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Bremen, Brinkmann-Fabrik (Simulation: Justus Grosse GmbH)

Brinkmann Fabrik vor geschützter Zukunft

Die Brinkmann-Fabrik im Bremener Stadtteil Woltmershausen war einst die größte Tabak-Produktionsstätte Europas. Über 6000 Mitarbeiter sorgten in der 1936/37 errichteten Anlage für nachhaltigen Blauen Dunst. Im Lauf der Jahrzehnte war eine regelrechte Tabak-Stadt entanden: 1940-43 wurde für die „kriegswichtige Produktion“ erstmals erweitert. 1949 und 1961-67 enstanderen weitere Produktionsgebäude. 1999 übernahm der Konzern British American Tobacco die Anlage und produzierte dort bis 2014 Zigarillos. Seit einigen Monaten steht die Fabrikanlage nun unter Denkmalschutz. Für den derzeitigen Eigner, den Bremer Projektentwickler Justus Grosse, „ein Ritterschlag“.

Grosse hat im Mai 2018 das 15 Hektar große Gelände übernommen, und nun soll dem größten Teil der Brinkmann-Bauten neues Leben eingehaucht werden: 20 Millionen Euro will man in das Gründerzentrum „Die Fabrik“ investieren. Das Brinkmann-Areal ist dabei Teil eines 55 Hektar großen Entwicklungsgebietes, welches im Rahmen der Masterplanung Woltmershausen mittelfristig zu einem breit aufgestellten und durchmischten Zukunftsquartier entwickelt werden soll. Die Grosse-GmbH möchte dabei die alten Verwaltungs- und Fabrikationsgebäude als „elementaren Identifikationsstifter für das Gesamtquartier“ erhalten. Aus diesem Grund bleibe ein Teil des Entwicklungsgebietes langfristig im Bestand des Immobilienunternehmens. Auch Landesdenkalpfleger Georg Skalecki ist positiv gestimmt: „Da stehen wir in großem Einvernehmen mit Justus Grosse, dass ein behutsamer Umbau der richtige Weg für den Komplex ist“, sagte er dem Weser-Kurier. (db, 25.11.18)

Bremen, Brinkmann-Fabrik (Simulation: Justus Grosse GmbH)

Lloyd-LT-600-Bus (Bild: Norbert Schnitzler, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2006)

Tipps zum Tofd: Industrie und Denkmal

Am 9. September lohnt zwischen 11 und 17 Uhr ein Blick in die der Bremer Lloyd-Halle 4 (Richard-Dunkel-Straße 122-124, 28199 Bremen-Neustadt). In der ehemaligen Endmontagehalle (1953/54, R. Lodders) produzierte man Lloyd-Kleinwagen des Borgward-Konzerns. Heute zeigen hier der Freundeskreis VFW 614, der Borgward-Club und Bremer AirBe e. V. historische Verkehrsmittel. (Kontakt: Günter Mail, Freundeskreis VFW 614, Tel.: 0151 58784922, g.mail@freundeskreis-vfw614.de, oder Werner Hilscher, Borgward Club e. V., 0171 1936757, werner-hilscher@t-online.de). Nicht weniger erhellende Erkenntnisse verspricht der Luftschutz-Musterstollenanlage Friesenstraße (Friesenstraße 16, (BVG: U-Bhf. Platz der Luftbrücke), 10965 Berlin Friedrichshain-Kreuzberg Kreuzberg), der am 8. (!) September um 11, 12, 13, 14 und 15 Uhr zu Führungen geöffnet ist (Treffpunkt: vor dem Tor Friesenstraße 16, Eingang Polizeigelände, max. 15 Personen, Anmeldung erforderlich: 4. bis 6. September, 10 bis 14 Uhr, 030 46068009). Auf dem Gelände befand sich in den 1930er Jahren die sog. Reichsanstalt der Luftwaffe für Luftschutz, wo eine Musteranlage aus Luftschutzgängen für die Baubehörden angelegt wurde.

Doch lieber was Süßes? In Thüringen lädt das Museum Heinerle-Berggold Schokoladen GmbH (Raniser Straße 11, 07381 Pößneck) am 9. September zwischen 11 und 17 Uhr zum Besuch. Die Firmenausstellung zeigt die 140-jährige Firmengeschichte seit 1876: historische Verpackungen, Dosen und Werbematerialien, teilweise noch aus den Gründerjahren um 1880. Zum Tag des offenen Denkmals können werksfrisch hergestellte Süßwaren verkostet und die Ausstellung besichtigt werden. (Kontakt: Lisa Schreck, Heinerle-Berggold Schokoladen GmbH, Marketing, Tel.: 03647 5378, E-Mail: marketing@heinerle-berggold.de) (kb, 30.8.18)

Lloyd-LT-600-Bus (Bild: Norbert Schnitzler, GFDL/CC BY SA 3.0, 2006)

Bremen-Gröpelingen, Philippuskirche (Bild: triagonal, via mapio.de)

Garten Eden bald oben ohne?

Seit 2009 dient die evangelische Philippuskirche in Bremen-Gröppelingen als Jugendkirche mit dem schönen Namen „Garten Eden 2.0“. Nun soll der markante Bau sein sichtbarstes Zeichen verlieren: den Glockenträger. Seit rund zwei Jahren verzeichnet die Bauabteilung der Landeskirche Schäden am 30 Meter hohen Turm. Betonteile fielen herab, hier müsse gehandelt werden. Und da das Geld für eine Sanierung fehle, müsse man – leider – zum Abriss schreiten.

Immerhin hat es der 1966 eingeweihte Bau – errichtet nach den Entwürfen von Friedrich Schumacher und Claus Hübener – in den Architekturführer Bremen geschafft. Als Grund wird u. a. der Ensemblecharakter von Kirche und Nebenbauten genannt, die sich „U-förmig um einen grünen Hof“ fügen. Entsprechend würde Eberhard Syring, Professor für Architekturtheorie und Baugeschichte an der Hochschule Bremen und Wissenschaftlicher Leiter des Bremer Zentrums für Baukultur, den Verlust des Glockenträgers sehr bedauern. „Der Turm bildet eine kompositorische Einheit mit dem flachen Vorbau der Kirche, aus dem er gewissermaßen herauswächst“, so zitiert ihn der Weserkurier. (kb, 23.7.18)

Bremen-Gröpelingen, Philippuskirche (Bild: triagonal, via mapio.de)

Bremen-Lehe, Andreaskirche (Bild: mapio)

„Gotteshaus mit Flügeln“

Es gibt sie schon, die stolzen Gemeinden, die das junge Baujahr ihrer Gottesdienststätte nicht mit einem „praktisch ist sie ja“ entschuldigen. Zum diesjährigen „Tag des offenen Denkmals“ (TofD) stehen vermehrt auch moderne Kirchenbauten auf dem Programm. In Bremen-Lehe, um ein Beispiel herauszugreifen, wird die Führung (10. September, 15.00 Uhr durch Pastor Martin Warnecke) durch die Andreaskirche (1968, O. Ahlers) angepriesen mit: „Gotteshaus mit Flügeln“, mit „schwebender Dachkonstruktion“ und „elegantem Campanile“ (geöffnet nach (Kinder-)Gottesdienst 12 bis 16 Uhr).

Auch außerhalb von Bremen lohnt der Blick ins TofD-Programm: In München wurde eine Gaststätte mit Biergarten 1919 zur Himmelfahrtskirche (spätere Um-/Wiederaufbauten) umgestaltet (Kidlerstraße 15, 81371 München Sendling, geöffnet 9 bis 20 Uhr, 10 Uhr Gottesdienst, 11 Uhr Kirchenkaffee, 12 Uhr Führung). In Köln, inmitten einer historischen Parkanlage, wird die 1964 vom Taizé-Bruder Eric Sassure gestaltete Erzengel-Michael-Kirche geöffnet (Sürther Straße 169, 50999 Köln Rodenkirchen, Führungen 12, 14 und 16 Uhr). Oder Sie besuchen in Hamburg eine andere Moderne, die Kirche des Heiligen Prokopij, die 1965 im „altrussischen Stil“ entstand (Hagenbeckstraße 10, 20357 Hamburg Eimsbüttel Stellingen, geöffnet 9./10. September 14 bis 16 Uhr, Führungen an beiden Tagen 14.30 und 15.30 Uhr). Oder Sie setzen in Berlin mit der Kirche St. Judas Thaddäus (1959) auf einen Altmeister der Moderne (Bäumerplan 1-5, 12101 Berlin-Tempelhof-Schöneberg geöffnet 9.30 bis 10.30, 12 bis 13 und 17 bis 19 Uhr, Kirchenführungen 16 und 18 Uhr, Orgelführung 17.30 Uhr, dazwischen liturgische, musikalische und kulinarische Angebote). Oder … (kb, 1.9.17)

Bremen-Lehe, Andreaskirche (Bild: mapio)

Bremen, Beck´s-Haus 2016 (Bild: Daniel Bartetzko)

Beck’s-Hochhaus – Verkauf und Denkmalschutz?

„Der Versuch, große zusammenhängende Arbeitsflächen durch höhenversetzte Geschosse zu verteilen und sie in ihrem räumlichen Wert zu steigern, wird anerkannt.“ Mit dieser geradezu euphorischen Begründung wurde das Bremer Verwaltungshochhaus der „AB InBev“ (damals noch Beck’s Brauerei) 1978 mit dem BDA-Preis ausgezeichnet. Gestaltet wurde das wabenförmige 51-Meter-Gebäude 1975 vom Architekten Ewald Brune. Nachdem vor einigen Jahren das vertraute Beck’s-Logo weichen musste, stehen nun weitere Änderungen an: Die weltgrößte Brauereigruppe „Anheuser-Busch InBev“, in deren verschlungenen Zusammenhängen Beck’s nach 2002 aufging, möchte das Verwaltungshochhaus verkaufen. Mutmaßlich, da der Raumbedarf nach weiteren Umstrukturierungen künftig geringer ausfallen dürfte. Kolportierter Verkaufspreis: 20 Millionen Euro.

Befürchtungen, das markante Spätmoderne-Gebäude könnte durch einen Umbau entstellt werden, kann man aber zumindest derzeit zerstreuen: Das Bremer Landesamt für Denkmalpflege plant, es unter Schutz zu stellen. Der Leiter Georg Skalecki sieht im Beck´s-Bau „eine kleine architektonische Ikone, mit Raffinesse entwickelt“, wie er Radio Bremen sagte. Dass in einer Facebook-Umfrage des Senders die Mehrheit der Kommentare ablehnend waren, kann Skalecki verstehen, aber: „Keine Dekade darf zeuglos bleiben.“ Die Denkmalschützer näherten sich aber nun einer Zeitperiode, deren Ästhetik nicht in der breiten Bevölkerung anerkannt sei. „Aber das darf uns nicht abschrecken. Wir müssen unsere Entscheidungen vermitteln.“ Also uns gefällt’s … (db, 7.8.17)

Bremen, Beck’s-Hochhaus (Bild: Daniel Bartetzko)

Bremen-Neue_Vahr, Bild Pilot71, CC-BY-SA 3.0

60 Jahre Neue Vahr

Sie war eines der Vorzeigeprojekte des bundesdeutschen Wohnungsbaus: die Großsiedlung Neue Vahr bei Bremen. 1957 wurde nahe der Hansestadt auf der grünen Wiese der Grundstein für die Trabantenstadt gelegt, die rund 30 000 Menschen Wohnraum bieten sollte. Für die Planung zeichneten die Architekten Ernst May, Max Säume, Günther Hafemann und Hans Bernhard Reichow verantwortlich. 2004 fungierte die Siedlung als Namenspatron für den Roman „Neue Vahr Süd“ von Sven Regener und konnte sich erneut bundesweiter Prominenz erfreuen. Nun begeht sie ihren 60. Geburtstag – wir gratulieren!

Die Siedlung vereint die Grundsätze des organischen Städtebaus, der Gartenstadt und der autogerechten Planungen der 1960er. Sie wird von einer kreuzungsfreien Schnellstraße geteilt, die sie mit Bremen verbindet und ist in fünf Nachbarschaften untergliedert.  Diese setzen sich aus unterschiedlichen Typen flachgedeckter, durchgrünter Wohnzeilen zusammen. Mit dem künstlich angelegten Vahrer See und einem Grünflächenband verfügt die Neue Vahr über ein eigenes Naherholungsgebiet. Das Zentrum der Siedlung wird durch ein 22-stöckiges Hochhaus von Alvar Aalto markiert. (jr, 25.5.17)

Bremen, Neue Vahr (Bild: Pilot71, CC BY SA 3.0)

Seiten des Wohnens

"Schöner Wohnen", Titel vom August 1968 (Foto: Schöner Wohnen)
„Schöner Wohnen“, Titel vom August 1968 (Foto: Schöner Wohnen)

Mal gehörte das Wohnen zum politischen Ausdruck (weil schließlich alles Politik war), mal diente sie der bürgerlichen Selbstdarstellung, mal dem privaten Rückzug. Doch in jeder Phase des modernen Wohnstils war die Möblierung ein beliebtes Thema für die bebilderte Presse: Von „Schöner Wohnen“ bis zu „Landlust“, illustrierte Zeitschriften verbreiteten die jeweils ideale Form des Wohnens. Hier ging es, über Schlagworte wie „gute“ und „stilvolle“ Raumgestaltung hinaus, auch immer um die Gestaltung von Beziehungsräumen.

Das Forschungsfeld „wohnen+/-ausstellen“ in Kooperation des Instituts für Kunstwissenschaft – Filmwissenschaft – Kunstpädagogik der Universität Bremen mit dem Mariann Steegmann Institut. Kunst & Gender (Leitung: Irene Nierhaus, Kathrin Heinz) lädt daher vom 12. bis 13. Mai 2017 zum Workshop „Seiten des Wohnens: Bild, Text, Serie“ nach Bremen (Universität Bremen, SFG: Raum 2020, Enrique-Schmidt-Str. 7, 28359 Bremen). Die Vorträge reichen von Themen wie „Schöner wohnen wollen (sollen) – Eine Analyse der Titelblätter von 1980 bis 1999“ (Anna-Katharina Riedel) über „Das Eigenheim zwischen 1924 und 1970. Eine Analyse der idealisierten Häuser in den Kundenzeitschriften der Bausparkassen“ (Maja Lorbek) bis zu „Der gesellschaftliche Entwurf des Wohnens in der Architekturphotographie von Hans Scharoun“ (Waltraud Indrist). Die Teilnahme ist kostenlos, um Anmeldung wird bis zum 2. Mai 2017 gebeten unter: Rosanna Umbach, 0421/21869712, rosanna.umbach@msi.uni-bremen.de, www.mariann-steegmann-institut.de. (kb, 15.4.17)

Bremen: Elefant wieder gesund

Fritz Behn: Elefant (Bild: Godewind, CC-By-SA 3.0)
Da harrte er noch der Sanierung: der Elefant im Bremer Nelson-Mandela-Park (Bild: Godewind, CC BY SA 3.0)

Der älteste Elefant der Welt lebte dem Vernehmen nach in einem Zoo in Taipeh und starb im gesegneten Alter von 86 Jahren. In Bremen schickt sich nun ein steinerner Verwandter an, diesen Rekord zu brechen – mit besten Aussichten. Die denkmalgeschützte  Elefantenskulptur im Nelson-Mandela-Park in der Hansestadt wurde in den letzten Monaten umfassend saniert und kann seiner Zukunft nun gelassen entgegen blicken.

Das Elefantengedächtnis des steinernen Riesen kann auf eine wechselhafte Geschichte zurückblicken. Vom Bildhauer Fritz Behn und dem Architekten Otto Blendermann entworfen, sollte das 1932 eingeweihte Denkmal ursprünglich in revanchistischer Absicht an die ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika erinnern. 1990 wurde der Elefant zum Antikolonialdenkmal umgewidmet, 2009 um ein Hererodenkmal in Sichtweite ergänzt. In den letzten Jahren plagte den Dickhäuter das Zipperlein: die zunehmende Durchfeuchtung des Denkmals drohte, es bei Frost förmlich zu sprengen. Diese Gefahr ist nun gebannt, so dass der rüstige Rentner seinen anstehenden 85. Geburtstag in alter Frische begehen kann. (jr, 6.2.17)

Wenn eine Getreideverkehrsanlage …

Bremen, Getreideverkehrsanlage (Bild: Inselmann, CC BY SA 3.0)
Bremen, Getreideverkehrsanlage, Silo I (Bild: Inselmann, CC BY SA 3.0)

Nicht nur in puncto Namenspoesie kann die Bremer „Getreideverkehrsanlage“ bundesweit mehr als mithalten. Allein das 200 Meter lange und 40 Meter hohe Silo I in der Bremer „Überseestadt“ wurde von 1914 bis 1916 für 32.000 Tonnen Getreide errichtet. Weitere Bauten kamen in rascher Folge hinzu, wurden teils erweitert und erneuert. Nun wurde die markante Anlage auf einem Grundstück von stattlichen 47.500 Quadratmetern Größe nach einer von der Stadt initiierten Ausschreibung durch die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) an einen neuen Eigentümer übergeben: die J. Müller AG.

Der Mietvertrag mit D. Wandel GmbH & Co. KG läuft in Kürze aus. An der Nutzung – „Umschlag von Getreide und anderen Agrarprodukten sowie Kaffeelagerung“ – soll sich jedoch nichts ändern. Nur müsse der neue Eigentümer die als „stark sanierungsbedürftig“ beschriebenen Bauten, so NWZ online, an „aktuelle Sicherheitsstandards“ anpassen. Was immer das konkret bedeuten wird, die Denkmalpflege dürfte ein Wort mitreden, denn seit 2006 stehen Teile der Anlage unter Schutz: aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg Silo I, das Verwaltungsgebäude, Teile von Pier und Elevator sowie das Maschinenhaus II, aus den 1920er Jahren Silo II, sowie weitere Teile von Pier und Elevator aus den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. (kb, 25.11.16)

Bremen und seine Bauten 1950-1979

bremen_und_seine_bauten_1950-1979Nach gut zehnjähriger Recherchearbeit, legte Prof. Dr. Eberhard Syring 2014 eine Fortschreibung des Bremer Architekturklassikers vor: Das 1900 vom Bremer Schünemann Verlag und vom Architekten- und Ingenieursverein Bremen erstmals publizierte Werk „Bremen und seine Bauten 1900“ verstand sich als Dokumentation, Lehrwerk und Kompendium für den interessierten Leser. Eine erste Fortsetzung erfolgte in den 1950er Jahren: Zusammen mit dem Herausgeber Carl Thalenhorst veröffentlichte wieder der Bremer Schünemann Verlag den Band „Bremen und seine Bauten 1900– 1951“.

Mit seinem Buch „Bremen und seine Bauten 1950-1979“ widmet sich Syring nun der Hansestadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Das erste Kapitel erörtert die Entwicklungen zwischen 1950 und 1964: der Wiederaufbau der zerstörten Stadt und die Bemühungen um erste Erweiterungen des Wohnraums für die schnell wachsenden Einwohnerzahl. Das zweite Kapitel hat den Zeitraum zwischen 1965 und 1979 zum Schwerpunkt, als das Bevölkerungswachstum in Bremen ins Stocken geriet und die anfängliche Modernisierungseuphorie deutlich nachließ. Der Autor, Prof. Dr. Eberhard Syring, lehrt an der „School of Architecture“ an der Hochschule Bremen Architekturtheorie und Baugeschichte, außerdem ist er wissenschaftlicher Leiter des Bremer Zentrums für Baukultur. Ein Fortsetzungsband, der die weitere Entwicklung zwischen 1980 und der Gegenwart erfassen soll, ist in Planung. (kb, 29.9.16)

Syring, Eberhard, Bremen und seine Bauten 1950–1979, hg. vom Bremer Zentrum für Baukltur, Carl-Schünemann-Verlag, Bremen 2014, 496 Seiten, ISBN: 978-3-944552-30-9.

Bremen: Mut zum Neuen

Bremen, Haus der Bürgerschaft (Bild: Jaggele25, CC BY SA 3.0)
Schon vor Baubeginn heftig umstritten: das 1966 eingeweihte Haus der Bürgerschaft in Bremen (Bild: Jaggele25, CC BY SA 3.0)

„Bremen kann stolz darauf sein, das einzige authentisch erhaltene Parlamentsgebäude der jungen bundesdeutschen Demokratie zu haben. So wie die Exekutive in einem Weltkulturerbe tätig sein darf, kann die Legislative in einem, innen wie außen, einzigartig gelungenen Denkmal der Nachkriegsmoderne wirken.“ Zu diesen lobenden Worten findet Landeskonservator Prof. Georg Skalecki in der Publikation, die begleitend zur Ausstellung „Mut zum Neuen“ erhältlich ist. Anlass ist der 50. Geburtstag des Hauses der Bremischen Bürgerschaft, aus dessen Entstehungsgeschichte Schwarzweiß-Fotografien gezeigt werden.

Schon 1864 kamen die Vertreter der Bürgerschaft am selben Ort zusammen, an dem damals noch die Kaufmannsbörse stand. Nach deren Zerstörung im Kriegsjahr 1943 entbrannte eine kontroverse Diskussion um den geplanten Neubau. Am Ende musste der Berliner Architekt Wassili Luckhardt seine teils mit Backstein verkleidet Stahlbetonskelettkonstruktion mit einem giebelähnlichen Dachabschluss versehen. Heute wird gerade diese gemäßigte Moderne geschätzt, hat der Bund Deutscher Architekten den denkmalgeschützten Bau doch sogar für seinen renommierten Preis „Klassik-Nike“ nominiert. Im Haus der Bürgerschaft wird die Ausstellung am 14. August um 16.30 Uhr eröffnet und ist im Anschluss noch bis zum 20. September werktags von 10 bis 17 Uhr zu sehen. (kb, 13.8.16)

Vor 40 Jahren starb Alvar Aalto

Wolfsburg, Heiliggeistkirche, 1962 (Bild: Zahlenmonster, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Wolfsburg, Heiliggeist-Kirche, 1962 (Bild: Zahlenmonster, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Alvar Aalto ist weniger ein Name, als vielmehr ein Lebenskonzept. Da gibt es die zeitlose Aalto-Vase (1936, entworfen mit seiner Frau Aino), da sind ungezählte Stühle, Hocker, Teewagen und nicht zuletzt seine Architekturentwürfe, die dem organischen Bauen zugerechnet werden. Geboren wurde der spätere Architekt und Designer 1898 im finnischen Kuortane und studierte bis 1921 in Helsinki. 1923 machte er sich in Jyväskylä selbständig und heiratete 1924 seine vorherige Assistentin Aino Marsio, die für alle Aalto-Entwürfe mit zeichnete.

Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg war Aalto weltweit tätig, von den USA bis nach Österreich. Auch in Deutschland hinterließ Aalto vielbeachtete Spuren: ob das Aalto-Hochhaus in Bremen-Neue Vahr (1958), die Heiliggeist-Kirche in Wolfsburg (1962) oder das Theater in Essen (1988). Vor 40 Jahren, am 11. Mai 1976 starb Alvar Aalto in Helsinki. (kb, 31.7.16)