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Carl Mühlenpfordt (Bild: TU Braunschweig)

Vom Großvater der Braunschweiger Schule

Carl Mühlenpfordt (1878-1944) hatte bereits seine Spuren in Lübeck hinterlassen, bevor er nach dem Ersten Weltkrieg am Polytechnikum Braunschweig anfing. Hier reformierte er die Architekturfakultät, die später durch das Netzwerk seiner Schüler als Braunschweiger Schule auf sich aufmerksam machte. Heute verdient der Architekt und Hochschullehrer einen zweiten Blick, hatte er doch seinerzeit mit großer Verve – abseits vom Bauhaus, aber getragen vom Reformwillen – eine Neue Zeitkunst für Kaiserzeit und Weimarer Republik eingefordert.

Am 3. Oktober 2018 wird um 16 Uhr die Ausstellung „Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst“, eine Sonderschau im Rahmen der Ausstellung „Zerrissene Zeiten – Krieg. Revolution. Und dann? – Braunschweig 1916-1923“, im Städtischen Museum Braunschweig (Steintorwall 14) eröffnet. Die Ausstellung, zu der im Jovis Verlag-Berlin das gleichnamige Begleitbuch  erscheint, folgt den biografischen Stationen Mühlenpfordts zwischen Reformarchitektur und Hochschullehre anhand von zeitgenössischen Entwürfen, Zeichnungen und Fotografien. Wegen begrenzter Platzkapazitäten bittet das Städtische Museum Braunschweig für die Eröffnung um vorherige Anmeldung bis zum 27. Oktober 2018 unter: staedtisches.museum@braunschweig.de oder 0531 470-4501. (kb, 21.9.18)

Carl Mühlenpfordt (Bild: TU Braunschweig)

Braunschweig, Hauptbahnhof (Bild: Donkey Shot, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Ein Bündnis für die Nachkriegsmoderne

Abkürzungen sind nicht immer leichte Kost, aber „NBJB 1945+“ sollten Sie sich merken. Denn das frisch gegründete DFG-„Netzwerk Bauforschung jüngerer Baubestände 1945+“ beschäftigt mit der Erhaltung und dem Weiterbauen von Nachkriegsarchitektur. Das Problem ist bekannt: Rund 60 Prozent unseres heutigen Bestands sollen aus den Jahren zwischen 1960 und 1980 stammen. Daher müsste nachhaltiger geplant, das ressourcenschonende Potential dieser Bauten besser erkannt und erhalten werden. So zumindest sieht es das – tief einatmen – „NBJB 1945+“. Auf der frisch aufgelegten Homepage sollen alle Forschungsziele des DFG-Netzwerks veröffentlicht und zu Workshops aufgerufen werden.

Anlass der Gründung war die 50. Jahrestagung der Koldewey-Gesellschaft, der Vereinigung für baugeschichtliche Forschung e. V., in Braunschweig. Das Netzwerk versteht sich fächerübergreifend und will über drei Jahre hinweg aktiv werden. In den ersten beiden Jahren sollen Workshops stattfinden, die allen interessierten Wissenschaftlern offen stehen. Der erste Workshop ist für den 28. September 2018 an der TU München geplant, weitere sind für Stuttgart und Weimar vorgesehen. Wie wir das alles finden? GUUSID („Gute und unterstützenswerte Sache ist das“)! (kb, 15.5.18)

Auch ein 1945+: der 1960 eingeweihte Braunschweiger Hauptbahnhof (Bild: Donkey Shot, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Braunschweig, TU, Audimax (Bild: Igge, GFDL, CC BY SA 3.0-2.5-2.0-1.0)

50+

In den vergangenen Jahren ist die europäische Architektur seit 1950 auf ein wachsendes öffentliches Interesse gestoßen. Rund 60 Prozent dieses Bestands stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese Bauten wurden oft mit großen Zukunftshoffnungen und nicht selten mit wenig erprobten Fertigungstechniken errichtet. Vor diesem Hintergrund wollten wissenschaftliche Untersuchungen bislang zumeist neue Sanierungs- und Erhaltungsstrategien entwickeln. Die nahezu unübersehbare Masse an Bauten aller Gattungen – vom solitären Sakralbau über Siedlungen mit Doppel-, Reihen-, und Einzelhausbauten bis hin zum voluminösen Großbau – wurde vorwiegend aus architekturhistorischer und denkmalpflegerischer Sicht betrachtet.

Bislang mangelt es jedoch an Wissen nicht nur um damalige Raumkonzepte in Architektur und Städtebau, sondern vor allem ganz konkret zu Konstruktionen, Materialien und Bauweisen: damit sind die methodischen Kernkompetenzen der Bauforschung angesprochen. Diesen Fragen hat sich die Konferenz „Wie forschen? – Chancen und Grenzen der Bauforschung an Gebäuden nach 1950“ verschrieben, die als 50. Tagung für Ausgrabungswissenschaft und Bauforschung vom 9. bis 13. Mai 2018 in Braunschweig stattfinden wird. (kb, 8.4.18)

Braunschweig, TU, Audimax (Bild: Igge, GFDL, CC BY SA 3.0-2.5-2.0-1.0)

Ramot Polin, 2007 (Bild: Nehemia G., CC BY SA 2.5)

100 Jahre Moderne in und mit Palästina/Israel

Vor 100 Jahren suchten viele Architekten in Palästina das „Gelobtes Land“ – eine Experimentierfläche für moderne Ideen. Diesen konsequenten, mutigen, in jedem Fall sehenswerten Bauten widmet das Innsbrucker Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege eine Vortragsreihe. Jeweils um 18 Uhr sprechen im Seminarraum: 17. Mai 2017, Ulrich Knufinke (Braunschweig/Hamburg/Innsbruck): „Wilhelm Ze’ev Haller (1884-1956)“, 21. Juni 2017, UIta Heinze-Greenberg (Zürich): „Bezalel und Bauhaus“, 26. Juni, Anna Minta (Linz): „Israel baut“, 29. Juni, Regina Stephan (Mainz): „Erich Mendelsohns Architektur in Palästina“.

Wie sich diese Reformgedanken auch in der deutschen jüdischen Kultur niederschlugen, beleuchtet bis zum 24. Mai eine Ausstellung im Architekturpavillon der TU Braunschweig (Pockelsstraße 4, 38106 Braunschweig). Das Israel Jacobson Netzwerk, die Museen des Landkreises Gifhorn, die Tessenow-Runde Steinhorst und die TU Braunschweig/Bet Tfila stellen hier den Reformarchitekten Heinrich Tessenow (1876-1950) vor. Von ihm stammt z. B. das Braunschweiger „Haus der Gemeinde“, das er 1912 für das jüdische Land- und Lehrgut der Simon’schen Stiftung gestaltete. Begleitend gibt es jeweils um 18.30 Uhr Vorträge im Architektursalon: 18. Mai 2017, Olaf Gisbertz (Braunschweig): „Architekturen des Gebrauchs von Heinrich Tessenow“, 23. Mai 2017, Dr. des. Christoph Schmidt (Gifhorn): „Die Lebensreformbewegung“, 30. Mai, Prof. Dr. Carol Herselle Krinsky (New York): „Synagogen in den USA“ (letzterer im Hörsaal SN 19.3). (kb, 16.5.17)

Ramot Polin, Wohnbau von Zvi Hecker (Bild: Nehemia G., CC BY SA 2.5)

Druckfrisch: „ACHTUNG modern!“

Braunschweig, Achtung Modern! (Bild: Michael-Imhof-Verlag)
Braunschweig, Achtung Modern! (Bild: Michael-Imhof-Verlag)

Der spätmodernen Architektur im Braunschweiger Land widmete sich ACHTUNG modern!  – eine Initiative der Arbeitsgruppe Denkmalpflege in der Braunschweigischen Landschaft,  des Netzwerks Braunschweiger Schule e.V. und des Forums Architektur der Stadt Wolfsburg. In den Jahren 2013 und 2014 fand eine Veranstaltungsreihe statt zu den Bauten jener Ära; unter ihnen der Braunschweiger Hauptbahnhof (1960, Erwin Dürkop) oder die Wolfsburger Stephanuskirche (1967/68, Alvar Aalto). Referenten und Architekten informierten, überwiegend vor Ort, über die Baudenkmäler und ihre einstige und aktuelle Rezeption.

Nun erscheint die Dokumentation der zweijährigen Veranstaltung mit zeitgenössischen und aktuellen Statements, Essays, Interviews und Reflexionen zur Architektur zwischen 1960 und 1980. Der Band erkundet alle 14 in ACHTUNG modern! behandelten Bauwerke in Braunschweig, Wolfsburg, Wolfenbüttel, Salzgitter und Helmstedt als Marksteine der Architektur der späten Moderne. Darunter sind solche von weltbekannten Baumeistern, aber auch einige Gebäude weniger bekannter Architekten von ebenso hoher Qualität. Die Braunschweigische Landschaft e. V. lädt am 6. April um 18 Uhr zur Buchpräsentation ins Haus der Braunschweigischen Stiftungen, Löwenwall 16, 38100 Braunschweig.  Zur Einführung sprechen unter anderem Karin Wilhelm sowie die Herausgeber Ulrich Knufinke und Norbert H. Funke. (db, 26.3.17)