Kunst-Kiosk ist zurück

Am 1969 aufgestellten Kiosk am Sophienstiftsplatz im Weimar konnte man schon lange keine Zeitungen mehr kaufen. Ab Mitte der 1990er war in dem DDR-Relikt ein Fischbrötchenstand untergebracht, seit 2002 ist es Ausstellungsfläche für Kunst. Sogar einen Brandanschlag im selben Jahr überstand der “Verkaufskiosk für Presseerzeugnisse” des Typs K600. Seinen heutigen Namen “Kiosk.6” verdankt er seiner Größe von genau 6 Quadratmetern. Heute wird er von einer Studenteninitiative der Bauhaus-Universität Weimar betrieben.

Zuletzt war er allerdings 21 Monate dicht – und weg! Die Stadt Weimar gestaltete den Sophienstiftsplatz um. Er ist ein zentraler Knotenpunkt im innerstädtischen Verkehr, und 2020 war mit dem Umbau des Platzes sowie des unweit gelegenen Goetheplatzes begonnen worden. Der Kiosk.6 war den Bauarbeiten im Weg, wurde demontiert und eingelagert. Seit einigen Wochen steht er nun wieder (fast) am alten Platz. In den kommenden Monaten werden hier hoffentlich bald wieder studentische Projekte einziehen. Falls nicht, könnte man über die Wiederaufnahme des Fischbrötchenverkaufs nachdenken. Nur so eine Idee … (db, 23.5.22)

Weimar, Kiosk .6 (Bild: Asha Lester)

Geras moderne Altstadt

Einer der bekannten Nachteile der Corona-Beschränkungen sind ausgefallene Ausstellungen. Der Vorteil liegt darin, dass diese dann vom heimischen Schreibtisch oder Sofa aus bequem online erkundet werden können. So auch im Fall eines sehenswerten Studienprojekts in Gera. Vor allem der südliche Teil der dortigen Altstadt wurde in den 1970er Jahren abgerissen und in den 1980ern durch Plattenbauten ersetzt. Im Wintersemester 2020/21 haben sich Urbanistik-Studierende der Bauhaus-Universität mit diesem Bestand auseinandergesetzt und ihre Ergebnisse digital festgehalten.

Gera, Altstadtplatte (Bild: Bauhaus-Universität Weimar)

Dieses Zeugnis der späten Ostmoderne befindet sich aktuell im Umbruch, immer öfter stehen die Ladengeschäfte und Wohnungen leer, immer ungepflegter zeigen sich die Grünflächen und Freiräume. Dabei hatte man hier mit viel baubezogener Kunst für eine ansprechende Gestaltung sorgen wollen. Und während der Schutzwert der mittelalterlichen Teile der Geraer Altstadt schon längst erkannt wurde, hat die Denkmalpflege die dortigen Plattenbauten bislang noch nicht in den Blick genommen – die Studierenden bewegten sich also in vielerlei Hinsicht auf einem ‘weißen Fleck’ der architekturgeschichtlichen Landkarte.

Gera, Altstadtplatte (Bild: Bauhaus-Universität Weimar)

Umso wichtiger, dass die Ergebnisse der Studierenden in der digitalen “go4spring”-Schau der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität nun allgemein online zugänglich sind – einschließlich eines Video-Rundgangs durch die moderne Altstadt. Die neun beteiligten Studierenden des dritten Semesters wollten damit Grundlagen und Anhaltspunkte für die Diskussion vor Ort entwickeln, mit konkreten Konzepten weitere Anstöße geben und nicht zuletzt für eine neue Wertschätzung der modernen Altstadt von Gera werben. Sehens- und bedenkenswert sind ihre Ergebnisse in jedem Fall und wecken die Neugier, sich vor Ort ganz analog ein eigenes Bild zu machen. (kb, 14.3.22)

Das Studienprojekt der Bauhaus-Universität Weimar wurde betreut von Kirsten Angermann, Christine Dörner und Mark Escherich. Die Ausstellung “Denkmalensemble(s)” ist hier online abrufbar.

Gera, Altstadtplatte (Bild: historische Abbildung, via Bauhaus-Universität Weimar)

Bilder: Gera, Altstadtplatte (Bild: Bauhaus-Universität Weimar, bzw. historische Abbildung, via Bauhaus-Universität Weimar)

Schach dem Beton

Zu DDR-Zeiten gab es auf der Peißnitzinsel in Halle (Saale) eine umfangreiche Freizeitlandschaft. Der “Parkteil der aktiven Erholung” wurde zu Zeiten des Sozialismus sukzessive im seit 1888 existierenden Naherholungsgebiet errichtet. Hier befand sich auch das 1978 eröffnete, denkmalgeschützte “Raumflug-Planetarium Siegmund Jähn”, das trotz Protesten 2018 aufgrund Hochwasserschäden abgerissen wurde. Viele andere Bauteile aus den 1970er/80er Jahren befinden sich ebenfalls in schlechtem Zustand oder liegen komplett brach. So auch eine Gruppe von Freiluft-Schachtischen aus Beton, die nun demontiert wird.

Doch keine Sorge, diesen Bauten droht nicht das Schicksal des Planetariums – nicht nur, weil sie seit 2019 ebenfalls unter Denkmalschutz stehen. Die Stadt Halle lässt im Bereich der Anlage derzeit Sturmschäden beseitigen. Für die Dauer der Aufbereitung bleiben die Betonteile eingelagert, sollen hernach wieder aufgestellt werden. Eine der insgesamt fünf Sitzgruppen wurde beim Sturm im März diesen Jahres ohnehin beschädigt und wird nun instandgesetzt. Die Arbeiten bereiten eine folgene Neugestaltung des Areals zwischen Birkenallee und westlichem Parkweg durch die Stadt Halle vor. Als Teil des geplanten Generationenspielplatzes soll der Bereich mit Schachtischen und Pavillon originalgetreu rekonstruiert werden. (db, 6.12.21)

Halle, Schachtische Peißnitzinsel (Bild: Enrico Seppelt/Dubisthalle)