Jüdische Architekten. Jüdische Architektur?

Gibt es eine jüdische Architektur? Jüdische Architekten, natürlich, auch Architektinnen. Aber hat dieser Hintergrund auch ihr Bauen geprägt. Ist das Judentum des 19. und 20. Jahrhunderts ein religiöser, nationaler oder kultureller Begriff? In den letzten Jahrzehnten hat die Forschung, verdientermaßen, vor allem einzelne jüdische Architektenpersönlichkeiten und ihr Werk in bestimmten Regionen untersucht. Aber bislang kommt der Überblick über das Netzwerk jüdischer Akteure in der Baukunst Europas, Amerikas, Israels und anderer Länder noch zu kurz. Damit blieb lange offen, ob sich Architekten hier als Teil einer gemeinsamen jüdischen (Kultur-)Bewegung verstanden und einen entsprechenden Formenkanon ausgebildet haben.

Diesen und verwandten Fragen widmet sich die Tagung „Jewish Architects – Jewish Architecture?“, zugleich der 4. Internationale Kongress für Jüdische Architektur, in Hamburg (Warburg-Haus/Institut für die Geschichte der deutschen Juden/Hafen City University, Hamburg) vom 6. bis zum 8. November 2018. Das Projekt, das architektonische Entwicklungen des 19. und 20. Jahrhunderts in den Blick nimmt, bildet eine Zusammenarbeit zwischen dem Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg, und Bet Tfila, Braunschweig/Jerusalem. Anmeldeschluss ist der 29. Oktober, statt einer Tagungsgebühr wird um eine Spende gebeten. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ulrich Knufinke, Ulrich.knufinke@igdj-hh.de, bei Fragen zur Organisation und Anmeldung an Beate Kuhnle, geschaeftszimmer@igdj-hh.de. (kb, 26.10.18)

Bat Yam, Rathaus, Alfred Neumann/Zvi Hecker/Eldar Sharon, 1963 (Bild: historische Postkarte)

Brutal modern

Der Brutalismus ist tot. Es lebe der Brutalismus. Braunschweig jedenfalls entdeckt sich gerade neu von seiner Beton-Seite – immerhin stand hier die Wiege der legendären „Braunschweiger Schule“. Mit der Ausstellung „Brutal modern – Bauen und Leben in den 60ern und 70ern“ präsentiert das Braunschweigische Landesmuseum bis zum 31. März 2019 das „Bauen und Leben in den 60ern und 70ern“. Vorgestellt werden 20 Braunschweiger Bauten dieser Zeit, sieben davon stehen aktuell unter Denkmalschutz.

Die Ausstellung fußt auf dem 2013/14 von der Braunschweigischen Landschaft e. V. angestoßenen Projekt „Achtung modern! Architektur zwischen 1960 und 1980“. Dieses soll während der Ausstellung fortgeführt werden, es geht z. B. am 13. November 2018 zum Rathaus Salzgitter-Lebenstedt, am 29. Januar 2019 zur Pianofortemanufaktur Grotrian-Steinweg in Brauschweig und am 12. Februar 2019 zum Scharoun Theater Wolfsburg. Auch das weitere Begleitprogramm ist prall gefüllt: Am 23. Oktober 2018 z. B. führt der Denkmalpfleger Ulrich Knufinke unter dem schönen Titel „Gesegneter Beton“ durch Kirchenbauten dieser Jahrzehnte. Kinder können mit einem Detektivkoffer die Ausstellung erkunden, selbst in Lego modern bauen oder ihren Geburtstag in brutalistischer Umgebung feiern. (kb, 20.10.18)

Braunschweig, Hauptbahnhof (Foto: Heinrich Heidersberger, #4005_3, 1960, Bild: Institut Heidersberger, www.heidersberger.de)

Vom Großvater der Braunschweiger Schule

Carl Mühlenpfordt (1878-1944) hatte bereits seine Spuren in Lübeck hinterlassen, bevor er nach dem Ersten Weltkrieg am Polytechnikum Braunschweig anfing. Hier reformierte er die Architekturfakultät, die später durch das Netzwerk seiner Schüler als Braunschweiger Schule auf sich aufmerksam machte. Heute verdient der Architekt und Hochschullehrer einen zweiten Blick, hatte er doch seinerzeit mit großer Verve – abseits vom Bauhaus, aber getragen vom Reformwillen – eine Neue Zeitkunst für Kaiserzeit und Weimarer Republik eingefordert.

Am 3. Oktober 2018 wird um 16 Uhr die Ausstellung „Mühlenpfordt – Neue Zeitkunst“, eine Sonderschau im Rahmen der Ausstellung „Zerrissene Zeiten – Krieg. Revolution. Und dann? – Braunschweig 1916-1923“, im Städtischen Museum Braunschweig (Steintorwall 14) eröffnet. Die Ausstellung, zu der im Jovis Verlag-Berlin das gleichnamige Begleitbuch  erscheint, folgt den biografischen Stationen Mühlenpfordts zwischen Reformarchitektur und Hochschullehre anhand von zeitgenössischen Entwürfen, Zeichnungen und Fotografien. Wegen begrenzter Platzkapazitäten bittet das Städtische Museum Braunschweig für die Eröffnung um vorherige Anmeldung bis zum 27. Oktober 2018 unter: staedtisches.museum@braunschweig.de oder 0531 470-4501. (kb, 21.9.18)

Carl Mühlenpfordt (Bild: TU Braunschweig)