Welterbe am Main?

Die 2016 von Planungs- und Kulturdezernat der Stadt eingerichtete „Projektgruppe Neues Frankfurt“ möchte die unter Ernst May 1925-30 realisierten Städtebau-Projekte zum UNESCO-Welterbe machen. Hessen kann zwei Kultur- und Naturdenkmäler für die sogenannte Tentativliste nominieren, der nationalen Welterbe-Vorschlagsliste. Das Land habe in Aussicht gestellt, dass das Neue Frankfurt auf dieser Liste denkbar sei – ein schlüssiges Gesamtkonzept vorausgesetzt. In die Arbeit hieran eingebunden sind nun unter anderem das Stadtplanungsamt, die Bauaufsicht, das Denkmalamt, das Deutsche Architekturmuseum (DAM), das Historische Museum, das Museum Angewandte Kunst (MAK), das Institut für Stadtgeschichte, die Ernst-May-Gesellschaft, die Martin-Elsaesser-Stiftung, Icomos und der Deutsche Werkbund. Schon 2013 gab es einen vergeblichen Anlauf, das Neue Frankfurt auf die Tentativliste zu setzen.

Unter Stadtbaurat Ernst May und zahlreichen Architekten und Designern entstanden in Frankfurt/Main bis 1930 zahlreiche Siedlungen mit rund 12.000 Wohnungen – in denen auch Margarete Schütte-Lihotzkys „Frankfürter Küche“ debütierte. Hinzu kamen Einzelbauten wie die Großmarkthalle und das Palmengarten-Gesellschaftshaus (beide von Martin Elsaesser). Die meisten Gebäude sind heute Eigentum der städtischen Wohnungsgesellschaft ABG Holding – die teils robust mit dem architektonischen Erbe umging. „Baukulturellen Besonderheiten und bauzeitlichen Freiraumstrukturen wurde häufig nicht in ausreichendem Maße Rechnung getragen“, gibt der Magistrat zu. Für eine denkmalgerechtere Sanierung sind nun Gestaltungshandbücher geplant. (db, 11.1.21)

Frankfurt/M., Siedlung Römerstadt (Bild: Christos Vittoratos, CC BY-SA 3.0)

SOS Brutalismus in Aalen

Die Ausstellung „SOS Brutalismus – Rettet die Betonmonster“, ein gemeinschaftliches Projekt des Deutschen Architekturmuseums Frankfurt und der Wüstenrot Stiftung, zieht weiter: Vom 1. Februar bis zum 29. März 2020 wird sie in der Galerie im Rathaus Aalen zu sehen sein. Bereits am Freitag, den 31. Januar findet um 18:00 Uhr die Vernissage statt, bei der auch DAM-Kurator Oliver Elser sprechen wird. Der aktuelle Ort der 2017 erstmals gezeigten Schau ist natürlich nicht ohne Grund gewählt.

Hintergrund ist der aktuelle Diskurs um die Zukunft des Aalener Rathauses, denn dort stehen demnächst größere Sanierungsmaßnahmen an. Nach einer Vortragsreihe im vergangenen Jahr soll die Ausstellung noch einmal die Qualitäten des Brutalismus und somit auch die architektonische Qualität des Rathauses ins Bewusstsein rufen. Der 1975 nach Plänen des Reutlinger Architekten und späteren Ulmer Baubürgermeisters Helmut Schaber realisierte Bau lehnt sich stilistisch an Kenzo Tanges Verwaltungsgebäude der Präfektur Kagawa im japanischen Takamatsu an. (mk, 22.01.20)

Aalen, Rathaus und Reichsstädter Brunnen (Bild: Stephan Becker, CC BY-SA 4.0)

Neues Frankfurt 2018

Der soziale Wohnungsbau war eines der Hauptanliegen des Bauprojekts „Das Neue Frankfurt“. In den 1920er Jahren entstanden in der Stadt am Main unter der Ägide ihres Stadtbaurats Ernst May um die 15 000 Wohneinheiten. Flankiert wurde die Bautätigkeit von einer umfassenden Kampagne zu kultureller und ästhetischer Neugestaltung, die europaweite Resonanz erregte. Diesem Vorbild folgt der jüngst ausgelobte Preis „Wohnen für alle – Neues Franfurt 2018“.

Anders als sein Idol aus den 1920er soll das Neue Frankfurt 2018 weniger Ideengeber, sondern Rezipient und Realisator sein. Die Initiatoren, d.i. das Dezernat für Planen und Wohnen der Stadt Frankfurt am Main, das Deutsche Architekturmuseum und die Wohnbaugesellschaft ABG, rufen Architekturbüros aus ganz Europa auf, realisierte Beispiele des bezahlbaren Wohnungsbaus aus den letzten vier Jahren einzureichen. Alle Projekte werden in einer Ausstellung und einem Katalog dokumentiert, eine internationale Jury prämiert bis zu 10 Preisträger. Der besondere Reiz: In einer zweiten Phase haben die prämierten Preisträger die Chance, ein bauliches Konzept für bezahlbaren Wohnungsbau im Frankfurter  Frankfurter Hilgenfeld-Areal vorzulegen. Aus diesen Beiträgen wählt die Jury bis zu drei Arbeiten aus, die anschließend 1:1 realisiert werden. Projekte können noch bis zum 16.2.2018 eingereicht werden. (jr, 24.1.18)