Die Platte auf dem Tisch

„Dieses modell möbel ist sehr hilfreich requisiten für modell gebäude innen desgin. Da die größe oben ist gemessen durch hand, die größe der tatsächlichen artikel sie erhalten könnte etwas anders sein die größe oben.“ Sie verstehen Bahnhof? Dafür, dass ein Mensch mit einem Übersetzungsprogramm eine Beschreibung in einer ihm fremden Sprache für einen Gegenstand, dessen Intention ihm mutmaßlich ebenso fremd ist, generiert hat, ist das nicht schlecht erklärt! Die chinesische Handelsplattform „Aliexpress“ bietet auch für den Modernisten reizvolle Accessoires. So den Plattenbau für den Wohnzimmertisch. Den Kunststoffbausatz gibt es in etlichen Maßstäben, von der Modellbahngröße H0 (1:87) bis zu 1:150. Wer mehrere Modelle ordert, kann Gebäude in beliebiger Höhe basteln. Denn nicht vergessen: „Müssen montieren es“.

Auf Aliexpress sind kleinere Firmen vertreten, sie bieten ein wahres Wunderland (ncht nur) für Modellhausliebhaber: Auch Papierbausätze berühmter Hochhäuser sind lieferbar. Das „SkysMistEr Set“ beinhaltet das World Trade Center, das Empire State Building und das Trump International Hotel … Die Bestellung ist mit leichtem Nervenkitzel verbunden: Kommt sie an? Klingelt morgen der Zoll bei mir? Grundsätzlich funktioniert das Ordern in Fernost allerdings ordentlich, nur etwas Geduld ist nötig. Dafür gibt es dann ein „Klassische modell kunststoff stuhl indoor design architektur modell gebäude“. (db, 23.1.21)

Hochhaus 1:87 (Bild: Aliexpress)

Rudolf Hamburger – Architekt im Widerstand

Wer als Architekt in den 1930er Jahren dem Neuen Bauen zugeneigt war, der dachte und lebte international. Zum einen suchte er grenzübergreifend nach großzügigen Experimentierfeldern für die Moderne. Zum anderen wurde er oft nicht ganz freiwillig von wechselnden politischen Strömungen von Land zu Land getrieben. Auch der Poelzig-Schüler Rudolf Hamburger (1903 -80) reiste damals im Dienst seiner baukünstlerischen Ideale von Berlin bis nach ­Shanghai. Die national­sozialistische Bedrohung im Nacken, ließ er sich über seine Ehefrau, die Schriftstellerin ­Ursula Hamburger (alias Ruth Werner), für den sowjetischen Geheimdienst gewinnen. Am Ende geriet er zwischen die weltpolitischen Mühlen der Chinesen, Briten, Amerikaner und Sowjets, war lange im Gulag inhaftiert.

1955 in die DDR zurück­gekehrt, konnte er in ­­Dresden und ­Hoyerswerda als Architekt aktiv werden, als die Stasi auf ihn aufmerksam wurde. Damit lässt sich an Hamburgers Lebensweg der Wechsel zwischen Anpassung und Widerstand ablesen, den viele deutsche Bauschaffende seiner Generation teilen. Eine spannungsreiche Geschichte, die Eduard Kögel nun in seiner neuen Publikation bei Dom Publishers entfaltet. Wer vor dem Lesen schon einmal in die Gedankenwelt des Buchs reinhören will, kann dies online bei der virtuellen Buchvorstellung tun. (kb, 14.11.20)

Kögel, Eduard, Architekt im Widerstand. Rudolf Hamburger im Netzwerk der Geheimdienste, Dom Publishers, Berlin 2020, 21 x 23 cm,336 Seiten, 170 Abbildungen, Softcover, ISBN 978-3-86922-761-0.

Titelmotiv: Rudolf Hamburger 1955, direkt nach der Rückkehr aus der Sowjetunion, auf der Dachterrasse von Richard Paulicks Wohnung in der damaligen Stalinallee in Ost-Berlin (Bild: © Nachlass Familie Hamburger)

Albert Speer wird 80

Sie müssen nicht nachrechen, wir meinen den Sohn. Es geht um den Frankfurter Architekten und Städteplaner Albert Speer (junior). Geboren wurde er in Berlin am 29. Juli 1934 als Sohn des Architekten und NS-Reichsministers für Bewaffnung und Munition Albert Speer (senior) (1905-81). Zunächst entschied er sich für eine Schreinerlehre, bevor er in München Architektur studierte. Mit dem Jahr 1964 wurde seine Arbeit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Speer gewann den ersten Preis für den Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide und gründete sein eigenes Architekturbüro.

In der Folge spezialisierte sich Speer auf Projekte des Städtebaus: die Diplomatenstadt in Riad (1980), den Leitplan für die Frankfurter Innenstadt (1985), die Expo 2000, die Bewerbung um die Fußball WM 2022 in Katar (2010) – und gleich mehrere neue Städte in China. Zuletzt gründete Speer 2007 ein zweites Büro in Shanghai. Rund 25 Jahre lehrte er als Professor für Stadt- und Regionalplanung in Kaiserslautern. Speer wurde u. a. mit dem Großen Preis des DAI und der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. (kb, 29.7.14)

Albert Speer (Bild: Jens Braune)