City Nord

Die City Nord im Architektursommer

Prominente Hamburger Abrisse betrafen in den vergangenen Jahren die City Nord: Neben der ehemaligen BP-Zentrale (1964-71) 2015 fiel auch die brutalistische Postpyramide (1974-77) 2017/18 dem Abriss zum Opfer. Dennoch steht die ab 1964 nach einem Konzept von Werner Hebebrand errichtete „Bürostadt im Grünen“ als Ensemble seit 2013 unter Schutz. Etliche Bauten sind auch Einzeldenkmale – darunter die EDEKA-Zentrale (1972-74, Siegfried Wolske und Peter Erler) und das berühmte Vattenfall-Gebäude (1966-69, Arne Jacobsen). Die meisten Großbauten waren Konzernzentralen, der Erwerb der Grundstücke damals an die Auslobung von Architekturwettbewerben gebunden. Entsprechend entstanden in der Regel Solitäre von hoher gestalterischer Qualität, die oft auch innovative Bürokonzepte verfolgten.

Ab dem 27. Mai rückt im Hamburger Rathaus eine Fotoausstellung die Bürobauten der City Nord ins rechte Licht. Die Veranstalter – das Denkmalschutzamt und der Fotograf Felix Borkenau – lenken während des Hamburger Architektursommers den Blick aber nicht nur auf das Projekt dezentralen Bürostadt (und den durch sie erreichten Erhalt der Hamburger Innenstadt): Zugleich wird die Ausstellung das Architektursommer-Thema „Bauhaus und Moderne“ aufgreifen und mit den vielfältigen Beispielen hervorragender 60er und 70er-Jahre-Architektur den Bogen zu ihren Vorläufern schlagen. Die Eröffnung findet um 12.30 Uhr durch den Senator für Kultur und Medien Dr. Carsten Brosda in der Rathausdiele statt, die Schau läuft bis zum 18. Juni. (db, 13.5.19)

Hamburg-Winterhude, BP-Zentrale City Nord, abgerissen 2015 (Bild: Felix Borkenau)

Hamburg: Landgericht wird saniert

Hamburg-City Nord, Kapstadtring 1, ehemaliges Landgericht, 2010 (Bild: Alice Volkwardsen, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Seit 2013 unter Schutz: der 12-geschossige Riegel in der Hamburger City Nord (Bild: Alice Volkwardsen, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Seit 2012 steht der denkmalgeschützt Bau in der Hamburger City Nord, einer nachkriegsmodernen Bürostadt im Stadtteil Winterhude, leer. 1966 hatte sich hier die Schüttgutfirma „Claudius Peters AG“ als erster Mieter in dem 42 Meter und 12 Stockwerke hohen Riegel am Kapstadtring 1 eingemietet und blieb hier bis 1988. Anschließend kam das Landgericht mit einer Zweigstelle (inkl. Sozialgericht), die wiederum 2012 auszog.

Nun richtet der neue Eigentümer, die „Isaria Wohnbau AG“ den Bau für neue Nutzer her: für Kurzzeit-Hamburger. „Boarding-House“ nennt sich diese besondere Hotelform, die für den befristeten beruflichen Aufenthalt in der Hansestadt gedacht ist. Der Vorteil gegenüber dem normalen Hotel ist simpel: Es ist billiger, man kann auf Zeit ein bisschen heimisch werden und im angemieteten Zeitraum selbst bestimmen, wann man an-, ab- und wieder anreist. Vorgesehen sind 143 Wohnungen für eine Wohndauer von je von höchstens 3 Monaten. Schon 2018 sollen die ersten Kurzzeitmieter einziehen. Schon jetzt wird das künftige „Boarding-House“ stolz beworben – als verkehrsgünstig und zugleich naturnah gelegen. Die schöne Architektur bekommen die künftigen Bewohner noch gratis obendrauf. (kb, 9.7.16)

Hamburg: Aus für die Postpyramide

Oberpostdirektion Hamburg (Bild: Staro1, GNU FDL oder CC_BY_SA 3.0)
Bald Geschichte: die Postpyramide in Hamburg (Bild: Staro1, GNU FDL oder CC BY SA 3.0)

In der Hamburger City Nord geht es der als „Postpyramide“ bekannten Oberpostdirektion an den Kragen. Mitte Januar diesen Jahres kaufte ein Investoren-Joint Venture das Gebäude. Obwohl sein Spitzname eine längere Halbwertszeit erwarten ließe, wird der 70er-Jahrebau wohl bald abgerissen. An seiner Stelle soll ein neuer Turm mit Büros und Wohnungen entstehen. Das Viertel wird damit von der ursprünglichen Konzeption als reine Bürostadt weggeführt.

Die City Nord entstand seit den 1960er Jahren als Reaktion auf die steigende Nachfrage nach Büroflächen in der Hansestadt. Oberbaudirektor Werner Hebebrand hatte sich von Projekten in den USA inspirieren lassen, wo solche „Commercial Parks“ keine Seltenheit waren. In den Folgejahren entstanden auf dem Areal repräsentative Firmensitze, darunter auch architektonische Highlights wie die von Arne Jacobsen entworfene HEW-Zentrale. Auch die Oberpostdirektion galt damals als Vorzeigeprojekt. Während einige der anderen Bürotürme bei der Neukonzeption des Quartiers berücksichtigt wurden, galt die Postpyramide aber in jüngster Zeit als „Problem-Immobilie“. Die Bagger sollen 2017 anrollen – doch es regt sich auch Widerstand. (jr, 19.1.16)