Gebunkerter Denkmalschutz

Der Kalte Krieg ist vorbei – und seine Relikte aus der Zeit gefallen. Von Atomschutzbunkern für die Zivilbevölkerung redet heute keiner mehr. Einer von ihnen befindet sich unterm Sedanplatz in Bremen-Vegesack. Die 1975 in Betrieb genommene Tiefgarage wurde seinerzeit bereits als Schutzraum, der auch als Parkplatz dient, konzipiert. Seit Frühjahr 2020 steht nun Bremens größter Bunker unter Denkmalschutz: Grund ist neben dem geschichtlichen Wert auch der lupenreine Originalzustand der Anlage, in der man mit einem orangenen Wählscheiben-Telefon mit der Außenwelt kommunizierte.

Die „Zivilschutz-Mehrzweckanlage (MZA) Sedanplatz“ unter dem Marktplatz bietet 4044 Personen Platz und ist die größte von vier in der Zeit des Kalten Krieges entstandenen Bremer Anlagen. Errichtet wurde sie durch die Bremer Parkplatz GmbH nach Plänen des Architekten Theodor Rosenbusch. Die in der untersten Parkebene befindliche MZA liegt 12,5 Meter unter der Erde und untergliedert sich in zwei Bauteile: Bunker A mit rund 1280 Quadratmetern und Bunker B mit zirka 1060 Quadratmetern. Beide sind über ein Schiebetor verbunden, dessen Schließung im Ernstfall einen separaten Betrieb ermöglicht hätte. In Friedenszeiten sollte der jeweils westliche Bereich der beiden Bunker als Parkdeck genutzt werden. Dankenswerterweise ist es bei den Friedenszeiten geblieben, so dass die MZA Sedanplatz zum Zeitdokument wurde. (db, 2.6.20)

Bremen, Tiefgarage am Sedanplatz (Bild: Landesamt für Denkmalpflege Bremen)

Bunker als Baudenkmäler

Die moderne Legende besagt, dass jeder, wirklich jeder Schweizer sein eigenes Gewehr im Schrank hat. Und einen Bunker im Keller. Sicher ist, dass die Eidgenossen über eine beachtliche Kulturlandschaft militärischer Bauwerke verfügen, vom Mittelalter an aufwärts. Viele dieser Wehranlagen stammen aus dem 20. Jahrhundert und viele von ihnen stehen heute unter Denkmalschutz. Manche wurden und werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, denn immer mehr davon werden nicht mehr zu militärischen Zwecken benötigt.

Vor diesem Hintergrund stellt man in der Schweiz – und nicht nur dort – immer lauter die Frage: „Was tun mit all den Bunkern?“ Das zweite Freitagskolloquium 2018 des Instituts für Denkmalpflege und Bauforschung an der ETH Zürich beschäftigt sich daher mit der Frage, wie mit solchen Denkmälern umgegangen werden muss und wie solche Bunker- und Festungsanlagen um- und weitergenutzt werden können. Das „Freitagskolloquium: Bunker als Baudenkmäler“ findet am 8. Juni 2018 von 14 bis 18 Uhr in Zürich (ETH Hönggerberg, Siemens Auditorium (HIT E 51)) statt, Anmeldeschluss ist der 1. Juni. (kb, 30.5.18)

Schweiz, Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg (Bild: Kecko, (SG Schindler-Bunker), CC BY SA 2.0)

TofD in Hamburg: Bunker/Bürotürme

Hamburg verspricht zum Tag des offenen Denkmals nicht nur eine erfrischende Brise, sondern auch viel zur elegante hanseatische Moderne. Drei davon haben wir als Vorschläge herausgesucht: Zunächst geht es Übersee, genauer gesagt zum Überseering 12. Die City Nord (Treffpunkt: vor dem Haupteingang des Vattenfall-Hauses, 22297 Hamburg Nord) ist bekannt für ihre nachkriegsmodernen Bürohaus-Solitäre von namhaften Architekturbüros der 1960/70er Jahre. Die Aktion beginnt am 13. September um 15 Uhr und dauert zwei Stunden. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl, ist eine Anmeldung erforderlich (Sylvia Soggia, GIG City Nord GmbH, 040/6907563, soggia@city-nord.net).

Nur zum TofD zugänglich: die Bunker am Tonnenhafen Wedel (Deichstraße 7-9, 22880 Wedel). Einer von ihnen diente im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker, der andere wurde in den 1970er Jahren als Atombunker erbaut. Am 13. September werden beide zwischen 11 und 15 Uhr geöffnet, Führungen gibt es nach Voranmeldung(Jens Dahm, Vorsitzender der Hamburger Unterwelten e. V., 0176/50459511, j.dahm@hamburgerunterwelten.deSören Kempe, 2. Vorsitzender der Hamburger Unterwelten e. V., s.kempe@hamburgerunterwelten.de). Die Cityhof-Häuser (Klosterwall 2-8, 20095 Hamburg Mitte, Altstadt) wurden 1956-58 unter Federführung des Architekten Rudolf Klophaus erbaut. Eine Initiative engagiert sich aktuell für den Erhalt des Hochhaus-Ensembles. Am 12. und 13. September wird jeweils um 15 Uhr eine Führung angeboten (Treffpunkt: Arno-Schmidt-Platz, Anmeldung bis 10.9. erforderlich an: Initiative City-Hof, E-Mail: fuehrungen@city-hof.org). Und allgemeine Informationen zu allen Veranstaltungen gibt natürlich wie immer auf der offiziellen TofD-Homepage. (kb, 28.8.15)

Viel nachkriegsmoderne Qualität auf engstem Raum: die City Nord (Bild: Staro1, GFDL oder CC BY SA 3.0)