Moderne Verwaltung?

Nach 1945 musste das kriegszerstörte Deutschland nicht nur wiederaufgebaut, sondern dieser Wiederaufbau auch verwaltet werden. Das Problem: Gerade die als typisch deutsch geltende hocheffektive Verwaltung hatte sich kurz zuvor auch unter den Nationalsozialisten als verdächtig anpassungsfähig erwiesen. Zugleich ließen sich nicht alle Funktionen ad hoc mit neuen „unverdächtigen“ Fachleuten besetzen. So ist es kein Geheimnis, dass die Verwaltung – west- wie ostdeutsch – lange noch braun durchzogen war. Die Verwaltungsbauten der ersten Nachkriegszeit sollten nach außen sowohl vertrauenswürdige Kontinuität als auch eine transparente demokratische Grundhaltung ausstrahlen.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die Historikerin Dorothea Steffen in ihre Publikation „Tradierte Institutionen, moderne Gebäude“ mit der Verwaltung und der dazugehörigen Architektur. Entsprechend beleuchtet sie den Neu-Aufbau von Strukturen, (Selbst-)Bildern, Institutionen und Gebäuden der Verwaltung in der jungen Bundesrepublik in den frühen 1950er Jahren. Die fächerübergreifende Studie untersucht erstmals, ob und wie Institution und Neubau als Teil des Gemeinwesens öffentlich thematisiert und aufeinander bezogen wurden. (kb, 11.9.19)

Steffen, Dorothea, Tradierte Institutionen, moderne Gebäude. Verwaltung und Verwaltungsbauten der Bundesrepublik in den frühen 1950er Jahren, transcript-Verlag, Bielefeld 2019, 266 Seiten, ISBN: 978-3-8376-4613-9.

Titelmotiv: „Tradierte Institutionen, moderne Gebäude“ (Bild: Buchcover, transcript-Verlag, Detail)

Bayern: 100 Jahre Wohnungsbau

In Bayern beruft man sich gerne auf jahrhundertealte Traditionen. Der Freistaat selbst feiert jedoch erst in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag: 1918 wurde er im Rahmen der Novemberrevolution ausgerufen. Eine Sonderausstellung des Architekturmuseums der TU München nimmt das Jubiläum zum Anlass, um einen Blick auf 100 Jahre bayerischen Wohnungsbau zu werfen – vom staatlich geförderten Eigenheim bis zur Großwohnsiedlung.

Mit der Gründung der Weimarer Republik erfuhr der soziale Wohnungsbau nicht nur in Bayern eine enorme Bedeutungsaufwertung. So schrieb die Verfassung von 1919 als Staatsziel fest, jedem Bürger eine angemessene Wohnung zu sichern. Davon ausgehend beleuchtet die Ausstellung mit dem einprägsamen Titel „Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen!“ 40 ausgewählte Bau- und Siedlungsprojekte des Freistaates bis ins Jahr 2018. Gesetzesänderungen und politische Kurswechsel, Kriegszerstörungen und Wohnungsnöte finden dabei ebenso Beachtung wie gesellschaftliche Entwicklungen mit direkten Auswirkungen auf den Wohnungsbau. Die Schau stützt sich dabei neben Fotografien und Plänen auf zahlreiche Modelle und historisches Filmmaterial. Sie ist noch bis zum 13. Mai 2018 in München zu sehen. (jr, 15.4.18)

München, Bogenhausen (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Museum der 1000 Orte

Kunst am Bau ist seit den 1950er Jahre für öffentliche Bauten der Bundesrepublik eine Pflichtübung. Doch in vielen Fällen sind die entsprechenden Kunstwerke nicht ohne weiteres für die Öffentlichkeit sichtbar oder zugänglich. Dies ändert das virtuelle „Museum der 1000 Orte“, das kürzlich offiziell – und ganz analog! – von der Bundesbauministerin Barbara Hendricks eröffnet wurde. Die Datenbank versammelt Kunstwerke aus öffentlichen Bauten der Bundesrepublik und DDR seit den 1950er Jahren.

Derzeit macht das virtuelle Museum zwar es noch keine 1000, sondern nur 58 Orte zugänglich. Neuentdeckungen sind aber garantiert: Sind einige markante Plastiken dem Besucher noch vom letzten Berlintrip her bekannt, gilt dies nicht für den Großteil der Exponate. Oder kannten Sie die Lichtinstallation „Strom“ im Berliner Zentrum des Bundesnachrichtendienstes? Oder die „Kinetische Säule“ vor der deutschen Botschaft in Kabul? Die Website bietet zu Künstlern, Orten und Kunstwerken je eine kurze Beschreibung und präsentiert meist mehrere Ansichten von Kunst und Bau. (jr, 28.6.17)

Berlin, Fenster des ehemaligen Staatsratsgebäudes der DDR (Bild: Spreetom, CC BY SA 3.0)