Auf der Roten Liste

Der Verband Deutscher Kunsthistoriker e.V. hat sein Projekt „Rote Liste“ gestartet. Als „Denkmalgewissen für Deutschland“ präsentiert die Website Denkmäler, die in Gefahr geraten oder akut bedroht sind – sei es durch Abriss oder durch Umbauten. Im Portrait wird das Objekt samt seinen Hintergründen und die aktuelle, oft komplexe Situation aufgezeigt. „Der Verband ist überzeugt, dass in allen vorgestellten Fällen zugunsten des Denkmals entschieden werden kann. Wie beim Naturschutz halten wir die Bedrohung für menschengemacht und verhinderbar; daher wollen wir kritisch auf Verhaltens- und Argumentationsmuster aufmerksam machen und die Kolleg*innen der Denkmalpflege stärken“, sagt mR-Mitbegründer Dr. Martin Bredenbeck, Vorstandsmitglied für die Berufsgruppe Denkmalpflege zur Zielrichtung. Prof. Dr. Iris Wenderholm, Zweite Vorsitzende des Verbandes, hebt die Reichweite hervor: „Die Rote Liste wird deutschlandweite Beispiele präsentieren. Sie profitiert vom Mitmachen engagierter Bürger*innen, die uns ihre Vorschläge machen (…).“

Unter den ersten vorgestellten Bauwerken sind die Kuranlagen Bad Neuenahr als Zeugnis der Klassischen Moderne in Rheinland-Pfalz, die Reste des 1844 errichteten Jüdischen Tempels in der Hamburger Poolstraße sowie das 1964 fertiggestellte Commerzbank-Hochhaus nahe des Hamburger Rathauses. Die Liste wird laufend erweitert, eine Redaktion und ein ehrenamtlicher Beirat wählen aus den eingereichten Vorschlägen die Veröffentlichungen aus. Hinweise sind hochwillkommen! (db, 23.12.19)

Hamburg, Commerzbank-Hochhaus (Bild: Georg HH, CC BY SA 3.0, 2006)

Die Stadt der Zukunft

Die Stadt der Zukunft

Das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71) wird 2017 abgerissen - Zwischennutzung unerwünscht (Bild: Hagen Stier)
Eines der Vortragsbeispiele: das Hamburger Allianz-Hochhaus (1969-71), das 2017 abgerissen werden soll (Bild: Hagen Stier)

Seit mehr als einem Jahrzehnt schwelt die Debatte um Nutzen, Ziele, Inhalte und Instrumente des Denkmalschutzes. Insbesondere die Bauten der 1950-70er Jahre in den Stadtzentren werden mit den Ansprüchen an Effizienz, Behinderteneignung und Nachhaltigkeit überfordert. Längst wird der Denkmalschutz auch für Aufwertungs- und Verdrängungsprozesse missbraucht. Immer mehr zählt dabei der Anmutszauber der Geschichte und nicht ihre ethische, politische und kritische Dimension. Das institutionalisierte Selbstverständnis, die Kriterien und obrigkeitsstaatlichen Verfahren der Denkmalämter sind nicht unumstritten, so dass eine wirkungsvolle Denkmalpflege ohne öffentliche Bewusstseinsbildung nicht mehr denkbar ist.

Dieser Diskussion möchte die Patriotische Gesellschaft von 1765 mit dem Symposium „Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft“, zu der sie 24. bis 25. Juni 2016 nach Hamburg einlädt, neue Impulse zu geben: Was kann und muss die heutige Denkmalpflege für die Stadt der Zukunft leisten? Am ersten Tag der zweitägigen Konferenz werden die Probleme theoretisch ausgeleuchtet, der zweite Tag bietet im Rahmen von Workshops und Exkursionen einen Meinungsaustausch, was im Ergebnis zu einem abschließenden Thesenpapier führen soll. Anmeldungen zu den beiden öffentlichen Vorträgen sind per E-Mail unter info@patriotische-gesellschaft.de möglich, weitere Anmeldungsdetails für das ansonsten kostenpflichtige Symposium finden sich im Programm. (kb, 30.5.16)

Wolfsburg: Scharoun-Bau saniert

Wolfsburg: Scharoun-Bau saniert

Das Wolfsburger Theater ist dem Spätwerk Hans Scharouns zuzurechnen (Bild: Vanellus Foto)
Wird im Januar feierlich wiedereröffnet: das Theater in Wolfsburg (Bild: Vanellus Foto, CC BY SA 3.0)

In Wolfsburg werden diesertage die Sanierungsarbeiten am städtischen Theater fristgerecht abgeschlossen. Im Juni 2014 hatte das  Büro Brenne Architekten mit einer umfassenden Sanierung begonnen, nun wurde der Schlüssel feierlich an den Intendanten übergeben. Am 24. Januar 2016 soll das Theater dann mit einem Festakt offiziell wieder eröffnet werden. Es ist einer der letzten Bauten Hans Scharouns. Seine Eröffnung im Jahre 1973 erlebte der Architekt nicht mehr.

Nicht nur beim Zeitplan hielten sich die Sanierer an die Vorgaben. So kostete die Maßnahme die Stadt 32 Millionen Euro und liegt damit immer noch nah von den geschätzten Kosten von 30 Millionen. Im Zuge der Arbeiten wurde die Bühnentechnik modernisiert, ansonsten aber ein Zustand angestebt, der dem des Eröffnungsjahres 1973 entspricht. Als besonders aufwendig erwies sich die Sanierung der Wandverkleidung aus Eschenholzfurnier. Sie wurde behutsam von den insgeamt 1500 Quadratmetern Wandfläche abgenommen und nach der Sanierung wieder angebracht. (jr, 16.12.15)