Bundesgartenschau

Bonn, Flyer zur Bundesgartenschau 1979 (Bild: via wikimedia commons)

Jetzt ist es amtlich: Rheinaue unter Schutz

Am Donnerstag herrschte bei der Anhörung unverhoffte Einigkeit: Die Bezirksregierung Köln stellt die Rheinaue unter Denkmalschutz, die Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan stimmt zu. Zuvor hatte die städtische Verwaltung zwiespältig auf die mögliche Unterschutzstellung reagiert. Einige fürchteten gar, hier einen beliebten Ort zur Naherholung und für Großveranstaltungen zu verlieren. Immerhin geht es um satte 160 Hektar nachkriegsmodernes Kulturerbe in bester Uferlage.

Die Rheinaue wurde zur Bundesgartenschau (BUGA) 1979 hergerichtet. Zuvor waren am Rand der Fläche das Regierungsviertel und eine US-Siedlung entstanden. Aus der verbliebenen, noch landwirtschaftlich genutzten Grünfläche schufen Gottfried Hansjakob und Heinrich Raderschall mit Ernst van Dorp und Klaus Schmidt für einen dreistelligen Millionenbetrag einen hügeligen Landschaftspark mit Kleinarchitekturen. Eine Fähre brachte die BUGA-Besucher über den Rhein. „Um auch zukünftigen Generationen diesen Park in seiner Einzigartigkeit erlebbar zu machen, werden wir diesen Park als Baudenkmal schützen“, begründete Regierungspräsidentin Gisela Walsken den neuen Status gegenüber dem Bonner Generalanzeiger. Der Park soll der Öffentlichkeit aber auch weiterhin für Sport und Freizeit zur Verfügung stehen. (kb, 16.12.17)

Bonn, Flyer zur Bundesgartenschau 1979 (Bild: via wikimedia commons)

Köln, Rheinpark, Tanzbrunnen, 2008 (Bild: Willy Horsch, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Köln: 60 Jahre Rheinpark

Wer mit der Seilbahn über den Rhein einschwebt, kann schon vorab in das Gefühl der Entstehungszeit eintauchen: 1957, zur Bundesgartenschau, wurde der Kölner Rheinpark eingeweiht. Die zeittypisch geschwungene Anlage entstand wortwörtlich auf den Trümmer(steine)n von Deutz. Für die Neugestaltung des Parks zeichneten verantwortlich die Landschaftsarchitektin Herta Hammerbacher, die Gartenarchitekten Günther Schulze und Joachim Winkler sowie der Kölner Gartendirektor Kurt Schönbohm. Heute bietet der Rheinpark nicht nur ein abwechslungsreiches Bild auf vielfältigen Pflanzen- und Brunnenanlagen, auch die Kleinarchitekturen lohnen einen Besuch – darunter z. B. der in den vergangenen Monaten mit viel Engagement vor der Entstellung bewahrte Rheinparkpavillon. Nicht zu vergessen natürlich die Parkbahn!

Damit hat es sich die denkmalgeschützte Grünanlage mehr als verdient, dass ihm die Stadt Köln zum runden Geburtstag ein Festprogramm spendiert: Die Seilbahn lässt am 24. September zwischen 10 und 18 Uhr den alten Fahrpreis von 1,70 (nur Euro statt Deutscher Mark) wiederaufleben. Zum Jubiläumsfest am 18. Juni sollen zwischen 11 und 17 Uhr nicht nur die Nostalgiker, sondern auch die neuen Parkfans auf ihre Kosten kommen: vom Kinderzirkus im Jugendpark bis zur kostenlosen Nackenmassage in der angrenzenden Claudius Therme. Am 8. September 2017 kann man sich von 18 bis 19.30 Uhr in die Geschichte der Parkbahn einführen lassen.

Köln, Rheinpark, Tanzbrunnen (Bild: Willy Horsch, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Naherholung der Nachkriegsmoderne

Bonn, Bundesgartenschau (Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F056332-0018 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0)
Die Bundesgartenschau in der Rheinaue (Bild: Bundesarchiv, B 145 Bild-F056332-0018, Engelbert Reineke, CC BY SA 3.0)

Der Sommer steht vor der Tür – aber der Urlaub ist noch fern? Kennen wir. Wie wäre es alternativ mit Naherholung im Stile der Bonner Republik? Die Bonner Rheinaue versprüht bis heute den Charme der 1970er und lädt zu einem Trip in die Bundesstadt ein. Und wem der Landschaftspark zu wenig Architektur bietet, der findet in unmittelbarer Nähe das ehemalige Bundestagsgebäude, den langen Eugen oder die monumentalen Kreuzbauten. Als idealer Reisebegleiter bietet sich die Monographie „Die Rheinaue in Bonn“ zur Geschichte der Grünanlage.

Das zentrale Naherholungsgebiet entstand zur Bundesgartenschau 1979, die Bonn ausrichtete. Somit wurde eine Bebauung des bis dahin landwirtschaftlich genutzten Areals im Herzen der Stadt verhindert, das nahe Bundesviertel musste sich anderswo ausbreiten. Die Landschaftsarchitekten Gottfried Hansjakob und Heinrich Raderschall entwarfen stattdessen links und rechts des Rheins ein Ensemble aus Grünanlagen, Spielplätzen, Radwegen und Seen. Auch nach dem Gartenschau-Ende blieb die Rheinaue ein beliebtes Ausflugsziel. Das Sahnehäubchen für Freunde der 70er: der Park ist auch mit Bonns denkmalverdächtiger U-Bahn zu erreichen, die kürzlich ihren 40. Geburtstag feierte! (jr, 31.5.16)

Hansjakob, Gottfried/Hansjakob, Anton, Die Rheinaue in Bonn. Geschichte eines Parks, Marcator Verlag, Duisburg 2014, 162 Seiten, ISBN 978-3-87463-539-4.

Grün modern: Gartenschaugeburtstage

Wien, Partygarten der WIG 74 (Bild: Stefan Blaufelder-Bredenbeck)
In Wien war der Partygarten 1974 – zwischen den teils von innen beleuchteten Betonröhren – beliebt bei Musik und einem Cocktail (Bild: S. Blaufelder-Bredenbeck)

Wenn runde Geburtstag zu etwas gut sind, dann zur wertenden Rückschau. Gleich mehrere wegweisende Gartenschauen der Nachkriegszeit feiern in diesen Monaten ihr Jubiläum: Den Anfang machte Hamburg, das 2013 seine Internationalen Gartenschauen der Jahre 1953, 1963 und 1973 würdigte. Bundesweit stehen mit Stadtparks, Kurgärten oder dem Münchener Olympia-Gelände – schon so manche Spitzenwerke der 1950er bis 1970er Jahre unter Denkmalschutz. Zu Recht, brachten sie doch der Nachkriegsgesellschaft die bunte Unbeschwertheit, die sie sich nach NS-Regime und Krieg so dringend erhoffte.

Nun folgt Wien – Österreichs sonst eher für Historie bekannte Hauptstadt – und gedenkt seiner vielbeachteten Internationalen Gartenschauen 1964 und 1974. Im besten Wortsinn prägten sie moderne Kulturlandschaften: 1964 wurde dafür der Donaupark im Norden hergerichtet, 1974 ein weitläufiges Gelände am Oberlaaer Berg im Süden. Anno 2014 lohnt ein Besuch dieser Parks noch immer – auch wenn viele Retro-Gestaltungen lange Vergangenheit sind. Und wer nachlesen mag: 2014 erschienen der Katalog zur WIG 64 im satten Retro-Design und der Tagungsband des BHU „Grün modern – Gärten und Parks der 1950er bis 1970er Jahre“. (mb, 13.10.14)

100 Jahre Stadtpark Hannover

Hannover, Bundesgartenschau 1951 (Bild: Bundesarchiv, Bild F000069-3326)
Seit der ersten Bundesgartenschau von 1951 gilt der Stadtpark Hannover als überzeugendes Denkmal der Nachkriegsmoderne (Bild: Bundesarchiv)

Im Stadtpark Hannover fand 1951 die erste Bundesgartenschau (Buga) statt, deren Gestaltung kein Geringerer als der Architekt Peter Hübotter übernahm. Doch reicht die Geschichte der Grünanlage, die damals noch Stadthallengarten hieß, weiter zurück. Vor hundert Jahren wurde die Grünanlage im Stadtteil Zoo angelegt, die 1933 zum Ort der „Jahresschau Deutscher Gartenkultur“ (Jadega) wurde. Im Krieg hatte nicht nur der Park, sondern auch die Stadthalle stark gelitten, die heute als Kongresszentrum dient. Seit 1966 erinnert zudem ein japanischer Garten mit Teehaus an die Städtepartnerschaft mit Hiroshima.

Die Stadt Hannover richtet ein umfangreiches Jubiläumsprogramm aus: Kostenlose Park-Spaziergänge werden am 31. Mai, 28. Juni, 30. August und 27. September 2014 jeweils um 15 Uhr angeboten. Für eine Vortragsreihe werden Experten ins Rosencafé eingeladen – u. a. spricht Joachim Wolschke-Bumahn am 5. Juni um 18 Uhr über die Jadega und Buga. Eine reich bebilderte Broschüre informiert, auch als Download, über die wechselvolle Geschichte der Grünanlage. Noch bis zum 31. Oktober ist im Stadtpark eine Ausstellung mit 24 Tafeln zu sehen, der Eintritt ist frei. (kgb, 31.5.14)

Frankfurt, Wolfgang Voigt mit einem "Opel Super 6" vor der Neuen Jüdischen Trauerhalle (Foto: Andreas Beyer)

Das neue mR-Heft ist online!

Dieses Heft „Moderne Mobil“ war für uns ein kleines Experiment. Die einzige Vorgabe an unsere fünf Autoren: „Wir bringen Dich, einen religiösen Raum des Neuen Frankfurt und ein Fortbewegungsmittel eben jener Epoche zusammen auf ein Foto. Beim Text dazu hast Du (bis auf die Zeichenzahl) völlig freie Hand.“ Den Spaß haben mitgemacht die Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig, der Architekturhistoriker Wolfgang Voigt, der Politikwissenschaftler Philipp Sturm, der Journalist Daniel Bartetzko, die Theologin Karin Berkemann – und der Fotograf Andreas Beyer. Wie alle Ergebnisse dann am Ende ineinander griffen, hat uns selbst überrascht. Aber lesen Sie doch selbst! (kb/db, 22.3.19)

Hier geht es zum neuen mR-Heft.

Titelmotiv: Frankfurt, Wolfgang Voigt mit einem „Opel Super 6“ vor der Neuen Jüdischen Trauerhalle (Foto: Andreas Beyer)

BUGA 75. Ein Fest verändert die Stadt

Mit dem Aerobus über die Skyline am Neckar schweben – so oder so ähnlich sahen die Planer die BUGA 1975 in Mannheim. Denn es ging um mehr als um eine Leistungsschau des Gartenbaus. Vielmehr sollte mit den beiden Stadtparks auch eine Reihe moderner Bauten die Entwicklung der Quadratestadt bleibend beeinflussen. Das bekannteste – und in den letzten Monaten auch umstrittenste – Gebäude bildete die Multihalle, die als eines der frühen Meisterwerke von Frei Otto gilt.

Ab dem 24. März 2019 lässt eine Ausstellung nun die Aufbruchsstimmung der damaligen Jahre wiederaufleben – und schlägt zugleich den Bogen zur Bundesgartenschau 2023 und zur aktuellen Freiraumplanung in Mannheim. Die Ausstellung „BUGA 75. Ein Fest verändert die Stadt“, eine Präsentation im Marchivum, ist anschließend bis zum 18. August 2019 zu sehen. Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Marchivum und der Stadt Mannheim , der Bundesgartenschau 2023 gGmbH, dem Stadtpark Mannheim, dem Sharing Heritage sowie dem Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai). (kb, 11.3.19)

Titelmotiv: Aerobus zur Buga 75 in Mannheim (Bild: historische Postkarte, 1975, Alfred Ziethen Verlag, Sinthern/MARCHIVUM)