Hamburg-Veddel: Abriss abgewendet

Die späten 1920er Jahre brachten für viele deutsche Städte neuen Schwung in den sozialen Wohnungsbau. Von Frankfurt bis Hamburg entstanden Siedlungen für die breite Masse der Bevölkerung. In der Hansestadt stellte der Werkbund-Mitbegründer Fritz Schumacher als Stadtplaner die Weichen für zeitgemäßes Wohnen. Auf der Veddel wurde von den Architekten Willy Berg und Max Paasche eines der ersten städtischen Wohngebäude für Hafenarbeiter errichtet, das über fließendes Warmwasser verfügte – daher stammt auch die heute noch gängige Bezeichnung „Warmwasserblock“.

Obwohl die Wohnanlage 2015 vom kommunalen Wohnungsunternehmen SAGA erworben wurde, diskutierte man im Sommer 2018 öffentlich über den Abriss. Doch es kam anders. Ende 2018 wurde die Siedlung als Kulturdenkmal eingestuft. Damit waren die Abrisspläne zwar nicht vom Tisch, doch Bewohner und Öffentlichkeit engagierten sich für den Erhalt. Wie die Stadt Hamburg kürzlich in einer Pressemitteilung bekannt gab, sei es nun gelungen, einen für alle Beteiligten tragbaren Kompromiss zu finden. Statt des Abrisses steht nun eine denkmalgerechte Sanierung an. (mk, 20.3.20)

Hamburg-Veddel, Warmwasserblock (Bild: historische Abbildung, PD)

Sanierung der Oper Köln wird teurer

Ist die Kölner Oper der neue BER? Nachdem im Mai schon über die zu erwartende Kostensteigerung und Bauzeitverlängerung spekuliert worden war, ist es nun offiziell: Die Stadt bestätigt, dass die Sanierung der Bühnen Köln im schlechtesten Fall 565 Millionen Euro kosten und bis zum März 2023 dauern wird. Im Juli 2015 hatte man die geplante Wiedereröffnung kurzfristig absagen müssen. Dem zuständigen Ingenieurbüro wurde daraufhin gekündigt, ein Nachfolger fand sich erst im April diesen Jahres.

Was würde der Architekt Wilhelm Riphahn wohl dazu sagen? Zwischen 1957 bis 1962 wurde das inzwischen denkmalgeschütze Ensemble aus Opernhaus, Schauspielhaus und Opernterrassen am Offenbachplatz nach seinen Plänen errichtet. Seither prägt es das Stadtbild und bietet Raum für Kultur – innen wie außen. Die aktuellen Pläne zur denkmalgerechten Sanierung von HPP Architekten machen eigentlich auch einen vielversprechenden Eindruck. Eine Kinderoper soll entstehen, Sitze sollen mit neuen Bezügen in taubenblauem Samtvelours restauriert werden, sogar Proben von den originalen Wandanstrichen habe man entnommen – wie 2015 berichtet wurde. Nun werden wir leider noch einige weitere Jahre auf die dann hoffentlich spektakuläre Eröffnung waren müssen. Bis dahin können wir die zauberhafte Opernarchitektur zumindest in Bildern der Fotografin Anja Schlamann „erleben“. (df, 12.7.17)

Bühnen Köln (© Raimond Spekking/CC BY SA 3.0 (via Wikimedia Commons))

Landtag Stuttgart: Fischer zu Linde

Landtag Stuttgart: Fischer zu Linde

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Das Stuttgarter Landtagsgebäude wurde saniert (Bild: Landtag von Baden-Württemberg)

Seit 2013 residiert der Landtag von Baden-Württemberg im Stuttgarter Kunstgebäude. Der Tagungsort war jedoch nur ein Provisorium, Grund waren Sanierung und Umbau des eigentlichen Parlamentsgebäudes. Nun steht der Rückzug in den angestammten Sitz des hohen Hauses an. Damit verbunden ist ein Umzug von der Früh- zur Nachkriegsmoderne: statt im mit einer Kuppel versehenen Kunstgebäude, das 1910-1913 nach Plänen Theodor Fischers entstand, tagt der Landtag künftig wieder in Horst Lindes flachgedecktem Landtagsgebäude, das 1961 fertiggestellt wurde.

Seit 2013 wurde der Nachkriegsbau modernisiert. Die Arbeiten erfolgten in Abstimmung mit dem Denkmalschutz, so dass die indizierte Transparenz und die schlichte Eleganz der Nachkriegszeit erhalten  blieb. Eine große Veränderung erfuhr jedoch der Plenarsaal, der zuletzt etwas düster wirkte. So blieb die Holzvertäfelung zwar erhalten, ist farblich jedoch deutlich heller als ihr Vorgänger. Zudem wurde das Dach über dem Saal zu einer Lichtdecke umgestaltet, die Tageslicht auf die Sitze der Abgeordneten fallen lässt. Ob mancher von ihnen dennoch Fischers Kuppel vermissen wird, bleibt abzuwarten. (jr, 7.5.16)