Pilzkiosk für Haus Paepke

Schnittige Villen gibt es nicht nur in Hollywood, im Tessin oder im Grunewald: Im nordhessischen Hugenottendorf Carlsdorf befindet sich das für das Lehrerehepaar Paepke 1958 vom Hofgeismarer Architekten Prof. Hermann Mattern (1902-71) erbaute „Haus Paepke“: Ein Flachdachbungalow in der Tradition des Neuen Bauens, zeitgenössisch aufgepeppt mit Schmetterlingsdach und runden Fenstern, sich zum Garten hin zweigeschossig öffnend. Das große Grundstück in Hanglage zeichnet sich zudem durch seinen grandios angelegten Garten aus. Hermann Mattern, der zuletzt an der TU Berlin lehrte, gilt als einer der wichtigsten Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts.

Zum Tag des Offenen Denkmals öffnet der heutige Besitzer Mark Meusel das Haus Paepke regelmäßig für Besucher. Um diese künftig stilgerecht bewirten zu können und Ausflüglern eine besondere Einkehrmöglichkeit zu bieten, denkt er derzeit darüber nach, einen stilechten Pilzkiosk zu errichten. Die Vorlage hierzu bietet der berühmte, seit bald 60 Jahren lieferbare Modellbausatz von Faller. Derzeit eruiert Mark Meusel die Möglichkeiten einer Finanzierung. Bis zum 2019er Tag des offenen Denkmals dürfte es knapp werden, aber wer weiß: Vielleicht treffen wir uns 2020 ja auf eine Mokkamilch in Carlsdorf … (db, 5.6.19)

Carlsdorf, Haus Paepke Projekt Pilzkiosk (Bild: Mark Meusel)

Sanierung der Oper Köln wird teurer

Ist die Kölner Oper der neue BER? Nachdem im Mai schon über die zu erwartende Kostensteigerung und Bauzeitverlängerung spekuliert worden war, ist es nun offiziell: Die Stadt bestätigt, dass die Sanierung der Bühnen Köln im schlechtesten Fall 565 Millionen Euro kosten und bis zum März 2023 dauern wird. Im Juli 2015 hatte man die geplante Wiedereröffnung kurzfristig absagen müssen. Dem zuständigen Ingenieurbüro wurde daraufhin gekündigt, ein Nachfolger fand sich erst im April diesen Jahres.

Was würde der Architekt Wilhelm Riphahn wohl dazu sagen? Zwischen 1957 bis 1962 wurde das inzwischen denkmalgeschütze Ensemble aus Opernhaus, Schauspielhaus und Opernterrassen am Offenbachplatz nach seinen Plänen errichtet. Seither prägt es das Stadtbild und bietet Raum für Kultur – innen wie außen. Die aktuellen Pläne zur denkmalgerechten Sanierung von HPP Architekten machen eigentlich auch einen vielversprechenden Eindruck. Eine Kinderoper soll entstehen, Sitze sollen mit neuen Bezügen in taubenblauem Samtvelours restauriert werden, sogar Proben von den originalen Wandanstrichen habe man entnommen – wie 2015 berichtet wurde. Nun werden wir leider noch einige weitere Jahre auf die dann hoffentlich spektakuläre Eröffnung waren müssen. Bis dahin können wir die zauberhafte Opernarchitektur zumindest in Bildern der Fotografin Anja Schlamann „erleben“. (df, 12.7.17)

Bühnen Köln (© Raimond Spekking/CC BY SA 3.0 (via Wikimedia Commons))

Lenin und die Zauneidechsen

Lenin und die Zauneidechsen

Berlin, Lenindenkmal am damaligen Leninplatz, 1970 (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0505-0054-001, Foto: Jürge Ludwig, CC BY SA 3.0.de)
Das Berliner Lenindenkmal wurde 1970 enthüllt (Bild: Bundesarchiv Bild 183-J0505-0054-001, Foto: Jürge Ludwig, CC BY SA 3.0.de)

Es ist jetzt schon mehr Jahre unter der Erde, als es darüber verbracht hat: Das Berliner Lenindenkmal wurde 1970 am damaligen Leninplatz, dem heutigen Platz der Vereinten Nationen in Friedrichshain enthüllt. Entworfen wurde das 19 Meter hohe Monument zu Ehren des Erz-Revolutionärs vom russischen Bildhauer Nikolai Tomski, gehauen aus ukrainischem Granit und enthüllt vom DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht. Ursprünglich sollte das unübersehbare Gebilde noch von einem Bibliotheksbau von Hermann Henselmann in Form einer gerollten Fahne hinterfangen werden. Seit 1979 stand das Monument auf der Denkmalliste der DDR.

Unter ebenso viel Zustimmung wie großen Protesten wurde Lenin nach der Wende von der Denkmalliste gestrichen, 1991 demontiert und in seinen 129 Einzelteilen in einer Sandgrube unter die Erde gebracht. Seit 2009 wird wieder lebhaft über das Monument diskutiert – ob man es ganz oder in Teilen wieder zum mahnenden Gedenken neu präsentieren solle. Manche sahen das Denkmal lieber ganz unter, manche lieber ganz über der Erde. Schließlich stimmte der Senat zu, den symbolträchtigen Kopf an der Berliner Zitadelle auszustellen. Für Herbst 2015 sind nun die Bergungsarbeiten angesetzt. Vorausgesetzt, es wird eine gute Lösung für die geschützten Zauneidechsen gefunden, die sich in besagter Sandgrube mit dem steinernen Revolutionär sehr wohl fühlen. (kb, 3.8.15)