Aufbruch an alten Ufern

Erst in den vergangenen Jahren hat es die Postmoderne als inzwischen selbst historische Erscheinung bis in die Museen geschafft. In Bremerhaven war man in diesem Punkt 1991 weit voraus, als das dortige Historische Museum selbst einen Neubau im Stil der Postmoderne verwirklichen konnte. Ein Jahr zuvor hatte der Stadtrat das gestalterische Konzept des Architekten Wolfgang Bendig durchgewunken. Mit einer Giebelreihe erstreckt sich das Ensemble am Verlauf der Geeste entlang. Die darin verwahrte Sammlung war 1897 aus dem örtlichen Heimatverein erwachsen und ab 1906 im sog. Morgenstern-Museum präsentiert worden. Nach Kriegszerstörung und Wiederaufbau wanderten die Bestände innerhalb der Stadt, bis ab 1985 eine Neukonzeption und schließlich der Neubau in Angriff genommen wurden.

Am 11. Oktober 2021 porträtiert Prof. Dr. Eberhard Syring (Professor em. für Architekturtheorie und Baugeschichte an der School of Architecture Bremen) um 19 Uhr im Veranstaltungssaal des Historischen Museums mit seinem Vortrag “Aufbruch an alten Ufern” die postmoderne Architektur in Bremerhaven. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Von Sinnlichkeit und Sachlichkeit. Im Zeichen der Postmoderne“, die sich zum 30. Jahrestag der Eröffnung des Historischen Museums der Stadt intensiv mit dieser Stilepoche und ihrer Verankerung in Bremerhaven auseinandersetzt. Für den Vortrag am 11. Oktober ist die Teilnehmer:innenzahl begrenzt, es gelten die 3 G-Regeln. Interessierte informieren sich bitte vorab auf der Homepage des Veranstalters. Um eine vorherige Anmeldung unter  anmeldung@historisches-museum-bremerhaven.de oder 0471/308160 wird gebeten. Der Eintritt ist frei, alternativ besteht die Möglichkeit, den Vortrag von zu Hause als Livestream zu verfolgen. (kb, 6.10.21)

Bremerhaven, Historisches Museum (Bild: Historisches Museum Bremerhaven)

Der Columbusbahnhof soll fallen

Der Columbusbahnhof soll fallen

Bremerhaven, Columbusbahnhof (Bild: Garitzko, gemeinfrei)
Hier landete 1958 Elvis Presley an: im Columbusbahnhof in Bremerhaven (Bild: Garitzko, gemeinfrei)

Da wir alle wissen, dass ER nicht gestorben ist, sondern immer noch (wenn auch verborgen) unter uns lebt, da wir das also wissen, ist dieses Stück Bremerhaven heiliger Boden: Hier, am Columbusbahnhof, oder der Columbuskaje, betrat Elvis Presley 1958 als amerikanischer GI deutschen Boden.

Der Kern der imposanten Anlegestelle für Passagierschiffe entstand schon in den 1920er Jahren, als hier Oberbaudirektor Heinrich Tillmann bis 1927 einen würdigen Hafen für den “Luxusdampfer” Columbus der Norddeutschen Lloyd verwirklichte. Von hier konnte man direkt vom Schiff auf die Schiene (oder umgekehrt) – ein Bahnhof mit Meerzugang eben. Nach Kriegszerstörungen wurde der Columbusbahnhof bis 1952 wiederaufgebaut und 1962 nochmal um die Fahrtgastanlage II erweitert. Bereits in den 2000er Jahren wurde die Anlegestelle mit Geschichte zum Terminal ausgebaut, damit hier auch die großen Kreuzfahrtschiffe halt machen können. Doch 2017 sollen dafür nun, erklärte die Hafengesellschaft Bremenports, endgültig auch die inzwischen historischen Bauten weichen. Der Unterhalt der bestehenden Hallen koste jährlich rund 300.000 Euro, dies sei zu viel – zudem wolle man jährlich bald bis zu 200.000 Passagiere bedienen. Die Kosten für den Umbau zum “Columbus Cruise Center” werden auf 60 Millionen Euro geschätzt. (kb, 29.11.16)