Der Kompromiss zur Freihafen-Elbbrücke

Schon seit Jahren wird darum gestritten, ob die Hamburger Freihafen-Elbbrücke abgerissen oder denkmalgerecht saniert werden soll. Der Denkmalverein Hamburg nannte die zwischen 1914 und 1926 errichtete Konstruktion ein „gefährdetes Wahrzeichen“. Die Arbeiten waren vom Ersten Weltkrieg unterbrochen worden, die Entwürfe stammten von den Oberbaudirektoren Gustav Leo und Friedrich Sperber. Als „Fachwerkbogenträger mit Zugband“ werden die sog. Deutschen Bögen – nur selten wurden sie wie hier in Hamburg zweigeschossig ausgeführt – als Denkmal von nationalem Rang eingestuft. Damit erhielten Fußgänger:innen, Eisenbahn und Autoverkehr die Gelegenheit, die Elbe zu kreuzen. Das Obergeschoss war für U-Bahnzüge vorgesehen, deren Strecke allerdings nie in Betrieb genommen wurde.

Die Vorstellungen über die Zukunft des Ingenieurbaukunstwerks gingen auseinander. Ein Gutachten der TU Cottbus sprach 2018 von einer ausgezeichneten Stahlqualität und einem guten Erhaltungszustand. Zudem biete sich hier die Chance, das brachliegende Obergeschoss etwa für einen Fußgänger- und Fahrradweg zu erschließen. Demgegenüber sah die Hafenverwaltung (Hamburg Port Authority, HPA) eine marode Brücke und forderte den Abriss. Eine Sanierung sei zu aufwendig und teuer. An die Stelle der denkmalgeschützten Konstruktion wäre dann ein historisierender Neubau getreten. Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab: Während man das gesamte Untergeschoss und im Mittelteil auch das Obergeschoss austauscht, werden die beiden rahmenden Obergeschosse denkmalgerecht instandgesetzt. Damit bleibt zumindest ein Teil der geschützten Originalsubstanz erhalten. 2024 sollen die Arbeiten, deren Gesamtkosten auf 160 Millionen Euro geschätzt werden, abgeschlossen sein. (kb, 22.2.21)

Hamburg, Freihafen-Elbbrücke (Bild: GeorgHH, PD, 2007)

Frisch saniert abgerissen

Erst wird saniert, dann abgerisen – es klingt nach einem Schildbürgerstreich, was sich gerade in Nordrhein-Westfalen abspielt. Die Fleher Brücke, eine Rheinquerung der Autobahn A 46 zwischen Düsseldorf und Neuss, soll trotz einer zurzeit laufenden Sanierung abgerissen werden, wie die NRZ berichtet. Zwar werde schon seit über einem Jahr an der Konstruktion der filigranen Schrägseilbrücke gearbeitet, doch es zeichne sich ab, dass eine dauerhafte Erhaltung nicht möglich sei. Deshalb habe die landeseigene Bauverwaltung Straßen.NRW mit der Planung für einen Neubau begonnen.

Zwischen 1976 und 1979 entstand die Brücke mit ihrem charakteristischen Pylon. Entworfen wurde sie von dem Architekten Gerd Lohmer und dem Bauingenieur Fritz Leonhardt. Die Fleher Brücke war nicht ihre erste gemeinsame Arbeit gewesen. Beide waren bereits in den 1930er Jahren für Brückenbauten der Reichsautobahn verantwortlich gewesen und kannten sich aus dieser Zeit. Nach 1945 zeichneten sie für viele weitere Brücken verantwortlich, darunter etwa die Deutzer Brücke und die Severinsbrücke in Köln. Leonhardt schuf 1956 mit dem Stuttgarter Fernsehturm ein bekanntes Wahrzeichen der Stadt und zugleich den ersten Stahlbeton-Fernsehturm der Welt. Doch auch die Prominenz ihrer Erbauer dürften die Fleher Brücke nicht retten können. (mk, 24.11.20)

Neuss, Fleher Brücke (Bild: Mindax25, CC BY-SA 4.0)

Düsseldorf schützt die Nachkriegsmoderne

Düsseldorf schützt Nachkriegsmoderne

Düsseldorf, Theodor-Heuss-Brücke, 2016 (Bild: joschi71, CC BY SA 4.0)
Eines der Baudenkmale der Nachkriegsmoderne in Düsseldorf: die 1957 eröffnete Theodor-Heuss-Brücke, 2016 (Bild: joschi71, CC BY SA 4.0)

„Zu der erhaltenswerten Bausubstanz einer Stadt gehören nicht nur Bauten, die älter als der Zweite Weltkrieg sind. Sondern auch Bauten der Nachkriegsmoderne“. Mit diesen Worten zitieren die Düsseldorfer Nachrichten (WZ) Jörg Heimeshoff, den damaligen Leiter der Denkmalschutzbehörde der Stadt Düsseldorf. Schon 2015 betonte man hier die wachsende Bedeutung der Nachkriegsmoderne, was sich folgerichtig auch in den Unterschutzstellungen niederschlägt.

Hierbei beruft man sich 2017 ausdrücklich auf das BDA-Positionspapier „Bauen braucht Haltung“ (2016). So finden sich im Jahresbericht der Behörde (im poetischen Amtsdeutsch heißt das: „Öffentliche Informationsvorlage 41/12/2017. Bericht des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege über das Jahr 2016“) auch verschiedene frischgebackene Denkmale der Architekturmoderne: z. B. das Bürohochhaus der Merowinger Straße 103 (1956, P. Steinebach), das Gebäude in der Berliner Allee 69 ( 1959, T. Miller), die Bergische Kaserne in Hubbelrath (1937/ 38, C. Bassler) oder das „Ehrenmal“ an der Anton-Betz-Straße (1957). Für viele dieser Bauten steht nun die Sanierung an, darunter etwa die 1957 (Friedrich Tamms, Fritz Leonhardt u. a.) fertiggestellte Theodor-Heuss-Brücke. Auch am Umgang mit dieser gattungsbildenden Schrägseilbrücke wird sich erweisen müssen, welche Bedeutung der Denkmalpflege in der Abwägung der Güter dann tatsächlich beigemessen wird. (kb, 4.3.17)