Schlagwort: Brutalismus

Tetrasoap (Bild: tetrasoap.com)

Wasch-Beton

Diese Neuheit verspricht nicht weniger als eine Revolution, „a soap revolution“. Tetrasoap kommt in kantiger Betonoptik daher. Sie erinnert, und soll das auch, an die Tetrapoden, eine französische Erfindung der 1940er Jahre. Mit diesen Betonformsteinen, die in der Folge in zahlreichen Ländern dem Küstenschutz, dem Dammbau und der Hafenbefestigung dienen, waren Wellenbrecher rasch und kostenfrei herstellbar. Teils wurden die seriell gefertigten Tetrapoden auch als Panzersperren eingesetzt.

Für die Tetrasoap setzen die Hersteller auf natürliche Materialien, die von Hand verarbeitet werden. Doch die Form soll nicht nur schick aussehen, sondern auch das „Wegglitschen“ verhindern. Denn auch stark heruntergewaschen, bleiben dem Nutzer immer noch die griffigen vier „Füße“. Die Idee entstand 2003, wurde kontinuierlich weiterentwickelt und vor einigen Monaten mit einer Crowdfunding-Aktion bei „kickstarter“ in die serielle Produktion gehoben – und kann jetzt in schicker Verpackung online bestellt werden: einzeln oder als „Jahres-Abo“. (kb, 23.5.18)

Tetrasoap (Bild: tetrasoap.com)

Iserlohn, Rathaus (Bild: Sauerlandtom, via mapio.de)

Rathaus Iserlohn soll „kernsaniert“ werden

Bis 1974 war die Welt in Iserlohn noch in Ordnung: Da gab es ein malerisches Rathaus, das der Architekt Wilhelm Raffloer 1875 im verspielten Stil der Neorenaissance gestaltet hatte. Doch seit Mitte der 1970er Jahre dient dieser Bau als Stadtbücherei, denn Iserlohn hatte nach rund 100 Jahren ein neues Rathaus erhalten. Ein Architektenteam unter der künstlerischen Oberleitung von Ernst Dossmann brachte die zuvor über die Stadt verteilten Verwaltungsfunktionen von 1972 bis 1974 in einem klaren kantigen Betonbau am Schillerplatz zusammen.

Und diese Betonschönheit steht seit der Jahreswende unter Denkmalschutz. Noch 2014, zum 40-jährigen Jubiläum der Einweihung, hatte man – im Zuge der avisierten Neugestaltung des Schillerplatzes – laut über einen Neubau nachgedacht. Nun ist von einer „Kernsanierung“ Anfang der 2020er Jahre die Rede. Der neue Schutzstatus wird dabei auch die Denkmalpflege mit an den Verhandlungstisch bringen. Zusätzlich wirft die Stadt mit ihrem neuen Kulturdenkmal ein Auge auf Fördertöpfe wie für die „Regionale 2025“. Während der Betonbau heute vor Ort nicht nur geliebt wird, war man 1974 voller Stolz. In einer Broschüre zur Einweihung hieß es: „Das Auffälligste am neuen Rathaus ist seine Schönheit.“ Dem haben wir nichts hinzuzufügen. (kb, 25.3.18)

Iserlohn, Rathaus (Bild: Sauerlandtom, via mapio.de)

Neu-Ulm, Donaucenter (Bild: Peter Liptau, 2018)

Neu-Ulm: Donaucenter wird saniert

Als moderner Gegenpart zur historischen Ulmer Stadtkulisse – direkt gegenüber auf der anderen Donauseite, im anderen Bundesland – wurde es gebaut: Das Donaucenter Neu-Ulm entstand von 1971 bis 1974 nach Plänen des Stuttgarter Architekten H. M. Wein, aus dessen Feder wiederum auch das frühere Ulmer Universum-Center-Hochhaus stammt. Beide eine „Trabantenstadt in der Stadt“. Nachdem das Donaucenter schon 1980 wegen Betonschäden an der Fassade saniert werden musste, geriet es auch 2012 bis 2014 wegen eines Legionellenbefalls in die Presse. Über ein Jahr durften die fast 500 Bewohner nicht mehr duschen. Bis heute ist die Warmwasserversorgung problematisch.

Doch nun spricht man von einer generellen Sanierung der Fassade, die sich aktuell noch in ihrem Ursprungszustand zeigt: streng horizontal ausgerichtete, beigegraue Mauerteile und Brüstungen, dunkelbraune Fensterrahmen und Wandelemente. Bewegung kommt in die Außenhaut nicht nur durch die Knicke, sondern auch durch die unterschiedlichen (festgeschriebenen) Rot-, Gelb- und Orangetöne der Verschattungs- und Verdunklungselemente. Die geplante Sanierung sorgt nun aber bei den Bewohnern für Unmut. Die Rücklagen der Hausgemeinschaft reichen für die knapp 8 Millionen Euro Sanierungskosten nicht aus. So kommen auf jede Wohneinheit, je nach Quadratmeterzahl, zwischen 4.500 und 15.000 Euro zu. Wie die Fassade zukünftig aussehen wird, ist aktuell noch unklar. (pl, 14.3.18)

Neu-Ulm, Donaucenter (Bild: Peter Liptau, 2018)

Brutalistische Schokoladenkreation (Bild: Kia Utzon-Frank)

Brutolade

Schon länger haben wir uns den Hinweis auf Beton-Lifestyleprodukte verkniffen, es wurde einfach inflationär. Aber für Schokolade müssen wir eine Ausnahme machen. Gleich zweimal hat der Brutalismus-Hype Eingang in die Welt der Süßwaren gefunden. In London bietet Kia Utzon-Frank in Zusammenarbeit mit dem Barbican und der KitchenAid spezielle Schoko-Kurse an. Es werden gemeinsam Kreationen erarbeitet, die zwar nach Beton aussehen, aber wesentlich besser schmecken. Noch sollen Termine für den 3. März frei sein.

Den anderen Weg geht der Designer Jochen Korn. Er vertreibt eine „Beton-Schokolade“, die ausdrücklich nicht zum Verzehr gedacht ist. Stattdessen lassen sich darauf die Kaffekanne, der heiße Topf oder andere Küchenutensilien abstellen. Der haltbare Riegel soll sich ebenso als Mitbringsel oder „Deko-Extra“ eignen. Alle verschenkenden Männer oder Busenfreundinnen seien aber gewarnt. Es könnte zu schlechtgelaunten Rückfragen kommen („Du denkst also, ich sollte besser keine Schokolade essen?“). (kb, 21.2.18)

Brutalistische Schokoladenkreation (Bild: Kia Utzon-Frank)

Edvard Ravnika, Ljublijana, Platz der Revolution (heute Platz der Republik), 1960-74 (Bild: Valentin Jeck/Museum of Modern Art, New York, 2016)

A Concrete Utopia

Der frühe Vogel kann uns mal – obwohl, bei Überseereisen kann er äußerst nerven- und portemonnaieschonend sein. So lohnte es sich, jetzt schon den nächsten New-York-Trip zu planen, denn hier wartet ab dem 15. Juli diesen Jahres eine sehenswerte Beton-Schau. Mit „Toward a Concrete Utopia“ bietet das dortige Museum of Modern Art (Moma) einen Rundumblick auf die moderne Architektur im Jugoslawien der Jahre 1948 bis 1980. Zwischen dem kapitalistischen Westen und dem sozialistischen Osten unterlagen die Architekten Jugoslawiens widersprüchlichen Wünschen und Anforderungen. Es entstanden Bauten vom eleganten Wolkenkratzer im Internationalen Stil bis zum schweren sozialistischen Brutalismus.

Die Ausstellung folgt diesem weiten Bogen von großangelegten stadtplanerischen Entwürfen über Alltagsarchitektur bis zu zeichenhaften Monumenten. Gezeigt werden mehr als 400 Zeichnungen, Modelle, Fotografien und Filme aus öffentlichen Archiven, Familiennachlässen und regionalen Museen. Mit dabei sind Architekten wie Bogdan Bogdanović, Juraj Neidhardt, Svetlana Kana Radević, Edvard Ravnikar, Vjenceslav Richter und Milica Šterić oder Gebäude von der Weißen Moschee im ländlichen Bosnien bis zu den expressiven Häuserblöcken in „Neu Belgrad“. Wer dann doch noch etwas mehr Planungsvorlauf braucht, der kann sich bis zum 13. Januar 2019 Zeit nehmen, dann schließt die Moma-Ausstellung. (kb, 31.1.18)

Edvard Ravnika, Ljublijana, Platz der Revolution (heute Platz der Republik), 1960-74 (Bild: Valentin Jeck/Museum of Modern Art, New York, 2016)