Karl-Marx-Stadt liegt in Amerika

Das Wende Museum bringt Kunst und Alltag der DDR in die Vereinigten Staaten (Bild: The Wende Museum, Marie Astrid-Gonzalez. CC- BY-SA 3.0)
Das Wende Museum bringt Kunst und Alltag der DDR in die Vereinigten Staaten (Bild: The Wende Museum, Marie Astrid-Gonzalez. CC- BY-SA 3.0)

In den 1980er Jahren konzentrierte sich die DDR-Führung bei  der Suche nach Anerkennung für den maroden Arbeiter- und Bauernstaat zunehmend auf das westliche Ausland. Erich Honecker wurde nicht nur von Helmut Kohl und Francois Mitterand, sondern sogar vom Papst empfangen. Ein Wunsch blieb dem Generalsekretär jedoch verwehrt: der Staatsbesuch in den USA. Seit 2002 hat die DDR hier wieder eine ständige Vertretung: Das Wende Museum and Archive of the Cold War zeigt in Culver City bei Los Angeles die wahrscheinlich größte Sammlung ostdeutscher Alltags- und Kunstobjekte außerhalb Deutschlands.

Justinian Jampol, Gründer und Direktor des Museums, grenzt sich im Ansatz von selektiven Methoden historischer Museen oder Archive strikt ab. Der Historiker sammelte vielmehr seit seiner Studentenzeit Alltagsgegenstände ebenso wie Staatskunst, Illustrierte oder Mauersplitter. Wichtigstes Kriterium: DDR-Provenienz.  Das Ergebnis ist eine allumfassende thematische Sammlung, die bis heute ständig erweitert wird. Auch aus diesem Grund soll das mittlerweile fest etablierte Museum nun expandieren: die Stadt stellte hierzu einen ehemaligen Militärkomplex inklusive Atombunker aus dem Jahr 1949 (!) zur Verfügung. (jr, 10.11.2014)

Sozialismus im Schmalfilmformat

Das Projekt fokussiert das Alltagsleben vieler DDR-Bürger - zum Beispiel den Ausflug zur Datsche (Bild: RIA Novosti archive, image #487609, V. Lozovskiy, CC-BY-SA 3.0)
Das Projekt zeigt das Alltagsleben vieler DDR-Bürger – zum Beispiel den Ausflug zur Datsche (Bild: RIA Novosti archive, image #487609, V. Lozovskiy, CC-BY-SA 3.0)

Wer kennt sie nicht, die Fernsehbilder der greisen SED-Führung, die 1989 unverdrossen die letzte Parade der NVA abnahm, während Ehrengast Gorbatschow schon nach der Uhr sah. Auch der dicke Bruderkuss, mit dem Erich Honecker seinen sowjetischen Gast Brežnev begrüßte, ist durch diverse Geschichtsdokus längst Teil der kollektiven Erinnerung. Der filmische Blick darauf ist geprägt von der Arbeit professioneller Kameraleute. Doch nicht mehr lange, wie Ostmoderne.org meldete.

Eine von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderte Initiative will dies nun ändern und den historischen Alltag Ostdeutschlands aus einer anderen Perspektive anschaulich machen. Das Forschungsprojekt “Open Memory Box” hat es sich zur Aufgabe gemacht, historisches Bildmaterial zum DDR-Alltag zu sammeln. Dabei finden ausschließlich Aufnahmen von Amateurfilmern Berücksichtigung. Die 8 mm-Schmalfilmkamera PentAka, seit 1958 in Dresden hergestellt, erfreute sich großer Beliebtheit und machte viele DDR-Bürger zu Hobbyregisseuren. Die Wissenschaftler planen die Anlage eines digitalen und online frei abrufbaren Filmarchivs. Wer seine Schmalfilmaufnahmen zur Verfügung stellt, bekommt zum Dank eine digitale Kopie zugesandt. (jr, 23.9.14)