FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

von Johann Gallis und Albert Kirchengast (20/4)

Im Schatten von Wien keimten nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder regionale Tendenzen mit eigenständig architektonischer Haltung auf – als wolle man sich gegenüber dem kulturellen Schwergewicht der Metropole behaupten. Doch während die Vorarlberger Baukünstler und die Grazer Schule international bekannt wurden, ist der Burgenländische Brutalismus bislang kaum auf fachliches Interesse gestoßen. Dabei entstand er in einem besonderen Spannungsfeld zwischen Gesellschaft, Politik und kultureller “Entwicklungshilfe”. Eine differenzierte Neubewertung der österreichischen Architekturlandschaft nach 1945 steht also noch aus. Ihre leise Wiederentdeckung wird derweil vom massiven Verlust spätmoderner Bauten begleitet, was ihr freilich einen makabren Beigeschmack verleiht. Anders verhält es sich (zum Glück) mit der Sauerbrunner Sparkasse in Mattersburg.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Straßenansicht, Einreichplan von Herwig Udo Graf, 1970 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

“Auf der Überholspur”

Beim Burgenland, dem “Land an der Grenze”, sind es nach 1945 vor allem die beiden Architekten Matthias Szauer und Herwig Udo Graf, die das Baugeschehen über Jahrzehnte prägen. Im Werk des Letzteren sticht die Mattersburger Sparkasse besonders hervor. Seine sonst oft ausgreifend-plastische Gestik wird hier sensibel eingebunden. Unweit des ersten burgenländischen Hochhauses gelegen, Teil des neuformulierten Ortszentrums, schreibt sich die Sparkasse ein in die Geschichte der modernen Neudeutung einer kleinstädtischen Urbanität.

Im Burgenland der 1950er Jahre wirkt der Verlust seiner ehemaligen urbanen Zentren lange negativ nach. Sie verbleiben 1921 bei Ungarn, als man das schmal-lange Bundesland endgültig zu Österreich schlägt. An der östlichen Staatsgrenze verläuft nun der Eiserne Vorhang. Der Lebensstandard des agrarisch geprägten Landstrichs liegt weit unterhalb des österreichischen Durchschnitts. Erst durch die langsame Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und einen gravierenden politischen Wechsel (1964 stellt die SPÖ erstmals den Landeshauptmann) macht sich eine Aufbruchsstimmung bemerkbar. Mit einem ehrgeizigen öffentlichen Investitionsprogramm soll der Rückstand schnell aufgeholt werden. Man befindet sich “auf der Überholspur”, um die Worte des charismatischen Landeshauptmanns Theodor Kery zu bemühen. Die politisch gewollte Modernität soll sich im Bau von Straßen und längst nötigen öffentlichen Infrastrukturen ausdrücken – eine neue gesellschaftliche Identität wird errichtet.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Bauarbeiten, 1971 (Bild: © Archiv Dominik Plank)

Burgenland-Brutalismus

Auf Bauschaffende wirkt dieses Klima naturgemäß stimulierend. Man sucht nach dem Studium wieder Fuß im Land zu fassen – so auch der 1940 geborene, bei Karl Schwanzer an der Technischen Hochschule diplomierte Mattersburger Herwig Udo Graf. Gerade beginnt er, sich vorzüglich an der Schweizer Sichtbetonarchitektur seiner Zeit zu orientieren. Ein Stil, der das Burgenland künftig flächendeckend verwandeln wird: Schulen, Altenheime, Gemeindeämter, Hallenbäder, ein Krankenhaus, aber auch Leichenhallen und nicht zuletzt die in Österreich einzigartigen Kulturzentren (KUZ) verleihen dem ländlichen Raum eine Neudeutung. Diese Brutalismus-Variante entspricht weder dem anonymen Bauen, noch dem Häuslbauer-Stil oder der funktionalistischen Moderne. Man hatte eine neue Symbolform gefunden.

Neben der öffentlichen Hand sind es indes auch lokale Bankinstitute, meist kommunale Sparkassen und Raiffeisenverbänden, die sich mehr Platz und Repräsentation leisten können (und müssen). In Mattersburg entschließt sich 1970 auch die Sauerbrunner Sparkasse dazu, ihre Bankfilliale entsprechend aufzuwerten. Ein Neubau soll auf einem Nachbargrundstück des Bestandsbaus aus den 1950er Jahren errichtet werden. Die Wahl fällt auf den Architekten Herwig Udo Graf.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Straßenseite, 1978 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

Scharnier zur Geschichte

Der Stadterneuerung fällt zunächst ein biedermeierliches Wohnhaus zum Opfer. Am benachbarten modernistischen Bezirksgericht von Egon Presoly muss zeitgleich ein Bauwerk aus dem 17. Jahrhundert weichen. Damit entsteht in der Gustav-Degen-Gasse eine schwierige Situation: Die im Westen anschließende Bebauung springt um sieben Meter aus der Flucht. So wird die neue Sparkasse zum Bindeglied, wie der Architekt in seiner Baubeschreibung festhält: “Dieser Umstand wurde durch eine gelenkartige Ausbildung des Stiegenhauses Rechnung getragen.” Auf einem rechteckigen Grundriss erhebt sich nun ein zweigeschossiger Trakt, der im Obergeschoss über die alte Bauflucht auskragt. Der Betonzylinder, einem Wehrturm nicht unähnlich, dient als Scharnier zum südwestlich gelegenen Bezirksgerichtsvorgarten. Damit wird zugleich der horizontale Hauptbau konterkariert sowie der Eingang zu Windfang, Kassenhalle, Direktionsbüro und Nebenräumen mit vertikalen “Schießscharten” markiert.

Dieser quasi öffentliche, nach innen luftige Zylinder erschließt ein extern genutztes Büro im Obergeschoss. Mit dem angegliederten zweigeschossigen Betonkubus kann sich Graf in den Bestand einfügen und diesen neu definieren. Dass der Altbau der 1950er Jahre daneben tatsächlich alt wirkt, überrascht nicht. Schon ein Jahr vor Planungsbeginn schreibt Graf 1969 in einer seiner wenigen theoretischen Stellungnahmen: “Die künstliche Wiederbelebung bereits musealer architektonischer Formprinzipien kann nicht das Ziel sein”. Vielleicht verweist der Sparkassen-Turm aber doch auch auf den abgebrochenen Erker des Bezirksgerichts?

Mattersburg, Bank Austria, Filiale Mattersburg, um 2020 (Bild: Johann Gallis)

Die Umgebung im Blick

Der Brutalismus behandelt die Geschichte ja bekanntlich nicht immer “brutal”, seine Kritik gilt vor allem der “weißen Moderne”. Wird die gesamte Straßenfassade der Mattersburger Sparkasse auch in schalreinem Beton ausgeführt, kann das Obergeschoss doch als Neudeutung eines Renaissance-Erkers gelten – die Fenster- und Portalkonstruktionen aus Mahagoni, das auskragende Obergeschoss mit Fensterband, vorgelagertem Blumentrog und einer betonten Attika-Zone.

Bei der Freiraumgestaltung arbeitet Graf immer wieder nach einem ähnlichen Prinzip. Ein kleiner, der Bauflucht folgender Ziergarten wird vorgelagert und durch eine niedrige gestaffelte Betonmauer begrenzt. In Mattersburg dient dort eine Betonplastik mit stilisiertem Sparkassenlogo zugleich als Einwurfschacht in den unterirdischen Tresorraum. Der Eingangsbereich aus Waschbetonplatten wird von einem Becken mit Wasserspeier flankiert, das den Regenabfluss des Vordaches aufnimmt. Graf zeigt sich damit sensibel für sein Umfeld, sogar inmitten einer Stadt, wie er es im bereits erwähnten Text formuliert: “Die Substanz, mit der sich der Architekt befassen muss, ist in erster Linie die Natur, die Landschaft”, denn “jegliches Bauen beraube ein Stück der Erdoberfläche seiner Natürlichkeit.”

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Kassenhalle, 1972 (Bild: © Archiv Dominik Plank)

Großzügig und großstädtisch

Im Inneren der Sparkasse fühlte man sich ganz am Puls der Zeit, wie historische Aufnahmen belegen. Auch die Büro- und Bankmöblierung übertraf die Vorgängerfiliale an Großzügigkeit und großstädtischen Flair. Gediegene Interieurs, dunkel furnierte Holzpaneele, Kunststeinböden, eine Lichtdecke oder Spannteppiche, bis zum Boden reichende Stoffvorhänge und nicht zuletzt die Teil-Bespannung der Wandelemente mit Jutetapete schufen den für Graf typischen Kontrast: außen Brutalismus, innen gehobene Wohnarchitektur. Dies verwundert nicht, sorgte Graf doch vor allem in seinem Frühwerk für die Einrichtungen zahlreicher Privathäuser – ein Metier, für das er sich schon als Praktikant in Skandinavien interessiert hatte.

Als die Mattersburger Bank fusionierte, wurde Graf in den 1990er Jahren mit Umbaumaßnahmen betraut. Er öffnete den Kassenraum, gliederte ihn in mehrere Kundenzonen und fand neuerlich zu einer zeitgemäßen Sprache in “harter Schale”. Die repräsentative Straßenfassade wurde nach heutigen denkmalpflegerischen Standards restauriert, der Sichtbeton an Schadstellen saniert, sonst nur gereinigt und an den hochwertigen Holzteilen fachmännisch überholt. Auch in dieser Hinsicht bildet die Sparkasse bis heute einen seltenen Glücksfall im burgenländischen Baugeschehen.

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Wendeltreppe, 1978 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

Baudaten

Ort: Mattersburg, Gustav-Degen-Gasse 15

Architekt: Arch. DI Herwig Udo Graf, Mattersburg

Mitarbeit: DI Helmut Herschel

Planung: 1970

Realisierung: 1970–72

Ausführung: Baumeister Rudolf Strodl, Mattersburg

Statik: DI Roman Fedorcio, Mattersburg

Künstlerische Gestaltung: Emaille-Wandtafeln, Hannelore Knittler-Gesellmann, Wien/Mattersburg

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Grundriss, Einreichplan von Herwig Udo Graf, 1970 (Bild: © Architekturzentrum Wien, Sammlung, Vorlass Herwig Udo Graf)

Literatur

Graf, Herwig Udo, Planen, Bauen, Wohnen, in: Peisonia, parteiunabhängige Zeitschrift für Burgenland 1969, 1, S. 4.

50 Jahre Gemeindesparkasse in Sauerbrunn, hg. von der Gemeindesparkasse in Sauerbrunn, Broschüre, 1977, Eigenverlag.

Graf, Herwig Udo, 10 Jahre freischaffende Tätigkeit, 1968-1978, Broschüre, 1978, Eigenverlag.

Gallis, Johann, Bauen für das moderne Burgenland, das Frühwerk der Architekten Matthias Szauer und Herwig Udo Graf, Masterarbeit, Institut für Kunstgeschichte Universität Wien, 2020.

Gallis, Johann/Kirchengast, Albert/Tenhalter, Stefan, Die Nachkriegsmoderne im Burgenland. Bericht einer Bestandsaufnahme, in: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege 2020, 3/4 (erscheint im Dezember 2020).

Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Kassenraum im Altbau, 1970 (Bild: © Archiv Dominik Plank)

Titelmotiv: Mattersburg, Sparkasse Sauerbrunn, Weltspartag in der Sparkasse, 1980er Jahre (Bild: © Archiv Sonja Sieber)

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Herbst 2020: Schöner sparen

LEITARTIKEL: Mit leichtem Schaudern

LEITARTIKEL: Mit leichtem Schaudern

Kirsten Angermann über spätmoderne “Sparkassenarchitektur” – mit Fotografien der mR-Leser.

FACHBEITRAG: Rotierende Röhren

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Klaus Jan Philipp über den dramatischen Auftritt der Kreissparkasse Ludwigsburg.

FOTOESSAY: Monetäre Interieurs

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Raffael Dörig über die Bank-Innenaufnahmen des Fotografen Beat Jost.

FACHBEITRAG: Strifflers Banken

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Eva Seemann über bislang übersehene Bauten des Architekten Helmut Striffler.

FOTOESSAY: Bodenständige Extravaganz

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Jiří Hönes porträtiert Sparkassen im Raum Stuttgart.

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

FACHBEITRAG: Die Geldmaschine

Eva Dietrich über ein besonderes Relief in Dortmund-Sölde.

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

FACHBEITRAG: Kleinstädtisch urban

Johann Gallis und Albert Kirchengast über die brutalistische Sparkasse von Mattersburg.

FACHBEITRAG: Subtiler Wechsel

FACHBEITRAG: Subtiler Wechsel

Christoph Klanten über seine Kindheitserinnerungen an die Sparkasse Bottrop.

SPOILER: Best of 1990s

SPOILER: Best of 1990s

moderneREGIONAL startet 2021 ein Online-Projekt zur Architektur der 1990er Jahre.

Marl, Hotel “Marschall 66”

von Heiko Haberle (18/1)

Marl und Wulfen standen schon seit einer Weile auf meiner Liste abseitiger Reiseziele, die ich irgendwann sehen wollte. Aber auf eigene Faust unternimmt man so eine Reise ja dann doch eher selten – erst recht nicht, wenn man kein Auto besitzt. Und mit wem überhaupt? Wer fährt schon lieber nach Marl als nach Mallorca? Selbst unter Architekten ist die Stadt ja weniger bekannt als das indische Chandigarh (Le Corbusier) oder Park Hill bei Sheffield (die Smithsons). Als Individualreisender gelangt man außerdem selten in die Gebäude hinein, wegen der man eigentlich angereist ist und kommt höchstens mal zufällig in Kontakt mit Nutzern und Bewohnern. Meist ist dieser Kontakt dann von Misstrauen geprägt, denn nur wenige verstehen, warum man sich für ihre selber als hässlich bis bestenfalls als unbedeutend empfundenen Wohn- oder Arbeitsstätten interessiert.

“100 Stunden Brutalismus”

Da traute ich meinen Augen kaum, als ich von den “100 Stunden Brutalismus” (und Nachkriegsmoderne und Skulpturen Projekte Münster) der Initiative Ruhrmoderne las. Für einen eher symbolischen Preis wurden im Juli 2017 drei Tage geballt voll mit Führungen, Vorträgen und Unterkunft im inoffiziellen Hotel “Marschall 66” angeboten: für mich ein echter Traumurlaub! Anstatt in einem anonymen Hostel, würde man direkt im Studienobjekt Marl Mitte, in der kurzerhand als Tagungszentrum hergerichteten ehemaligen Hauptschule von Günther Marschall aus den Jahren 1966/67 wohnen. Trotzdem rechnete ich durchaus mit Jugendherbergsambiente, stellte mir vor, dass alle Gäste in einem Klassensaal oder einer Turnhalle auf Feldbetten schlafen würden.

In der Weite des Klassenraums

Umso größer dann die Überraschung: Jeder bekommt seinen eigenen Klassenraum! Mit eigenem Hof natürlich. In der Weite des Saals steht ein frisch bezogenes, richtiges Bett, am Fenster ein Schultisch und darauf eine Flasche mit selbstgepflückten Blümchen. Das Arrangement wirkt improvisiert aber auch durchdacht und liebevoll. Einen der beteiligten Professoren erwische ich bei der Inspektion des Ensembles in meinem Zimmer.

Nicht nur der bekannte Tisch weckt Erinnerungen an meine eigene Schulzeit, sondern auch das Gebäude als Ganzes. Es ähnelt meinem Gymnasium in Darmstadt, einem  Bau von Hans Schwippert von 1960. Es ist ebenfalls als weitläufiger Teppich aus sich abwechselnden Klassensälen und Höfen angelegt. Verglaste Gänge verbinden die Räume mit der Pausenhalle. Dort allerdings in rotem Backstein ausgeführt und mit einer Wellenbewegung aus abwechselnd ansteigenden und abfallenden Pultdächern. Ich weiß noch, wie ungewohnt ich das nicht als klassisches Haus erfassbare Gebäude anfangs fand, war doch meine Grundschule zuvor ein etwas düsterer, gründerzeitlicher Schulbau mit Mittelgang, hohen Decken und großer Treppenhalle gewesen.

Nachts in der Schule

Hier in Marl würde ich alles nachholen können, was früher nicht möglich war: nachts in der verwaisten Schule umherwandeln, ins sagenumwobene Lehrerzimmer vordringen, aus dem Fenster in den Hof steigen (Die Höfe meiner Schule waren leider immer verschlossen). Nur meinen Lieblingssitzplatz von früher – die eigentlich sehr unbequeme aber eben warme Heizung in der Pausenhalle – hat Marschall mir vorenthalten. Um das Niederlassen zu verhindern, hat er sich für die Marler Schule ein fieses bauliches Detail ausgedacht: einen Metallbügel in Bauchhöhe über dem Heizkörper. Man kann sich aber wie in der Achterbahn dahinter klemmen und dann umso besser die Arme abstützen.

Auch der straffe Stundenplan der “100 Stunden Brutalismus” aus Führungen, Vorträgen und Diskussionen mit nur wenigen Pausen dazwischen erinnert etwas an Schule. Und wie auf Klassenfahrt müssen die Schüler (bzw. die Hotelgäste) stets angetrieben werden, um rechtzeitig am Bus zu sein. Der große Unterschied ist natürlich, dass auf dem Stundenplan nur Lieblingsfächer stehen, man den Exkursionszielen geradezu entgegen fiebert und die “Mitschüler” Gleichgesinnte sind. Während ich sonst im Freundeskreis recht alleine dastehe mit meinen Vorlieben für nicht ganz leicht verdauliche Architektur und eher sperrigen Städtebau, bringen die 100 Stunden in Marl die Erleuchtung: Es gibt auch noch andere Freaks!

“Resort” mit Kulturfaktor

Eine ehemalige Schule, die zwischenzeitlich vom Abriss bedroht war, mit einfachen Mitteln zum Ort für Begegnungen, Ausstellungen und vorübergehendes Wohnen zu machen, zeigt nicht nur die Wandelbarkeit und Zeitlosigkeit dieser Architektur. “Marschall 66” ruft als “Resort” mit Kulturfaktor zur Nachahmung auf. Viel mehr leerstehende Bauten könnten auf solch eine Art zwischengenutzt und umdefiniert werden. In der Architektur zu wohnen ist schließlich die eindrücklichste Art der Vermittlung.

Marl, ehemalige Hauptschule (Bild: Ekaterina Vititneva/Ruhrmoderne)

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Winter 18: Im Hotel

Portugal, Hotel Arribas

Portugal, Hotel Arribas

Chrstina Gräwe an einem ikonischen Wim-Wenders-Drehort.

Erfurt, Gästehaus

Erfurt, Gästehaus

Dina Dorothea Falbe besucht das “Rote Kloster”.

Costa Brava, Hotel Parador de Aiguablava

Costa Brava, Hotel Parador de Aiguablava

Uta Winterhager sieht Stil bis ins Detail.

Marl, Hotel "Marschall 66"

Marl, Hotel “Marschall 66”

Heiko Haberle über 100 Stunden im “Brutalismus-Hotel”.

Pjönjang, Ryugyŏng-Hotel

Pjönjang, Ryugyŏng-Hotel

C. Julius Reinsberg über zeichenhafte Unvollendetheit.

Wien, Hotel Daniel

Wien, Hotel Daniel

Daniel Bartetzko wählt das Hotel seines Namens.

Jerusalem, Beit Belgiyah

Jerusalem, Beit Belgiyah

Karin Berkemann in einem modernen Rundtempel.

FACHBEITRAG: Brutalismus für Betagte

von Gerhard Kabierske (22/2)

Die Betonfassade war vielen Karlsruherinnen und Karlsruhern ein Stein des Anstoßes: Ausgerechnet an der Aufgabe Altersheim demonstrierte der Architekt Reinhard Gieselmann (1925–2013) seine eigenwilligen Vorstellungen, und ausgerechnet mit dem spektakulären Neubau in einer der Radialstraßen im Zentrum der Fächerstadt, die das sonst verlorene Bild der klassizistischen Residenzstadt einigermaßen bewahrt hatte. Weder dem, was sich damals ältere Menschen unter einer ‘schönen’ Architektur für ihren letzten Lebensabschnitt vorstellten, noch dem, was als Einordnung in einen städtebaulichen Kontext verstanden werden konnte, entsprach dieser Bau. Er war bei seiner Fertigstellung 1967 schlichtweg ein Akt der Selbstdarstellung. Aus heutiger Perspektive gesehen, hat Gieselmann der Stadt zu einem überregional bedeutenden Zeugnis des Betonbrutalismus verholfen.

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Erdgeschossgrundriss der Gesamtanlage (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT))

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Erdgeschossgrundriss der Gesamtanlage (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT))

Ein besonderer Auftrag

‘Licht, Luft, Sonne’, die Doktrin der Moderne, galt in der Nachkriegszeit auch beim Bauen für Betagte. Selbstverständlich sollten sie am neuen ‘befreiten’ Lebensgefühl teilhaben. Alten- und Pflegeheime entstanden deshalb gerne als Solitäre in Neubaugebieten, wo die ‘gesunde’ Ausrichtung nach Himmelsrichtungen sowie umgebendes Grün gewährleistet waren. Funktion und Hygiene schien Genüge getan, wenn sich die Zimmer mit Balkon und Waschbecken schematisch entlang eines Flurs aufreihten, die gemeinschaftlichen Sanitärräume nicht allzu weit vom Zimmer entfernt waren und auch ein Personenaufzug nicht fehlte.

Ein neues Heim in einer Kriegslücke an einer viel befahrenen Innenstadtstraße zu bauen, war eher die Ausnahme. 1960 hatte das Deutsche Rote Kreuz (DRK) den Architekten Alfred Fischer (1889–1969) mit einem Gutachten beauftragt, wie das verbandseigene Grundstück an der Stephanienstraße intensiver genutzt werden könnte. Nach der Trümmerräumung diente es nur als Stellplatz für die DRK-Krankenwagen. Hier stand auch eine Baracke als provisorische Einsatzzentrale. Fischer schlug für das schmale und tiefe Areal eine Heimnutzung vor. Da es in Karlsruhe an Altenheimplätzen mangelte und überdies eine Finanzierung möglich war, entschied man sich für ein solches Projekt. Die Stadt stimmte baurechtlich zu. Da Fischer aus Altersgründen die weitere Planung nicht übernehmen wollte, brachte er seinen damals erst 36-jährigen Schwiegersohn Reinhard Gieselmann als Architekten ins Spiel. Ohne personelle Alternative oder einen Wettbewerb erhielt dieser 1962 den Auftrag.

Bald stand sein Konzept eines Heims für rund 70 alte Menschen: Die Krankenwagen wurden in eine Tiefgarage verbannt. Die zugehörigen Wartungs- und Einsatzräume verortete man ebenso im Tiefgeschoss und belichtete sie über einen Lichtgraben im hinteren Grundstücksteil. Die Bauflucht an der Straße sollte durch einen viergeschossigen Trakt geschlossen werden, der sich entlang einer Brandmauer zum Nachbargrundstück nach hinten entwickeln und diese verdecken sollte. Ferner sollte ein zweigeschossiger Querriegel dahinter das Grundstück in der Tiefe teilen sowie inmitten des baumbestandenen, rückwärtigen Grundstücksteils eine eingeschossige bungalowartige Baugruppe mit Altenwohnungen entstehen. Im Grunde übernahm Gieselmann mit Vorderhaus, Seitenbau, Hinterhaus und Gartenhaus ein Bebauungsschema des 19. Jahrhundert, wie es sich auch in der Karlsruher Innenstadt finden lässt.

Ein Blick auf die ausgeführte Straßenansicht und den Erdgeschossgrundriss macht jedoch deutlich, dass der Architekt weitergehende Ambitionen hatte. Um so viel Sonnenlicht wie möglich einzufangen, wird die Fassade an der Straße mit Loggien und über Eck geführten Fenstern aufgebrochen. Auf der Rückseite ist die Baugruppe extrem in Höhe und Tiefe gestaffelt, die Fronten sind gebogen und abgetreppt. Aber man ahnt sofort: Es geht dem Architekten nicht nur um das Einfangen von Sonne, sondern vor allem um das Spiel mit plastischen Formen. Er liebt spannungsreiche Inszenierungen, im Äußeren mit einem ungewöhnlichen, fast dreieckigen Hofbereich, im Inneren mit expressionistisch-irrationalen Raumzuschnitten.

Reinhard Gieselmann (links) mit Oswald Matthias Ungers, 1957 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT))

Reinhard Gieselmann (links) mit Oswald Matthias Ungers, 1957 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT))

Ein engagierter Architekt

Reinhard Gieselmann baute keinen Standard, dafür war er schon zuvor bekannt. 1944 noch als 19-Jähriger zur Wehrmacht eingezogen, entschied er sich nach traumatischen Erlebnissen am Kriegsende höchst motiviert für ein Architekturstudium in Karlsruhe. Prägend wurde zunächst Egon Eiermann, bei dem er 1950 sein Diplom machte: mit dem Entwurf eines Motels an der Autobahn, für das er – typisch Eiermann-Schule – in einem Baukastensystem Container in Leichtbauweise aneinanderreihte. Die Ablösung von der Vaterfigur Eiermann begann, als er 1953 auf dem Motorrad bis Finnland fuhr und dort Alvar Aalto und seine Bauten kennenlernte. Zum Schlüsselerlebnis wurde im selben Jahr auch der CIAM-Kongress in Aix-en-Provence, auf dem Peter und Alison Smithson ihre ‘brutalistischen’ Bauten vorstellten und offen gegen die Meister der weißen Moderne der 1920er Jahre opponierten. Das Zusammentreffen mit Le Corbusier, der dem jungen Deutschen persönlich eine Wohnung in der gerade fertig gestellten Unité d’Habitation in Marseille zeigte, sollte ebenso nicht folgenlos bleiben.

Schon Gieselmanns erste eigene Bauten zeigen besondere Plastizität und Raumwirkung, den Einsatz von groben Materialien wie Sichtbeton, Backstein, Kalksandstein oder Rauputz. Er nahm damit Trends der 1960er Jahre vorweg. Belesen und interessiert an Architekturtheorie, promovierte er mit einer Arbeit über den modernen Kirchenbau und meldete sich zu aktuellen Themen mit aufmüpfigen Leserbriefen in Bauzeitschriften zu Wort. Mit seinem Freund Oswald Matthias Ungers verfasste er 1960 ein „Manifest zu einer neuen Architektur“. In 20 Thesen beschwor ihr „Credo des Subjektiven“ den Vorrang der künstlerischen Schöpfung vor Ratio und Technik in der Architektur. Sie müsse „Erlebnis des Körperhaften und Räumlichen“ sein. In diesem Sinne baute Gieselmann mehrere individualistische Einfamilienhäuser und eine erste Kirche, die deutlich Le Corbusier rezipierte.

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Straßenfassade, 1967 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Straßenfassade, 1967 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Béton brut in der Stephanienstraße

Beim Großprojekt für das Altersheim konnte Gieselmann in den 1960er Jahren alle Register seines baukünstlerischen Wollens ziehen, seine Liebe für Sichtbeton und eine neoexpressive raumbildende Architektur ausleben. Weder der Bauherr noch die Stadt redeten ihm bei der Gestaltung hinein. So wurde schon die Straßenfassade zu einem Manifest: Das hohe Erdgeschoss tritt nach außen als zurückgesetzte dunkle Sockelzone in Erscheinung, aus der nur die Rahmung von Eingang und Tiefgarageneinfahrt hervortreten.

Die drei aufgeständerten Wohngeschosse präsentieren sich wie ein abstraktes Relief, das durch vorkragende Wandteile, Rücksprünge der Fensternischen und dunkle eingetiefte Loggien eine stark plastische Struktur erhält. Um jedes Schema der dahinter gleichartig gereihten Zimmer zu vermeiden, sind die Öffnungen von Fenstern und Loggien in einem raffinierten Spiel von Symmetrie und Asymmetrie gespiegelt. Im Gegensatz zur Horizontalen wird der Kamin der Heizung im Untergeschoss turmartig als vertikaler Akzent in die Fassade gerückt, manieriert überdimensioniert, nach oben auskragend, in einem dreiteilig gestaffelten Kopf über der Traufe auslaufend und die breite Front wiederum asymmetrisch teilend.

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Eingangsbereich mit Blick in die Treppenhalle, 1967 vor Anbringung der Wandreliefs aus Majolika, in der Mitte eine der 'Säulen' mit Kapitell (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Eingangsbereich mit Blick in die Treppenhalle, 1967 vor Anbringung der Wandreliefs aus Majolika, in der Mitte eine der ‘Säulen’ mit Kapitell (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Im Inneren

Genauso expressiv gibt sich das Innere. Sichtbeton mit Kalksandstein-Ausmauerungen dominiert auch die Eingangshalle und den sich anschließenden, nach oben schachtartig über die gesamte Gebäudehöhe führenden Lichthof. In einem freistehenden Betonzylinder fährt der Personenaufzug nach oben, ebenso wird die zum Lichthof offene Treppe zum Blickpunkt. Beides erschließt die umlaufenden Laubengänge vor den Zimmern. Geradezu barock ist die Lichtregie mit einem pointierten Hell-Dunkel-Kontrast. Während an der Straßenseite das große Hallenfenster Seitenlicht spendet, fällt von oben indirekt Sonne durch einen über das Dach ragenden Aufbau mit umlaufendem Fensterband.

Die Hallenwand wird durch gerahmte, geschichtete Rechteckfelder gegliedert, die wie ein aus der Architektur heraustretendes Relief erscheinen. Später erhielten die Felder Majolikareliefs mit stark abstrahierten, vegetabilen Motiven des Meistermann-Schülers Karlheinz Overkott. Einen überraschenden Dekor bekamen auch die mächtigen zweiteiligen Rundstützen, deren kubisch verschachtelte Fantasiekapitelle die Decke tragen. Ebenso erstaunlich sind der Speisesaal und die Flure des rückseitigen Querbaus mit nicht alltäglichen Rauminszenierungen und der Härte der Materialien. Der Anspruch eines Gesamtkunstwerks wurde noch unterstrichen, indem Gieselmann auch die Möbel der Gemeinschaftsräume entwarf.

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Treppenhalle mit Laubengängen zur Erschließung der Zimmer, 1967 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Treppenhalle mit Laubengängen zur Erschließung der Zimmer, 1967 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Kritik und Anerkennung

Nicht nur bei Karlsruher Bürgerinnen und Bürger sorgte Gieselmanns Werk für Kopfschütteln. Es kam in der Gestaltungsfrage auch zum Zwist zwischen ihm und seinem Schwiegervater Alfred Fischer, der ihm den Auftrag vermittelt hatte. Und er bekam das Befremden der Karlsruher Kollegen zu spüren: „Sie wollten Funktion, ich: Struktur und Atmosphäre“, so fasste der Architekt selbst die Distanz zusammen, die er im regionalen Kontext fühlte. Dass „Brutalismus“ in Karlsruhe nicht gelitten war, lag an der Prägung durch die Schule von Egon Eiermann, der in seinen Vorlesungen das Altersheim „des Herrn G.“ sogar als Negativbeispiel vorführte. Beton, zumal plastisch geformter Sichtbeton, galt dem Liebhaber des Stahls und Perfektionisten in der Kunst der Fügung von Einzelelementen als geradezu anstößig. Man könne mit diesem Baustoff disziplinlos „alles machen“ und das Material anschließend nie wieder beseitigen. Mit negativen Gutachten torpedierte Eiermann in der Folge sogar zweimal Berufungen seines ehemaligen Schülers, mit dem er sich duzte und dessen Frau eine gute Freundin seiner Frau war.

Gieselmann wollte sich gegen die Vorbehalte wehren. In seiner Eröffnungsrede und in weiteren Texten erläuterte er den sozialen Aspekt seines Gebäudes: Ein Altersheim dürfe nicht nur reine Funktionen des Wohnens im Alter erfüllen, es müsse für die Seniorinnen und Senioren auch architektonische Reize bieten, Abwechslung wegen des im Alter immer enger werdenden Bewegungsradius. Das Haus müsse quasi die Stadt ersetzen, die selbst nicht mehr erlebt werden könne. Und er sah seine Formspielereien legitimiert durch Geschichte: Hatte nicht der Architekt Hermann Billing, dem er einen Aufsatz widmete, 1900 in der gleichen Straße ein Hauptwerk des Jugendstils hinterlassen, dessen Fassade auch gegen alle Konventionen verstieß?

Doch es gab keineswegs nur Kritik. In der überregionalen Fachpresse stieß das Gebäude auf großes Interesse. Es erschienen zahlreiche Artikel, selbst in französischen, ungarischen und japanischen Zeitschriften. Zusammen mit Gottfried Böhms wenig jüngerem Altenheim in Düsseldorf-Garath, das ähnliche architektonische Reize bietet, stand der DRK-Bau in Karlsruhe für einen neuen Ansatz in dieser Gattung. Gruppen von Architekten und Architektinnen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum kamen nach Karlsruhe. Offenbar schätzten sie vor allem den Mut, die Stützen wieder mit Kapitellen auszubilden – hier zeichnet sich schon die Postmoderne ab, der sich Gieselmann später zuwenden sollte. Nicht zuletzt dürfte das Werk mitverantwortlich dafür gewesen sein, dass sein Urheber zwei Jahre nach Fertigstellung einen Ruf auf einen Lehrstuhl an die Technische Hochschule (TH) Wien erhielt.

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Rückansicht des Vorderbaus mit Rauputzfassade, 1967 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Rückansicht des Vorderbaus mit Rauputzfassade, 1967 (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Umgang mit dem Gebäude

Seit den 1980er Jahren steht das Altersheim bereits unter Denkmalschutz und eine in den frühen 1990ern geplante, entstellende Generalsanierung – unter Beteiligung von Gieselmann selbst – wurde zum Glück nicht realisiert. Dennoch hat der Bau in der Zwischenzeit viel von seiner ursprünglichen Wirkung verloren. Neue Standards für Altenheime, Sicherheits- und Brandschutzauflagen sowie Dämmmaßnahmen führten an vielen Stellen zu unglücklichen Eingriffen. Anstriche und Verkleidungen des Sichtbetons im Inneren demonstrieren das geringe Verständnis der neuen Eigentümerin, der Evangelischen Stadtmission, für die historische Bedeutung und die bauliche Qualität des Hauses. Die neue Erschließung über einen benachbarten Erweiterungsbau führte zur Degradierung des eigentlichen Zentrums der Anlage, der Eingangshalle. Zudem kann sie nicht mehr von der Straße eingesehen werden. Es bleibt zu hoffen, dass in Zukunft denkmalpflegerische Belange mehr Berücksichtigung finden.

Rundgang

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Rückansicht des Vorderbaus mit „Himmelsleiter“ als Fluchtweg (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Rückansicht des Vorderbaus mit „Himmelsleiter“ als Fluchtweg (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Gesamtanlage von der Rückseite (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Gesamtanlage von der Rückseite (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Bungalow im Garten (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Bungalow im Garten (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Eingangshalle mit Majolikareliefs von Karlheinz Overkott (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Eingangshalle mit Majolikareliefs von Karlheinz Overkott (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Blick nach oben im Lichthof (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Blick nach oben im Lichthof (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Haupttreppe im Lichthof (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Haupttreppe im Lichthof (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Dachterrasse (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Dachterrasse (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Speisesaal (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Speisesaal (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Möblierung nach einem Entwurf von Reinhard Gieselmann (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Möblierung nach einem Entwurf von Reinhard Gieselmann (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Flurbereich im Rückgebäude (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes, Flurbereich im Rückgebäude (Bild: saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Foto: Thilo Mechau)

Quellen und Literatur

 
saai | Archiv für Architektur und Ingenieurbau am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Werkarchiv Reinhard Gieselmann.

Gieselmann, Reinhard, On the Search of Style. Auf der Suche nach Stil, Stuttgart/London 2007.

Titelmotiv: Karlsruhe, Altenheim des Deutschen Roten Kreuzes (Bild: Gerhard Kabierske)

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