Scharouns Weg nach St. Petersburg

Hans Scharoun war ein Meister des organischen Bauens. Viele seiner Bauten gelten zu Recht als Meilensteine der Nachkriegsmoderne. Weniger bekannt sind dagegen die Anfänge des Architekten. Besonders sein Erstling, die „Bunte Reihe“ in Kamswyken bei Insterburg, ist weitgehend in Vergessenheit geraten. Insterburg trägt heute den Namen Černjachovsk und liegt in der russischen Exklave Kaliningrad. Scharouns baufällig gewordenes Häuserensemble wurde 2014 zu den sieben meist gefährdetsten Kulturdenkmäler Europas gezählt.

Diesem Verfall stellt sich der Verein Kamswyker Kreis entgegen. Er wirbt für den Erhalt von Scharouns Frühwerk und erarbeitete einen Sanierungsplan für das Bauensemble. 2015 initiierte er dazu eine Wanderausstellung, die bisher in Moskau, Minsk und Kaliningrad zu sehen war. 2016 steht ein Gastspiel bei der Deutschen Woche in St. Petersburg auf dem Programm. Die Schau, die bislang im Wesentlichen aus aktuellen Fotoaufnahmen bestand, soll zu diesem Anlass um historische Pläne erweitert werden. Bei der Finanzierung setzt man auf Crowdfunding. Wer Scharoun also den Weg in die Zarenmetropole ebnen möchte, kann sich hier beteiligen. (jr, 25.2.16)

Scharouns Erstling: die Bunte Reihe (Bild: Dimitri Suchin)