Ungers und das Solarhaus

Ein neues Buch nimmt ein bislang kaum beachtetes und deshalb umso spannenderes Projekt des Architekten Oswald Matthias Ungers in den Blick. In „Negotiating ungers. The aesthetics of sustainability“ widmen sich die Herausgeber Cornelia Escher und Lars Fischer gemeinsam mit weiteren Autoren den Entwürfen für ein Solarhaus, die Ungers zwischen 1979 und 1980 für die rheinland-pfälzische Gemeinde Landstuhl entwickelte. In einem aufwändigen zweistufigen Wettbewerb sollten für ein Neubaugebiet innovative Einfamilienhäuser mit Solartechnik geplant werden. Neben Ungers waren weitere prominente Zeitgenossen wie Erich Schneider-Wessling oder Heinz Mohl im Wettbewerb vertreten.

Anstelle der Gebäudetechnik rückte Ungers das Thema Energie in den Mittelpunkt und versuchte ein neues Formenrepertoire zu entwickeln. Dafür wurde er mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Dennoch verschwanden die Entwürfe in der Schublade und ihre Realisierung lässt bis heute auf sich warten. Im Jahr 2018 veranstaltete das Ungers Archiv für Architekturwissenschaft in Köln eine Sommerschule, die Ungers‘ Position zur Nachhaltigkeit in der Architektur thematisierte und 2019 in eine Ausstellung im Brüsseler Civa mündete. Das Buch ist ab sofort erhältlich und kann per Email bestellt werden. (mk, 4.11.20)

Escher, Cornelia (Hg.), Negotiating ungers. The aesthetics of sustainability, hg. bei common books, 2020, ISBN: 978-0-9882906-2-4, Bezug via civa oder Email.

"Negotiating Ungers" (Bild: Buchcover, common books)

Titelmotiv: „Negotiating Ungers“ (Bild: Buchcover, common books)

Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes

Einmal wagte es ein Radiojournalist, Walter Gropius als einen der Väter des Bauhauses zu titulieren: „Ich bin DER Vater des Bauhauses“, folgt prompt die Retoure. Um ein weiteres Mal hatte der Altmeister seine Rolle in der Kunst- und Architekturgeschichte unterstrichen. Doch was steckt wirklich hinter der Heldenfigur Gropius? Pünktlich zum Jubiläum rüttelt der Künstler und Publizist Bernd Polster am Bauhausthron. Sein neues Buch „Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes“ erschien diesen Monat im Carl Hanser Verlag. 

Das große Talent von Gropius war demnach weniger entwerferischer Natur. Nach dem abgebrochenen Architektur-Studium baute er sich einen Kreis von talentierten Mitstreitern auf – ohne dabei jemals zu vergessen, seinen eigenen Namen in den Vordergrund zu schieben. Auch bei der Betrachtung seines Bauhauses lassen sich Parallelen ziehen. Es entstanden große Marken, hinter denen nicht selten wichtige Einzelprotagonisten verschwanden. Bis zu seinem Ende in Boston, strickte Gropius an seinem eigenen und am Bauhaus-Mythos. Auch dort galt er bis zuletzt als der Heilsbringer, der die Moderne aus der alten in die neue Welt transferierte. Als jedoch offenbar wurde, dass nicht alle Versprechen gehalten werden konnten, bröckelte die strahlend weiße Fassade. (jm, 24.3.19)

Walter Gropius 1955 zur Einweihung der Hochschule für Gestaltung Ulm (BIld: René Spitz, CC BY SA 3.0)

Die Mitte der Berliner Gropiusstadt

Spätestens seit dem Skandal-Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wird die Berliner Gropiusstadt ihr Schmuddel-Image nicht mehr los. Doch sehen Architekturbegeisterte längst mehr als einen „sozialen Brennpunkt“, entwarf doch kein Geringerer als Walter Gropius (1883-1969) die modellhafte Neubausiedlung. Mit seinem Büro „The Architects Collaborative“ entwickelte der Bauhaus-Künstler das innovative Konzept, das bis 1975 in stark veränderter Form im Berliner Stadtteil Neukölln umgesetzt wurde.

In seinem Buch „Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt“ untersucht der Architekturhistoriker Jan Hendrik Brinkkötter die Planungsgeschichte der Gropiusstadt. Er konzentriert sich auf zwei prägende Bauten: das halbrunde Gropiushaus und das Hochhaus der Baugenossenschaft Ideal. Über vielfältiges Plan- und Abbildungsmaterial hinaus bietet das Taschenbuch eine Chronik und Informationen zu den beteiligten Personen. (kb, 19.6.14)

Jan Hendrik Brinkkötter, Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt, 2014, Taschenbuch, 150 Seiten, ISBN 978-3000439704.

Jan Brinkkötter untersucht die Planungsgeschichte der Berliner Gropiusstadt (Bild: J. Brinkkötter)