Schlagwort: Bundesrepublik

Siedlung Bogenhausen (Bild Architekturmuseum der TUM)

Bayern: 100 Jahre Wohnungsbau

In Bayern beruft man sich gerne auf jahrhundertealte Traditionen. Der Freistaat selbst feiert jedoch erst in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag: 1918 wurde er im Rahmen der Novemberrevolution ausgerufen. Eine Sonderausstellung des Architekturmuseums der TU München nimmt das Jubiläum zum Anlass, um einen Blick auf 100 Jahre bayerischen Wohnungsbau zu werfen – vom staatlich geförderten Eigenheim bis zur Großwohnsiedlung.

Mit der Gründung der Weimarer Republik erfuhr der soziale Wohnungsbau nicht nur in Bayern eine enorme Bedeutungsaufwertung. So schrieb die Verfassung von 1919 als Staatsziel fest, jedem Bürger eine angemessene Wohnung zu sichern. Davon ausgehend beleuchtet die Ausstellung mit dem einprägsamen Titel „Wohnungen, Wohnungen, Wohnungen!“ 40 ausgewählte Bau- und Siedlungsprojekte des Freistaates bis ins Jahr 2018. Gesetzesänderungen und politische Kurswechsel, Kriegszerstörungen und Wohnungsnöte finden dabei ebenso Beachtung wie gesellschaftliche Entwicklungen mit direkten Auswirkungen auf den Wohnungsbau. Die Schau stützt sich dabei neben Fotografien und Plänen auf zahlreiche Modelle und historisches Filmmaterial. Sie ist noch bis zum 13. Mai 2018 in München zu sehen. (jr, 15.4.18)

München, Bogenhausen (Bild: Architekturmuseum der TU München)

Berlin, Fenster des ehemaligen Staatsratsgebäudes der DDR (Bild: Spreetom, Cc-BY-SA 3.0)

Museum der 1000 Orte

Kunst am Bau ist seit den 1950er Jahre für öffentliche Bauten der Bundesrepublik eine Pflichtübung. Doch in vielen Fällen sind die entsprechenden Kunstwerke nicht ohne weiteres für die Öffentlichkeit sichtbar oder zugänglich. Dies ändert das virtuelle „Museum der 1000 Orte“, das kürzlich offiziell – und ganz analog! – von der Bundesbauministerin Barbara Hendricks eröffnet wurde. Die Datenbank versammelt Kunstwerke aus öffentlichen Bauten der Bundesrepublik und DDR seit den 1950er Jahren.

Derzeit macht das virtuelle Museum zwar es noch keine 1000, sondern nur 58 Orte zugänglich. Neuentdeckungen sind aber garantiert: Sind einige markante Plastiken dem Besucher noch vom letzten Berlintrip her bekannt, gilt dies nicht für den Großteil der Exponate. Oder kannten Sie die Lichtinstallation „Strom“ im Berliner Zentrum des Bundesnachrichtendienstes? Oder die „Kinetische Säule“ vor der deutschen Botschaft in Kabul? Die Website bietet zu Künstlern, Orten und Kunstwerken je eine kurze Beschreibung und präsentiert meist mehrere Ansichten von Kunst und Bau. (jr, 28.6.17)

Berlin, Fenster des ehemaligen Staatsratsgebäudes der DDR (Bild: Spreetom, CC BY SA 3.0)

Raumplanung nach 1945

briesen.inddNach 1945 krankte das Thema der räumlichen Planung und Forschung lange daran, dass es zu sehr nach Blut und Boden, nach einem falsch verstandenen Heimatbild roch. Also erging es ihm wie vielen Neuerungen, die nach Kriegsende in der jungen Bundesrepublik nur schrittweise Fuß fassen konnten. Erst mit den Jahrzehnten wurden Raumplanung und -forschung zum Teil eines verwissenschaftlichten Konsenses zur Modernisierung, Rationalisierung und Demokratisierung der Gesellschaft.

Mit ihrem Band schließen die beiden Herausgeber – Detlef Briesen, Privatdozent an der Universität Gießen, und Wendelin Strubelt, der ehemalige Vizepräsident und Professor des Bonner Bundesamts für Bauwesen – daher nicht nur eine Lücke der Forschung, sondern setzen auch die Aufarbeitung eines wichtigen Stücks westdeutscher Nachkriegsgeschichte fort. In den gesammelten Fachbeiträgen werden u. a. „Krisenangst und Krisendiagnose. Deutsche Raumplanung nach 1945“, der „Neustart des Instituts für Raumforschung (1949-1951)“ und die „Raumordnungspolitik auf dem Prüfstand 1977“ behandelt. Zudem wirft man einen Blick auf den ostdeutschen bzw. internationalen Kontext und schließt mit „Perspektiven der Zeitzeugen“. (kb, 12.7.16)

Strubelt, Wendelin/Briesen, Deltef (Hg.), Wissenschaft Raumplanung nach 1945. Kontinuitäten und Neuanfänge in der Bundesrepublik Deutschland, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2015, 419 Seiten, ISBN 978-3593503066.