Neuerscheinung: Typenbau der DDR

Der Dreiviertelhaus-Verlag veröffentlicht eine neue Buchreihe zum Thema Typenbauten in der DDR. Nun erscheint mit Florian Kriegs Publikation „Typ Leipzig. Ein Mehrzweckgebäude des VEB Leichtmetallkombinat“ der erste Band. Auf achtzig Seiten erläutert Krieg die spannenden Hintergründe der Entstehung, Konstruktion und Montage. Ab 1969 arbeitete man an standardisierten Bausystemen die vom Tragwerk bis zur Fassade komplett aus Stahl bestehen sollten. Das Ziel war es, die Neuentwicklungen des Kombinats möglichst vielfältig verwenden zu können. Dabei setzten die Ingenieure auf flexible Grundrisse und auf vorgefertigte Elemente.

Aber im Typ Leipzig wurde nicht nur für den real existierenden Sozialismus produziert, sondern ebenso verwaltet oder gelegentlich sogar gewohnt. Für optische Akzente sorgten farbig emaillierte Fassadentafeln. Wer sich fragt, in welchem Zustand die Gebäude überliefert sind und wie sie inzwischen (um-)genutzt werden, findet in der vorliegenden Publikation auch darauf Antworten. Dafür hat sich der Autor auf die Suche nach den zahlreichen realisierten Mehrzweckgebäuden begeben und unterschiedliche Beispiele in Polen und in Deutschland zusammengestellt. (mk, 20.4.20)

Krieg, Florian, Typ Leipzig, Ein Mehrzweckgebäude des VEB Metalleichtbaukombinat. Typenbauten der DDR 1, Dreiviertelhaus-Verlag, Berlin 2020, 80 Seiten, ISBN 978-3-96242-401-5.

Titelmotiv: „Ein Mehrzweckgebäude des VEB Metalleichtbaukombinat“ (Bild: Buchcover, Dreiviertelhaus-Verlag)

ÜBER ECK: Das bunte Erbe der DDR

In Potsdam wird der Diskurs über die baulichen Zeugen der Ex-DDR besonders leidenschaftlich geführt. Einige Kräfte bemühen sich dort eifrig, die Überbleibsel des lange verschwundenen Staates gänzlich aus dem Stadtbild zu tilgen. Die Uhr sollte dieser Position zufolge, zumindest ästhetisch, auf die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückgedreht werden. Unter akuter Abrissbedrohung steht auch das ehemalige Rechenzentrum – heute Heimstätte für Künstler und Kreative – welches von einem herausragenden Beispiel ostmoderner Kunst am Bau geziert wird. Fritz Eisel schuf 1971 das Mosaik: „Der Mensch bezwingt den Kosmos“. Von nun an kündeten Kosmonauten vom vermeintlichen Sieg des Sozialismus inmitten der alten preussischen Residenz.

Vor diesem Hintergrund findet das Symposium „ÜBER ECK: Bauerbe der DDR“ statt. Beginn der Veranstaltung ist am 28.02.2020, zunächst im Potsdam Museum, Am Alten Markt 9, 14467 Potsdam. Weiter geht es dann im Rechenzentrum selbst, Dortusstraße 46, 14467 Potsdam. Themenschwerpunkt wird die Bedeutung und Interpretation des Mosaiks, sowie grundsätzlich baubezogene Kunst im öffentlichen Raum sein. Die Ergebnisse des Symposiums werden als Dokumentation gesichert, zeitgleich findet im Potsdam Museum eine Begleitausstellung statt. (jm, 24.2.20)

Potsdam, Rechenzentrum (Bild: rzpotsdam)

Die Botschaften der Wände

Am 24.1. geht es in der Berliner Akademie der Künste um sprechende Wände. Genauer gesagt, um Kunst am Bau. Sie hat als Bindeglied zwischen Architektur, Kunst, Politik und Stadtgestaltung in Deutschland eine lange Tradition und seit den 1920er Jahren in beiden Deutschen Staaten ein reiches baukulturelles Erbe hervorgebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Kunstförderung in der sowjetisch besetzten Zone sofort Teil der sozialistischen Kulturpolitik. Die Kulturverordnung legte 1950 den Etat für baubezogene Kunst an staatlichen Neu- und Umbauten auf ein bis zwei Prozent der Bausumme fest. Kunstwerke sollten die Bauten von Regierung und Partei, Volkseigene Betriebe, Hochschulen und Kulturhäuser ergänzen. Ab den 1960ern wurde diese Kunst in der DDR unter anderem um Skulpturen, Brunnen und Glasgestaltungen erweitert.

Themen der Werke waren meist Völkerfreundschaft, die Verbundenheit mit der Sowjetunion, Fortschritt, Aufbau und Verteidigung. Mit der Wiedervereinigung verloren viele DDR-Bauten ihre Funktion, wurden teils abgebrochen, teils neu genutzt und umgebaut. Oft genug ging die sozialistische Kunst verloren. Nun möchte das Symposium „Kunst am Bau in der DDR“ den Blick wieder auf den Ost-Kunstbestand und seine kulturgeschichtliche Bedeutung lenken. Es sprechen unter anderem Arnold Bartetzky, Thomas Flierl, Sigrid Hofer, Paul Kaiser, Swantje Karich und Ulrike Wendland. Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin, Tel. 030/20057-1000, Anmeldung: kunstamBau@bbr.bund.de (db, 20.1.20)

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Martin Maleschka)