Gebunkerter Denkmalschutz

Der Kalte Krieg ist vorbei – und seine Relikte aus der Zeit gefallen. Von Atomschutzbunkern für die Zivilbevölkerung redet heute keiner mehr. Einer von ihnen befindet sich unterm Sedanplatz in Bremen-Vegesack. Die 1975 in Betrieb genommene Tiefgarage wurde seinerzeit bereits als Schutzraum, der auch als Parkplatz dient, konzipiert. Seit Frühjahr 2020 steht nun Bremens größter Bunker unter Denkmalschutz: Grund ist neben dem geschichtlichen Wert auch der lupenreine Originalzustand der Anlage, in der man mit einem orangenen Wählscheiben-Telefon mit der Außenwelt kommunizierte.

Die „Zivilschutz-Mehrzweckanlage (MZA) Sedanplatz“ unter dem Marktplatz bietet 4044 Personen Platz und ist die größte von vier in der Zeit des Kalten Krieges entstandenen Bremer Anlagen. Errichtet wurde sie durch die Bremer Parkplatz GmbH nach Plänen des Architekten Theodor Rosenbusch. Die in der untersten Parkebene befindliche MZA liegt 12,5 Meter unter der Erde und untergliedert sich in zwei Bauteile: Bunker A mit rund 1280 Quadratmetern und Bunker B mit zirka 1060 Quadratmetern. Beide sind über ein Schiebetor verbunden, dessen Schließung im Ernstfall einen separaten Betrieb ermöglicht hätte. In Friedenszeiten sollte der jeweils westliche Bereich der beiden Bunker als Parkdeck genutzt werden. Dankenswerterweise ist es bei den Friedenszeiten geblieben, so dass die MZA Sedanplatz zum Zeitdokument wurde. (db, 2.6.20)

Bremen, Tiefgarage am Sedanplatz (Bild: Landesamt für Denkmalpflege Bremen)

Bremer Kirkeby unter Schutz

Der sogenannte Kirkeby-Turm auf der Domsheide steht jetzt unter Denkmalschutz. Wie Landeskonservator Georg Skalecki Ende Januar bestätigte, wurde das Bauwerk bereits Mitte Dezember 2019 in die Denkmalliste aufgenommen. Der 1988 gebaute Verkehrs-Turm ist die einzige Skulptur des dänischen Künstlers Per Kirkeby (1938-2018), die tatsächlich auch für einen praktischen Nutzen geplant war: Der postmodern angehauchte Backstein-Bau diente zunächst der Bremer Straßenbahn AG als Verkehrsleitzentrale, seit 2008 wird er als Depot genutzt.

Für einige Unruhe hatte die Denkmal-Nachricht im Fachausschuss Bau, Mobilität und Verkehr gesorgt. Denn die Domsheide, Bremens zweitgrößter Verkehrsknotenpunkt, soll umgestaltet werden, und der rote Backsteinbau ist im Weg, sollte abgetragen oder versetzt werden. Der geäußerten Befürchtung, dies sei nun unmöglich, widerspricht der Landeskonservator: Im Vorfeld habe man bereits signalisiert, dass eine Verschiebung vorstellbar sei. Man wolle lediglich verhindern, dass der Kunst-Turm abgerissen oder an irgendeinem abgelegenen Ort wieder errichtet werde. Wenn man den Turm verschieben wolle, dann nur auf dem Areal der Domheide. (db, 5.2.20)

Bremen, Kirkeby-Turm auf der Domheide (Bild: Stadt Bremen)

Bremer Bauten

Über 30 Jahre hat es gedaurt, nun ist es so weit: Es gibt wieder ein Buch, das einen Überblick über die bemerkenswerten Bauten Bremens und Bremerhavens bietet, und zwar den Architekturführer Bremen/Bremerhaven, erschienen in der bekannten Reihe von DOM Publishers. Herausgeber ist der Architekturhistoriker Eberhard Syring, der mit einem Gremium die herausragenden Gebäude der Hansestadt ausgewählt hat. Herausgeber des 318 Seiten starken Bands ist das Bremer Zentrum für Baukultur, dessen Leiter Syring bis 2018 gewesen ist. Verantwortlich für die Fotografien zeichnen Kay Michalak und Nicolai Wolff. Die acht Kapitel des Buches widmen sich je einem Bezirk der Stadt, eines ist für Bremerhaven vorbehalten.

Parallel zur Buchpräsentation wurde im Foyer der Bremer Bürgerschaft eine Ausstellung zum Architekturführer eröffnet: Bis 28. Juni kann man nun die Bilder des Architekturführers in Großformat betrachten. Natürlich sind die Klassische Moderne wie auch die Nachkriegsmoderne vertreten. Etwa mit dem Wohnwasserturm Wulsdorf (1927) in Bremerhaven und dem Aalto-Hochhaus (1959-61) in der Neuen Vahr. Und auch, wenn man nun nicht gleich morgen nach Bremen aufbrechen will, lohnt sich die Anschaffung des Buchs. (db, 5.5.19)

Bremerhaven, Wohnwasserturm Wulsdorf (Bild: Uwe Barghaan, CC BY 3.0)