Bremer Abriss

Das 1983 aufgestellte “Boule-Spiel” des Künstlers Bernd Uiberall dürfte bald woanders stehen. Das Gebäude dahinter ist bald weg: Eine Anwohnerinitiative ist vor wenigen Tagen mit einem Eilantrag gescheitert, den Abriss der ehemaligen Bremer Landeszentralbank zu verhindern. Somit fällt nach der gerade trotz aller Proteste abgebauten Cremonbrücke in Hamburg ein weiteres prominentes Gebäude des Büros Pysall, Stahrenberg und Partner den Baggern zum Opfer. Auf dem 7000 Quadratmeter großem Grundstück in Filetlage soll eine Wohnbebauung entstehen. Der Hamburger Großinvestor Evoreal plant 179 Wohnungen nach einem Entwurf der Architekten Schenk Fleischhaker. Vorgesehen ist ein Ensemble aus frei finanziertem und öffentlich gefördertem Wohnungsbau, das auch ein elfgeschossige Wohnhochhaus vorsieht. An ihm machte sich die Kritik der Anwohner fest.

Der Wettbewerb für die 1980-83 in der Kohlhökerstraße errichtete Landeszentralbank startete bereits 1972. Der Siegerentwurf von Pysall, Stahrenberg und Partner wurde entsprechend vor Baubeginn noch einmal aktualisiert. Auch im Architekturführer Bremen ist der Bau (noch) aufgeführt. Nach Auflösung der Landesbanken übernahm die Bundesbank die Immobilie und betrieb dort eine Filliale, bis 2015 war zudem der Bremer Rechnungshof Mieter. Danach trennte sich die Bank von dem Gebäude, da man die Bauunterhaltungskosten als zu hoch einschätzte. Und nun wird nach nicht einmal 40 Jahren erneut eine Menge an grauer Energie in die Atmosphäre geblasen … (db, 4.11.21)

Bremen, ehem. Landeszentralbank (Bild: Blutgretchen, CC BY-SA 3.0)

Gebunkerter Denkmalschutz

Der Kalte Krieg ist vorbei – und seine Relikte aus der Zeit gefallen. Von Atomschutzbunkern für die Zivilbevölkerung redet heute keiner mehr. Einer von ihnen befindet sich unterm Sedanplatz in Bremen-Vegesack. Die 1975 in Betrieb genommene Tiefgarage wurde seinerzeit bereits als Schutzraum, der auch als Parkplatz dient, konzipiert. Seit Frühjahr 2020 steht nun Bremens größter Bunker unter Denkmalschutz: Grund ist neben dem geschichtlichen Wert auch der lupenreine Originalzustand der Anlage, in der man mit einem orangenen Wählscheiben-Telefon mit der Außenwelt kommunizierte.

Die “Zivilschutz-Mehrzweckanlage (MZA) Sedanplatz” unter dem Marktplatz bietet 4044 Personen Platz und ist die größte von vier in der Zeit des Kalten Krieges entstandenen Bremer Anlagen. Errichtet wurde sie durch die Bremer Parkplatz GmbH nach Plänen des Architekten Theodor Rosenbusch. Die in der untersten Parkebene befindliche MZA liegt 12,5 Meter unter der Erde und untergliedert sich in zwei Bauteile: Bunker A mit rund 1280 Quadratmetern und Bunker B mit zirka 1060 Quadratmetern. Beide sind über ein Schiebetor verbunden, dessen Schließung im Ernstfall einen separaten Betrieb ermöglicht hätte. In Friedenszeiten sollte der jeweils westliche Bereich der beiden Bunker als Parkdeck genutzt werden. Dankenswerterweise ist es bei den Friedenszeiten geblieben, so dass die MZA Sedanplatz zum Zeitdokument wurde. (db, 2.6.20)

Bremen, Tiefgarage am Sedanplatz (Bild: Landesamt für Denkmalpflege Bremen)

Bremer Kirkeby unter Schutz

Der sogenannte Kirkeby-Turm auf der Domsheide steht jetzt unter Denkmalschutz. Wie Landeskonservator Georg Skalecki Ende Januar bestätigte, wurde das Bauwerk bereits Mitte Dezember 2019 in die Denkmalliste aufgenommen. Der 1988 gebaute Verkehrs-Turm ist die einzige Skulptur des dänischen Künstlers Per Kirkeby (1938-2018), die tatsächlich auch für einen praktischen Nutzen geplant war: Der postmodern angehauchte Backstein-Bau diente zunächst der Bremer Straßenbahn AG als Verkehrsleitzentrale, seit 2008 wird er als Depot genutzt.

Für einige Unruhe hatte die Denkmal-Nachricht im Fachausschuss Bau, Mobilität und Verkehr gesorgt. Denn die Domsheide, Bremens zweitgrößter Verkehrsknotenpunkt, soll umgestaltet werden, und der rote Backsteinbau ist im Weg, sollte abgetragen oder versetzt werden. Der geäußerten Befürchtung, dies sei nun unmöglich, widerspricht der Landeskonservator: Im Vorfeld habe man bereits signalisiert, dass eine Verschiebung vorstellbar sei. Man wolle lediglich verhindern, dass der Kunst-Turm abgerissen oder an irgendeinem abgelegenen Ort wieder errichtet werde. Wenn man den Turm verschieben wolle, dann nur auf dem Areal der Domheide. (db, 5.2.20)

Bremen, Kirkeby-Turm auf der Domheide (Bild: Stadt Bremen)