Adieu Landesdenkmalrat?

Der „Entwurf eines Gesetzes zur Neufassung des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande Nordrhein-Westfalen“ (Reinhard Mey summt im Hintergrund leise mit …), kurz Denkmalschutzgesetz-Entwurf NRW, liegt vor. Und der Verband Deutscher Kunsthistoriker, kurz VDK, is not amused. So zumindest liest sich die gestrige Stellungnahme des VDK: „Die Attraktivität der Arbeit in der Denkmalpflege droht […] deutlich geschwächt zu werden, womöglich erheblichen Schaden zu nehmen.“ Konkret geht es dem Berufsverband um die Partizipation, die Teilhabe an Denkmalpflege-Entscheidungen.

Im Detail kritisiert der VDK vier Punkte: 1) Für Bodendenkmäler würden künftig andere Regeln gelten als für Baudenkmäler. 2) Für Denkmäler sollen Kriterien und Materialien ins Spiel kommen wie sonst nur für Neubauten. 3) Seit 1980 im Gesetz vorgesehen, aber nie eingeführt, würde der Landesdenkmalrat nun endgültig gestrichen – und damit eine offene, fachlichen Teilhabe. 4) Aus der jetzigen formellen Benehmensherstellung zwischen den Unteren Denkmalbehörden und den Fachämtern der Landschaftsverbände (LVR/LWL) würde eine schlichte Anhörung. Damit würde die Stimme der dafür ausgebildeten, nicht an kommunale Interessen gebundenen Fachleute geschwächt. Und der Beruf des Denkmalpflegers könnte in NRW künftig an Reiz verlieren. (kb, 2.7.20)

„Lange Bank“ der Berlin-Coblenzer Eisenbahn im Marburger Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Bild: Reinhard Dietrich, PD, 2010)

Auf der Roten Liste

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. hat sein Projekt „Rote Liste“ gestartet. Als „Denkmalgewissen für Deutschland“ präsentiert die Website Denkmäler, die in Gefahr geraten oder akut bedroht sind – sei es durch Abriss oder durch Umbauten. Im Portrait wird das Objekt samt seinen Hintergründen und die aktuelle, oft komplexe Situation aufgezeigt. „Der Verband ist überzeugt, dass in allen vorgestellten Fällen zugunsten des Denkmals entschieden werden kann. Wie beim Naturschutz halten wir die Bedrohung für menschengemacht und verhinderbar; daher wollen wir kritisch auf Verhaltens- und Argumentationsmuster aufmerksam machen und die Kolleg*innen der Denkmalpflege stärken“, sagt mR-Mitbegründer Dr. Martin Bredenbeck, Vorstandsmitglied für die Berufsgruppe Denkmalpflege zur Zielrichtung. Prof. Dr. Iris Wenderholm, Zweite Vorsitzende des Verbandes, hebt die Reichweite hervor: „Die Rote Liste wird deutschlandweite Beispiele präsentieren. Sie profitiert vom Mitmachen engagierter Bürger*innen, die uns ihre Vorschläge machen (…).“

Unter den ersten vorgestellten Bauwerken sind die Kuranlagen Bad Neuenahr als Zeugnis der Klassischen Moderne in Rheinland-Pfalz, die Reste des 1844 errichteten Jüdischen Tempels in der Hamburger Poolstraße sowie das 1964 fertiggestellte Commerzbank-Hochhaus nahe des Hamburger Rathauses. Die Liste wird laufend erweitert, eine Redaktion und ein ehrenamtlicher Beirat wählen aus den eingereichten Vorschlägen die Veröffentlichungen aus. Hinweise sind hochwillkommen! (db, 23.12.19)

Hamburg, Commerzbank-Hochhaus (Bild: Georg HH, CC BY SA 3.0, 2006)

Die Stadt der Zukunft

Die Stadt der Zukunft

Das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71) wird 2017 abgerissen - Zwischennutzung unerwünscht (Bild: Hagen Stier)
Eines der Vortragsbeispiele: das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71), das 2017 abgerissen werden soll (Bild: Hagen Stier)

Seit mehr als einem Jahrzehnt schwelt die Debatte um Nutzen, Ziele, Inhalte und Instrumente des Denkmalschutzes. Insbesondere die Bauten der 1950-70er Jahre in den Stadtzentren werden mit den Ansprüchen an Effizienz, Behinderteneignung und Nachhaltigkeit überfordert. Längst wird der Denkmalschutz auch für Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse missbraucht. Immer mehr zählt dabei der Anmutszauber der Geschichte und nicht ihre ethische, politische und kritische Dimension. Das institutionalisierte Selbstverständnis, die Kriterien und obrigkeitsstaatlichen Verfahren der Denkmalämter sind nicht unumstritten, so dass eine wirkungsvolle Denkmalpflege ohne öffentliche Bewusstseinsbildung nicht mehr denkbar ist.

Dieser Diskussion möchte die Patriotische Gesellschaft von 1765 mit dem Symposium „Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft“, zu der sie 24. bis 25. Juni 2016 nach Hamburg einlädt, neue Impulse zu geben: Was kann und muss die heutige Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft leisten? Am ersten Tag der zweitägigen Konferenz werden die Probleme theoretisch ausgeleuchtet, der zweite Tag bietet im Rahmen von Workshops und Exkursionen einen Meinungsaustausch, was im Ergebnis zu einem abschließenden Thesenpapier führen soll. Anmeldungen zu den beiden öffentlichen Vorträgen sind per E-Mail unter info@patriotische-gesellschaft.de möglich, weitere Anmeldungsdetails für das ansonsten kostenpflichtige Symposium finden sich im Programm. (kb, 30.5.16)