Braunschweig

Braunschweig, Audimax (Bild: Dr. Krekeler Architekten und Generalplaner (Stefan Melchior))

Sanierung macht (Braunschweiger) Schule

In Braunschweig wagte man nach dem Zweiten Weltkrieg den kompromisslosen Neuanfang. Besonders eindrücklich schlug sich der Aufbruchsgeist auf dem Campus der TU Braunschweig nieder. Dort entstanden ab 1950 Hochschulbauten mit Vorbildcharakter. Die Architekten und Lehrer rund um Prof. Friedrich Wilhelm Kraemer schufen Stilprägendes. Die „Braunschweiger Schule“ war geboren. Nach Kraemers Entwurf entstand auch bis 1960 das Herzstück der Anlage: das Audimax. Ein strenger konsequenter Baukörper, dem dadurch allerdings ein Moment der Festlichkeit innewohnt. Durchbrochen wird die Stringenz nur durch eine amorphe Wandinstallation Hans Arps. Sorgfältig ausgewählte Materialien spiegeln den fortschrittlichen Anspruch der damaligen Zeit: eloxiertes Aluminium, Sichtbeton und Glas – in höchster Präzision in das Konstruktionsraster eingepasst.

Der Nachteil der großzügigen Glasflächen ist heute kein Geheimnis mehr. Es bedarf dringend einer energetischen Sanierung. Das Büro Dr. Krekeler Architekten wurde beauftragt, den Bau auf den neuesten Stand zu bringen. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Harmonisierung der modernen Anforderungen mit der vorhandenen Originalsubstanz. Nachbauzeitliche Mängel werden in einem Vorgang gleich mit beseitigt. Der elegante Kubus sollte danach bestens gerüstet sein, weitere 60 Jahre über dem TU Forum zu schweben. (jm, 26.5.19)

Braunschweig, Audimax (Bild: Dr. Krekeler Architekten
und Generalplaner (Stefan Melchior))

Wolfsburg-Westhagen, Terrassenhäuser (Bild: © Heinrich Heidersberger, #09100_dia_018 ca.1974, Institut Heidersberger)

Braunschweig geht in die Verlängerung

Wenn es läuft, dann läuft es – daher hat sich das Braunschweigische Landesmuseum entschlossen, die aktuelle Sonderausstellung „Brutal modern“ bis zum 7. Juli 2019 zu verlängern. Denn das Bauen und Wohnen der 1960er und 1970er Jahre hat offensichtlich in Braunschweig mehr Freunde, als zunächst gedacht. Daher wird auch beim Begleitprogramm noch eine Schippe nachgelegt: Ein Fotowettbewerb sucht bis zum 26. Mai nach Beiträgen via Social Media oder Mail. Sogar Geburtstagsfeiern zum Thema können gebucht werden – vom Legomodellbau bis zum Retro-Fliesen-Malen.

Nicht zu vergessen der Vortrag des Architekturhistorikers PD Dr. Olaf Gisbertz, Gründungsvorsitzender des Netzwerks Braunschweiger Schule, am 19. März 2019 um 19 Uhr im Braunschweigischen Landesmuseum (Burgplatz 1, 38100 Braunschweig) zu „Marke und Mythos“ der Braunschweiger Schule. Dem Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer glückte es in den 1960er Jahren an der TH Braunschweig, aus einer vor 1945 eher nachrangigen Ausbildungsstätte eine international geschätzte Fakultät zu machen: die Braunschweiger Schule. Die Wirkung war enorm, avancierte der Begriff doch über Generationen vom griffigen Slogan zur werbewirksamen Marke in der frühen Bundesrepublik. Grund genug, die Geschichte rund um den Begriff der Braunschweiger Schule in den Mittelpunkt eines Abendvortrags zu stellen. (kb, 14.3.19)

Wolfsburg-Westhagen, Terrassenhäuser (Bild: © Heinrich Heidersberger, #09100_dia_018 ca.1974, Institut Heidersberger)

Bat Yam, Rathaus, Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963 (Bild: historische Postkarte)

Jüdische Architekten. Jüdische Architektur?

Gibt es eine jüdische Architektur? Jüdische Architekten, natürlich, auch Architektinnen. Aber hat dieser Hintergrund auch ihr Bauen geprägt. Ist das Judentum des 19. und 20. Jahrhunderts ein religiöser, nationaler oder kultureller Begriff? In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung, verdientermaßen, vor allem einzelne jüdische Architektenpersönlichkeiten und ihr Werk in bestimmten Regionen untersucht. Aber bislang kommt der Überblick über das Netzwerk jüdischer Akteure in der Baukunst Europas, Amerikas, Israels und anderer Länder noch zu kurz. Damit blieb lange offen, ob sich Architekten hier als Teil einer gemeinsamen jüdischen (Kultur-)Bewegung verstanden und einen entsprechenden Formenkanon ausgebildet haben.

Diesen und verwandten Fragen widmet sich die Tagung „Jewish Architects – Jewish Architecture?“, zugleich der 4. Internationale Kongress für Jüdische Architektur, in Hamburg (Warburg-Haus/Institut für die Geschichte der deutschen Juden/Hafen City University, Hamburg) vom 6. bis zum 8. November 2018. Das Projekt, das architektonische Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts in den Blick nimmt, bildet eine Zusammenarbeit zwischen dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg, und Bet Tfila, Braunschweig/Jerusalem. Anmeldeschluss ist der 29. Oktober, statt einer Tagungsgebühr wird um eine Spende gebeten. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ulrich Knufinke, Ulrich.knufinke@igdj-hh.de, bei Fragen zur Organisation und Anmeldung an Beate Kuhnle, geschaeftszimmer@igdj-hh.de. (kb, 26.10.18)

Bat Yam, Rathaus, Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963 (Bild: historische Postkarte)

Braunschweig, Hauptbahnhof (Foto: Heinrich Heidersberger, #4005_3, 1960, Bild: Institut Heidersberger, www.heidersberger.de)

Brutal modern

Der Brutalismus ist tot. Es lebe der Brutalismus. Braunschweig jedenfalls entdeckt sich gerade neu von seiner Beton-Seite – immerhin stand hier die Wiege der legendären „Braunschweiger Schule“. Mit der Ausstellung „Brutal modern – Bauen und Leben in den 60ern und 70ern“ präsentiert das Braunschweigische Landesmuseum bis zum 31. März 2019 das „Bauen und Leben in den 60ern und 70ern“. Vorgestellt werden 20 Braunschweiger Bauten dieser Zeit, sieben davon stehen aktuell unter Denkmalschutz.

Die Ausstellung fußt auf dem 2013/14 von der Braunschweigischen Landschaft e. V. angestoßenen Projekt „Achtung modern! Architektur zwischen 1960 und 1980“. Dieses soll während der Ausstellung fortgeführt werden, es geht z. B. am 13. November 2018 zum Rathaus Salzgitter-Lebenstedt, am 29. Januar 2019 zur Pianofortemanufaktur Grotrian-Steinweg in Brauschweig und am 12. Februar 2019 zum Scharoun Theater Wolfsburg. Auch das weitere Begleitprogramm ist prall gefüllt: Am 23. Oktober 2018 z. B. führt der Denkmalpfleger Ulrich Knufinke unter dem schönen Titel „Gesegneter Beton“ durch Kirchenbauten dieser Jahrzehnte. Kinder können mit einem Detektivkoffer die Ausstellung erkunden, selbst in Lego modern bauen oder ihren Geburtstag in brutalistischer Umgebung feiern. (kb, 20.10.18)

Braunschweig, Hauptbahnhof (Foto: Heinrich Heidersberger, #4005_3, 1960, Bild: Institut Heidersberger, www.heidersberger.de)

Carl Mühlenpfordt (Bild: TU Braunschweig)

Vom Großvater der Braunschweiger Schule

Carl Mühlenpfordt (1878-1944) hatte bereits seine Spuren in Lübeck hinterlassen, bevor er nach dem Ersten Weltkrieg am Polytechnikum Braunschweig anfing. Hier reformierte er die Architekturfakultät, die später durch das Netzwerk seiner Schüler als Braunschweiger Schule auf sich aufmerksam machte. Heute verdient der Architekt und Hochschullehrer einen zweiten Blick, hatte er doch seinerzeit mit großer Verve – abseits vom Bauhaus, aber getragen vom Reformwillen – eine Neue Zeitkunst für Kaiserzeit und Weimarer Republik eingefordert.

Am 3. Oktober 2018 wird um 16 Uhr die Ausstellung „Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst“, eine Sonderschau im Rahmen der Ausstellung „Zerrissene Zeiten – Krieg. Revolution. Und dann? – Braunschweig 1916-1923“, im Städtischen Museum Braunschweig (Steintorwall 14) eröffnet. Die Ausstellung, zu der im Jovis Verlag-Berlin das gleichnamige Begleitbuch  erscheint, folgt den biografischen Stationen Mühlenpfordts zwischen Reformarchitektur und Hochschullehre anhand von zeitgenössischen Entwürfen, Zeichnungen und Fotografien. Wegen begrenzter Platzkapazitäten bittet das Städtische Museum Braunschweig für die Eröffnung um vorherige Anmeldung bis zum 27. Oktober 2018 unter: staedtisches.museum@braunschweig.de oder 0531 470-4501. (kb, 21.9.18)

Carl Mühlenpfordt (Bild: TU Braunschweig)

Braunschweig, Hauptbahnhof (Bild: Donkey Shot, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)

Ein Bündnis für die Nachkriegsmoderne

Abkürzungen sind nicht immer leichte Kost, aber „NBJB 1945+“ sollten Sie sich merken. Denn das frisch gegründete DFG-„Netzwerk Bauforschung jüngerer Baubestände 1945+“ beschäftigt mit der Erhaltung und dem Weiterbauen von Nachkriegsarchitektur. Das Problem ist bekannt: Rund 60 Prozent unseres heutigen Bestands sollen aus den Jahren zwischen 1960 und 1980 stammen. Daher müsste nachhaltiger geplant, das ressourcenschonende Potential dieser Bauten besser erkannt und erhalten werden. So zumindest sieht es das – tief einatmen – „NBJB 1945+“. Auf der frisch aufgelegten Homepage sollen alle Forschungsziele des DFG-Netzwerks veröffentlicht und zu Workshops aufgerufen werden.

Anlass der Gründung war die 50. Jahrestagung der Koldewey-Gesellschaft, der Vereinigung für baugeschichtliche Forschung e. V., in Braunschweig. Das Netzwerk versteht sich fächerübergreifend und will über drei Jahre hinweg aktiv werden. In den ersten beiden Jahren sollen Workshops stattfinden, die allen interessierten Wissenschaftlern offen stehen. Der erste Workshop ist für den 28. September 2018 an der TU München geplant, weitere sind für Stuttgart und Weimar vorgesehen. Wie wir das alles finden? GUUSID („Gute und unterstützenswerte Sache ist das“)! (kb, 15.5.18)

Auch ein 1945+: der 1960 eingeweihte Braunschweiger Hauptbahnhof (Bild: Donkey Shot, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2009)