Welterbe in Hamburg

Welterbe in Hamburg

Die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel - somit auch Fritz Högers Chilehaus (1922-24) - gehören nun zum Unesco-Welterbe (Bild: Pedelecs CC BY-SA 3.0)
Die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel – somit auch Fritz Högers Chilehaus (1922-24) – gehören nun zum Unesco-Welterbe (Bild: Pedelecs CC BY-SA 3.0)

Das Chile-Haus (1922-24) zählt zu den europäischen Ikonen des Backstein-Expressionismus. Nun erhält Fritz Högers Meisterwerk die höchste Weihe: Am 5. Juli 2015 wurden die Hamburger Speicherstadt und das Kontorhausviertel, zu dem der imposante Bau gehört, zum UNESCO-Welterbe erklärt. Auf der Welterbeliste stehen derzeit rund 1.000 Kultur- und Naturerbestätten aus 161 Ländern. In Deutschland gibt es nun 40, unter ihnen die Würzburger Residenz, die Essener Zeche Zollverein und der Dom zu Aachen (der 1978 als erstes deutsches Objekt zu dieser Ehre kam). Das UNESCO-Welterbekomitee beschloss die Aufnahme der Hamburger Bauten nun bei seiner Tagung in Bonn.

Die neogotische Speicherstadt gilt als das größte zusammenhängende einheitliche Speicherensemble der Welt und ist bis heute in nahezu unveränderter Gestaltung erhalten.  Errichtet wurde sie zwischen 1885 und 1927 auf einer Inselgruppe in der Elbe. Nach Kriegsschäden wurde sie unter der Leitung von Werner Kallmorgen wiederaufgebaut und ergänzt. Das benachbarte Kontorhausviertel mit den Hafenbüros und den Geschäftsräumen der Schifffahrtsunternehmen entstand in den Jahren 1920 bis 1940 und gilt als erstes Büroviertel Europas. Nun rückt auch das abrissbedrohte nachkriegsmoderne Cityhof-Hochhausensemble in die Welterbe-Pufferzone … (db, 6.7.15)

Hamburger Köpfe: Fritz Höger

Hamburger Köpfe: Fritz Höger

Hamburger Köpfe: Fritz Höger (Bild: Ellert & Richter Verlag)
Hamburger Köpfe: Fritz Höger (Bild: Ellert & Richter Verlag)

Das Hamburger Chilehaus wird 90. Im Jahr 1924 schenkte Fritz Höger (1877-1949) der Hansestadt ihr markantes Wahrzeichen. Wie ein Stein gewordenes Schiff ragt der Bau mit seinem spitzen Bug mitten in die Altstadt. Der Architekturhistoriker Ulrich Höhns widmet dem Meister des Backsteinexpressionismus jetzt ein ganzes Buch. In der Reihe „Hamburger Köpfe“ des Ellert & Richter Verlags entfaltet Höhns den Lebensweg und das reiche Werk des Baumeisters Fritz Höger.

Im Jahr 1907 gründete Höger sein eigenes Büro. Da ihm die akademische Ausbildung fehlte, nahm ihn der Bund Deutscher Architekten nicht auf. Höger nannte sich daraufhin schlicht „Baumeister“ und glänzte in öffentlichen wie privaten Projekten. Mit seinem Porträt zeigt Ulrich Höhns aber auch die andere Seite Högers: beruflich besessen, menschlich schwierig und politisch verstrickt in völkische Ideologien. Er sympathisierte mit den Nationalsozialisten und fand nach Kriegsende nicht mehr zu seiner alten Schaffenskraft zurück. (kb, 12.8.14)

Höhns, Ulrich, Fritz Höger (Hamburger Köpfe), Ellert & Richter Verlag, 2013, gebunden, 168 Seiten, 68 Abbildungen, 14 x 21 cm, ISBN 978-3-8319-0487-7.