rl, 28.6.18)

Wien, Deutsche Botschaft (Bild: Nérostrateur, CC BY SA 3.0)

Bonn: Botschaft for Sale

Außen klotzige Spät-Postmoderne, innen ein Inferno orientalischer Formen und Farben: Mit der Architektur und der Innengestaltung seiner Botschaft setzte sich Syrien 1990 am Rand der Bonner Rheinaue ein Denkmal. Bauherr war Seine Exzellenz Suleyman Haddad, der damals bereits neun Jahre als Botschafter in Deutschland weilte. Erbaut wurde das Haus im Damazenerstil, Architekt war der (bis heute unbekannte) Kölner N. Kasri. Für die Details wurden eigens 40 syrische Künstler nach Bonn eingeladen. 2003 zog die Botschaft in die neue Hauptstadt Berlin um, seither steht der Bau leer, nur gelegentlich fanden Veranstaltungen der Deutsch-Syrischen Gesellschaft statt. Mit Ausbruch des Bürgerkriegs in dem arabischen Land endete die Nutzung vollends.

Nach langer Ruhezeit kommt der letzten neu entstandene Bonner Botschaftsbau nun auf den Immobilienmarkt: Das ortsansässige Büro Limbach Immobilien ist mit dem Verkauf beauftragt. Einbringen soll die Liegenschaft, die bei einem Bieterverfahren bis Oktober 2017 den Besitzer wechseln soll, mindestens 2,5 Millionen Euro. Trotz des Leerstands gebe es keine großen Schäden, so der Geschäftsführer des Maklerbüros. Die Botschaftsliegenschaft verfügt über ein rund 4.000 Quadratmeter großes Grundstück. Im Inneren umschmeicheln Marmorböden, „Goldornamente“ und Intarsiendecken die Seele, im Keller gibt es ein Hamam, im Innenhof kann ein Springbrunnen in Betrieb genommen werden. (db, 22.7.17)

Bonn, Syrische Botschaft (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)

Bonn: Botschaft wird abgerissen

Bonn: Botschaft wird abgerissen

Bonn, Botschaft Saudi-Arabien ca. 2009 (Bild: leerstandsmelder.de)
In wenigen Monaten wird die ehemalige Botschaft Saudi-Arabiens Geschichte sein (Bild: leerstandsmelder.de)

Seit 1999 stand sie bereits leer, nun wird die frühere saudi-arabische Botschaft in Bonn abgerissen. Seit einer Woche laufen die Arbeiten an dem 1976 eingeweihten Bau. Ein Nebengebäude aus den Fünfzigern ist bereits verschwunden, bis die Bagger auch dem Haupthaus den Garaus machen, wird noch etwas Zeit vergehen – zunächst werden Asbest- und PCB-haltige Materialien von Hand entfernt. 2008 hatte Saudi-Arabien das Bonner Gelände an einen Investor verkauft, 2015 wechselte es erneut den Besitzer. Zunächst sollte dort eine Hotelanlage entstehen, doch dieses Vorhaben scheiterte an den Vorgaben der Stadt. Nun wird auf dem Grundstück Tabula Rasa gemacht, der Abrissantrag war bereits seit Längerem bewilligt.

Nach der Versteigerung der indonesischen Botschaft vor wenigen Wochen bleiben jetzt noch sieben Ländervertretungen, die an das diplomatische Leben der früheren Bundeshauptstadt erinnern. Einige werden wohl noch länger ungenutzt bleiben. Darunter auch die jugoslawische: Da der Staat nicht mehr existiert, hat das Auswärtige Amt Schwierigkeiten, eine Lösung für das ehemalige Botschaftsgebäude zu finden. Ähnlich verhält es sich mit der somalischen Botschaft. In dem zerfallenden Staat gibt es keine Ansprechpartner. Unbekannt ist zurzeit auch, was aus den einstigen Vertretungen von Iran, Südafrika, Nigeria, Syrien und Ungarn wird. (db, 25.1.17)