Mies: Ein Comic zum 50. Todestag

Ludwig Mies van der Rohe, selbsternannter Gottvater der Internationalen Moderne, verstarb heute vor genau 50 Jahren in Chicago. Grund genug, ihm im Bauhausjahr eine eigene Graphic Novel zu widmen. Denn ab 1930 stand das Dessauer Bauhaus unter seiner Leitung. Zuvor hatte er sich bereits mit dem Deutschen Pavillon zur Weltausstellung 1929 in Barcelona einen Namen gemacht. 1932 wurde das Bauhaus auf Antrag der Nationalsozialisten geschlossen, Mies emigrierte 1938 in die USA. Hier begründete der Architekt nicht nur ein neues erfolgreiches Büro (so erhielt er z. B. in der alten Heimat den Auftrag zur Neuen Nationalgalerie in Berlin), sondern auch seinen Ruf als zentrale Figur der modernen Baukunst.

Für das Baunetz ist der frisch ins Deutsche übersetzte Comic „ein wilder Ritt mit Mies durch das 20. Jahrhundert“ (mit einigen blassen Stellen beim Thema Frauen). Deutschlandfunk Corso erkennt in der Bildergeschichte, „dass Augustin Ferrer Casas sein Thema geliebt hat“. Der spanische Comickünstler zeichnet das Leben des Architekten in Rückblenden: Mies van der Rohe berichtet seinem Enkel während eines Fluges nach Berlin, zur Baustelle der Neuen Nationalgalerie, aus seinem Leben. (kb, 17.8.19)

Casas Ferrer, Agustín, Mies van der Rohe. Ein visionärer Architekt, übersetzt von André Höchemer, Carlsen Verlag, Hamburg 2019, 176 Seiten, Hardcover, 20 x 26,5 cm, ISBN 978-3-551-02294-3.

Titelmotiv: Detail des Buchcovers (Bild: Agustín Ferrer Casas/Carlsen Verlag)

Gegen den Strich?

Das Erbe großer Architekten wird an ihren Bauten festgemacht. Damit geht natürlich die Gefahr einher, dass die Erinnerung an die Persönlichkeit hinter den Projektenen eher in Fachkreisen gepflegt wird. Sieht man von wie Superstars wie Mies van der Rohe, Oscar Niemeyer oder Zaha Hadid ab, trifft dies vor allem die Baumeister der Nachkriegsära. Für einen unter ihnen könnte das Dasein im Schatten des Werks bald ein Ende haben: Der österreichische Architekt Karl Schwanzer (1918-75) kehrt nun als Comic-Figur (!) zurück (okay, heute sagt man „Graphic Novel“, aber meint das Gleiche). Gezeichnet hat ihn der Wiener Trickfilmer und Illustrator Benjamin Swiczinsky – auf initiative von Karl Schwanzers Sohn, Martin Schwanzer, der selbst als Architekt und Immobilienentwickler wirkt. Ursprünglich plante der sogar einen ganzen Zeichentrickfilm über seinen Vater, doch das drohende Millionenbudget schreckte ihn ab.

Der Wiener Karl Schwanzer schuf in seiner Geburtsstadt Wien insbesondere in den 1960ern etliche ikonische Bauten, darunter das Philips Haus (1964) und das 20er Haus im Schweizergarten (1964). In Deutschland zeichnet er verantwortlich für die Münchener BMW-Verwaltungsbauten (1973). An der TH Darmstadt wirkte er auch als Gastprofessor, ebenso an der Universität Riad. Im Buch kann man nun die mannigfaltigen Stationen des Umtriebigen Künstlers nachverfolgen, zudem bietet es einen inblick in eine durchaus getriebene Künstlerseele – auf die auch der Titel bereits schließenlässt: „Schwanzer. Architekt aus Leidenschaft“. (db, 10.4.19)

Swiczinsky, Benjamin, Schwanzer. Architekt aus Leidenschaft, Birkhäuser-Verlag, Basel 2018, 96 Seiten, ISBN978-3-0356-1866-2.

Die neunte Kunst

Dass Comics große Kunst sein können, ist uns ja schon lange klar. Spätestens mit der Eröffnung des Erika Fuchs Hauses sind sie auch in der Welt der Museen angekommen. Da scheint es nur konsequent, dass sich in Oldenburg derzeit gleich drei Museen dem Themenkomplex widmen. Das Stadtmuseum Oldenburg, das Horst-Janssen-Museum und das Edith-Russ-Haus für Medienkunst haben das Jahr mit einer umfassenden Kooperation begonnen und nähern sich unter dem Titel „Die Neunte Kunst“ dem Comic aus unterschiedlichen Richtungen.

Das Stadtmuseum zeigt bis zum 2. April die Sonderausstellung „Die Geschichte des Comics“. Die Schau beleuchtet die charakteristische  Erzählstruktur des Comics anhand exemplarischer Objekte und zeichnet seinen Aufstieg zur eigenen Kunstgattung nach. Im Horst-Janssen-Museum stehen „Aktuelle deutsche Graphic Novels“ im Fokus. Gezeigt werden Originalzeichnungen und die Vorgeschichte ausgewählter Bücher, die Ausstellung ist bis zum 6. Mai zu sehen. „Unwanted Stories“ im Edith-Russ-Haus schließlich widmet sich den düsteren Graphic Novels und zeigt darüber hinaus großformatige Wandzeichnungen, grafische Reportagen und Computerspiele. Sie ist bis zum 1. April zu sehen. (jr, 7.2.18)

Krazy Kat (Bild: © dpa picture alliance)