Wohnzimmer Hauptwache

In bestimmten Gegenden in Frankfurt am Main wird gerne und ausgiebig gefeiert: Der Friedberger Platz, der Luisenplatz und der Matthias-Beltz-Platz im hipsterigen Nordend sind in der warmen Jahreszeit rappelvoll, auch der Opernplatz ist regelmäßig mehr als gut besucht. Der Stadtkern hingegen ist weder besonders einladend noch besonders beliebt, sobald die Geschäfte auf der zentralen Einkaufsstraße Zeil schließen. Davon betroffen ist auch der Platz rund um die Hauptwache (ein nach Kriegsschäden 1954, dann 1968 nach dem U-Bahn-Bau erneut rekonstruierter Barockbau). Auch, wenn die Autos hier mittlerweile nicht mehr fahren dürfen, stellt sich inmitten des durch zahlreiche Abrisse in den vergangenen 20 Jahren immer beiger und gleichförmiger werdenden Bereichs keinerlei Aufenthaltsqualität ein. Wie kann man das ändern?

Die Stadt Frankfurt und das Deutsche Architekturmuseum (DAM) suchen Ideen, wie der zentrale Bereich und insbesondere die Hauptwache ansprechender gestaltet werden können. „Wohnzimmer Hauptwache 2022“ lautet der Titel des Projekts, das im Spätsommer und im Herbst den Platz in ein „Versuchslabor“ verwandeln soll. Geplant ist eine Tagung mit Workshops vor Ort. Bis Ende Mai können nun Ideen für „Urbane Module“ eingesandt werden. Das können wetterfeste mobile Elemente sein, aber auch „Aktionen, Interventionen und Dialogformate“, wie es im Aufruf der Stadt heißt. Eine Jury wählt die besten Projekte aus. Deren Realisierung wird inhaltlich und finanziell unterstützt. Zudem plant das DAM eine Ausstellung der Vorschläge und Ergebnisse. Das „Wohnzimmer Hauptwache“ ist Teil des Forschungsprojekts Post-Corona-Innenstadt: Das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) fördert im Rahmen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik bis 2024 insgesamt 17 Pilotprojekte, die angesichts der Covid-19-Pandemie innovative und beispielgebende Lösungen für krisenfeste Stadt- und Quartiersstrukturen erproben sollen. Diese Projekte erarbeiten neue Möglichkeiten für die Zukunft der Innenstadt, schaffen Begegnungsräume, gestalten Freiräume um oder erstellen strategische Konzepte zum Umgang mit Krisensituationen. Akteure aus Politik, Stadtverwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft arbeiten in den Vorhaben zusammen. (db, 13.5.22)

Frankfurt, Hauptwache (Bild: Simsalabimbam, CC BY-SA 3.0)

Der sozialistische Musentempel

1969 eröffnete in Rostock das erste neu erbaute Kunstmuseum der DDR – es sollte das einzige bleiben. Nichtsdestotrotz kam der Institution Museum im Arbeiter und Bauernstaat eine besondere gesellschaftliche und politische Rolle zu. Als Bildungseinrichtung mit breiter Adressatenschaft waren Museen für die um historische und kulturelle Deutungshoheit bemühte Staatsführung nicht zu vernachlässigen. Vom 2. bis 4. Juni 2019 widmet sich die internationale Tagung “Museen in der DDR” diesem wissenschaftlich bislang kaum bearbeiteten Forschungsfeld.

Im Fokus stehen die Spezifika des DDR-Museums, egal ob es sich um eine Kunstgalerie, ein Naturkundemuseum oder das historisch-materialistisch aufgebaute und damit hochpolitische Museum für Deutsche Geschichte in Ost-Berlin handelt. Ziel der Veranstaltung ist ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand, der auch in einem Tagungsband festgehalten werden soll. Die Tagung ist Teil des Jubiläumsprogramms anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kunsthalle Rostock, die dem Konvent als Tagungsort eine passende Bühne bietet. Der Call for Papers läuft bis zum 30. November 2018, Abstracts (max. 2000 Zeichen inkl. Leerzeichen + Kurzlebenslauf) können hier eingereicht werden. (jr, 12.10.18)

Rostock, Kunsthalle (Bild: Kunsthalle Rostock, CC BY SA 3.0)

Wer bestimmt die Architektur?

“Kein anderer Architekt hat zwischen 1960 und 2010 häufiger an Wettbewerbsjurys teilgenommen als Max Bächer”, so das Forschungsprojekt zu eben jenem Preisrichter, Architekten und Publizisten, den seine Kollegen auch “den großen Vorsitzenden” nannten. In seinem Nachlass finden sich Unterlagen zu mehr als 400 Architekturwettbewerben: darunter der Wettbewerb für das Deutsche Historische Museum in Berlin, zum Potsdamer Platz in Berlin oder zur Ditip-Zentralmoschee in Köln. Ab 1956 arbeitete er als selbständiger Architekt in Stuttgart und verwirklichte dort unter anderem den brutalistischen, 2002 abgerissenen “Kleinen Schlossplatz”. Als Professor wirkte er zwischen 1964 und 1994 an der TU Darmstadt. Nicht zuletzt publizierte er Artikel und Bücher, war im Redaktionsbeirat der BDA-Zeitschrift “Der Architekt” und ein unermüdlicher Briefeschreiber.

Bächers (1925-2011) umfangreicher Nachlass wurde vom DAM übernommen, ist bereits nach Projekten inventarisiert und soll nun der Forschung geöffnet werden. Den Auftakt bildet ein Workshop “Wer bestimmt die Architektur. Netzwerke, Wettbewerbe und der öffentliche Diskurs” vom 16. bis zum 17. Januar 2019 an der TU Darmstadt. (Nachwuchs-)Wissenschaftler sind angesprochen, ihre Projekte vorzustellen. Interessierte können sich bis zum 8. Oktober 2018 mit einem Vorschlag (Abstract von max. 2.000 Zeichen und eine Kurzbiographie in Deutsch oder Englisch) für einen 20-minütigen Vortrag per E-Mail wenden an: Frederike Lausch, lausch@kunst.tu-darmstadt.de. (kb, 17.9.18)

Stuttgart, Kleiner Schlossplatz (Bild: historische Postkarte)