Banga!

An diesem Wochenende wartet ein Stück Zukunft auf Sie, denn am 25. und 26. Juni 2022 lädt Pamela Voigt, Architektin und Expertin für das Bauen mit faserverstärkten Kunststoffen, in ihren Garten zu einer besonderen Besichtigung ein: Ihr eigenes “Design-Bungalow” Banga in Leipzig-Lindenau steht im Mittelpunkt der Veranstaltung. Dieses Modell wurde 1971 in Italien entwickelt, in Serie produziert und wechselt in vielen Fällen mehrfach den Standort. Mehrere Banga-Bungalows einer aufgegebenen italienischen Ferienhaussiedlung hatte Voigt bereits 2013 besucht und vermessen. Einer von ihnen steht seit 2020 bei ihr im Leipziger Schrebergarten – wie sie es selbst ausdrückt, “zur privaten Freude, beruflichen Forschung und der Präsentation für Neugierige”. Eben jener Banga kann an den beiden Tagen jeweils von 11 bis 17 Uhr besucht werden. Den Bungalow findet man, den Eingang Nelkenweg nutzend, rechter Hand neben dem Biergarten der Gaststätte Phönix entlang gehend, direkt hinter dem Vereinsbau.

Hintergrund der Veranstaltung ist das 2021 veröffentlichte “Buch Zwei – Leben in Kunststoffbauten”, das im Rahmen der Besichtigungen vorgestellt wird. Darin beschäftigen sich die Architektin Pamela Voigt und die Ingenieurin Elke Genzel mit Kunststoffhäusern wie dem Futuro. Seit 2008 forschen sie in der Arbeitsgemeinschaft BAKU zum Thema Bauen mit Kunststoffen. Für die Publikation besuchten die Autorinnen sowohl alte Pionier:innen als auch neue Bewohner:innen der Kunststoffhäuser. Dabei stellten sie sich die Frage, welche Sehnsüchte und Hoffnungen die Menschen antreibt, die ein solches Experiment wagen, und welche Ziele sie verfolgen. Für den eigenen Praxistest dieser Kleinarchitektur im damals zukunftsverheißenden Baustoff besteht dann in Leipzig ausführlich Gelegenheit. (kb, 24.6.22)

Banga-Bungalow in Leipzig-Lindenau (Bild: Pamela Voigt, kunststoffbauten.de)

Hoesch-Bungalow museumsreif

Schon im Juni 2021 war ein Hoesch-Fertighaus in Münster “Denkmal des Monats” des Landschaftsverbands Westfalen Lippe. Nun unterstützt der LWL die Bergung eines weiteren Hauses des 1991 durch “Feindliche Übernahme” im Thyssen-Krupp-Konzern aufgegangenen Stahlunternehmens: 140.000 Euro Zuschuss erhält das Hoesch-Museum, um eines der mittlerweile raren Metall-Fertighäuser von seinem aktuellen Standort in Hombruch, wo es 1965 aufgebaut wurde, zum Museumsgelände in die Dortmunder Nordstadt zu versetzen. Am neuen Standort soll es nicht nur Ausstellungsstück, sondern auch Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Begegnungsort werden. Jetzt übergab LWL-Direktor Matthias Löb den Förderbescheid an Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal. „Mit der Verlagerung des Hoesch-Bungalows gelingt eine sinnvolle Erweiterung in doppelter Hinsicht: Das Hoesch-Museum kann seine Vermittlungsarbeit ausbauen und zugleich ein begehbares Großobjekt aus dem Material präsentieren, um das es hier geht: Stahl. Es entsteht ein Begegnungsort, an dem man sich gerne trifft und wohlfühlt. Wir freuen uns, dass der LWL einen Beitrag zu neuen Qualitäten in der Dortmunder Nordstadt leisten kann“, sagte LWL-Direktor Matthias Löb.

Die Förderung durch den LWL ist ein wichtiger Baustein in der Finanzierung des Projekts: Die für Anfang 2022 geplante Translozierung des Bungalows samt Interieur auf das Gelände der ehemaligen Westfalenhütte wird voraussichtlich rund 900.000 Euro kosten. Weitere Finanzmittel kommen aus dem Förderprogramm „Heimat. Zukunft. Nordrhein-Westfalen.“ des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW (250.000 Euro), der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (50.000 Euro) und der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (250.000 Euro). Der Trägerverein „Freunde des Hoesch-Museums“ selbst beteiligt sich mit mindestens 135.000 Euro. Das stählerne Fertighaus ist im Übrigen ein Typ „L141“, mit 141 Quadratmetern Grundfläche das größte seinerzeit lieferbare. Es ist eines von insgesamt rund 200 in den 1960er-Jahren produzierten Fertighäusern. In Hombruch errichtete Hoesch ab 1962 eine kleine Siedlung aus jenen Gebäuden, in denen vor allem leitende Angestellte von Hoesch wohnten. (db, 20.11.21)

Münster-Gievenbeck, Hoesch-Bungalow (Bild: Rauterberg/LWL)

Haus Sulzer unter Schutz

Noch im vergangenen Jahr hatte es düster ausgesehen für den mondänen Nachkriegs-Bungalow in Riehen in der Schweiz. Haus Sulzer, 1954/55 gestaltet vom Büro Rasser & Vadi, wurde schon zu seiner Bauzeit stolz in der Presse präsentiert. Bereits 2002 wurde die Inkunabel von der Kantonalen Denkmalpflege als schützenswert geführt. Zum Konfliktfall geriet die Angelegenheit, als die neuen Eigentürmer den Abriss und einen Neubau planten. Das Gutachten des Architekturhistorikers Michael Hanak sprach sich für den Wert des Bauwerks und damit die Unterschutzstellung aus. Dagegen wurden die altbekannten Argumente ins Feld geführt: schlechter Erhaltungszustand und wirtschaftliche Unzumutbarkeit. Vor diesem Hintergrund entschied der Baseler Regierungsrat – gegen die Einschätzung der Fachbehörden – 2019, das Haus Sulzer nicht unter Schutz zu stellen. Dagegen klagten der Basler Heimatschutz und die Freiwillige Basler Denkmalpflege. Das Appellationsgericht hatte bereits im September 2020 die allgemeinen Interessen (Denkmalschutz) über die Interessen des Eigentümers gestellt. Nun akzeptierte auch der Regierungsrat diese Entscheidung – und ebnete so den Weg für die formelle Unterschutzstellung und den Erhalt von Haus Sulzer.

Die Architekten des Bungalows – Max Rasser und Tibère Vadi – hatten mit ihrem Büro ab 1951 Basel und Umgebung im Stil der Internationalen Moderne geprägt. Zu ihren bekanntesten Baseler Bauten zählen das Haus Domus (heute Architekturmuseum) oder das Raubtier- und das Nashornhaus im Zolli. Der Riehener Bungalow bildete damit ein bemerkenswertes Frühwerk des produktiven Duos. In der Fachzeitschrift “Das Werk” stilisierte der Bauherr Max Sulzer den langen Weg zum Flachdachhaus 1956 genüsslich zum Kampf gegen traditionalistische Windmühlen: “Die Kommissionen und Kommissiönchen, der Mann von nebenan, der Gemeinderat in corpore, der Metzgermeister, ein Kaufman, eine intellektuelle Dame mit Hund und der Briefträger, die Putzfrau und der Präsident vom Männerchor, ein Herr mit klassischer Bildung und der Handharmonikaverein” – alle suchten sie, eine wirklich moderne Architektur zu behindern. Auch der Sohn des Bauherrn, der Schriftsteller Alain Claude Sulzer, setzte seinem Elternhaus 2017 mit dem Buch “Die Jugend ist ein fremdes Land” ein literarisches Denkmal. (kb, 1.4.21)

Riehen/Schweiz, Haus Sulzer (Foto: wohl Alfred Löhndorf; Bildquelle: Sulzer, Max, Einfamilienhaus in Riehen bei Basel. Max Rasser und Tibère Vadi, Architekten BSA, Basel, in: Werk 43, 1956, 3, S. 65-69, hier: S. 65)

Riehen/Schweiz, Haus Sulzer (Fotos: wohl Alfred Löhndorf; Bildquelle: Sulzer, Max, Einfamilienhaus in Riehen bei Basel. Max Rasser und Tibère Vadi, Architekten BSA, Basel, in: Werk 43, 1956, 3, S. 65-69, hier: S. 68)

Riehen/Schweiz, Haus Sulzer (Fotos: wohl Alfred Löhndorf; Bildquelle: Sulzer, Max, Einfamilienhaus in Riehen bei Basel. Max Rasser und Tibère Vadi, Architekten BSA, Basel, in: Werk 43, 1956, 3, S. 65-69, hier: S. 66-67)

Riehen/Schweiz, Haus Sulzer (Pläne: Rasser & Vadi; Bildquelle: Sulzer, Max, Einfamilienhaus in Riehen bei Basel. Max Rasser und Tibère Vadi, Architekten BSA, Basel, in: Werk 43, 1956, 3, S. 65-69, hier: S. 67-68)

Titelmotiv: Riehen/Schweiz, Haus Sulzer (Foto: wohl Alfred Löhndorf; Bildquelle: Sulzer, Max, Einfamilienhaus in Riehen bei Basel. Max Rasser und Tibère Vadi, Architekten BSA, Basel, in: Werk 43, 1956, 3, S. 65-69, hier: S. 69)