Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes

Einmal wagte es ein Radiojournalist, Walter Gropius als einen der Väter des Bauhauses zu titulieren: „Ich bin DER Vater des Bauhauses“, folgt prompt die Retoure. Um ein weiteres Mal hatte der Altmeister seine Rolle in der Kunst- und Architekturgeschichte unterstrichen. Doch was steckt wirklich hinter der Heldenfigur Gropius? Pünktlich zum Jubiläum rüttelt der Künstler und Publizist Bernd Polster am Bauhausthron. Sein neues Buch „Walter Gropius. Der Architekt seines Ruhmes“ erschien diesen Monat im Carl Hanser Verlag. 

Das große Talent von Gropius war demnach weniger entwerferischer Natur. Nach dem abgebrochenen Architektur-Studium baute er sich einen Kreis von talentierten Mitstreitern auf – ohne dabei jemals zu vergessen, seinen eigenen Namen in den Vordergrund zu schieben. Auch bei der Betrachtung seines Bauhauses lassen sich Parallelen ziehen. Es entstanden große Marken, hinter denen nicht selten wichtige Einzelprotagonisten verschwanden. Bis zu seinem Ende in Boston, strickte Gropius an seinem eigenen und am Bauhaus-Mythos. Auch dort galt er bis zuletzt als der Heilsbringer, der die Moderne aus der alten in die neue Welt transferierte. Als jedoch offenbar wurde, dass nicht alle Versprechen gehalten werden konnten, bröckelte die strahlend weiße Fassade. (jm, 24.3.19)

Walter Gropius 1955 zur Einweihung der Hochschule für Gestaltung Ulm (BIld: René Spitz, CC BY SA 3.0)

Die Mitte der Berliner Gropiusstadt

Die Mitte der Berliner Gropiusstadt

J. H. Brinkkötter, Eine (halb-)runde Sache (Bild: J. H. Brinkkötter)
Jan Brinkkötter untersucht die Planungsgeschichte der Berliner Gropiusstadt (Bild: J. Brinkkötter)

Spätestens seit dem Skandal-Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wird die Berliner Gropiusstadt ihr Schmuddel-Image nicht mehr los. Doch sehen Architekturbegeisterte längst mehr als einen „sozialen Brennpunkt“, entwarf doch kein Geringerer als Walter Gropius (1883-1969) die modellhafte Neubausiedlung. Mit seinem Büro „The Architects Collaborative“ entwickelte der Bauhaus-Künstler das innovative Konzept, das bis 1975 in stark veränderter Form im Berliner Stadtteil Neukölln umgesetzt wurde.

In seinem Buch „Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt“ untersucht der Architekturhistoriker Jan Hendrik Brinkkötter die Planungsgeschichte der Gropiusstadt. Er konzentriert sich auf zwei prägende Bauten: das halbrunde Gropiushaus und das Hochhaus der Baugenossenschaft Ideal. Über vielfältiges Plan- und Abbildungsmaterial hinaus bietet das Taschenbuch eine Chronik und Informationen zu den beteiligten Personen. (kgb, 19.6.14)

Jan Hendrik Brinkkötter, Eine (halb-)runde Sache? Zum Denkmalwert der städtebaulichen Mitte von Gropius und The Architects Collaborative in der Berliner Gropiusstadt, 2014, Taschenbuch, 150 Seiten, ISBN 978-3000439704.

Herbert Rimpl. NS und Wiederaufbau

Herbert Rimpl. NS und Wiederaufbau

Herbert Rimpl (Bild: Reimer-Mann-Verlag)
Eine neue Publikation stellt das widersprüchliche Leben des Architekten Herbert Rimpl in der NS- und Nachkriegszeit dar (Bild: Reimer-Mann-Verlag)

Herbert Rimpl (1902-78) leitete den größten Architekturkonzern Westeuropas im Dritten Reich – und prägte nur wenige Jahre später den bundesdeutschen Wiederaufbau. Ein widersprüchliches Architektenleben, dem Jo Sollich im Reimer-Mann-Verlag nun eine reich bebilderte Publikation gewidmet hat. Nach seinem Studium in München wurde Rimpl bekannt für moderne Industriebauten, u. a. das Oranienburger Heinkel-Werk. In der NS-Zeit erhielt er auch repräsentative städtebauliche Aufträge von Herrmann Göring oder Albert Speer.

Nach dem Krieg wirkte Rimpl als freier Architekt mit eigenem Büro in Mainz und Wiesbaden. In der hessischen Landeshauptstadt setzte er, über Projekte im Wiederaufbau hinaus, z. B. das Bundeskriminalamt (1954) oder in Biebrich die Heiliggeistkirche (1960) um. Der Architekturhistoriker Sollich geht Rimpls Schaffen nicht allein aus ästhetisch-soziologischer Sicht nach. Ein umfangreiches Werk- und Mitarbeiterverzeichnis runden seine Publikation ab. (kgb, 13.6.14)

Jo Sollich, Herbert Rimpl (1902–1978), Architekturkonzern unter Hermann Göring und Albert Speer – Architekt des deutschen Wiederaufbaus, Reimer-Mann-Verlag, 2013, 431 Seiten, 617 Abbildungen, 21 × 26 cm, gebunden, ISBN 978-3-496-01481-2.