Geldspeicher von Abriss bedroht

Manche Architekturikonen sind so legendär, dass sie für manche irreal wirken mögen. Doch dieser Geldspeicher ist in Wort und Bild bestens bezeugt, es handelt sich immerhin um das Herzstück im Finanzimperium des Dagobert Duck. In Entenhausen erhebt sich das würfelförmige Gebäude (37 x 39 Meter) zwischen Distel- und Scharrenstraße auf dem Glatzenkogel. Nun droht dem nachkriegsmodernen Schmuckstück ein massiver Eingriff, denn zwischen Eigentümer und Kommune wurde ein Kompromiss ausgehandelt: Der Bestand soll “energetisch saniert” werden. Und hier wird es spannend, denn Donald Duck drängt auf einen kostengünstigen Neubau, natürlich stabil, sicher und widerstandsfähig. Nur der Schriftzug “DD” müsse erhalten bleiben oder nachempfunden werden. Aus Sicht der Kommune wiederum gilt es, die “modernen baulichen Standards” einzuhalten, die Energieeffizienz zu gewährleisten und nachhaltige Rohstoffe einzusetzen. All das soll mit dem Stadtbild Entenhausens zusammenpassen. Hier klingt der Freiraum für eine Sanierung im Bestand an.

Vor diesem Hintergrund lobte die Berliner Egmont Ehapa Media GmbH nun “im Auftrag der Stadt Entenhausen” einen Architekturwettbewerb aus. Das zur Verfügung stehende Grundstück misst 50 x 68 Meter. Aus sicherheitstechnischen Erwägungen behält sich der Eigentümer die Ausgestaltung und Grundrissplanung selbst vor. Teilnehmende am Architekturwettbewerb müssen einreichen: eine Immatrikulationsbescheinigung der Architektur oder verwandter Studiengänge, 3D-Plänen in Schwarz-Weiß, eine Ansicht der vier Gebäudeseiten, eine Aufsicht des Grundstücks mit dem Gebäude, eine Darstellung der gewählten Materialien und Baustoffe inklusive einer Begründung (maximal eine DIN A4-Seite) sowie eine Darstellung der Energieeffizienzklasse des Gebäudes (maximal eine DIN A4-Seite). Bis zum 9. Januar 2022 um 23.59 Uhr können Vorschläge in digitaler Form eingereicht werden unter: geldspeicher@micky-maus.de. Ausgezeichnet werden die drei “kreativsten Entwürfe” mit Prämien zwischen 1.500 und 500 Euro. Zudem sollen sie im Mai 2022 in einem eigens dafür produzierten Comic in Szene gesetzt werden – eine perfekte Bühne, um gerade eine nachhaltige Bestandssanierung vorzustellen. (kb, 5.12.21)

Dagobert Duck und sein Geldspeicher (© Disney, via duckipedia.de)

Archicomics

Wer in den vergangene Jahrzehnten als “Papierarchitekt:in” bezeichnet wurde, nahm das selten als Kompliment – abgesehen von einer Gruppe russischer Zeichner:innen in den 1980er Jahren, die den Begriff für kurze Zeit zur Kunstform erhoben hatte. Ansonsten galt: Besonders ausgefallene oder gar futuristische Entwürfe galten als unrühmliche Kopfgeburten und kamen selten über die Papierform hinaus. In einem Comic jedoch wird aus dieser vermeintlichen Schwäche eine Tugend. Hier muss Architektur, wenn es die Handlung erfordert, geradezu fantastische Dimensionen annehmen. Dieser besonderen Literaturgattung widmet sich in der Stuttgarter Raumgalerie die Ausstellung “Archicomics” – entstanden in Kooperation mit dem Architektur­schaufenster Karlsruhe als Analyse von Studierenden der dortigen Hochschule.

In der Graphic Novel kennt die Baukunst nahezu keine Grenzen, außer der zeichnerischen Begabung der Verfasser:innen. Dabei können Häuser und Silhouetten zur atmosphärischen Kulisse geraten, oder zum tragenden Part der Erzählung. Die Ausstellung dreht sich um zwölf Comics, darunter diese: Yes is more (BIG – Bjarke Ingels Group), Eileen Gray – A House under the Sun (Charlotte Malterre-Barthes/Zosia Dzierzawska), Der Magnet (Lucas Harari), Die kopierte Stadt (Matthias Gnehm) oder – hieraus stammt das Titelmotiv der Schau – Robert Moses: The Master Builder of New York City (Olivier Balez/Pierre Christin). Die Ausstellung ist zu sehen vom 7. August bis zum 30. Oktober 2021 (Galerieferien und Sonderöffnungszeiten beachten!) in der Raumgalerie (Ludwigstraße 73, 70176 Stuttgart), eine Vernissagefeier ist angesichts der aktuellen Pandemiebeschränkungen nicht vorgesehen. (kb, 3.8.21)

Titelbild: Motiv aus: Robert Moses – The Master Builder of New York City, von: Pierre Christin und Olivier Balez, Nobrow London | New York 2018

Mies: Ein Comic zum 50. Todestag

Ludwig Mies van der Rohe, selbsternannter Gottvater der Internationalen Moderne, verstarb heute vor genau 50 Jahren in Chicago. Grund genug, ihm im Bauhausjahr eine eigene Graphic Novel zu widmen. Denn ab 1930 stand das Dessauer Bauhaus unter seiner Leitung. Zuvor hatte er sich bereits mit dem Deutschen Pavillon zur Weltausstellung 1929 in Barcelona einen Namen gemacht. 1932 wurde das Bauhaus auf Antrag der Nationalsozialisten geschlossen, Mies emigrierte 1938 in die USA. Hier begründete der Architekt nicht nur ein neues erfolgreiches Büro (so erhielt er z. B. in der alten Heimat den Auftrag zur Neuen Nationalgalerie in Berlin), sondern auch seinen Ruf als zentrale Figur der modernen Baukunst.

Für das Baunetz ist der frisch ins Deutsche übersetzte Comic “ein wilder Ritt mit Mies durch das 20. Jahrhundert” (mit einigen blassen Stellen beim Thema Frauen). Deutschlandfunk Corso erkennt in der Bildergeschichte, “dass Augustin Ferrer Casas sein Thema geliebt hat”. Der spanische Comickünstler zeichnet das Leben des Architekten in Rückblenden: Mies van der Rohe berichtet seinem Enkel während eines Fluges nach Berlin, zur Baustelle der Neuen Nationalgalerie, aus seinem Leben. (kb, 17.8.19)

Casas Ferrer, Agustín, Mies van der Rohe. Ein visionärer Architekt, übersetzt von André Höchemer, Carlsen Verlag, Hamburg 2019, 176 Seiten, Hardcover, 20 x 26,5 cm, ISBN 978-3-551-02294-3.

Titelmotiv: Detail des Buchcovers (Bild: Agustín Ferrer Casas/Carlsen Verlag)