Fotobuch: Militärstädte in Brandenburg

Auf 192 Seiten zeigt Johann Karl in seinem im Kerber-Verlag erschienenen Fotobuch die wechselvolle Geschichte ehemaliger militärischer Sperrgebiete in Brandenburg. Nun werden Truppenübungsplätze gemeinhin nicht unbedingt mit architektonischer Brillanz in Zusammenhang gebracht. Orte wie Wünsdorf waren aber mehr als bloße Militärstandorte. Sie wuchsen über Kaiserzeit, Nationalsozialismus und zu Zeiten der DDR zu ganzen Städten heran. Mit allem was dazu gehört – vom Wohnhaus bis zum Freibad. Diese der Öffentlichkeit einst weitgehend verborgenen Städte porträtiert Karl in historischen Aufnahmen und im heutigen Zustand. Kurze Texte informieren über die wichtigsten Hintergründe.

Das im Rahmen einer Abschlussarbeit an der Berliner Neuen Schule für Fotografie entstandene Buch nähert sich dem eigenen Charme der patinierten bis hin zu ruinösen Bauten. Wie die Neue Schule für Fotografie mitteilt werden Johann Karls Arbeiten zudem vom 18. September bis 25. Oktober 2020 im Rahmen der Ausstellung „Atopie“ in der hauseigenen Galerie in der Brunnenstraße 188-190 in Berlin zu sehen sein. (mk, 22.6.20)

Wünsdorf, Observationsbunker (Bild: Johann Karl/Schule der Fotografie Berlin)

Industriekultur in Brandenburg

Kulturland Brandenburg, die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte, wird 2021 die Industriekultur in den Mittelpunkt der jährlichen Veranstaltungen zur Landeskultur rücken: Angesichts andauernder Transformationsprozesse in einstigen Wirtschaftsregionen des Landes benötige die Industriekultur neue Impulse für die Herausforderungen der Zukunft. Die unmittelbare Erfahrbarkeit der Industrie im Alltag sieht man auch in Brandenburg durch die Entmischung von Stadtfunktionen, der Verlagerung von Produktionsstätten, zunehmender Automation und Digitalisierung immer weniger wahrnehmbar. Daher soll das Themenjahr „Zukunft der Vergangenheit – Industriekultur in Brandenburg“ die Industriekultur weg leiten vom reinen Rückblick auf untergegangene Industrieregionen hin zum wegweisenden politischen, gesellschaftlichen und baukulturellen Handlungsfeld.

Das Themenjahr 2021 führt den konzeptionellen Ansatz der vorhergehenden fort, das kulturelle Erbe, die Vielfalt der Region, aber auch Zäsuren und Brüche in der Geschichte sichtbar werden zu lassen. Und daher werden nun Ideen für Projekte zur „Zukunft der Vergangenheit“ gesucht: Bis zum 15. Juni 2020 sollten diese bei der Brandenburgischen Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg, Brigitte Faber-Schmidt, Schloßstr. 12, 14467 Potsdam, eingereicht werden – oder per Mail an: b.faber@kulturland-brandenburg.de. Gewünscht sind eine kurze Projektskizze mit Konzept sowie erste Eckdaten des Kosten- und Finanzierungsplans (bestehend aus Gesamtkosten, der gewünschten Fördersumme, evtl. Eigenanteilen und/ oder angestrebten/beantragten Co-Finanzierungen). Mehr Details hier. (db, 14.5.20)

Rüdersdorf, Zechenhaus (Bild: Frank Gaudlitz, Kulturland Brandenburg)

Schwebende Kirche(n)

„Kirchen dürfen nicht aufgegeben werden“, so bezog Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg bei den „Potsdamer Nachrichten“ Position. Hintergrund war die just für den folgenden Nikolaustag anberaumte Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Landtag, zu der die CDU-Fraktion ihre Drucksache „Die Zukunft der Brandenburger Kirchen dauerhaft sichern“ vorlegte. Mit Blick auf das Europäische Kulturerbejahr will man Nutzungsperspektiven entwickeln und zivilgesellschaftliche Projekte wie „Musikschulen öffnen Kirchen“ unterstützen. Drachenberg bezeichnete der Presse gegenüber den Vorstoß der Landeskirche, einen Trust für aufgegebene Kirche zu diskutieren, als „sehr interessant“. Er will seinerseits vor allem regionale (kirchliche) Strukturen gestärkt und professionell begleitet sehen.

In der nahen Hauptstadt (gleiche Landeskirche, anderes Bundesland) stellt sich die Kirchenlandschaft ungleich moderner dar. Die Probleme sind am Ende aber doch ähnliche: zu wenig Geld für wertvolle Kulturdenkmäler. So darf es als vorweihnachtliches Hoffnungszeichen gewertet werden, dass hier gerade eine nachkriegsmoderne Kirche zum Denkmal des Monats erhoben wurde. Die Schönower Kirche von 1961 /63 beeinduckt durch ihre „schwebende“ Dachkonstruktion und den filigranen Campanile. Eine Planungsleistung von Frei Otto (hier mit Ewald Bubner), Pritzker-Preisträger und einer der Väter des ikonischen Dachs am Münchener Olympiastadion. Etwas von dieser Leichtigkeit kann bei solch schweren Themen sicher nicht schaden! (kb, 8.12.17)

Berlin, Schönower Kirche (Bild: Denkmalschutzbehörde Steglitz-Zehlendorf)