Bonn: Botschaft wird abgerissen

Bonn, ehemalige saudische Botschaft (Bild: Leit, CC BY SA 4.0)
Bonn, ehemalige saudische Botschaft (Bild: Leit, CC BY SA 4.0)

Seit der Hauptstadtzirkus 1999 vom Rhein an die Spree abgewandert ist, stehen auch die (ehemaligen) Botschaftsgebäuden vor der Neu-Nutzungsfrage. Diesmal ist die Residenz Saudi-Arabiens, genauer gesagt die ehemalige Residenz Saudi-Arabiens betroffen. Errichtet wurde der Betonbau mit orientalischen Stilzitaten 1976 an der Godesberger Allee.

Nach dem Krieg logierte das Königtum Saudi-Arabien in Bonn zunächst im Hotel Königshof, um in den 1960er und 1970er in der historischen Villa Rheinallee 27 ihre Zelte aufzuschlagen. Als 1973 die diplomatischen Beziehungen zwischen Westdeutschland und dem Königreich Saudi-Arabien wieder aufgenommen wurde, richtete man sich auf eine dauerhafte Präsenz in Bonn ein – und errichtete 1976 den Neubau in der Godesberger Allee. 2001 wurde dieser Standtort aufgegeben (man zog nach Berlin in die Tiergartenstraße) und verkaufte die Bonner Botschaft 2008, jedoch konnte die (Um-)Nutzung zum Hotel nicht umgesetzt werden. Der Bau stand lange leer und war dem Vandalismus preisgegeben. Nach erneutem Verkauf will der neue Eigentümer den Bau nun niederlegen, wie die Plattform „rottenplaces.de“ berichtet. (kb, 15.8.16)

Wien: Gutbrods Botschaft verschwindet

Wien: Botschaft verschwindet

Gutbrod, Botschaft_Wien (Bild: Nérostrateur, CC-BY-SA 3.0)
Die deutsche Botschaft in Wien ist dem Abriss geweiht (Bild: Nérostrateur, CC BY SA 3.0)

In Wien verschwindet demnächst ein Stück deutsch-österreichische Nachkriegsmoderne: die Botschaft der Bundesrepublik, 1959 bis 1964 nach Plänen Rolf Gutbrods errichtet, soll einem Neubau weichen. Noch 2008 hatte die Bundesregierung einen Wettbewerb zur Sanierung des in die Jahre gekommenen Baus ausgeschrieben. Da die Bauherrin aber offenbar keine der Planungen nachhaltig überzeugte, stoppte sie das Projekt und entschied sich für einen Abriss der Botschaft. Ende 2015 erging der Abrissbescheid, die Ergebnisse des Neubau-Wettbewerbs wurden der Öffentlichkeit jüngst vorgestellt.

Die alte Wiener Botschaft stand exemplarisch für den westdeutschen Bruch mit Pomp und monumentaler Architektur in der Nachkriegszeit, der auch und gerade repräsentative Bauten einschloss. Gutbrods nüchterner Bau symbolisiert Transparenz, Funktionalität und Eleganz. Das zurückgenommene Erdgeschoss vermittelt den Eindruck, die Botschaft würde schweben, die breiten Glasfronten signalisieren Offenheit. In den letzten Jahren wurde das Innere des Baus jedoch stark verändert, da die räumlichen Kapazitäten an ihre Grenzen stießen. So wurde die ursprünglich inkludierte Botschafterresidenz bereits in den 1990ern ausgelagert. Nach Informationen des Standards waren diese Umbauten der Grund dafür, dass der Wiener Denkmalschutz nicht intervenierte. (jr, 20.5.16)

Kein Geld für Pingussons Botschaft?

In Saarbrücken droht die Sanierung der ehemaligen Französischen Botschaft an den Finanzen zu scheitern. Als das Saarland noch näher zu Frankreich gehörte, entstand hier 1951-54 ein Dienstsitz für den französischen Botschafter. Der Architekt Georges-Henri Pingusson (1894-1978) entwarf einen klaren modernen Bau, der kurz darauf zum Kultusministerium des neuen Bundeslands umgenutzt wurde.

Seit 1985 steht das Bauwerk unter Denkmalschutz, seit April 2014 stehen die Räume leer. Eine Sanierung wird – so die Saarbrücker Zeitung – auf Kosten zwischen 16 und 40 Millionen Euro geschätzt. Henning Freese, Vorsitzender des Landesdenkmalrats, hingegen prangert an: „Seit Jahrzehnten ist dort keine Renovierung erfolgt. Man hat es verkommen lassen.“ Und durch einen längeren Leerstand werde die Sache nicht besser. Gegenwärtig denke man über einen Teilabriss nach. Wer einen eigenen Blick in die Räume werfen will, kann dies online mit der Fotodokumentation von Marco Kany tun. (kb, 6.8.14)

Seit April 2014 steht die eh. Französische Botschaft in Saarbrücken leer (Bild: Phrontis)